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24.05.2017

US-Chemieindustrie auf Expansionskurs

Starkes Produktionswachstum bei Agrarchemikalien und Kunststoffen / Unsicherheiten bei Regularien der Umweltbehörde / Von Christian Janetzke

San Francisco (GTAI) - Die US-Chemieindustrie steht vor einem deutlichen Wachstumsschub. Die Auslieferungen der im Land angesiedelten Branchenunternehmen sollen 2017 um die 6%-Marke, die Kapitalinvestitionen um circa 4% zulegen. Die Produktionskapazität im Bereich Agrarchemikalien dürfte in den kommenden Jahren robust steigen. Umfassende Investitionen sind im Kunststoffsektor vorgesehen, vor allem der Output von Polyethylen ist auf einem steilen Wachstumskurs.

Trotz einer relativ schwachen Nachfrage auf wichtigen Auslandsmärkten, stehen laut dem American Chemistry Council (ACC) die Zeichen in der US-Chemieindustrie auf Wachstum. Die Auslieferungen (inklusive Exporte) von im Land produzierenden Branchenunternehmen sollen laut dem Verband 2017 um 5,9% auf rund 853 Mrd. US$ zulegen. Nicht zuletzt aufgrund von günstigen Ausgangsstoffen - wie Erdgaskondensaten - befinden sich zahlreiche Großvorhaben in der Bau- beziehungsweise Planungsphase. Insgesamt rund 270 Projekte mit Gesamtinvestitionen von etwa 170 Mrd. US$ haben Branchenunternehmen laut dem ACC angekündigt (Stand: Dezember 2016). Die US-Branche erhofft sich verbesserte Rahmenbedingungen im Land. Auf großen Zuspruch treffen Ankündigungen des US-Präsidenten Trump, Regularien im Energiesektor lockern und Genehmigungsprozesse straffen zu wollen. Unter anderem Kunststoff- und Düngemittelhersteller setzen auf eine anziehende Erdgasproduktion und im Zuge dessen auf umfangreiche, günstige Ausgangsstoffe.

Zahlreiche Großprojekte zur Düngerproduktion geplant

Laut dem U.S. Census Bureau stiegen die Auslieferungen von in den USA hergestellten Pestiziden, Düngemitteln und anderer Agrarchemikalien 2016 um 5,2% auf 49,1 Mrd. US$. Gemäß dem Marktforscher First Research sollen die Umsätze der im Land angesiedelten Hersteller von Agrarchemikalien 2017 um 4% zulegen. Unternehmen aus der Branche sollen nach ACC-Prognose ihre Kapitalinvestitionen 2017 um 8,7% auf 3,7 Mrd. US$ hochfahren.

Allerdings schwächelt mit der US-Landwirtschaft die bedeutendste Abnehmerbranche. Im Jahr 2017 sollen die Nettoeinkommen der Landwirte um rund 8,7% auf 62,3 Mrd. US$ fallen, so das U.S. Department of Agriculture (USDA). Es wäre das vierte Jahr in Folge mit Rückgängen. Dies dürfte sich laut dem USDA auf die Produktionsausgaben im Bereich Agrarchemikalien auswirken. Die Ausgaben für Dünger, Kalk und Bodenverbesserer dürften demnach um 9,1 Mrd. auf 19,3 Mrd. US$ fallen, die für Pestizide um 3,4% auf 14,4 Mrd. US$.

Bei Einzelhandelskunden wie der US-Baumarktkette Home Depot ist laut Marktexperten hingegen 2017 ein wachsender Bedarf an Dünge- und Pflanzenschutzmitteln zu erwarten. So melden US-Konsumenten einen steigenden Bedarf an Produkten zur Verwendung in Haus und Garten an. Bei abgepackten Rasen- und Gartendüngermitteln soll zwischen 2015 und 2020 die Nachfrage um durchschnittlich 3,5% pro Jahr auf 3,2 Mrd. US$ wachsen, so der Marktforscher Freedonia. Wachstumstreiber sind laut gleicher Quelle der anhaltende Anstieg bei den Wohnungsbaubeginnen sowie immer effizientere und einfacher anzuwendende Produkte.

