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12.10.2017

Ungarn investiert in die Bahninfrastruktur

Strecken sollen modernisiert und ausgebaut werden / Tender für Teilabschnitt im November 2017 erwartet / Von Waldemar Lichter

Budapest (GTAI) - Ungarn will seine Investitionen zur Entwicklung und Modernisierung der Eisenbahninfrastruktur verstärken. Damit soll die Basis für eine weitere Steigerung des Außenhandels des Landes gestärkt werden. Geplant sind die Erneuerung der Gleisanlagen und die Beschaffung neuer Züge. Unterstützt werden aber auch grenzüberschreitende Vorhaben vor allem mit Rumänien, Slowenien und Serbien.

Die ungarische Regierung will bis zum Jahr 2020 umgerechnet 4,8 Milliarden Euro in die Entwicklung der Bahninfrastruktur des Landes investieren. Das sagte Ungarns Minister für auswärtige Angelegenheiten und Handel Peter Szijjarto bei einer Konferenz der Hungarian Railway Association Hunrail Anfang Oktober 2017 in Budapest. Geplant seien die Modernisierung von 900 Bahnstreckenkilometern und die Inbetriebnahme neuer Züge. Zu den bestehenden Kapazitäten im Personenverkehr würden 45.000 Sitzplätze hinzukommen, so Szijjarto. Das elektrifizierte Streckennetz werde sich in den nächsten Jahren auf 3.300 Kilometer erhöhen.

Anbindung an slowenischen Hafen Koper

Nach Angaben des Außenministers werden die Verhandlungen mit dem Nachbarn Slowenien über die Entwicklung der Bahninfrastruktur in Richtung des Adriahafens Koper fortgesetzt. Diese wäre wichtig, um der ungarischen Wirtschaft künftig einen besseren Zugang zum Mittelmeer zu gewähren. Die slowenische Regierung verfolgt derzeit über die staatliche Projektgesellschaft 2TDK ein wichtiges, aber wegen seiner hohen Kosten umstrittenes Vorhaben zum zweigleisigen Ausbau der bestehenden eingleisigen Strecke zwischen dem Bahnknotenpunkt Divaca im Küstenhinterland und Koper.

Bei einer Volksabstimmung in Slowenien Anfang Oktober 2017 sprach sich eine Mehrheit für die Realisierung des Projekts aus. Der Ausbau der 27 Kilometer langen Strecke, der notwendig wäre, um dem Hafen Koper und dem slowenischen Logistiksektor bessere Entwicklungsperspektiven zu eröffnen, würde schätzungsweise 1,4 Milliarden Euro kosten. Bereits im Frühjahr 2017 hatte Szijjarto die Bereitschaft der ungarischen Regierung signalisiert, das Vorhaben mit einer eigenen Investition von 200 Millionen Euro zu unterstützen.

Modernisierung der Bahnlinie Budapest-Belgrad

Ein großes grenzüberschreitendes Bahnprojekt, bei dem Ungarn eine wichtige Rolle zukommt, ist die geplante Modernisierung der Strecke Budapest-Belgrad. Geplant sind ein zweigleisiger Ausbau und die Elektrifizierung der Bahnlinie, die weiter zum Hafen Piräus in Griechenland führen wird. Der Tender für die Modernisierung des ungarischen Abschnitts (166 Kilometer) könnte nach Worten von Szijjarto im November 2017 ausgeschrieben werden. Die Kosten für diese Teilstrecke werden von der ungarischen Regierung auf rund 1,5 Milliarden Euro geschätzt.

Erwogen werden außerdem Projekte zur Verbesserung des Passagierverkehrs per Bahn von Ungarn nach Kroatien, Bosnien und Herzegowina sowie Rumänien, aber auch in die Ukraine und die Slowakei. Mit Kroatien und Bosnien und Herzegowina werde über den Passagierverkehr zwischen Budapest und Sarajewo, mit Rumänien über eine Schnellbahntrasse nach Bukarest verhandelt, erklärte der Minister. Szijjarto kündigte außerdem ein Projekt für eine Express-Bahnstrecke zwischen der ungarischen Hauptstadt Budapest und der rumänischen Stadt Cluj-Napoca (Klausenburg) an. Diese Teilstrecke der Bahnlinie zwischen Budapest und Bukarest werde als erste einer Modernisierung unterzogen. Weitere Einzelheiten zu dem Projekt wurden nicht bekanntgegeben.

Entwicklung und Prognosen für den ungarischen Bahngüterverkehr (2014 bis 2021, Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %)
2014 2016 2017 2019 2021
Güterverkehr in Mio. t 50,6 54,6 56,4 59,7 63,4
.Veränderung 3,1 8,5 3,3 3,1 3,0
Güterverkehr in Millionen Tonnenkilometern 10,2 10,7 11,0 11,7 12,4
.Veränderung 4,5 6,5 3,4 3,1 3,1

Quelle: Business Monitor International, Eurostat

(W.L.)

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