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17.11.2017

Vietnam beliefert die Welt mit Möbeln

Exporte wachsen zweistellig / Ausländische Investoren verstärken ihr Engagement / Von Frauke Schmitz-Bauerdick

Hanoi (GTAI) - Nach einem schwachen Jahr 2016 zieht Vietnams Holz- und holzverarbeitende Branche wieder an. Zwar ist die Mehrzahl der kleinen und mittelständischen Unternehmen international noch selten wettbewerbsfähig. Größere Fabriken aber tätigen Investitionen und liefern Holzprodukte und Möbel in die Welt. Ausländisch investierte Firmen engagieren sich verstärkt im Markt und errichten Produktionsstätten. Damit einher geht ein steigender Bedarf an Holzbearbeitungsmaschinen und Anlagen.

Die vietnamesischen Exporte von Holz und Holzprodukten beliefen sich 2016 laut Zollstatistik auf sieben Milliarden US-Dollar (US$) und erzielten damit ein Wachstum von lediglich 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bereits Ende 2016 aber zeichnete sich eine Wiederbelebung der Branche ab, die sich 2017 fortsetzte.

So legten die Exporte von Holz- und Holzprodukten in den ersten neun Monates des Jahres 2017 um 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu und erreichten einen Gesamtwert von 5,5 Milliarden US$. An den Gesamtausfuhren Vietnams hatten Holzprodukte damit einen Anteil von 3,6 Prozent. Bis zum Ende des Jahres 2017 erwarten Branchenexperten einen Anstieg der Exporte auf bis zu acht Milliarden US$ und damit ein Gesamtjahreswachstum von über 14 Prozent. Wichtigste Abnehmer sind die USA, Japan und die Europäische Union (EU).

Vietnam hat sich insbesondere als Möbellieferant etabliert. Branchengrößen wie Ikea lassen im südostasiatischen Land für den Weltmarkt produzieren. Aber nicht nur international sind Möbel und Holzprodukte "Made in Vietnam" gefragt. Der innervietnamesische Bedarf ist ebenfalls hoch.

Landesweite Investitionen in den Hotel- und Resortbereich sowie der Neubau von Apartmentblocks und Bürogebäuden insbesondere in den beiden Zentren Ho-Chi-Minh-City und Hanoi lassen die inländische Nachfrage auch an höherwertigen Fußböden, Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständen steigen. Die wachsende und immer anspruchsvollere Mittelschicht ist finanziell in der Lage und bereit, zunehmend Geld für nicht lebensnotwendige Güter wie Einrichtungen auszugeben.

Vietnamesische Holz- und Möbelfabriken bauen Produktion aus

Rund 4000 Unternehmen sind nach Angaben des Branchenverbands HAWA (Handicraft and Wood Industry Association) in der Holzindustrie tätig. Hiervon zählen rund 93 Prozent zum Segment der kleinen und mittleren Unternehmen. Diese arbeiten in der Regel mit verhältnismäßig einfacher Technik. Sie produzieren hauptsächlich für den vietnamesischen Markt oder erstellen und montieren Holzteile für chinesische Auftraggeber.

Lediglich 7 Prozent aller Holz- und Möbelfabriken sind Großunternehmen. Diese allerdings stemmen einen Großteil der Exporte in die USA, Japan und die EU. Angesichts steigender Auftragszahlen registriert HAWA eine Zunahme an Investitionen in Anlagen und Ausstattung der Produktionsstätten.

Ausländisch investierte Firmen machen rund 10 Prozent der Branchenunternehmen aus, haben aber nach Auskunft der HAWA einen Marktanteil von 50% bei inländischen Verkäufen und Exporten. Chinesische und taiwanische Möbelunternehmen haben in den vergangenen Jahren verstärkt Fabriken nach Vietnam verlagert, um von Präferenzzöllen bei Exporten in die USA profitieren zu können. Holz- und Möbelunternehmen aus nichtasiatischen Staaten interessieren sich ebenfalls für den vietnamesischen Markt und seine Exportpotenziale und investieren in neue Produktionsstätten.

Zu den wichtigsten vietnamesischen Unternehmen der Branche zählen die Ha An Group, Than Than Dat JSC sowie die An Cuong Wood Working JSC. An Cuong ist Möbel- und Oberflächenproduzent und hält im Segment melaminbeschichteter Spanplatten einen Marktanteil von 50 Prozent. Seit 2016 ist die Deutsche Entwicklungsgesellschaft (DEG) mit 10 Millionen US$ am Unternehmen beteiligt. Das Nahrungsmittelunternehmen TH Group diversifiziert sein Portfolio und investiert in eine Holz- und Holzfaserplattenfabrikation in Nghe An. Scansia Pacific produziert in der südvietnamesischen Provinz Dong Nai Möbel für Ikea.

