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13.02.2015

VR China zählt zu attraktivsten Industrieroboter-Märkten

Modernisierungsdruck schafft gewaltigen Automatisierungsbedarf / Automobilbranche größter Nachfrager / Corinne Abele

Shanghai (gtai) - Die VR China setzt auf Modernisierung und Innovation. Grundlage dafür sind effiziente Herstellungsprozesse, die die Produktion hochwertiger Waren von gleichbleibend hoher Qualität ermöglichen. Automatisierung bis hin zum Einsatz von Industrierobotern ist dazu ein Schlüssel. Bereits jetzt ist China der weltweit attraktivste Markt für Industrieroboter für die Automobilindustrie. Derzeit ist der Markt fest in ausländischer Hand. Doch erste chinesische Firmen beginnen sich zu etablieren.

Massiv setzt die neue Regierung der VR China bei der Umstellung von quantitativem auf qualitatives Wachstum auf die Modernisierung durch Automation. Will sie langfristig das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf stabilem Niveau halten, muss die Umstellung von arbeitsintensiver Produktion hin zu effizienter Herstellung hochwertiger Produkte gelingen.

Denn die Löhne werden in den nächsten Jahren weiter steigen und die verfügbaren - vor allem gut ausgebildeten - Arbeitskräfte in wenigen Jahren einen deutlichen Engpass darstellen. Das Interesse der VR China am in Deutschland wesentlich geprägten Konzept "Industrie 4.0" ist daher riesig. Nur wer als Unternehmen den Sprung in höherwertige Produktsegmente schafft, dürfte sich langfristig am Markt halten.

Angesichts des Modernisierungsdrucks, der inzwischen auf fast allen Industriebereichen in China lastet, ist Automatisierung das beherrschende Thema. Gerade der deutsche Maschinenbau gilt aufgrund seines technologischen Know-hows als einer der bedeutendsten Modernisierungspartner für die chinesische Industrie. Kosten müssen reduziert, Produktionsabläufe effizienter gestaltet und die Produktqualität gesteigert werden. Doch wie viel Automatisierung ist gefragt?

In einer Unternehmensumfrage der Fiducia Management Consultants in Kooperation mit dem Chinaforum Bayern in Deutschland im November 2014 erwarteten 77% der Befragten zwar verstärkt Automatisierungsprozesse in der VR China, gingen jedoch auch davon aus, dass diese in den nächsten fünf Jahren nicht das deutsche Niveau erreichen würden. 70% der Umfrageteilnehmer sahen deutliche Produktionssteigerungen durch Automatisierung im Maschinenbau voraus. Damit lag die Branche hinter der Automobilindustrie (82%) und der Elektroindustrie (73%) an dritter Stelle.

Vor allem die Automobilbranche gilt als prädestiniert für weitgehende Automatisierung und den Einsatz von Robotern im Produktionsprozess. "China ist derzeit der weltweit attraktivste Markt für Industrieroboter", erklärt Georg Stieler, Leiter der Shanghaier Niederlassung der Stieler Technologie- und Marketing-Beratung. Bereits 2013 hat die Volksrepublik Japan als größten Markt für Industrieroboter überholt. Sie stellte rund ein Fünftel des weltweiten Markts. Die größte Nachfrage mit einem Anteil von etwa 40 bis 50% laut dem Beratungsunternehmen Solidiance dürfte aus der Automobilbranche kommen.

Automatisierungsfirmen erweitern ihre Präsenz in der VR China

Aber auch die Elektronikindustrie versucht, eine wachsende Anzahl von Arbeitsschritten durch Roboter übernehmen zu lassen und Arbeitskosten zu reduzieren. Immer wieder macht damit beispielsweise der weltweit größte Auftragshersteller für Elektronik- und IKT-Produkte, Foxconn, Schlagzeilen. Erst im Januar 2015 erläuterte eine Unternehmenssprecherin, dass sich die steigende Automatisierung auf die Anzahl künftiger Neuanstellungen von Foxconn in China auswirken werde. Aufgrund schnell wechselnder Produkte in den Produktionslinien ist der Einsatz von Industrierobotern äußerst anspruchsvoll. An Lösungen arbeiten Firmen wie Fanuc und Yaskawa aus Japan, aber auch der deutsche Hersteller Kuka oder die Schweizer ABB-Gruppe.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass diese Firmen ihre Präsenz im chinesischen Markt ausbauen. Erst im März 2014 eröffnete Kuka seine erste Roboterproduktion außerhalb Deutschlands weltweit in Shanghai. Das Werk hat eine Kapazität von bis zu 5.000 Robotern jährlich. Kuka ist führend im Automobilbereich, möchte aber auch Umsätze in anderen Industriesegmenten steigern.

