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12.10.2018

Usbekistan investiert 300 Millionen US-Dollar in Kfz-Industrie

Sparte Nutzfahrzeuge ist Anlageschwerpunkt / Von Uwe Strohbach

Taschkent (GTAI) - Usbekistans Fahrzeugindustrie wird in den kommenden Jahren breiter aufgestellt. Mehrere ausländische Fahrzeugbauer mischen die Branche neu auf.

Usbekistans Fahrzeugkonzern, die staatliche Aktiengesellschaft für die Kfz-Industrie, O´zavtosanoat, will von 2018 bis 2021 zehn Investitionsvorhaben realisieren. Die Projekte haben einen Wert über 300 Millionen US-Dollar (US$). Davon fließen unter anderem 110 Millionen US$ in die Produktion von Transportfahrzeugen. Nahezu 70 Millionen US$ sind für die Montage neuer Pkw-Modelle und weitere knapp 50 Millionen US$ für den Ausbau der Zulieferindustrie bestimmt. Bei der Umsetzung setzt der Konzern auf Partnerschaften mit ausländischen Unternehmen. Unter Berücksichtigung neuer Projekte mit ausländischen Partnern der vergangenen Monate könnte der Investitionswert bis 2021 500 Millionen US$ erreichen.

O´zavtosanoat ist der zentrale Ansprechpartner

Unter dem Dach von O´zavtosanoat sind sowohl Joint Venture mit ausländischen Partnern als auch zahlreiche einheimischen Zulieferer tätig. Das Flaggschiff der usbekischen Fahrzeugindustrie, die US-amerikanisch-usbekische Autoschmiede YoAJ QK GM, gehört ebenso zum Staatskonzern wie der usbekisch-japanische Hersteller SamAvto, das usbekisch-deutsche Joint Venture MAN Auto-Uzbekistan oder der Hersteller von Lkw-Aufbauten, UzAvtoTrailer. Die Betriebe des Konzerns beschäftigen rund 26.000 Mitarbeiter.

Die Kfz-Industrie steht für etwa die Hälfte des landesweiten Ausstoßes im statistisch zusammengefassten Sektor Maschinen-/Fahrzeugbau, Elektrotechnik/Elektronik und Metallverarbeitung. Infolge des weggebrochenen russischen Absatzmarktes musste die Branche in den vergangenen Jahren große Einbrüche hinnehmen. Zudem leidet der Fahrzeugbau unter einer mangelnden Effektivität und einem schlechten Management.

Branche steht vor umfassender Umstrukturierung und Neuprofilierung

Aktuell steckt der Konzern O´zavtosanoat in der schwierigen Phase einer umfassenden Umstrukturierung. Die Konzernleitung reagiert auf die Öffnung der Märkte und der wirtschaftlichen Liberalisierung des Landes und will sich neu ausrichten. In Absprache mit der Regierung hat der Konzern folgende Maßnahmen beschlossen: eine schrittweise Demonopolisierung der Branche, die Umrüstung der Montagelinien für die Herstellung neuer Pkw-Modelle, eine Ausweitung des Produktionsprogramms um weitere ausländische Kfz-Marken und den Ausbau der lokalen Zulieferindustrie sowie den Vertrieb korruptionsfrei und transparent zu machen.

Im Herbst 2017 vereinbarten O´zavtosanoat und der Partner General Motors (GM, USA) ein neues Kooperationsmodell. Das bisherige Joint Venture geht gänzlich in den Besitz des usbekischen Staates über. Beide Partner einigten sich auf eine langfristige Lieferung von Kfz-Komponenten. Diese neue Allianz ermöglicht die Selbständigkeit der usbekischen Kfz-Industrie. Außerdem will O´zavtosanoat gemeinsam mit ausländischen Partnern künftig Elektrofahrzeuge produzieren. Die Unternehmen Changan Automobile Group aus der Volksrepublik China und Rooper Teikom Co. Ltd. aus Südkorea haben bereits ihr Interesse an der Montage solcher Fahrzeuge in Usbekistan bekundet.

