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27.04.2015

Tschechiens Landwirte schauen optimistisch in die Zukunft

Ernteerträge und Ausfuhrerlöse steigen / Subventionen für Anschaffung von moderner Agrartechnik / Von Gerit Schulze

Prag (gtai) - Tschechiens Landwirtschaft hat ein gutes Jahr hinter sich. Die Ernteerträge waren 2014 überdurchschnittlich gut, die Gewinne sind kräftig gestiegen. Selbst die Exporte haben trotz Russland-Sanktionen zugelegt. Zugleich stellt der Staat den Agrarbetrieben mehr Geld zur Verfügung. Damit verbessern sich die finanziellen Spielräume für neue Anschaffungen von Landtechnik. Davon können deutsche Maschinenbauer profitieren, die schon 2014 gute Geschäfte in Tschechien machten.

Tschechiens Agrarbetriebe haben zurzeit mehrfach Grund zur Freude. Ihr Produktionswert hatte 2014 um 7% zugelegt und mit 136,6 Mrd. Tschechischen Kronen (Kc; 5 Mrd. Euro) einen neuen Rekord erreicht. Auch die Überschüsse der Landwirtschaft sind kräftig gestiegen. Sie erhöhten sich um fast 40% auf 22,8 Mrd. Kc (830 Mio. Euro, Jahreswechselkurs 2014: 1 Euro = 27,53 Kc) - ebenfalls ein neuer Bestwert. Grund für die guten Ergebnisse waren eine überdurchschnittliche Ernte, stabile Aufkaufpreise und höhere staatliche Subventionen. Die Abwertung der Landeswährung verschafft Preisvorteile auf den Auslandsmärkten, während sich Importe verteuern.

Auch der Export von Agrarprodukten konnte daher 2014 gesteigert werden. Der Ausfuhrwert kletterte um 6% auf 4,7 Mrd. Euro. Davon entfällt über 1 Mrd. Euro auf Getreide und Getreideerzeugnisse. Um ein Fünftel auf fast 500 Mio. Euro wuchsen die Exporte von Kaffee-, Tee-, Kakao- und Gewürzprodukten. Die Ausfuhren von Milchprodukten verzeichneten ein Plus von 6% auf knapp 800 Mio. Euro. Selbst auf dem wichtigen Absatzmarkt Russland, der nach Einführung der Moskauer Sanktionen für EU-Agrarprodukte wegzubrechen drohte, konnte Tschechien seine Verkäufe 2014 ausweiten. Das Exportvolumen dorthin stieg um 19% auf über 72 Mio. Euro, vor allem wegen einer stärkeren Nachfrage nach Tierfutter und Milchprodukten.

Positiv für die Agrarbranche ist auch, dass Tschechiens Regierung zusätzliches Geld für die Bauern bereitstellen will. Aus dem Staatshaushalt fließen 2015 rund 2 Mrd. Kc mehr in die Landwirtschaft als im Vorjahr. Zusammen mit EU-Subventionen bekommen die Landwirte damit fast 54 Mrd. Kc, kündigte das Agrarministerium an (Internet: http://eagri.cz). Nach dem Wegfall der Milchquotenregelung auf EU-Ebene seit 1.4.15 will Prag die staatlichen Subventionen pro Milchkuh um ein Viertel auf jährlich 3.500 Kc (knapp 130 Euro) erhöhen. Das Land fürchtet einen zunehmenden Druck auf die Milchpreise durch Lieferanten aus Polen, Deutschland und Österreich. Auch bei anderen Warengruppen wie Kartoffeln oder Obst hat der russische Importstopp für EU-Agrarprodukte zu einem Preisverfall geführt.

Millionenhilfen aus Brüssel für Kauf von Maschinen

Agrarminister Marian Jurecka fordert seit längerem eine größere Wertschöpfung in der Agrar- und Lebensmittelindustrie. Er will die Anteile der Rohfleisch- und Milchexporte zugunsten verarbeiteter Produkte verringern. Bei der Umstellung der Produktion sollen EU-Fördermittel helfen.