Die wertmäßige Produktion von formulierten landwirtschaftlichen Pestiziden soll laut Freedonia zwischen 2015 und 2020 um durchschnittlich 2,3% pro Jahr auf 10,1 Mrd. US$ zulegen. Auf die Branchenführer Syngenta, Bayer, Dow Chemical, Monsanto, DuPont und BASF entfielen 2015 rund 79% des wertmäßigen Absatzes im Land von insgesamt rund 7,8 Mrd. US$. Immer effektivere und Resistenzen überwindende Herbizide sowie Produkte mit geringen umweltschädlichen Wirkungen liegen laut Freedonia im Trend.

Im Bereich Dünger sind die USA ein Nettoimporteur. Ausfuhren von etwa 3,4 Mrd. US$ standen 2016 Importe im Wert von rund 5,4 Mrd. US gegenüber. Im Zuge umfangreicher Investitionen in neue Werke dürfte sich die Importabhängigkeit mittelfristig reduzieren. Ein zentraler Grund für die Dynamik sind die relativ geringen Gaspreise zur Herstellung von stickstoffhaltigen Düngemitteln. Die Produktion von Agrarchemikalien dürfte laut dem ACC in den kommenden Jahren kräftig anziehen.

Eine deutliche Dynamik ist unter anderem im Bereich der Harnstoffproduktion zu verzeichnen, berichtet das Informationsportal "Ammonia Industry". Allein 2017 sollen laut gleicher Quelle drei Projekte mit einer Gesamtkapazität von 1,8 Mio. metrischen t mit der Produktion beginnen. Laut dem Branchendienst ICIS dürfte die Produktionskapazität in diesem Marktsegment zwischen 2015 und 2020 um rund 50% zulegen.

Prognose zu Produktionssteigerungsraten (im Vergleich zum jeweiligen Vorjahr in %)
Segment 2016 2017 2018
Düngemittel 4,1 7,4 7,1
Pflanzenschutzmittel 5,7 6,2 5,6

Quelle: ACC; Dezember 2016

Northern Plains Nitrogen will in Grand Forks (North Dakota) eine Anlage zur Produktion von Stickstoffdünger mit einem Investitionsvolumen von über 2 Mrd. US$ errichten. Anfang 2017 verkündete das US-Unternehmen, an den Finanzierungsdetails zu feilen. Der US-Saatgutspezialist Monsanto will rund 975 Mio. US$ in den Ausbau seines Werkes in Luling (Louisiana) investieren. Die Produktion eines innovativen Herbizids soll hier forciert werden. Eine Vielzahl der vor einigen Jahren angekündigten Vorhaben befindet sich laut "Ammonia Industry" aufgrund oftmals langjähriger Genehmigungsverfahren in einer Warteschleife. In einem lange Zeit auf Eis gelegten Vorhaben des Düngemittelherstellers Midwest Fertilizer kommt aktuell neuer Schwung. Das Unternehmen plant für rund 2 Mrd. US$ eine Produktionsanlage für Stickstoffdünger in Posey County (Indiana) zu errichten. Im Februar 2017 gab das Unternehmen bekannt, sich in Verhandlungen für einen Bauauftrag zu befinden.

Die Konsolidierung auf dem Markt für Agrarchemikalien dürfte sich laut First Research 2017 fortsetzen. Ein Megadeal steht laut Informationen des "The Wall Street Journal" von Februar 2017 kurz vor dem Abschluss. Demnach zeigten sich Investoren des Pharma- und Pflanzenschutzkonzerns Bayer AG sehr optimistisch, dass der strenge Genehmigungsprozess in den USA erfolgreich durchlaufen und die Übernahme von Monsanto mittelfristig abgeschlossen werden kann. Die Monsanto-Aktionäre hatten dem rund 66 Mrd. US$ schweren Übernahmeangebot im Dezember 2016 zugestimmt.