Projekte der holzverarbeitenden Industrie
Projektbezeichnung Investitionssumme in Mio. US$ Projektstand Anmerkungen
TH Group, Holzverarbeitungsfabrik, Ausbau, Provinz Nghe An 200 Ausbau angekündigt Geplante Jahreskapazität: 40.000 Kubikmeter Holzplatten und 400.000 Kubikmeter MDF-Platten
Than Than Dat JSC, Holzverarbeitungsfabrik 63,4 Baustart Dezember 2016, Fertigstellung 4. Quartal 2019 Geplante Jahreskapazität: 2.400 Kubikmeter Holzlamellen und 120.000 Kubikmeter MDF-Platten
Vietnam Rubber Group, MDF-Plattenproduktion, Provinz Kien Giang 61,2 Baustart 2016 Geplante Jahreskapazität 75.000 Kubikmeter MDF-Platten
Ha An Group, Holzverarbeitungsfabrik, Tan Duc Industrial Zone, Provinz Long An 4,4 Baustart Oktober 2017, geplante Fertigstellung April 2018 Möbel- und Holzprodukte

Quelle: Pressemeldungen, Zeitungsberichte

Absatzmarkt für deutsche Holzbearbeitungsmaschinen noch klein

Die Ausweitung der holzverarbeitenden Industrie in Vietnam birgt Chancen für Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen. Allerdings ist der Absatzmarkt für deutsche Produkte noch recht beschränkt. So importierte Vietnam 2017 Maschinen und Anlagen im Wert von knapp 290 Millionen US$. Mit Abstand wichtigster Lieferant ist China, das mit einem Lieferwert von mehr als 180 Millionen US$ fast zwei Drittel aller Maschineneinfuhren bestritt. Deutschland lag 2016 mit einem Lieferwert von knapp 6 Millionen US$ auf dem siebten Rang.

Vietnams Einfuhren von Holzbearbeitungsmaschinen (SITC 72.812)
Einfuhren 2015 (in Mio. US$) Einfuhren 2016 (in Mio. US$) Veränderung gegenüber dem Vorjahr (in %) Anteil 2016 (in %)
Gesamt 279,4 287,9 3,0 100,0
China 178,4 181,8 1,9 63,1
Taiwan 39,2 42,0 7,1 14,5
Südkorea 21,4 21,7 1,4 7,5
Japan 5,7 8,5 9,1 2,9
USA 4,8 8,1 68,7 2,8
Italien 13,9 8,0 -42,4 2,8
Deutschland 5,4 6,0 11,1 2,1

Quelle: UN Comtrade (Spiegelstatistik)

Für den Großteil der kleinen und mittleren vietnamesischen Unternehmen sind deutsche Maschinen zu teuer sowie zu elaboriert. Bei der Gruppe der ausländisch investierten Firmen fallen chinesische Produktionsstätten als Abnehmer ebenfalls weg; diese bringen ihre eigenen Maschinen mit. Als Kunden kommen daher lediglich größere, export- und qualitätsorientierte vietnamesische und andere ausländisch investierte Unternehmen in Betracht.

Hier bestehen für deutsche Unternehmen durchaus Absatzmöglichkeiten. So unterzeichnete das Unternehmen Dieffenbacher im Mai 2017 einen Vertrag über die Lieferung einer MDF-Gesamtanlage an die Thien Lam Dat JSC in Bac Giang. Die Anlage wird 2018 in Betrieb genommen.

Die deutsche Auslandshandelskammer vor Ort (http://www.vietnam.ahk.de) unterstützt auf der Suche nach geeigneten Geschäftspartnern. Auch eine Teilnahme an der im Zweijahresrhythmus stattfindenden Branchenleitmesse "Vietnam Wood" in Ho-Chi-Minh-City (http://www.vietnamwoodexpo.com) kann dazu beitragen, Geschäftskontakte zu gewinnen und zu vertiefen. Die nächste Auflage findet vom 18. bis 21. September 2019 statt.

(F.B.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Vietnam können Sie unter http://www.gtai.de/vietnam abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Vietnam Holz, Möbel, Papier, Pappe, allgemein, Möbel, -teile, (auch Metall / Kunststoff / Glas), Holzbearbeitungsmaschinen

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