Sie könnten dem Absatz von Agrartechnik in Tschechien im Förderzeitraum 2014 bis 2020 erhebliche Impulse verleihen. Im EU-Programm "Ländliche Entwicklung" sind für Investitionen in das Anlagevermögen der Land- und Forstbetriebe 563 Mio. Euro Subventionen vorgesehen. Das Geld soll in Saat- und Erntetechnik, in Infrastruktur und in Verarbeitungskapazitäten für Agrarprodukte fließen. Die Betriebe können damit bis zu 40% (junge Unternehmen bis zu 60%) ihrer Ausgaben für neue Maschinen und Ausrüstungen erstattet bekommen. Die ersten Förderaufrufe starten nach Planung des Landwirtschaftsministeriums im September 2015.

Finanzielle Unterstützung bietet weiterhin das Regierungsprogramm Zemedelec ("Bauer"). Der Staat übernimmt die Zinszahlungen für Kredite zur Beschaffung von Agrartechnik, für den Bau von landwirtschaftlichen Gebäuden und den Kauf von Zuchttieren (http://www.pgrlf.cz/zemedelec/prg_zemedelec.php).

Zu den Pilotprojekten für eine effizientere Agrarproduktion gehört zurzeit der Aufbau eines Obstforschungszentrums in Holovousy bei Jicin. Außerdem hat das indische Unternehmen IG International Tschechien als Testgebiet für die Kirschzucht ausgewählt. Auf 40 Hektar in Nordböhmen will es 2015 die erste Ernte einfahren.

Agrarproduktion seit der Staatsgründung drastisch geschrumpft

Die landwirtschaftlich genutzte Saatfläche ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten kontinuierlich geschrumpft. Sie verkleinerte sich von 3,2 Mio. ha (1993) auf 2,5 Mio. ha im Jahr 2014. Das lag vor allem am Rückgang beim Kartoffel- und Roggenanbau. Ebenso stark gesunken ist der Tierbestand der Agrarbetriebe. Standen 1990 noch über 3,5 Mio. Rinder, Schweine, Schafe und anderes Vieh in den Ställen des heutigen Tschechiens, so waren es 2014 nur noch 1,4 Mio. Tiere. Die Zahl der Schweine ist auf ein Drittel zurück gegangen, die Rinderbestände haben sich halbiert. Zugleich hat sich die Effizienz der Produktion erhöht. Während die Aussaatfläche für Weizen seit 1993 nur um 7% gestiegen ist, kletterten die Ernteerträge um fast zwei Drittel.

Ausgewählte Kennziffern der tschechischen Landwirtschaft
1993 2000 2014 Veränderung 1993/14 in %
Aussaatfläche in 1.000 ha 3.200 3.000 2.500 -22
.davon Weizen 783 973 836 7
.Gerste 638 496 351 -45
.Mais 30 39 100 233
.Kartoffeln 105 69 24 -77
Viehbestand (ohne Geflügel), in 1.000 Stück 2.500 1.600 1.400 -44
.darunter Kühe 932 615 564 -39
.Schweine 4.600 3.700 1.600 -65
Geflügel, in 1.000 Stück 28.200 30.800 21.500 -24
.darunter Hennen 13.400 11.700 6.800 -49
Ernteerträge, in 1.000 t
.Weizen 3.300 4.100 5.400 64
.Gerste 2.400 1.600 2.000 -17
.Mais 157 304 832 430
.Hülsenfrüchte 227 85 54 -76
.Kartoffeln 2.400 1.500 700 -71
.Zuckerrüben 4.300 2.800 4.400 2
.Raps 377 844 1.500 298

Quelle: Tschechisches Statistikamt

Die Bruttoanlageinvestitionen der tschechischen Agrarunternehmen sind seit fünf Jahren in Folge gestiegen. Zuletzt erreichten sie 2014 einen Wert von 16 Mrd. Kc (+3% gegenüber 2013, umgerechnet 580 Mio. Euro). Von den Investitionen fließt in der Regel mehr als die Hälfte in Maschinen und Ausrüstungen für die Landwirtschaft.