Wasserbasierte, umweltfreundliche Farben und Lacke gefragt

Die Auslieferungen von Farben, Beschichtungen und Klebstoffen legten laut dem U.S. Census Bureau 2016 um 7,5% auf 40,0 Mrd. US$ zu. Der ACC prognostiziert bei Beschichtungen 2017 einen Produktionszuwachs um 2,9%. Die Kapitalinvestitionen sollen in diesem Segment um 4,5% auf 0,6 Mrd. US$ steigen.

Nach Angaben von Freedonia wird die Nachfrage nach Farben und Lacken mittelfristig moderat wachsen. Wasserbasierte dürften auf Kosten von lösungsmittelbasierten Produkten weiter an Bedeutung gewinnen, so Freedonia. Dazu beitragen dürfte der Trend in der Baubranche und in diversen Industriesektoren (beispielsweise in der Kfz-Industrie), verstärkt Farben und Lacke einzusetzen, die weniger flüchtige organische Verbindungen enthalten. Hinzu kommen laut Freedonia rasante Fortschritte bei der Entwicklung innovativer, wasserbasierter Produkte. Im Zuge dessen drängen entsprechende Erzeugnisse zunehmend in Marktsegmente vor, in denen lösungsmittelbasierte Artikel dominieren (beispielsweise bei Spezialbeschichtungen).

Nachfrage nach Farben und Lacken (in Mio. metrischen t)
2015 2020 Veränderung *)
Nachfrage insgesamt 5,68 6,48 2,7
.wasserbasiert 3,97 4,64 3,3
.lösungsmittelbasiert 1,19 1,20 0,2
.pulverbasiert und weitere Formulierungen 0,53 0,63 3,5

*) durchschnittliche jährliche Veränderungsrate 2015 bis 2020 in %

Quelle: Freedonia; November 2016

Mit dem Bausektor soll der bedeutendste Abnehmer entscheidende Wachstumsimpulse liefern. Gemäß dem Analysehaus FMI soll der Wert der Bauinvestitionen im Häuserbausegment 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 5% und im Nicht-Gebäudesektor um 8% zulegen. Eine Voraussetzung für einen fortgesetzten Aufschwung ist allerdings, dass die Hypothekenzinsen nicht deutlich steigen. Laut Prognosen des Consultingunternehmens ChemQuest stieg der Umsatz mit Baufarben und -lacken auf dem US-Markt 2016 um circa 3,9% auf 11,6 Mrd. US$. Die Nachfrage soll laut Freedonia zwischen 2015 und 2020 um durchschnittlich 3,4% pro Jahr auf 3,7 Mio. metrische t wachsen.

Die Zahl der Wohnungsbaubeginne wird laut Analysten 2017 um etwa 7% auf rund 1,26 Mio. Einheiten steigen. Diese positive Entwicklung dürfte laut dem Branchendienst ICIS die Nachfrage nach Branchenprodukten entscheidend antreiben. Wasserbasierte, umweltfreundliche Farben für Innenraumanwendungen haben demnach besonders gute Absatzperspektiven. Im Zuge der Dynamik dürfte mittelfristig die Produktion von Holzmöbeln inklusive der zu deren Fertigung benötigten Farben und Lacke kräftig zulegen, berichtet Freedonia. Die hohen Ausgaben für Renovierungen und Reparaturen sollen ebenfalls für Impulse sorgen. Diese werden laut dem Joint Center for Housing Studies der Harvard University 2017 um 6,7% auf 317 Mrd. US$ steigen.

Eine wachsende Nachfrage nach hochwertigen Beschichtungen - beispielsweise mit einem hohen Grad an UV-Beständigkeit - erwartet First Research aus dem US-Automobilsektor. Allerdings dürfte die Produktion von Pkw und leichten Lkw 2016 ihren (vorläufigen) Zenit erreicht haben. Die Nachfrage nach Farben und Lacken aus dem Sektor wird mittelfristig maximal geringfügig zulegen, berichtet Freedonia.

