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05.08.2015

Vietnam steigt auf Busse und Bahnen um

Mehrere U-Bahn- und Schnellbuslinien sind im Bau oder geplant / Ausländische Entwicklungsbanken finanzieren und überwachen die Megaprojekte / Von Thomas Hundt

Hanoi (gtai) - U-Bahnen und Schnellbusse sollen Hanoi und Ho-Chi-Minh-City vor einem zu hohen Verkehrsaufkommen bewahren. Die Weltbank und andere Entwicklungsbanken finanzieren daher in beiden Städten mehrere moderne Bus Rapid Transport (BRT)- und Mass Rapid Transit (MRT)- Systeme. Die Chancen für deutsche Anbieter von Bahntechnik und Beratungsdienstleistungen hängen von der ausschreibenden Stelle und dem Geberland der Finanzierung ab.

Vietnam baut seinen öffentlichen Personennahverkehr aus. Für deutsche Unternehmen bieten die verschiedenen Ausschreibungen für beispielsweise die Fahrgastinformationssysteme, das Fahrgeldmanagement und Smartcards, die Sicherheitstechnik sowie die Verkehrsüberwachung Erfolgsaussichten. Die Ausschreibungs- und Vergabeverfahren führen die jeweils lokal zuständigen Projektmanagementeinheiten (Project Management Units) aus, die dabei von den Geberorganisationen der einzelnen Projekte überwacht werden. Die Systemtechnik muss dabei an die einzelnen Nahverkehrskonzepte der verschiedenen Großstädte angepasst werden.

Das Bus Rapid Transport (BRT)-Programm Hanois bietet die ersten konkreten Geschäftschancen. Das Schnellbussystem erhält eigene Fahrspuren, Haltestellen, moderne Fahrzeuge und Betriebsleittechnik. Den Startschuss für das BRT-Projekt gaben das Volkskomitee der Hauptstadt und die Weltbank im Jahr 2007 (Projektübersicht unter http://www.worldbank.org/projects/P083581/hanoi-urban-transport-development-project?lang=en).

Die Weltbank stellt 155 Mio. US$ an Krediten für die notwendige Infrastruktur sowie den Kauf von modernen Bussen und Systemtechnik zur Verfügung. Davon sind ungefähr 73 Mio. $ an Mitteln geflossen. Inzwischen hat Hanoi 14 Aufträge zum Umbau einer 15 km langen Ringstraße für BRT-Busse vergeben. Die Hauptstadt hat mit den Weltbankgeldern neue Busse bestellt, die auf der ersten Schnellbuslinie ab Ende 2016 verkehren sollen. Ursprünglich sollte die Linie Mitte 2015 den Betrieb aufnehmen. Die Weltbank beklagt jedoch Verzögerungen bei der Installation der Signaltechnik sowie beim Aufbau des elektronischen Fahrscheinsystems. Immerhin sind für 2015 noch Testläufe vorgesehen.

Öffentlicher Nahverkehr für Ho-Chi-Minh-City

Auch Ho-Chi-Minh-City wird mehrere Schnellbusrouten installieren. Die Weltbank genehmigte Ende Mai 2015 die Finanzierung der ersten BRT-Linie in der 7,5 Mio. Einwohner Metropole. Der Bau soll 2016 beginnen (Projektübersicht unter http://www.worldbank.org/projects/P126507/ho-chi-minh-city-green-transport?lang=en).

Die BRT-Strecke wird etwa 137 Mio. $ kosten, davon finanziert der Weltbankkredit 124 Mio. $. Die knapp 24 km lange Route wird über 28 Haltestationen verfügen. Die Weltbank stellt unter anderem die Gelder für die Beschaffung von mindestens 28 umweltfreundlichen Bussen bereit, die mit Erdgas angetrieben werden. Die Linie gehört zu insgesamt sechs Schnellbusstrecken, für die Machbarkeitsstudien erstellt wurden.

Danang, die drittgrößte Stadt Vietnams, plant ebenfalls ein BRT-System (siehe http://www.worldbank.org/projects/P123384/danang-sustainable-city-development-project-scdp?lang=en). Den Beratungsvertrag für die Entwurfsplanung, Erstellung der Dokumente und technische Beratung in Danang erhielt das spanisch-französische Joint Venture bestehend aus Getinsa Ingenieria und Artelia.

Deutschland beteiligt sich an Stadtbahnprojekt

Mass Rapid Transit (MRT) Systeme, über- und unterirdische Stadtbahnen, bilden die künftigen Hauptadern des öffentlichen Personennahverkehrs in Hanoi und Ho-Chi-Minh-City. Hanoi möchte insgesamt acht MRT-Linien und zwei Straßenbahnlinien bauen lassen (Übersicht unter http://www.mrb.gov.vn) und das ehemalige Saigon sechs MRT-Linien (http://www.maur-hcmc.vn). Zwei Strecken in Hanoi befinden sich im Bau, eine wird von der VR China finanziert und die zweite von Japan. Es kommen hauptsächlich Baufirmen und Systemtechnikanbieter aus den jeweiligen Geberländern zum Zuge.

In der Innenstadt von Ho-Chi-Minh-City schreitet der Bau einer sogenannten "japanischen" MRT-Linie Nummer eins voran. Finanziert wird er von der Japan International Cooperation Agency (JICA). Der Baubeginn der Linie zwei mit deutscher Beteiligung steht unmittelbar bevor. Die Gelder für die Bauleistungen der Linie zwei stellt die Asiatische Entwicklungsbank bereit. Die deutsche Entwicklungsbank KfW und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) werden die Beschaffungen von Ausrüstungen und Beratungsleistungen finanzieren.

Bus und Bahn als Lösung für steigendes Verkehrsaufkommen

Die künftigen U-Bahn- und Schnellbuslinien sollen Hanoi und Ho-Chi-Minh-City vor dem Verkehrskollaps bewahren. Immer mehr Menschen ziehen in die urbanen Zentren. Ihr Hauptbeförderungsmittel ist das Motorrad, landesweit sind mehr als 37 Mio. Stück unterwegs. Die privaten Haushalte leisten sich zudem mehr Autos, ungefähr 100.000 Pkw setzten die Autohändler 2014 ab (+43% gegenüber 2013).

Der Anteil öffentlicher Verkehrsmittel am Personenverkehr in Ho-Chi-Minh-City liegt nach Expertenschätzung 2015 bei ungefähr 11%. Die Stadtplaner in der südlichen Metropole wollen den Anteil bis 2025 auf über 40% anheben. Die Hauptstadt Hanoi hat sich eine Zielmarke von 50% gesetzt, die 2020 erreicht werden soll. Damit die Verkehrsteilnehmer vom Motorrad in Busse und Bahnen steigen, muss der öffentliche Personennahverkehr viel attraktiver als bisher gestaltet werden.

(T.H.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Vietnam Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein

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