Ausländische Lieferanten von Landtechnik spürten das gute Investitionsklima in Tschechiens Agrarsektor bereits 2014. Die Einfuhren von Landmaschinen der HS-Positionen 8432 bis 8437 sind um über 3% auf 395 Mio. Euro gestiegen. Das war der bislang zweithöchste Wert. In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Importvolumen damit verdoppelt. Deutschland gehört zu den bevorzugten Herkunftsländern für Agrarmaschinen.

Tschechische Einfuhr von ausgewählter Landtechnik (in Mio. Euro; Veränderung in %)
Maschinengruppe/HS-Code 2013 2014 Veränderung
Pflüge/8432.10 6,4 6,2 -3,1
.darunter aus Deutschland 2,0 1,9 -5,0
Scheibeneggen/8432.21 4,1 4,5 9,8
.darunter aus Deutschland 2,0 2,1 5,0
Sä-, Pflanz- und Setzmaschinen/8432.30 14,2 14,4 1,4
.darunter aus Deutschland 6,8 8,0 17,6
Stroh- und Futterpressen/8433.40 13,9 14,4 3,6
.darunter aus Deutschland 5,6 5,7 1,8
Mähdrescher/8433.51 40,9 43,0 5,1
.darunter aus Deutschland 24,7 29,0 17,4
Maschinen zum Ernten von Wurzeln oder Knollenfrüchten/8433.53 4,9 4,3 -12,2
.darunter aus Deutschland 4,6 3,9 -15,2
Feldhäcksler/8433.59 13,7 12,1 -11,7
.darunter aus Deutschland 7,3 7,5 2,7
Melkmaschinen/8434.10 2,0 0,6 -70,0
.darunter aus Deutschland 1,2 0,0 -100,0
Maschinen, Apparate und Geräte für die Futterbereitung/8436.10 6,8 12,7 86,8
.darunter aus Deutschland 2,1 2,4 14,3
Maschinen, Apparate und Geräte zum Reinigen, Sortieren oder Sieben von Körner- oder Hülsenfrüchten/8437.10 1,8 2,4 33,3
.darunter aus Deutschland 0,7 0,7 0,0
Brutapparate für Geflügelhaltung/8436.21 0,3 0,6 100,0
.darunter aus Deutschland 0,0 0,0 0,0

Quelle: Tschechisches Statistikamt

In den letzten Jahren hat sich die Inlandsproduktion von Landtechnik gut entwickelt. Nach Angaben des Ministeriums für Industrie und Handel (MPO) sind fast 300 Unternehmen in dieser Branche tätig (NACE 28.3, inklusive Reparaturbetriebe und selbstständige Einzelunternehmer). Sie erzielten 2014 nach vorläufigen Zahlen einen Umsatz von 14,8 Mrd. Kc (540 Mio. Euro). Größter Hersteller ist Agrostroj aus Pelhrimov im Bezirk Vysocina. Das Unternehmen sucht aufgrund der guten Auftragslage 200 bis 300 neue Beschäftigte für das Jahr 2015.

Auch der österreichische Landtechnik-Hersteller Pöttinger will seine Kapazitäten im südböhmischen Vodnany ausbauen. Bis 2016 sind Investitionen von knapp 20 Mio. Euro in zwei neue Werkhallen geplant. Anschließend sollen dort jährlich bis zu 4.000 Sämaschinen, Pflüge, Scheibeneggen und andere Bodenbearbeitungsgeräte produziert werden.

Eine gute Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mit tschechischen Geschäftspartnern ist die internationale Fachmesse Techagro. Sie findet im Zweijahresrhythmus auf dem Messegelände Brno statt. Nächster Termin: 3. bis 7.4.16 (http://www.bvv.cz/techagro).

(S.Z.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Tschechische Republik Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Pflanzenproduktion, Tierproduktion

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