Suche

30.09.2016

Tschechiens Wald soll mehr Wertschöpfung generieren

Regierung fördert Investitionen in Holzverarbeitung / Bislang dominiert Export von Rohholz / Von Gerit Schulze

Prag (GTAI) - Tschechien ist einer der größten Holzexporteure Europas. Doch über diesen Erfolg kann sich das Land kaum freuen, denn viel mehr Geld würde es mit der Verarbeitung des Rohstoffes verdienen. Darum versucht die Regierung, mit verschiedenen Programmen die Wertschöpfung in der Branche zu vergrößern. Sägewerke und Holzbearbeiter bekommen Finanzmittel, um neue Technologien und Produktionsausrüstungen anzuschaffen. Deutsche Maschinenbauer könnten davon profitieren. (Kontaktanschrift)

Seit drei Jahren steigt die Holzproduktion in Tschechien. Im Jahr 2015 haben die Forstbetriebe laut Statistikamt 16,2 Mio. cbm Holz geerntet. Wegen einer Borkenkäferplage musste der Einschlag allerdings außerplanmäßig erhöht werden. Doch auch ohne diesen Sondereffekt gehört Deutschlands Nachbarland zu den acht größten Produzenten in der EU. Bislang wird der natürliche Reichtum häufig nach dem Einschlag ins Ausland verschickt. Das Exportvolumen bei Rohholz (SITC-Kategorie 247) hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Allein 2015 wurden Auslandserlöse von fast 340 Mio. Euro erzielt. Ähnlich hoch ist der Ausfuhrwert in der Kategorie 248, in die einfach bearbeitetes Holz fällt, zum Beispiel Eisenbahnschwellen.

Mehr als die Hälfte der Rohholzexporte ging in den vergangenen drei Jahren nach Österreich, wo laut tschechischen Medienberichten ungenutzte Kapazitäten in den Sägewerken bestehen. Weitere 43% nahmen Holzverarbeiter in Deutschland ab. Bei leicht bearbeitetem Holz (vorgesägt, geschält oder profiliert) ist die Abnehmerstruktur etwas vielfältiger. Hier ging im Zeitraum 2013 bis 2015 ein Viertel des Ausfuhrwertes nach Deutschland, weitere 18% nach Österreich und je 8% in die Slowakei und sogar nach Japan. Auch Italien und Polen sind wichtige Abnehmer.

Dem mährischen Consultingunternehmen Apicon zufolge könnte Tschechiens Wirtschaftsleistung jährlich um 1,3 Mrd. Euro steigen, wenn die Verarbeitungstiefe in der Holzwirtschaft ausgeweitet wird. Der Regierung ist die geringe Wertschöpfung ein Dorn im Auge. Sie arbeitet an einem Programm, um die Verarbeitungsbetriebe zu mehr Investitionen zu animieren. Geplant ist unter anderem, den Sägewerken feste Holzkontingente durch den staatlichen Forstbetrieb Lesy CR zuzusichern.

Zinszuschüsse für Investitionen in neue Anlagen

Über den Garantiefonds für den Agrar- und Forstsektor PGRLF hat das Landwirtschaftsministerium bereits 2015 ein Förderprogramm für die holzverarbeitende Industrie gestartet. Es übernimmt einen Teil der Zinskosten bei Investitionen in neue Ausrüstungen in den Sägewerken, für Technologien in Holzlagern, für Anlagen zur Imprägnierung, zum Trocknen von Schnittholz, zur Produktion von Furnierholz oder von Verkleidungen auf Papierbasis. Außerdem können Hersteller von Sperrholz, Schichtholz, Grobspan- und Faserplatten sowie von Brennstoff aus Holz (Pellets) Zinszuschüsse beantragen. Förderberechtigt sind kleine und mittlere Unternehmen bis 250 Beschäftigte und 50 Mio. Euro Jahresumsatz sowie kommunale Betriebe, die in den Bereichen NACE 16.10 (Säge-, Hobel- und Holzimprägnierwerke) oder NACE 16.21 (Produktion von Furnier-, Sperrholz-, Holzfaser- und Holzspanplatten) tätig sind.

Weitere Finanzhilfen stehen aus dem EU-Programm zur Entwicklung des ländlichen Raumes bereit. Dieses stuft unter der Maßnahme 8.6.2. die technische Ausstattung der holzverarbeitenden Betriebe als förderwürdig ein. Bis Mitte Juni 2016 gab es 47 Antragsteller; die meisten wollen ihre Sägekapazitäten modernisieren und Anlagen zur Holzbearbeitung anschaffen. Die Projekte sind beim Staatlichen Agrarinterventionsfonds SZIF einsehbar: http://www.szif.cz/cs/prv2014-aktuality. Ab Oktober 2016 können Unternehmen weitere Förderanträge einreichen.

Neben finanzieller Unterstützung will die Regierung das Interesse am Werkstoff Holz erhöhen. Ein Problem für die einheimischen Holzverarbeiter ist die vergleichsweise geringe Nachfrage auf dem Binnenmarkt. Besonders in der Bauwirtschaft wird der Naturrohstoff seltener verwendet als in westlichen Industrieländern.

Das ändert sich allerdings langsam. Der Verband der Fertighauslieferanten ADMD rechnet damit, dass der Anteil von Holzhäusern beim Eigenheimbau von heute 10% auf 20% im Jahr 2030 steigt. Schon 2015 wurden in Tschechien laut ADMD fast 1.400 Einfamilienhäuser aus Holz gebaut - so viele wie nie zuvor.

