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25.07.2014

Vietnam fördert immer weniger Öl und Gas

Intensivere Explorationstätigkeit offshore / Hightech-Ausrüstung wird eingeführt / Von Thomas Hundt

Hanoi (gtai) - Vietnams Ölförderung ist zwischen 2004 und 2013 von 20,7 Mio. auf 17,0 Mio. t gesunken. Die Schere zwischen lokalem Angebot und steigender inländischer Nachfrage wird sich künftig weiten. Auch die Gasressourcen versiegen, daher baut das Land Terminals zur Aufnahme von Flüssiggas. Die Suche nach neuen Offshore-Öl- und Gasfeldern wird ebenso intensiviert. Wichtigster Partner in dem Sektor ist Russland. Für deutsche Anbieter von Ausrüstungen bestehen dennoch Zulieferchancen. (Kontaktanschriften)

Vor Vietnams Küsten wurden in den letzten Jahren viele neue Ölreserven entdeckt. Mit insgesamt nachgewiesenen Vorkommen von 4,4 Mrd. Barrels lag das südostasiatische Land Ende 2013 in Asien nach der VR China (18,1 Mrd.) und Indien (5,7 Mrd.) an dritter Stelle. Die meisten neu explorierten Offshore-Felder sind aber nur sehr schwierig und mit hohem Aufwand zu erschließen.

Künftige Suchprojekte sollten auch in der Tiefsee nach erschließbaren Vorkommen bohren, meinen Fachleute. Hier bestehen allerdings Streitigkeiten über die Zugehörigkeit der Seegebiete mit der VR China.

Ölexploration und -förderung mit 90 ausländischen Firmen

Viele weitere Suchgebiete, die Vietnam ausgewiesen hat, sind noch gar nicht erforscht. Im Juni 2014 unterzeichneten Petrovietnam und die russische Gazprom eine Absichtserklärung, die mehr Explorationen vor den Küsten vorsieht. Das dafür zuständige Joint Venture Vietgazprom besteht seit 2002.

Vietnam investiert auch zusammen mit anderen ausländischen Partnern in die Exploration und Förderung seiner fossilen Vorkommen sowie in die Produktion von Petroleumprodukten. Dies eröffnet Lieferanten von Ausrüstungen gute Chancen, denn die lokale Petroindustrie muss "Hightech Equipment" ausschließlich über Importe beschaffen.

Entwicklung des Öl- und Gassektors 2004 bis 2013
2004 2012 2013
Erdöl
.Förderung (Mio. t) 20,7 17,0 17,0
.Verbrauch (Mio. t) 12,5 17,2 17,4
.Reserven (Mrd. Barrel) 3,1 4,4 4,4
Erdgas
.Förderung (Mrd. cbm) 4,2 9,4 9,8
.Verbrauch (Mrd. cbm) 4,2 9,4 9,8
.Reserven (Mrd. cbm) 220 617 617

Quelle: BP Statistical Review 2014

Der Staatskonzern Petrovietnam (PV) hat das alleinige Privileg, die Öl- und Gasressourcen in dem ASEAN-Mitgliedsland auszubeuten. Die PV-Manager rechnen damit, dass das Rohölförderniveau bis 2020 um die Hälfte fallen wird. Die Ressourcen in den bisher genutzten Offshore-Ölfeldern schwinden nach diesen Angaben.

PV pumpt zusammen mit internationalen Partnern Öl in sieben Offshore-Feldern ab. Das seit 1986 genutzte Ölfeld Bach Ho ("Weißer Tiger") im Cuu-Long-Becken vor der südvietnamesischen Küste geht 2015 zur Neige. Es war bislang das ertragreichste Vorkommen des Landes. Das Rohöl war von hoher Qualität und ging bis 2009 mangels eigener Raffineriekapazitäten in den Export. 2013 erzielte die Gesellschaft PV Oil, die als einzige Rohöl ausführen darf, mit einer exportierten Menge von 8,4 Mio. t Einnahmen von umgerechnet rund 7,2 Mrd. US$.

Zu Petrovietnam gehören 40 Unternehmen, die mit Einnahmen von insgesamt 36 Mrd. $ im Jahr 2013 mit Abstand den größten Konzern des Landes darstellten und wichtige Beiträge zu den Staatseinnahmen leisten. Die PV-Unternehmen investierten 2013 außerdem insgesamt 3,5 Mrd. $ in die Bereiche Upstream, Downstream und in die Stromerzeugung.

PV nahm 2009 die erste und bislang einzige Erdölraffinerie des Landes in Betrieb, die über eine Kapazität von 6,5 Mio. t verfügt. Derzeit geplante neue Raffinerieanlagen werden nach 2020 zusätzlich über 40 Mio. t des Rohstoffs benötigen. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage nach Rohöl werden Importe schließen müssen. Erste internationale Lieferverträge hat Vietnam bereits unterzeichnen können.

