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14.01.2016

Ungewisse Zukunft für den kongolesischen Bergbau

Starker Abfall des Kupferpreises / Erste Minenschließung angekündigt / Von Carsten Ehlers

Lubumbashi (gtai) - Nach einem etwa zehn Jahre währenden Boom brechen für den Bergbau der DR Kongo nun ungewisse Zeiten an. Bereits seit 2013 fällt der Goldpreis stetig. Nun hat auch der Kupferpreis eine kritische Grenze erreicht. Eine Mine hat bereits ihre vorüber gehende Schließung angekündigt. Die Nachfrage nach Bergbaumaschinen dürfte darunter ebenso leiden wie der Bedarf an Dienstleistungen. Kreative Lösungen, die die Kosten der Minen senken, dürften hingegen auf offene Ohren stoßen.

Der Bergbau, insbesondere der Abbau von Kupfer in Katanga, ist einer der wichtigsten Einnahmequellen der DR Kongo. Durch den zuletzt erfolgten Preisabfall von Kupfer und Gold blickt der Sektor nun auf schwierige Zeiten. Glencore hat 2015 verkündet, seine Kamoto-Mine für 18 Monate zu schließen, angeblich um sie mit neuer Technologie für etwa 900 Mio. US$ auszustatten. In Katanga besteht die Befürchtung, dass weitere Minen ihre Tore schließen werden oder ihre Produktion einschränken. Andere Bergbauexperten sind der Meinung, dass die kongolesischen Minen weltweit die letzten sind, die schließen. Während in Chile, dem weltgrößten Kupferhersteller, die Konzentration gerade einmal bei maximal 0,5% liegt, erreicht sie in der DR Kongo mit 3 bis 7% ein Vielfaches davon und ermöglicht so eine äußerst günstige Produktion.

Dennoch ist die Stimmung in Katanga derzeit angespannt. In Lubumbashi, der Hauptstadt der Provinz, bleiben seit Sommer 2015 viele Hotels leer, Bergbaugesellschaften ziehen teilweise ihre Expats ab. Leiden tut auch der Dienstleistungssektor zum Beispiel in den Bereichen Logistik und Reparatur, der sich um den Bergbau herum angesiedelt hat. Nicht zuletzt für die Regierung ist der Abfall des Kupferpreises von hoher Bedeutung. So besteht die Gefahr deutlich geringerer Deviseneinnahmen. Die Gelder aus dem Kupferbergbau sind für die DR Kongo eine wichtigere Einnahmequelle als die Steuern des Landes.

Trotz Krise sind weitere Großprojekte geplant

Noch bis vor kurzem boomte der Kupferbergbau. Ab etwa 2005 flossen Milliarden-US-Dollar-Beträge in die Wiederinstandsetzung alter Minen sowie in den Bau neuer Minen. Erstmals 2013 hat die DR Kongo (942.000 t) Sambia (915.000 t) als Afrikas größten Kupferproduzent überholt. 2014 wurden 1,04 Mio. t erreicht. Auch sind immer noch weitere Großprojekte im Gespräch. Größtes geplantes Kupferprojekt ist die Ausbeutung der Kamoa-Vorkommen. Das Projekt wird mit 2,5 Mrd. US$ veranschlagt, Konzessionär ist Ivanhoe Mines. Chinas Zijin Mining strebt eine 15%ige Beteiligung an. Kamoa gilt als Afrikas größtes "high grade"-Kupfervorkommen. Es wird eine Produktionskapazität von zunächst 300.000 jato angestrebt. Ivanhoe hat mit dem staatlichen Stromversorger Snel ein Abkommen über die Instandsetzung zweier existierender Wasserkraftwerke geschlossen, die die Mine mit Strom versorgen sollen.

Aus deutscher Sicht bietet der kongolesische Bergbau trotz getrübter Stimmung weiterhin Chancen bei der Lieferung von Bergbautechnik oder der Bereitstellung von Dienstleistungen. Macht Glencore seine Ankündigung wahr und investiert in neue Technologie, dürften daraus zahlreiche Lieferchancen erwachsen. Auch das Leasing von Gerät oder die Instandhaltung von gebrauchten Maschinen dürften gefragt sein. Angesichts der fallenden Rohstoffpreise dürften die Minen ein verstärktes Interesse daran haben, ihre Kosten zu senken. Dies kann wie im Falle von Glencore über die Beschaffung neuer Technologie erreicht werden. Aber auch für andere kreative Lösungen dürften die Minenbetreiber offene Ohren haben.

Ebenfalls interessant ist die Energieversorgung der Minen. So plant unter anderem das deutsche Beratungsunternehmen Evagor GmbH zusammen mit der kongolesischen Gécamines den Bau eines Kohlekraftwerkes in Katanga. Dieses soll die Kohle von einer nahe gelegenen Mine beziehen und den Strom an die Bergbauunternehmen verkaufen. Snel kann den Minen die insgesamt benötigten 900 MW nicht liefern, stattdessen nur 400 MW. Jede Mine muss sich daher um seine eigene Stromversorgung kümmern. Es werden in großen Mengen teure Dieselgeneratoren installiert und Strom aus dem benachbarten Sambia importiert.

Die Zulieferung mit Bergbautechnik erfolgt für die Kupferminen in Katanga fast ausschließlich über Durban/Johannesburg in Südafrika und für die Goldminen im Osten des Landes über Mombasa (Kenia) oder Daressalam (Tansania). Die großen Zulieferverträge für die Kupferminen werden nicht von Katanga aus gemacht, sondern in den Konzernzentralen der internationalen Minengesellschaften in London, der Schweiz oder den USA. Kleinere Arbeiten jedoch werden lokal vergeben. Dabei gilt: Wer von Minen in Katanga Aufträge erhalten möchte, sollte dort auch präsent sein und nicht von Sambia aus operieren. Die Grenze ist zwar offen, allerdings spielen persönliche Beziehungen eine extrem große Rolle. In Lubumbashi haben sich insbesondere südafrikanische Bergbaudienstleister angesiedelt. Sie könnten für deutsche Zulieferer einen ersten sinnvollen Kontakt darstellen.