Auch ABB baut seine Präsenz aus und will rund 300 Mio. US$ über die nächsten fünf Jahre in einen Produktions- und Entwicklungshub in Xiamen investieren. Damit sollen vor allem auch weitere Branchen wie Pharmazie oder die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie bedient werden. Fachleuten zufolge dürfte der Einsatz von Industrierobotern in den nächsten Jahren für viele Standardindustrieprozesse steigen.

Noch haben die führenden internationalen Hersteller den chinesischen Markt fest im Griff. Ihr Anteil dürfte sich Branchenkennern zufolge auf rund 90 bis 95% belaufen. "Doch die chinesischen Firmen werden den Markt für Automation nicht allein den Ausländern überlassen", erklärt Stieler.

Erste Unternehmen beginnen sich zu positionieren. Dazu zählt beispielsweise das in Shenzhen und Suzhou ansässige Unternehmen Inovance. Innerhalb von etwa zwölf Jahren hat es sich hinter ABB und Siemens als drittgrößter Hersteller von Invertern im chinesischen Markt für Industrieautomation etabliert und auch in den Bereichen PLC (Programmable Logic Controller), HMI (Human Machine Interface) und Motion Control beachtliche Kompetenzen aufgebaut. Einen Namen im Bereich von Industrierobotern hat sich auch Shanghai Siasun Robot & Automation gemacht.

"Smart Factory" noch Zukunftsmusik

In der Tat schießen im Bereich Industrieroboter und Automation derzeit in einigen Regionen wie beispielsweise Chongqing derartige Firmen regelrecht aus dem Boden. Häufig werden sie durch regionale Industriefördermaßnahmen unterstützt, schließlich zählt der Bereich zu den "neuen strategischen Industriebereichen" des 12. Fünfjahresprogramms. Manche Branchenexperten des chinesischen Markts warnen daher bereits vor dem Aufbau von Überkapazitäten durch inländische Hersteller am tatsächlichen Bedarf der Industriekunden vorbei.

Abschließend stellt sich die Frage, welchem Automatisierungsgrad die meisten chinesischen Firmen derzeit gewachsen sind. Eine generelle Einschätzung hierzu gibt es jedoch nicht. Einige Experten halten "Industrie 2.5"-Niveau für möglich: Dabei erfolgt eine zunehmend korrektere Erfassung von immer mehr Daten durch Sensoren und deren digitale Verarbeitung zur Steuerung des Produktionsprozesses, teilweise unter Einbezug von Industrieroboter-Anwendungen. Weitergehende Umsetzungen einer "Smart Factory" gemäß dem Konzept von "Industrie 4.0" erscheinen den meisten schwierig.

Dennoch weisen einzelne Projekte bereits heute in die Zukunft. So hatte bereits im September 2013 Siemens Electronic Works Chengdu (SEWC) den Startschuss für seine "digitale Fabrik" in der Hauptstadt der westchinesischen Provinz Sichuan gegeben. Die dortigen Prozesse sind vom Produktdesign bis zur Fertigung stark digitalisiert sowie Entwicklungsabteilungen und Fertigung vollständig miteinander vernetzt. Hergestellt werden vorrangig Simatic-Produkte zur Industrieautomatisierung für diverse Branchen von Metallurgie über Automobil bis hin zur Lebensmittelindustrie für den lokalen und internationalen Markt. Weitere derartige Anlagen dürften folgen.

(C.A.)

Dieser Artikel ist relevant für:

China Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures, Robotik und Automation, Digitalisierung

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