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04.06.2015

US-Markt für industriell verarbeitete Lebensmittel soll moderat zulegen

Hersteller von Nahrungsmittelmaschinen profitieren / Marktverschiebungen im Fleischsegment / Von Christian Janetzke

New York (gtai) - Die Zeichen für die US-Nahrungsmittelindustrie stehen auf Wachstum. Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind für die Branche sehr vorteilhaft. Der Trend zu hochwertigen Lebensmitteln (unter anderem auf organischer Basis) stützt den Aufwärtstrend. Die Nachfrage nach Nahrungsmittelmaschinen legte 2014 um rund 4% zu. Ein kräftiges Wachstum war auf dem Importmarkt zu verzeichnen. Hier hielten deutsche Hersteller ihre Vormachtstellung. (Internetadressen)

Die Auslieferungen (inklusive Exporte) von industriell verarbeiteten Lebensmitteln sind 2014 um circa 5,9% auf rund 751,5 Mrd. US$ gestiegen, so Freedonia. Mittelfristig sei mit moderaten Steigerungsraten zu rechnen, so Analysten des Marktforschers.

Prognostizierte Auslieferungen nach bedeutendsten Kategorien (in Mrd. US$; Veränderungen in %)
Produkte 2014 2019 Veränderung 2)
Auslieferungen insgesamt 751,5 857,0 2,7
.Fleisch, Geflügel und Fisch 236,0 268.0 2,6
.Getreideprodukte und Ölsaaten 95,0 109,0 2,8
.Milchprodukte 89,5 102,0 2,6
.Bäckerei- und verwandte Erzeugnisse 1) 65,5 71,0 1,6
.verarbeitete Früchte und Obst 44,5 50,0 2,4

1) inklusive Tortillas, Kekse und Cracker; 2) durchschnittliche jährliche Veränderungsrate 2014 bis 2019 in %

Quelle: Freedonia Group

Die kontinuierlich wachsende Bevölkerung begünstigt die positiven Aussichten. Die Branche profitiert zudem von den insgesamt positiven gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die realen verfügbaren Einkommen werden laut Analysten 2015 und 2016 um 3,5 beziehungsweise 2,8% anziehen.

Trend geht zu hochwertigen Produkten

Die Nahrungsmittelindustrie weitet aufgrund diverser Trends auf der Verbraucherseite ihr Produktportfolio deutlich aus. Ein Wachstumstreiber ist die kontinuierlich steigende Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Lebensmitteln (unter anderem Bioprodukte, glutenfreie sowie nicht genetisch manipulierte Inhaltsstoffe). Bei einer zunehmenden Anzahl an US-Amerikanern spielt der Preis nicht mehr die letztlich allein ausschlaggebende Rolle beim Einkauf. Umweltaspekte und Nahrungsmittelsicherheit rücken bei den Kaufentscheidungen mehr und mehr mit in den Vordergrund. Marktexperten gehen von steigenden Anforderungen der Industrie an die Verpackungslieferanten aus, um Lebensmittel länger frisch halten und Nährstoffe besser konservieren zu können.

Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens IRI wächst der Anteil von Personen, die anstelle von drei regelmäßigen Mahlzeiten auf diverse, über den Tag verteilte Snacks setzen. Convenience-Aspekte spielen eine zunehmende Rolle, vor allem eine einfache und schnelle Zubereitung von Speisen. Dies ist nicht zuletzt der kontinuierlich steigenden Anzahl an Single-Haushalten im Land geschuldet.

Gemäßigtes Wachstum im Fleischsegment erwartet

Im größten Marktsegment - verarbeitetem rotem Fleisch, Geflügel und Fisch - ist mittelfristig von moderaten Steigerungen der Auslieferungen auszugehen. Analysten erwarten Impulse für den Absatz aufgrund der wachsenden Nachfrage nach hochpreisigem Fleisch auf organischer Basis.

Ein Wachstumstreiber ist der Verbrauchertrend in Richtung Geflügel. Laut Angaben des Fleischverarbeiters Tyson Foods werden in den kommenden zwei bis vier Jahren die relativ hohen Preise bei Rind- und Schweinefleisch den Absatz im Geflügelsegment forcieren. So sehen Konsumenten im Hähnchenfleisch zunehmend die gesündere und zugleich kostengünstigere Alternative. Bei rotem Fleisch gehen Marktexperten in den kommenden Jahren nur von einem marginalen Anstieg der Nachfrage aus.

Eine Wachstumsbremse für verarbeitete Fleischprodukte ist der zunehmende Anteil der Bevölkerung, der sich vegetarisch ernährt. Zudem steigen auch bei "Nicht-Vegetariern" proteinhaltige Nahrungsmittel als Alternativen zum Fleischkonsum im Kurs.