Ausgewählte größere Kupferminen beziehungsweise deren Konzessionäre in der DR Kongo (Stand: September 2015)
Mine (Konzessionär) Geschätzte Produktion von Kupfer 2014 (in t) Anmerkungen
Katanga Mining (KML; Glencore) 300.000 KML betreibt die Kamoto-Untertagemine (KCC) sowie die KOV-Mine (offener Tagebau). Kamoto wird für 18 Monate seine Produktion einstellen.
Mutanda Mining (Glencore/seit 2013: Fleurette Group) 197.000 Glencore hat bis 2012 rund 650 Mio. US$ in die Erweiterung der Mutanda-Mine investiert.
Tenke Fungurume (TFM; Lundin Mining Corp. und Freeport McMoran Copper & Gold) 202.000
Kinsevere (95% gehört der chinesischen Minmetals über deren Tochter MMG) 68.000 Verarbeitung an der Mine mit SX-EW-Anlage
Boss Mining (ENRC aus Kasachstan) 117.000 Kakanda, Luita und Lubumbashi sind die drei Minenstandorte von Boss Mining
Frontier (Eurasian Natural Resources Corporation (ENRC)) 40.000
Ruashi Mining (gehört seit 2011 der chinesischen Jinchuan über deren Tochter Metorex) 34.534
Kipoi (Tiger Resources, Australien) 25.000 Tiger hat 2014 die 40%-Anteile von Gécamines gekauft.

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Noch immer wird der Transport der Kupferkathoden per Lkw über den Hafen von Durban (Südafrika) abgewickelt. Als neue deutlich kostengünstigere Alternative könnte bald auch eine Bahnverbindung über Angola hinzukommen. Anfang 2015 ist die Eisenbahngrenzbrücke zwischen Angola und der DR Kongo am Luau-Fluss eröffnet worden. Sie ist ein wichtiges Teilstück der bereits seit 1929 bestehenden circa 1.350 km langen so genannten Benguela-Eisenbahntrasse. Die kongolesischen Kupferproduzenten könnten ihre Erze wie schon in den 1970er Jahren über diese Linie ausführen, an deren Ende sich der angolanische Hafen Lobito befindet.

Neues Bergbaugesetz lässt weiter auf sich warten

Neben dem Kupferbergbau spielen auch die Goldminen im Osten des Landes eine für den Bergbau des Landes wichtige Rolle. Vor allem durch die nahe der kongolesisch-ugandischen Grenze gelegene Kibali-Goldmine (Region Kilo-Moto) von Randgold Resources und AngloGold Ashanti ist die Goldproduktion der DR Kongo in den vergangenen Jahren nach oben geschossen. Kibali hat 2015 erstmals die volle Produktion von 600.000 Unzen erreicht. Die Verschiffung wird über Mombasa (Kenia) abgewickelt. 2014 wurde die Goldproduktion des Landes auf etwa 16 bis 18 t geschätzt. Weitere in Produktion befindliche Minen sind Twangiza und Namoya von Banro in der Kivu-Provinz. Die Namoya-Mine hat mit seiner Produktion 2013 begonnen und soll auf eine Produktionsmenge von etwa 130.000 Unzen pro Jahr kommen. Mongbwalu von AngloGold Ashanti hat hingegen die Produktion eingestellt.

Darüber hinaus gibt es in der DR Kongo noch Diamantenbergbau in der Provinz Kasai-Oriental rund um die in den letzten Jahren stark gewachsene Bergbaustadt Mbuji-Mayi sowie den Abbau von Koltan in der politisch äußerst instabilen Kivu-Region. Während Kupfer, Kobalt und zum großen Teil auch Gold durch große Minengesellschaften abgebaut werden, läuft der Diamanten- und Koltanbergbau vor allem unorganisiert, teilweise auch illegal ab und trägt gerade in letzterem Fall maßgeblich zu sozialen Spannungen im Lande bei. In Kivu könnten sich laut Schätzungen etwa 70% der weltweiten Koltanreserven befinden. Koltan wird vor allem für Handys und chirurgische Instrumente verwendet. Auch bei weiteren seltenen Erden werden die Vorkommen in der Kivu-Region sehr hoch geschätzt.

Bereits seit 2012 warten die im Kongo aktiven Unternehmen auch auf die neue Fassung des Bergbaugesetzes. Derzeit gibt es nur einen Entwurf, der unter anderem die Erhöhung der Abgaben an den Staat (Royalties) sowie die Verkürzung der Minenlizenzen von 30 auf 25 Jahre vorsieht. Der Staat will darüber hinaus seinen Pflichtanteil wohl von 5 auf 35% erhöhen. Diese Vorstellungen stammen erkennbar noch aus der Zeit hoher Rohstoffpreise. Unter den jetzigen Umständen dürfte es schwer sein, ein solches Gesetz im Einklang mit den Bergbaugesellschaften durchzusetzen. Vor den geplanten Wahlen im November 2016 ist nicht mehr mit einer Einführung zu rechnen.

(C.E.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kongo, Demokratische Republik Mineralische Rohstoffe, Edelsteine, Erze, Bergbaumaschinen, Geo-Bohrtechnik, Schienenverkehr, Strom-/ Energieerzeugung, Fossile Energien

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