Der US-Markt für Farben und Lacke ist stark konzentriert. Laut Freedonia vereinten 2015 Sherwin-Williams und PPG Industries rund die Hälfte des wertmäßigen Absatzes auf sich. Sherwin-Williams gab im Sommer 2016 bekannt, den Konkurrenten Valspar Corp. für 11,3 Mrd. US$ übernehmen zu wollen. Erstgenanntes Unternehmen erklärte Anfang 2017, dass die Transaktion im 1. Quartal 2017 über die Bühne gehen dürfte. Der Flüssig- und Pulverlackhersteller Axalta Coating Systems gab im Februar 2017 die Übernahme des Industrielackproduzenten Century Industrial Coatings bekannt.

Die US-Umweltschutzbehörde EPA treibt die Implementierung des im Juni 2016 von dem damaligen US-Präsidenten Obama unterzeichneten "Toxic Substances Control Act" mit neuen Umsetzungsregelungen voran. Weitere Informationen finden sich unter http://www.paint.org/epa-tsca-implementation-proposed-rules/. Das Gesetz zur Reformierung der Chemikalienregulierung zielt auf einen umfassenden Schutz der Öffentlichkeit vor toxischen Stoffen und gibt der EPA mehr Kompetenzen zur Überwachung und Kontrolle von Chemikalien. Einige Branchenunternehmen beklagen öffentlich, dass die Markteinführung von neuen Branchenprodukten durch das Gesetz erheblich ins Stocken geraten sei.

Kunststoffproduktion zieht deutlich an

Laut dem ACC wird die Produktion in den meisten Segmenten von Industriechemikalien mittelfristig deutlich steigen. Im Segment anorganischer Chemikalien ist 2017 laut gleicher Quelle mit einem Zuwachs der Kapitalinvestitionen von 6,3% auf 5,6 Mrd. US$ zu rechnen.

Prognose zu Produktionssteigerungsraten (im Vergleich zum jeweiligen Vorjahr in %)
Segment 2016 2017 2018
Anorganische Chemikalien 0,9 3,1 3,4
Synthetischem Kautschuk 0,5 3,7 5,2
Kunststoffe 1,2 4,3 7,0
Kunstfasern 1,2 -0,1 2,0

Quelle: ACC; Dezember 2016

Eine rasante Wachstumsbeschleunigung beim Output erwartet der ACC im Kunststoffsegment. Laut dem Informationsportal "Petrochemcial Update" waren zum Stand Dezember 2016 Neuprojekte mit einer Kapazität von circa 9 Mio. t Ethylen pro Jahr angekündigt, die bis zum 2. Halbjahr 2019 die Bauphase abschließen dürften. Hinzu kommen zahlreiche Erweiterungen. Bei anderen Großvorhaben ist noch keine endgültige Investitionsentscheidung gefallen. Die Anzahl an Downstream-Projekten soll sich im Zuge der steigenden Ethylenproduktion in den kommenden Jahren deutlich erhöhen. Zahlreiche Megaprojekte zur Umwandlung von Ethylen in Kunststoffe (vor allem Polyethylen) sind in der Bau- oder Planungsphase. Zum Stand Ende 2016 waren gemäß "Petrochemical Update" neue Projekte zur Fertigung von jährlich insgesamt rund 8 Mio. t Polyethyhlen genehmigt, die bis 2020 die Produktion aufnehmen sollen.

Die Kapitalinvestitionen der Kunststoffindustrie werden laut dem ACC 2017 um 6,4% auf 6,5 Mrd. US$ steigen. Unter anderem Zulieferer von Spezialausrüstungen, Pumpen und Spritzgussformen dürften laut dem Verband wachsende Auftragseingänge verzeichnen.