Der Petro-Konzern vereinbarte bisher ungefähr 90 Partnerschaften mit ausländischen Firmen. Die wichtigsten Verbindungen bestehen mit Russland. Vietnam gründete bereits im Jahr 1981 ein Joint Venture mit der russischen Zarubezhneft. Das Gemeinschaftsunternehmen Vietsovpetro betreibt die größten Ölfelder vor der Küste Südvietnams. Die Partnerschaft wurde schon 2010 bis zum Jahr 2030 verlängert.

Beteiligung an Gasförderung und -kraftwerken erwünscht

Seine Gasreserven und -fördermengen konnte Vietnam in den letzten Jahren stark ausbauen. Die Ende 2013 nachgewiesenen Ressourcen von 617 Mrd. cbm sind beachtlich und die Produktion hat sich zwischen 2004 und 2013 mehr als verdoppelt. Die 20 aktiv genutzten Gasfelder versiegen allerdings allmählich. Experten erwarten, dass die Förderung bis 2018 noch auf 15 Mrd. cbm steigen und danach rapide sinken wird.

Das geförderte Erdgas beziehen hauptsächlich inländische Kunden. Es fließt zu 85% in die Stromerzeugung des Landes. Rund 10% gehen in die Produktion von Düngemitteln und der Rest in die Produktion von Flüssiggas (Liquefied Natural Gas, LPG) oder findet industrielle Abnehmer. Im Jahr 2020 dürfte eine Lücke von 10 Mrd. cbm zwischen inländischem Angebot und lokaler Nachfrage entstehen, meint die Gesellschaft PV Gas. Das Unternehmen plant deshalb den Bau von Terminals zum Import von LNG.

PV Gas beabsichtigt, in der Provinz Ba Ria-Vung Tau den Thi Vai LNG Terminal mit einer Kapazität von 1,0 Mio. t zu errichten. Die Versorgungsbasis der gesamten Offshore-Öl- und Gasförderung einschließlich Werften befindet sich in dieser südvietnamesischen Provinz. Der Terminal soll 2017 das erste LNG aufnehmen. Den Auftrag für das "Front-End-Engineering-Design" erhielt bereits im Jahr 2012 die japanische Tokyo Gas Engineering.

PV Gas bietet ausländischen Investoren einen Anteil von 49% an einem weiteren Terminal an. Ein Projektentwurf sieht im Jahr 2018 die Inbetriebnahme der Anlage Son My in der Provinz Binh Thuan vor, die 1,8 Mio. t LNG jährlich aufnehmen soll. Staatliche Stellen planen in Son My den Bau von mehreren Kraftwerken, die das importierte Gas abnehmen werden.

Vietnam möchte auch mehrere neue Gaskraftwerke im Süden des Landes nahe der Stadt Can Tho mit einer Gesamtkapazität von 2.800 MW errichten. Die Gasversorgung des Komplexes in dem Ort O Mon ist aber nicht gesichert. Das Gas sollte ein Konsortium aus Petrovietnam und Chevron liefern. Beide wollten in den Blöcken B und 48/95 im Golf von Thailand Gas fördern und über eine 400 km lange Pipeline nach O Mon bringen. Im Februar 2014 kündigte Chevron jedoch an, dass es seinen Anteil an dem Projekt veräußern möchte. Chevron konnte sich mit Petrovietnam nicht über einen Gasabnahmepreis einigen.

PV Gas plant aber weitere Investitionen in sein Leitungsnetz. Das Unternehmen wird unter anderem eine neue Gaspipeline offshore vom Förderbecken Nam Con Son zum Bach-Ho-Becken errichten. Am 1.7.14 unterschrieb die Gesellschaft einen Kreditvertrag über 280 Mio. $ mit einem Bankenkonsortium, das die 151 km lange Leitung finanzieren soll.

Petrovietnam und Exxon Mobil erklärten ferner im März 2014, dass sie 87 km vor der Küste Zentralvietnams eine bedeutende Gaslagerstätte entdeckt haben, ohne deren Größe zu benennen. Diese soll nach ersten Entwürfen neue Gaskraftwerke mit einer Gesamtkapazität von über 6.000 MW versorgen. Die Konzerne prüfen nun die Machbarkeit des 20 Mrd. $ teuren Großvorhabens.

Kontaktanschriften:

Petrovietnam

18 Lang Ha, Hanoi

Tel.: 0084 4/38 25 25 26, Fax: -38 26 59 42

E-Mail: info@pvn.vn, Internet: http://www.pvn.vn

Petrovietnam Gas Joint Stock Corporation (PV Gas)

673 Nguyen Huu Tho, Nha Be District, Ho Chi Minh City

Tel.: 0084 8/37 81-67 77, Fax: -56 66

E-Mail: pvgas@pvgas.com.vn, Internet: http://www.pvgas.com.vn

(T.H.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Vietnam Öl, Gas, Bergbaumaschinen, Geo-Bohrtechnik

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Anna Westenberger

Wirtschaft

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