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14.06.2018

US-Markt für Roboter wächst ungebremst

Kollaborierende Roboter auf dem Vormarsch / Von Jenny Eberhardt

San Francisco (GTAI) - Immer mehr US-Branchen setzen Automatisierungstechnik in ihrer Produktion ein, auch kleine und mittelständische Firmen. Besonders dynamisch soll sich der Markt für kollaborierende Roboter entwickeln. Die Regierung investiert in Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet. Der wachsende Fachkräftemangel heizt das Wachstum der Branche zusätzlich an. Deutsche Hersteller von Robotern sind wichtige Lieferanten für die US-Industrie. (Kontaktadressen)

Der Absatz von Robotern in den USA war laut dem Branchenverband Robotics Industries Association (RIA) im ersten Quartal 2018 so hoch wie nie zuvor. Insgesamt wurden 10.730 Roboter im Wert von 507 Millionen US-Dollar (US$) ausgeliefert - eine mengenmäßige Steigerung um fast ein Viertel im Vergleich zum Vorjahresquartal. In US$ entspricht dies einem Zuwachs von 3 Prozent. Die Neubestellungen gingen in den ersten drei Monaten des Jahres verglichen mit demselben Zeitraum im Jahr 2017 leicht zurück, liegen aber immer noch auf hohem Niveau.

Die RIA schätzt, dass aktuell rund 250.000 Roboter in den USA im Einsatz sind. Damit lägen die USA auf Platz 3 hinter Japan und China. Jeff Burnstein, Vorsitzender des US-Dachverbandes für Automatisierung Association for Advancing Automation (A3), beobachtet zwei Nachfragetrends: Zum einen steigt der Bedarf an roboterbasierten Lösungen bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Zum anderen fragen neben dem Automobilsektor, der mit Abstand wichtigsten Abnehmerbranche, zunehmend auch andere Industriezweige Industrieroboter nach. Im ersten Quartal 2018 schoss die Zahl der Bestellungen vor allem in den Bereichen Life Sciences (+184 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal) und der Gummi- und Plastikproduktion (+100 Prozent) in die Höhe. Dadurch konnte der Rückgang an Bestellungen aus der Automobilbranche um 53 Prozent zumindest teilweise abgefedert werden.

KMU setzen mehr Cobots ein

Besonders dynamisch wird sich gemäß dem "World Robotics Report 2017" der International Federation of Robots der Markt für kollaborierende Roboter (Englisch: co-robots oder cobots) entwickeln. Ihr Anteil am globalen Absatz von Robotern soll bis 2025 von derzeit 3 Prozent auf 34 Prozent steigen. Die Besonderheit kollaborierender Roboter gegenüber traditionellen Industrierobotern besteht in der direkten Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. Aus Sicht der RIA verringert sich die Hemmschwelle für den Einsatz von Cobots bei KMU vor allem aufgrund der stetig sinkenden Anschaffungskosten und der flexiblen Einsatzmöglichkeiten. Dazu zählen Tätigkeiten wie Montage, Schleifen und Polieren, Verpacken und Sortieren, Be- und Entladen bis hin zu Testläufen und Qualitätsprüfung von fertigen Produkten.

Laut Daniel Moore vom Hersteller Universal Robotics rücken viele Hersteller Sicherheitsaspekte in ihren Fokus, da dies ein besonders sensibles Thema für die Kunden sei. Richtlinien für die Arbeitssicherheit beim Einsatz kollaborierender Roboter liefert die Norm der Internationalen Organisation für Normung ISO TS 15066, die 2016 gemeinsam mit namenhaften Produzenten wie ABB, Kuka und Universal Robots entwickelt wurde. Der deutsche Hersteller SCHUNK hat die Norm bei der Produktion seines Greifarms EGP, der unter anderem im US-Werk in Morrisville, North Carolina, hergestellt wird, berücksichtigt. Um das Verletzungsrisiko bei möglichen Zusammenstößen mit Menschen zu minimieren ist die Antriebskraft des Greifers auf 140 Newton begrenzt. Auch die Vielzahl an eingebauten Sensoren und die abgerundeten Oberflächen von Cobots sorgen für eine sicherere Zusammenarbeit.

Regierung investiert in Forschung und Entwicklung

Die US-Regierung treibt den Einsatz von Cobots zur Effizienzsteigerung in der Industrie voran. Wichtigstes Programm auf dem Gebiet ist die National Robotics Initiative 2.0 (NRI-2.0), die von der Obama-Regierung ins Leben gerufen und 2018 unter Präsident Donald Trump neu aufgelegt wurde. Zwischen 30 Millionen und 45 Millionen US$ sollen jährlich in die Forschung und Entwicklung von kollaborierenden Robotern investiert werden. Um die Fördermittel können sich Universitäten und Forschungsinstitute bewerben.