Das taiwanesische Unternehmen Formosa Petrochemical zeigte sich im Februar 2017 optimistisch bezüglich der Genehmigung eines 9,4 Mrd. US$ schweren Komplexes in St. James Parish (Louisiana). Der Produktionsstart soll 2021 erfolgen. In einem ersten Abschnitt sind Anlagen mit Kapazitäten von jährlich 1,2 Mio. t Ethylen und unter anderem 0,6 Mio. t Propylen geplant. In einer zweiten Phase sind der Bau eines weiteren Ethylenkomplexes ähnlicher Größe sowie Anlagen zur Produktion von Polyethylen und weiteren Polyolefinen angepeilt. Der Petrochemiekonzern LyondellBasell kündigte Mitte 2016 an, in La Porte (Texas) ein Werk zur Fertigung von Polyethylen hoher Dichte zu errichten. Die jährliche Produktionskapazität soll bei circa 0,5 Mio. t liegen. Die ersten Auslieferungen könnten 2019 erfolgen. Das Unternehmen will von dort aus primär Exportmärkte bedienen. Das US-amerikanische Unternehmen Exxon Mobil sowie der Chemiekonzern SABIC aus Saudi Arabien prüfen den gemeinsamen Bau eines Komplexes an der US-Golfküste. Das Projekt soll einen Steamcracker mit einer jährlichen Kapazität von rund 1,8 Mio. t Ethylen pro Jahr sowie Downstream-Anlagen umfassen.

In den Fokus der Branche rückt neben der Golfküste zunehmend das Marcellus-Areal. Das Schiefergasfeld liegt größtenteils in den Bundesstaaten Pennsylvania, Virginia, Ohio sowie New York. Die Produktion in der Region ist für Branchenunternehmen nicht zuletzt aufgrund der relativen Nähe zu inländischen Endabnehmern attraktiv. So ist der Großteil der Polyethylenverarbeiter im Nordosten und dem Mittleren Westen der USA angesiedelt. Das thailändische Chemieunternehmen PTT Global erwägt beispielsweise einen milliardenschweren Komplex im Osten Ohios zur Fertigung von Polyethylen sowie weiterer Kunststoffe.

Laut dem ACC wird zwischen 2015 und 2030 rund die Hälfte der im Land produzierten Branchenprodukte im Ausland abgesetzt. Die Kunststoffindustrie gehört zu den wenigen US-Sektoren, die ein Plus in der Außenhandelsbilanz aufweisen. Da die Produktion mittelfristig wesentlich stärker zulegen dürfte als die Inlandsnachfrage, beobachtet die Branche mit Spannung die außenhandelspolitische Ausrichtung der Trump-Administration.

Im Bereich Industriechemikalien zeigte sich jüngst der deutsche Chemiekonzern Evonik Industries auf dem US-Markt sehr aktiv. Anfang 2017 schloss das Unternehmen die Übernahme des Spezialadditiv-Geschäftes des US-Unternehmens Air Products für 3,8 Mrd. US$ ab. Der Konzern plant zudem den Kauf der Kieselgelsparte des US-Mischkonzerns JM Huber. Ende 2016 erklärte Evonik Industries, in South Carolina eine Anlage zur Herstellung von gefällter Kieselsäure für die Reifenindustrie errichten zu wollen. Rund 120 Mio. US$ an Investitionen sind eingeplant. Die Münchner Wacker Chemie AG plant ein Investment von rund 150 Mio. US$ in eine neue Poduktionsanlage zur Fertigung pyrogener Kieselsäure mit einer Jahreskapazität von circa 13.000 t. Der Startschuss zur Errichtung des Werkes an dem Produktionsstandort Charleston (Tennessee) soll laut dem Unternehmen 2017 fallen.

Output der Erdölraffinerien soll mittelfristig moderat steigen

Laut der Energy Information Administration (EIA) befindet sich die US-Rohölproduktion seit Oktober 2016 wieder auf Wachstumskurs. Für 2017 und 2018 erwartet die EIA einen moderaten Anstieg der Förderung. Eine Preiserholung soll dazu beitragen. Laut der EIA soll der jahresdurchschnittliche Preis der US-Referenzsorte West Texas Intermediate zwischen 2016 und 2018 von 43,3 US$ pro Barrel auf 56,2 US$ pro Barrel steigen. Allerdings ist eine langfristige Preisprognose aufgrund diverser Einflussfaktoren mit zahlreichen Unsicherheiten behaftet. Die Produktion von Erdgaskondensaten wird gemäß EIA-Prognose mittelfristig kräftig zulegen. Laut dem American Petroleum Institute (API) lag der durchschnittliche Output von Erdgaskondensaten im Januar 2017 bei rund 3,5 Mio. Barrel pro Tag (bpd). Dies war ein Rekordniveau für diesen Monat und ein Zuwachs von 6,6% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Prognose zur Erzeugung von Rohöl sowie Erdgaskondensaten (in Mio. Barrel pro Tag)
Segment 2016 2017 2018
Rohöl 8,88 8,98 9,53
Erdgaskondensate (Natural Gas Liquids) 3,49 3,75 4,18

Quelle: EIA; Februar 2017

Die Gesamtkapazität der Erdölraffinerien im Land notierte laut dem API im Januar 2017 bei rund 18,5 Mio. bpd. Gegenüber dem Vorjahreszeitpunkt war dies ein Zuwachs von 0,4 Mio. bpd. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung lag laut gleicher Quelle bei 89,7%, ein Plus von 0,3 Prozentpunkten im Vergleich zum Januar 2016. Die Produktion der bedeutendsten raffinierten Erdölprodukte im Land - Benzin und Dieselkraftstoff - dürfte 2017 minimal zurückgehen und im Folgejahr geringfügig wachsen, so die EIA. Der ACC erwartet mittelfristig einen moderaten Anstieg beim Output der Erdölraffinerien. Die Produktionskapazität im Sektor soll laut dem Marktforscher OG Analysis zwischen 2015 und 2020 um insgesamt 6,3% zulegen.

Nettoproduktion von ausgewählten raffinierten Erdölprodukten (in Mio. Barrel pro Tag)
Segment 2016 2017) 2018
Benzin 9,98 9,97 10,05
Dieselkraftstoff 4,83 4,82 4,85
Kerosin 1,64 1,61 1,59
Rückstandsheizöle 0,42 0,42 0,42

*) Prognose

Quelle: EIA; Februar 2017

In Folge einer verhaltenden Nachfrage drosselten zahlreiche Raffinerien im Land zum Jahresbeginn 2017 ihren Output an Benzin, um sehr hohen Lagerbeständen entgegenzuwirken. Laut der EIA dürfte die Nachfrageschwäche nur von kurzer Zeit sein. Der Jahreskonsum soll 2017 mit rund 9,29 Mio. bpd auf dem hohen Niveau des Vorjahres verharren.

Laut dem Marktforscher Industrial Info Resources werden Erdölraffinerien in den USA und Kanada zusammengenommen circa 14,5 Mrd. US$ an Kapitalinvestitionen für Vorhaben aufwenden, die 2017 in die Bauphase gehen. Großprojekte werden laut "Petrochemical Update" derzeit aufgrund weitgehend geringer Gewinnmargen in der Branche umgangen. Der Fokus liegt demnach auf weniger umfangreichen Modernisierungen bestehender Anlagen. Laut gleicher Quelle werden Branchenunternehmen in den USA Investitionen hochfahren, um Regularien der EPA einhalten zu können. Gemäß den "Tier3"-Vorschriften müssen Raffinerien den Schwefelgehalt im Benzin deutlich reduzieren. Große Raffinerien mussten die Vorschriften bis zum Jahresbeginn 2017 erfüllen, konnten allerdings unter bestimmten Voraussetzungen die vollständige Einhaltung bis Mitte 2019 aufschieben. Zahlreiche kleinere Produktionsstätten müssen die Vorgaben bis Anfang 2020 erfüllen. Gemäß "Petrochemical Update" werden Raffinerien im Land zwischen 2016 und 2018 rund 2 Mrd. US$ zur Einhaltung der "Tier3"-Vorschriften ausgeben, unter anderem für Entschwefelungstechnologie (beispielsweise "Hydrotreating"-Anlagen). Derzeit ist jedoch kaum absehbar, welche vorwiegend unter der Obama-Administration implementierten EPA-Vorschriften die neue Regierung beibehalten wird. Trump hat angekündigt, Regularien der Behörde zurückdrehen zu wollen.

(C.J.)

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Chemische Industrie, allgemein, Kunststoffe und Gummi, Petrochemie, Agrarchemikalien, Farben u. Lacke, Pigmente

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