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30.04.2018

US-Verbraucher müssten Strafzölle auf EU-Stahl bezahlen

Deutschland liefert vorrangig Speziallegierungen / Von Ullrich Umann

Washington, D.C. (GTAI) - Nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2017 ziehen Gewitterwolken über den deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen auf. Das Weiße Haus hat das Startdatum für mögliche Strafzölle auf Stahl (25 Prozent) und Aluminium (10 Prozent) aus der EU auf den 1. Juni 2018 verschoben. Deutschland liefert vorrangig Speziallegierungen, die nicht ohne weiteres durch US-Stähle ersetzbar sind. Die durch die Drohgebärde ausgelösten Ungewissheiten sind für deutsche Firmen wohl das größere Problem.

Der deutsch-amerikanische Waren- und Dienstleistungsaustausch hatte sich 2017, das heißt im ersten Amtsjahr der Trump-Administration, dynamisch entwickelt. In beide Richtungen sind die Handelsströme gestiegen, wobei die US-Exporte nach Deutschland sogar schneller zugenommen haben als die Importe von dort. Im Ergebnis hat sich das Handelsdefizit der USA mit Deutschland leicht verringert.

Außenhandel zwischen den USA und Deutschland (in Mrd. US$) *)
Einfuhren der USA aus Deutschland Ausfuhren der USA nach Deutschland Handelsbilanz
2016 114,1 49,4 -64,7
2017 117,7 53,5 -64,2

*) Waren

Quelle: U.S. Census Bureau

Deutsche Industrieerzeugnisse in den USA gefragt

Ungleichgewichte im deutsch-amerikanischen Handel, wie sie im Weißen Haus aktuell angesprochen und kritisiert werden, sind tatsächlich vorhanden, sind aber eine Folge der wirtschaftlich unterschiedlichen Strukturen beider Länder. Auf keinen Fall handelt es sich um das Resultat einer besonderen europäischen oder gar speziell deutschen Handelspolitik.

Die Stärken der deutschen Exportwirtschaft liegen insbesondere bei verarbeiteten Industrieerzeugnissen, darunter die Automobilindustrie, der Maschinen- und Anlagenbau, die Elektrotechnik und chemische Industrie. Diese Branchen gehören zu den entwickeltsten und technologisch fortgeschrittenen Industriezweigen in Deutschland. Ihre Erzeugnisse treffen regelmäßig auf eine breite Käuferschicht in den USA, obwohl sie bei weitem nicht die billigsten Lösungen darstellen.

Planungsunsicherheit derzeit größtes Problem

Zwar enthalten viele deutsche Industrieerzeugnisse einen hohen Anteil an verarbeitetem Stahl und Aluminium. Doch unterliegen Metalle in verarbeiteter Form den möglichen Einfuhrzollerhöhungen in den USA gerade nicht. Größere Probleme lösen die handelspolitischen Drohgebärden Washingtons aus. Daraus erwachsen Planungsunsicherheiten, mit denen deutsche Firmen in den USA aktuell konfrontiert sind.

In dieser Hinsicht äußerte sich zum Beispiel die Weishaupt America Inc. gegenüber Germany Trade & Invest. Die Firmenlenker können im Moment nicht einschätzen, inwieweit das Unternehmen von Strafzöllen auf Aluminium und Stahl direkt oder indirekt betroffen sein könnte. Die aus Deutschland importierten Fertigerzeugnisse bestehen aus einem großen Anteil an Aluminium.

Paralleler Trend im Fahrzeug- und Maschinenbau

In den beiden wichtigsten deutschen Exportbranchen, in der Kfz-Industrie sowie im Maschinen- und Anlagenbau, haben sich die bilateralen Handelsbeziehungen zuletzt komplett gegenläufig entwickelt. So sind die deutschen Lieferungen von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen in die USA 2017 auf Vorjahresbasis um 5,6 Prozent auf 28,4 Milliarden US-Dollar (US$) gesunken. Dagegen legten die Lieferungen des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus um 11,1 Prozent auf 20,5 Milliarden US$ zu.

Eine parallele Entwicklung war bei den US-Exporten von Fahrzeugen und Teilen in Richtung Deutschland zu beobachten. Diese gingen um 5,5 Prozent auf 7,1 Milliarden US$ zurück. Wogegen der Lieferwert des US-Maschinen- und Anlagenbaus nach Deutschland um 12,3 Prozent auf 5,1 Milliarden US$ gestiegen war.

Auf die USA entfallen 6 Prozent der deutschen Stahlexporte

Im Vergleich zu industriellen Fertigerzeugnissen fällt der Wert der deutschen Exporte von Stahl und Aluminium in Rohformen eher gering aus. Weltweit setzten deutsche Stahl- und Aluminiumkocher 2017 Erzeugnisse im Wert von 23,3 Milliarden Euro ab, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Davon gingen nach Angaben des U.S. Census Bureau Lieferungen im Wert von 1,4 Milliarden Euro in die USA. Mit anderen Worten, die größte Wirtschaftsmacht der Welt hält an den deutschen Stahl- und Aluminiumexporten eine Quote von etwa 6 Prozent.

Einfuhren der USA an Eisen, Stahl und Aluminium (Stand 2017, in Mrd. US$)
Gesamt davon aus Deutschland
Eisen und Stahl, Eisenlegierungen 33,5 1,5
Stahlprodukte 2,2 0,07
Aluminium und verarbeitetes Aluminium 17,4 0,4
Nichteisenmetall (außer Aluminium) und verarbeitetes Nichteisenmetall 37,5 1,6
Gußerzeugnisse 1,5 0,04
Gesamt 92,1 3,61

Quelle: U.S. Census Bureau

Die angedrohten US-Strafzölle würden diese Quote auch nicht grundlegend nach unten drücken, handelt es sich doch bei den deutschen Lieferungen vorrangig um Spezialstähle und -legierungen. Diese sind aus Sicht der hochspezialisierten Abnehmer nur bedingt durch Produkte aus der US-Stahlindustrie ersetzbar. Am Ende hätten die Endverbraucher die Zollerhöhungen zu tragen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in den USA sind unter http://www.gtai.de/usa abrufbar.

(U.U.)

Dieser Artikel wurde am 2. Mai 2018 geringfügig aktualisiert.

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, Wirtschaftsbeziehungen zur EU, Außenhandel / Struktur, allgemein

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