Im Segment für Milchprodukte erfreut sich Joghurt einer wachsenden Beliebtheit. Die Markteinführungen von Produktvarianten mit neuen Geschmacksrichtungen und reduziertem Fett- und Kaloriengehalt reißen derzeit nicht ab. Der Marktforscher ReportLinker sieht innerhalb des Joghurtmarktes für das Segment griechischer Joghurt mittelfristig das größte Wachstumspotenzial. Zahlreiche Unternehmen bringen zudem griechischen Joghurt als Eisvariante auf den Markt. Ein weiteres expandierendes Segment auf dem Markt für Milchprodukte sind hochpreisige Käsespezialitäten.

Bei Backwaren geht der Trend zu gesunden Alternativen

Freedonia erwartet über alle bedeutenden Sparten hinweg in den kommenden Jahren geringe Zuwächse bei den Auslieferungen von Bäckereierzeugnissen. Hersteller von Backwaren sind derzeit nach Angaben des Marktforschers Standard & Poor's sehr bemüht, das Image ihrer Produkte unter gesundheitsbewussten US-Amerikanern aufzupolieren. Sie setzen auf Produktkreationen mit Voll- und Mehrkorn, einem hohen Anteil an Ballaststoffen und/oder einem reduziertem Anteil an Zucker.

Der Trend weg vom Weizenmehl wird durch die zunehmende Beliebtheit glutenfreier Produkte gestützt. Anbieter von Backwaren bringen immer neue glutenfreie Produkte mit innovativen Kombinationen an Zutaten auf den Markt. Pita, Tortillas, Naan-Brot und weitere Backwaren aus Kulturkreisen außerhalb der USA gewinnen an Interesse. Bei Crackern und Keksen fallen Produkte mit einem hohen Gehalt an Natrium, Fett und Zucker rasant im Kurs. Anbieter von Frühstückscerealien geraten unter Druck. Branchenunternehmen müssen sich verstärkter Konkurrenz von diversen "on the go"-Produkten wie Protein- und Müsliriegeln erwehren.

Auf dem Markt für verarbeitetes Obst und Gemüse (getrocknete Früchte, Fruchtsaft, Ketchup, Suppen, etc.) ist auf absehbare Zeit ein verhaltenes Wachstum zu erwarten. Bei in Dosen verpacktem und/oder getrockneten Obst sollen laut Analysten nur marginale Zuwächse zu verzeichnen sein. Der anziehende Absatz von frischem Obst und Gemüse zügelt das Interesse an entsprechenden Produkten. Einen wachsenden Bedarf sieht das American Frozen Food Institute bei eingefrorenem Obst, nicht zuletzt als Zutat für Smoothies.

Deutsche Hersteller von Nahrungsmittelmaschinen profitieren

Die Kapazitätsauslastung in der Lebensmittelindustrie bewegte sich 2014 und in den ersten vier Monaten 2015 um die 80%-Marke. Neuinvestitionen in die Maschinenparks stehen weit oben auf den Prioritätenlisten zahlreicher Branchenunternehmen. Nach Schätzungen von Freedonia ist die Inlandsnachfrage nach Nahrungsmittelmaschinen 2014 um 4,0% auf rund 5,3 Mrd. US$ gestiegen. Für 2015 erwarten Marktexperten eine Zunahme in ähnlicher Größenordnung.

Automatisierungslösungen zur Effizienzsteigerung und Fehlerreduktion sind vermehrt gefragt. Die Nahrungsmittelsicherheit gewinnt an Relevanz. Dies wirkt sich auf die Maschinennachfrage aus. Das Kriterium einer einfachen Handhabung bei der Reinigung und Desinfektion gewinnt an Bedeutung. Zudem steigen die Anforderungen an die Früherkennungssysteme zur Identifikation von Verunreinigungen.

Der US-Markt wurde 2014 zu fast 30% mit Maschinen aus dem Ausland bedient. Die wertmäßigen Einfuhren legten kräftig zu. Die Dynamik setzte sich im 1. Quartal 2015 leicht abgeschwächt fort. Deutsche Hersteller dominieren den Importmarkt.

Einfuhr von Nahrungsmittelmaschinen (NAICS 333294, in Mio. US$)
Länder 2013 2014 Veränd. 2013/14 (in %) 1. Quartal 2015 Veränd. 1. Quartal 2015 (in %) *)
Gesamt 1.464 1.558 6,4 377 4,1
.Deutschland 328 387 18,0 80 -11,4
.Italien 187 229 22,5 50 8,2
.Niederlande 139 133 -4,3 38 13,4

*) Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum

Quelle: U.S. International Trade Commission

Internetadressen:

Food Processing Suppliers Association (FPSA)

Internet: http://www.fpsa.org

The Food Institute

Internet: http://www.foodinstitute.com

Packaged Facts (Marktforscher, Reports teilweise kostenlos)

Internet: http://www.packagedfacts.com

Food Processing (Informationsportal)

Internet: http://www.foodprocessing.com

Food Engineering (Informationsportal)

Internet: http://www.foodengineeringmag.com

Deutsch-Amerikanische Handelskammern (AHK USA)

Internet: http://www.ahk-usa.com

(C.J.)

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen, Nahrungsmittel

Kontakt

Robert Matschoß

‎+49 (0)228 24 993-244

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