Möbelindustrie boomt dank starker Exporte

Hoffnungen der Holzverarbeiter ruhen auch auf der Möbelindustrie, die sich in den letzten Jahren vor allem dank der Exporte positiv entwickelt hat. Das Ausfuhrvolumen erreichte 2015 den Rekordwert von 3 Mrd. Euro (SITC 821). Auch das Inlandsgeschäft boomt dank der positiven Konsumstimmung. Angesichts der guten Geschäftslage erweitern die Möbelhersteller ihre Kapazitäten. Hranipex will die Möbelkantenproduktion bei Humpolec hochfahren. Stuhlspezialist LD seating investiert 2016 über 2 Mio. Euro.

Rund die Hälfte des tschechischen Waldbestandes gehört der staatlichen Forstgesellschaft Lesy CR. Das Unternehmen erntete 2015 rund 7,7 Mio. cbm Holz. Die übrigen Waldflächen gehören den Gemeinden (17%), anderen staatlichen Organisationen (10%), der Kirche (3%) und zu 22% privaten Eigentümern.

Die Holzverarbeitung ist häufig in der Hand deutscher und österreichischer Investoren. Im Frühjahr 2016 hatte die Tiroler Pfeifer Holz die westböhmische Holzindustrie Chanovice von der deutschen Haas Group übernommen. Dort verarbeiten 350 Beschäftigte pro Jahr rund 500.000 Festmeter Holz zu Massivholzplatten, Konstruktions- und Brettschichtholz sowie Pellets.

Das größte Sägewerk gehört der Mayr-Melnhof Holz Gruppe und steht im nordmährischen Paskov: Jährlich werden 1,10 Mio. Festmeter Nadelholz verarbeitet und überwiegend in das benachbarte Zellstoffwerk Biocel Paskov gebracht. Weitere große Holzabnehmer sind Stora Enso Wood Products Zdirec, die Papierfabrik Mondi Steti, Kronospan CR, die Sägewerke Lukavec (Bezirk Vysocina) und Javorice (Bezirk Olomouc) sowie Less & Timber. Das Unternehmen plant für 2,8 Mio. Euro im mittelböhmischen Caslav eine neue Leimholzproduktion für den Fenster- und Türenbau.

Im nordböhmischen Steti plant Labe Wood den Bau eines über 70 Mio. Euro teuren Sägewerks, das die nahe gelegene Papierfabrik des Mondi-Konzerns versorgen soll. Labe Wood gehört mehrheitlich zur österreichischen Holzindustrie Maresch. Die polnische Firma Martyna will im mährisch-schlesischen Karvina Gartenmöbel aus Holz produzieren und hat dafür über 20 Mio. Euro vorgesehen.

Durch die Maßnahmen könnte auch Tschechiens Markt für Holzbearbeitungsmaschinen Impulse bekommen. Die Importe waren 2015 in wichtigen Kategorien deutlich angestiegen, wovon besonders deutsche Maschinenbauer profitierten. In der 1. Jahreshälfte 2016 lagen die Einfuhrvolumina allerdings unter dem Vorjahresniveau.

Importe von Holzbearbeitungsmaschinen nach Tschechien (in Mio. Euro)
Maschinentyp (HS-Code) 2014 2015 Januar bis Juli 2016 Veränderung *)
Holzbearbeitungsmaschinen, kombiniert (8465.10) 8,0 17,9 3,5 -68,9
.davon aus Deutschland 6,5 13,4 2,6 -72,3
Sägemaschinen (8465.91) 10,4 17,4 8,6 1,2
.davon aus Deutschland 3,3 6,3 1,9 -30,9
Hobel-, Fräs- und Kehlmaschinen (8465.92) 6,1 7,5 3,0 -35,9
.davon aus Deutschland 2,3 3,6 1,5 -20,1
Schleif- und Poliermaschinen (8465.93) 1,9 2,6 1,4 17,1
.davon aus Deutschland 0,9 0,7 0,4 -3,5
Bohr- und Stemmmaschinen (8465.95) 6,9 4,7 1,8 -31,4
.davon aus Deutschland 3,3 0,7 0,4 47,6
Spalt-, Hack- und Schälmaschinen (8465.96) 7,9 6,5 3,1 -21,2
.davon aus Deutschland 1,5 1,1 0,1 -82,1
Kettensägen (8467.2210) 3,8 3,6 2,5 -1,6
.davon aus Deutschland 0,9 0,5 0,4 43,2
Kreissägen (8467.2230) 2,7 4,0 2,9 19,8
.davon aus Deutschland 0,5 0,8 1,0 89,0

*) Januar bis Juli 2016/Januar bis Juli 2015 in %

Quelle: Tschechisches Statistikamt

Kontaktanschrift:

Asociace lesnickych a drevozpracujicich podniku

(Verband der Forst- und Holzverarbeitungsbetriebe, ALDP)

Geschäftsführer: Ing. Zdenek Musil

U Uranie 954/18, 170 00 Praha 7

Tel.: 00420/602 24 48 25

E-Mail: zdenek.musil@aldp.cz, Internet: http://www.aldp.cz

(S.Z.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Tschechische Republik Holz, Möbel, Papier, Pappe, allgemein, Holzbearbeitungsmaschinen

Funktionen

Regina Wippler Regina Wippler | © GTAI

Kontakt

Regina Wippler

‎+49 228 24 993 416

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche