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06.08.2014

Vietnam will mehrere Raffinerien errichten

Projekte in der Pipeline / Gute Chancen für Lieferanten von Ausrüstungen/ Von Thomas Hundt

Hanoi (gtai) - Investoren zeigen großes Interesse am Bau sowie der Erweiterung von Raffinerien in Vietnam . Die gesamten Rohölverarbeitungskapazitäten des Landes würden damit um mehr als 40 Mio. t zulegen. Der Rohstoff muss überwiegend importiert werden. Auch die Ausrüstungen für den Bau und Betrieb der Anlagen werden größtenteils aus dem Ausland zugeliefert. Deutsche Unternehmen konnten sich schon erste Aufträge sichern.

Vietnams Nachfrage nach raffinierten Erdölprodukten wuchs von 2001 bis 2013 durchschnittlich um 4,6% pro Jahr. Die einzige Erdölraffinerie des Landes, Dung Quat, produzierte 2013 ungefähr 6,6 Mio. t an Petroleumprodukten für den heimischen Markt. Damit legten sie 18% im Vergleich zum Vorjahr zu. Außerdem importierte Vietnam etwa 7,4 Mio. t an Erdölprodukten im Wert von 7,0 Mrd. US$, hauptsächlich aus Singapur und der VR China. Die Einfuhrmenge sank um circa 20% gegenüber 2012.

Die Märkte für Petroleumprodukte in Asien werden weiter wachsen. Davon will auch Vietnam profitieren. Neue Raffinerien sind in der Planung. Langfristig könnten sich die Verarbeitungskapazitäten vervielfachen. Vietnam möchte zu einem Exporteur von Petroleumprodukten aufsteigen.

Das interessanteste Projekt stellt der "Nghi Son Petrochemical Complex" dar, welches die Nghi Son Refinery and Petrochemical Company (NSRP) ausführt. Der Baustart war im Oktober 2013. Banken finanzieren ungefähr 5 Mrd.$ und weitere 4 Mrd.$ der Baukosten übernehmen die Gesellschafter der NSRP, darunter Idemitsu Kosan mit 35%, Kuwait Petroleum International (35%), Vietnam Oil and Gas Corporation (25%) und Mitsui Chemicals (5%). Das Konsortium vergab den Auftrag für "Engineering, Procurement and Construction (EPC)" im Januar 2013 an JGC, Chiyoda (beide Japan), Technip (Frankreich), SK Engineering and Construction und GS Engineering and Construction (beide Korea Rep.).

Das Rohöl wird Kuwait liefern. Nach der Inbetriebnahme sollen ab 2017 ungefähr 2,3 Mio. t an Benzin, 2,9 Mio. t Diesel, 380.000 t Polypropylen, 900.000 t Kerosin und 700.000 t an Flüssiggas (LPG) jährlich produziert werden.

Die Erweiterung der 2009 eröffneten Raffinerie Dung Quat steht ebenfalls oben auf der Tagesordnung. Petrovietnam verhandelt mit der russischen Gazprom eine Beteiligung von 49% an der zuständigen Betreibergesellschaft Binh Son Refining and Petrochemical Company. Mit neuem Kapital könnte die Kapazität um 3,5 Mio. t erhöht werden. Fest steht bereits, dass die Rosneft aus Russland das zusätzliche Öl beisteuern wird.

Geplante petrochemische Großprojekte in Vietnam
Projektbezeichnung Investitionssumme (in Mrd. Euro) Projektstand Anmerkung
Raffinerie Nhon Hoi, Provinz Binh Dinh 15 (erste Phase) Machbarkeitsstudie, Suche nach Partnern, geplanter Baubeginn 2016 Verarbeitungskapazität 20 Mio. t Rohöl jährlich in der ersten Phase, Investor PTT aus Thailand
Nghi Son Petrochemical Complex, Provinz Thanh Hoa 6,5 Baubeginn 2013, EPC-Auftrag an JGC (Japan), Fertigstellung 2017 Kapazität 10 Mio. t Rohöl, Investoren: Petrovietnam, Idemitsu Kosan, Mitsui (beide Japan), Kuwait Petroleum International
Long Son Raffinerie, Provinz Ba Ria-Vung Tau 3,3 Grundstückserschließung, Suche nach weiteren Kapitalgebern Kapazität 1,4 Mio. t Olefine, Investoren: SCG (Thailand), Qatar Petroleum, Petrovietnam, Vinachem
Raffinerie Vung Ro, Provinz Phu Yen 2,4 Investitionsgenehmigung 2008, EPC-Auftrag an JGC (Japan), Baubeginn 2014 anvisiert Kapazität 8 Mio. t Rohöl, Investoren: Technostar (Vereinigtes Königreich), Telloil (Russland)
Erweiterung der Raffinerie Dung Quat, Provinz Quang Ngai k.A. Ölliefervertrag mit Rosneft (Russland) unterzeichnet Erweiterung der Kapazität von 6,5 Mio. auf 10 Mio. t Rohöl, Investor: Petrovietnam, Verhandlung über Beteiligung von Gazprom

Quellen: Pressemeldungen

Raffinerieprojekte können sich in Vietnam lange im Anfangsstadium befinden. So erhielt die Vietnam National Petroleum Group (Petrolimex) 2008 die staatliche Investitionsgenehmigung, welche den Bau der Raffinerie Nam Van Phong in der Provinz Khanh Hoa mit einer Verarbeitungskapazität von 10 Mio. t Rohöl vorsah. Seitdem sucht Petrolimex nach Partnern. Die Projektkosten werden inzwischen auf 8 Mrd. $ geschätzt.

Ähnlich sieht die Lage einer geplanten Raffinerie in der Provinz Can Tho aus. Seit der Investitionsgenehmigung im Jahr 2008 sind verschiedene ausländische Partner von dem Projekt wieder abgesprungen. Die Gesellschaft Vien Dong Company wollte mit ihnen eine kleinere Raffinerie errichten, die 2 Mio. t Öl jährlich verarbeiten kann.

(T.H.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Vietnam Produktionsanlagen für Chemie, Petrochemie und Pharmazie

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Anna Westenberger

Wirtschaft

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Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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