Eine weitere Initiative ist das Advanced Robotics for Manufacturing Institute (ARM-Institut) in Pittsburgh, Pennsylvania, welches Teil des groß angelegten Programms "Manufacturing USA" ist. Das Institut soll das Know-how von über 150 Mitglieder aus Wirtschaft, Wissenschaft und staatlichen Institutionen vernetzen und bündeln und so dazu beitragen, die US-Industrie wettbewerbsfähiger zu machen. Projekte werden von den Mitgliedern in Form von öffentlich-privaten Partnerschaften umgesetzt. Die letzte Ausschreibungsrunde war Mitte Mai.

Deutsche Anbieter sind stark gefragt

Der Boom auf dem US-Markt für Robotik spiegelt sich auch in den deutschen Exporten in die USA wieder. 2017 steigerten die deutschen Hersteller ihre Ausfuhren um mehr als die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr. Das Jahr 2018 lief im ersten Quartal mit einer Exportsteigerung um 74 Prozent verglichen mit dem Vorjahresquartal sogar noch vielversprechender an. Im ersten Quartal lag Deutschland damit vor Japan, dem wichtigsten Roboterlieferland der USA.

Wichtigste Einfuhrländer von Industrierobotern in den USA *) (in 1.000 US$, Veränderungen in %)
Herkunftsland 2017 Veränderung 2016/17 Januar-März 2017 Januar-März 2018 Veränderung 2017/18
Japan 67.9338 17,4 17.541 15.892 -9,4
Deutschland 58.206 83,4 9.323 16.208 73,8
Kanada 44.923 53,2 10.074 6.562 -34,9
Frankreich 40.685 34,1 6.491 11.191 72,4
Dänemark 38.110 62,3 8.481 11.634 37,2
Großbritannien 29.894 51,3 5.813 6.105 5,0
Schweden 27.739 62,4 4.281 3.328 -22,2
Italien 20.571 59,8 5.232 5.471 4,6
Schweiz 19.543 114,4 4.178 6.437 54,1
Korea 17.396 393,8 1.086 2.804 158,2
Österreich 16.345 32,3 3.695 8.060 118,1
China 15.613 0,7 2.006 4.219 110,3
Insgesamt 431.617 51,7 85.858 106.613 24,2

*) HS-Position 847950

Quelle: U.S. Department of Commerce, Washington, D.C., 2018

Im Wettstreit um die besten Fachkräfte

Ein zentraler Treiber für das weitere Wachstum der Branche ist der anhaltende Fachkräftemangel auf dem US-Arbeitsmarkt. Die Konjunktur brummt, Unternehmen besetzen ihre freien Stellen - doch die Suche nach qualifizierten Arbeitskräften gestaltet sich zunehmend schwierig. Die Arbeitslosenquote sank im Mai auf 3,8 Prozent, der niedrigste Wert seit fast zwanzig Jahren. Durch die positiven Prognosen für die US-Wirtschaft könnte sich die Situation mittelfristig noch verschärfen: 2018 soll das Bruttoinlandsprodukt um rund 2,9 Prozent wachsen, sagt der Internationale Währungsfonds voraus. Für die Nachfrage nach Robotern und Automatisierungstechnik wird dies einen weiteren Schub bedeuten, so eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey & Company.

Mit dem wachsenden Automatisierungsgrad ändert sich auch das Anforderungsprofil an die Beschäftigten. McKinsey & Company schätzt, dass 2030 rund Drittel der Arbeitnehmer in den USA ihre heutige Tätigkeit nicht mehr in derselben Form ausüben können. Unternehmen sollten sich frühzeitig auf die damit verbundenen Herausforderungen wie Umschulungen oder Qualifizierung der Mitarbeiter einstellen. Vorreiter auf dem Gebiet sind laut Jeff Burnstein von A3 Konzerne wie General Motors und Amazon. Auch das ARM-Institut sieht großen Bedarf. Auf Wunsch seiner Mitglieder lag der Schwerpunkt der Projektausschreibungen 2017 auf der Aus- und Weiterbildung in den Bereichen Automatisierungstechnik und Robotik in KMU.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht Zoll und Ausschreibungen in den USA sind unter http://www.gtai.de/usa abrufbar.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Robotic Industries Association (RIA) http://www.robotics.org Branchenverband
Association for Advanced Automation (A3) http://www.a3automate.org Branchendachverband
Advanced Robotics for Manufacturing (ARM) http://www.arminstitute.org Initiative fokussiert auf Forschung und Implementierung kollaborativer Roboter im verarbeitenden Gewerbe
National Robotics Initiative 2.0 http://www.nsf.gov/funding/pgm_summ.jsp?pims_id=503641&org=CISE Kontaktadressen und Programmbeschreibung der Initiative
Deutsch-Amerikanische Handelskammern (AHK USA) http://www.ahk-usa.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Robotik und Automation

Kontakt

Robert Matschoß

‎+49 228 24 993 244

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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