Entwicklung der Kfz-Produktion und der Investitionen in die Branche in Usbekistan 1)
2014 2015 2016 2017
Fahrzeuge insgesamt (in Einheiten) 250.750 190.460 92.525 134.047
.Pkw 245.700 185.400 88.200 140.247
.Lkw und Busse (Samavto, Isuzu-Fahrgeselle) 3.805 3.810 3.420 3.600
..Lkw mit einer Nennlast von 4 bis 7 Tonnen 1.217 3.056 2.512 k.A.
..Mittlere Busse 2.588 754 908 k.A.
.Schwerlaster und Stadtautobusse (MAN Auto-Uzbekistan, MAN-Fahrgestelle) 3) 1.245 1.250 1.005 1.200
..Schwere LKW 1.245 1.250 1.005 k.A.
Realisierte Investitionen (in Mio. US$) 96,9 131,1 120,6 85,0 2)

1) ohne Spezialfahrzeuge (jährlicher Ausstoß 2014 bis 2017: im Schnitt 800 Einheiten); 2) Schätzung; 3) Montage von Bussen ab 2017

Quellen: Staatliches Komitees für Statistik der Republik Usbekistan; Recherchen von Germany Trade & Invest

Ausländische Fahrzeugbauer drängen auf den Markt

Mit dem usbekisch-französischen Joint Venture Uzbekistan Peugeot Citroen Automotive (UzPCA) hat O´zavtosanoat eine jährliche Produktion von bis zu 16.000 Kleintransportern und -bussen der Marken Peugeot Expert und Peugeot Boxer geplant. Das Projekt startet 2019 in der freien Wirtschaftszone Dschisak.

Ende 2017 vereinbarte O´zavtosanoat mit den südkoreanischen Unternehmen Evergreen-Motors und Posco Daewoo eine Montage von Lkw der Marke Hyundai auf dem Gelände der neuen freien Wirtschaftszone Qo´qon (Kokand). Der Projektwert beträgt etwa 130 Millionen US$. Anfang Juli präzisierte Evergreen-Motors die Investitionspläne. Demnach sollen pro Jahr bis zu 1.000 und später bis zu 3.000 Autobusse und Lkw mit einer Nennlast von 1 bis 50 Tonnen vom Band rollen.

Vertreter der deutschen Volkswagen AG und von O´zavtosanoat unterzeichneten im November 2017 eine Vereinbarung über die Montage des mittelgroßen Pick-up-Modells VW Amarok. Sie soll 2019 in der Region Samarkand starten. Bisher sind Pick-ups auf dem Markt kaum präsent. Aufgrund der stetig wachsenden Unternehmerschaft im Land steigt der Bedarf an solchen Lieferwagen.

Bedarf an Nutzfahrzeugen wächst

Der russische Lkw-Bauer KAMAZ will in den kommenden Jahren seine Anfang 2018 begonnene Montage von mittelschweren und schweren Lkw im Unternehmen UzAutoTrailer ausweiten. Die jährliche Produktion am Standort Jomboy in der Region Samarkand soll zunächst von circa 1.500 auf 3.000 Fahrzeuge und mittelfristig auf bis zu 5.000 Lkw steigen.

Das usbeksich-japanische Joint Venture SamAvto will bis 2021 seine jährliche Produktion auf bis zu 10.000 Lkw und Bussen erhöhen. Der Hersteller schwerer Nutzfahrzeuge MAN Auto-Uzbekistan könnte seine jährliche Kapazität auf bis zu 8.000 Einheiten steigern. O´zavtosanoat will noch bis Ende 2018 auf dem Gelände des Mechanikwerks Naryn in der Region Namangan eine Montagelinie für 10.000 Motorräder pro Jahr in Betrieb nehmen.

Das Importgeschäft mit ausländischen Pkw bleibt schwierig. Grund sind hohen Einfuhrzölle und andere protektionistische Maßnahmen für Wagen mit einem Zollwert von bis zu 40.000 US$. Ausländische Pkw-Produzenten kommen gegenwärtig nur auf einen Marktanteil von etwa 6 bis 8 Prozent. Den usbekischen Automarkt teilen sich hauptsächlich die Anbieter der Marken Lada, Kia, Hyundai, Toyota und Nissan.

Kontaktadresse

O´zavtosanoat Aksiyadorlik Jamiyati

(Aktiengesellschaft für die Kfz-Industrie O´zavtosanoat)

Ansprechpartner Herr Shavkat Buranovich Umurzakov, Vorstandsvorsitzender

Amir Temur ko´chasi 13

100047 Taschkent, Usbekistan

T +99871 140 76 66, 140 76 50, 140 90 90, 140 76 55

F +99871 232 34 34

info@uzavtosanoat.uz

http://www.uzavtosanoat.uz

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Usbekistan sind unter http://www.gtai.de/usbekistan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Usbekistan Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Motor- und Fahrräder, Personenkraftwagen (Pkw), Nutzfahrzeuge (Nfz)

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