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26.10.2016

Wassermangel setzt Kuba unter Druck

Dürre in östlichen Landesteilen / Regierung erhöht Investitionen / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Kuba will 2017 trotz knapper Devisen mehr Geld in die Wasserversorgung und -reinigung investieren. Bereits in den vergangenen Jahren sind die Ausgaben konstant gewachsen. Laut dem Nationalen Institut für Wasserressourcen (Instituto Nacional de Recursos Hidráulicos - INRH) sollen die Mittel 2017 auf gut 400 Mio. US$ steigen, nachdem 2016 rund 380 Mio. US$ investiert werden. Ausländische Unternehmen sind vielfach als Dienstleister und Technologielieferanten involviert. (Internetadresse)

Die kubanische Regierung muss aufgrund von Dürren und hohen Verlusten der bestehenden Infrastruktur mehr für die Wasserwirtschaft tun. 2016 und 2017 liegt der Schwerpunkt der Maßnahmen darauf, die Wasserbestände und -lieferungen anhand von Wasserzählern genauer zu messen. Das INRH will eine vollständige Messung im öffentlichen Sektor erreichen, im Wohnungsbereich sollen zunächst 12% der Haushalte eingebunden werden. Dadurch steigt die Nachfrage nach Messausrüstung.

Daneben stößt das INRH den Ersatz von bestehenden durch wassersparende Armaturen an. Staatlichen Stellen und dem Wohnsektor sollen mehr entsprechende Produkte zur Verfügung gestellt werden. Über die staatlichen Einzelhandelsketten CIMEX und TRD Caribe werden pro Jahr rund 2 Mio. Einheiten vertrieben. Die Preise für besonders stark nachgefragte Produkte wie Wasserhähne, Waschbecken, Verbindungselemente und Toilettenspülungen wurden gesenkt.

Regierung reagiert mit Investitionsprogrammen auf Wassermangel

Bereits 2012 verabschiedete der kubanische Ministerrat eine neue Strategie für den Wassersektor, die sich in verschiedene Unterprogramme gliedert. Am umfangreichsten ist das Programm zur Reduzierung von Verlusten in den Wassernetzen (Programa de Reducción de Pérdidas en la Conducción de Agua, Saneamiento y Drenaje), in dessen Rahmen seit 2012 das Wassernetz in zwölf Städten des Landes erneuert wird, unter anderem Santiago de Cuba, Guantánamo, Las Tunas, Holguín, Camagüey und Havanna. Die Arbeiten werden in den kommenden Jahren fortgeführt. Außerdem bestehen Programme für die effiziente Wassernutzung, für den Tourismussektor, wo es immer wieder zu Wasserengpässen kommt, für neue Wohnsiedlungen und für die zur Instandsetzung und Erneuerung von Pumpen.

Die Maßnahmen werden immer dringender, da das Land in den vergangenen zwei Jahren aufgrund ausbleibender Regenfälle von Dürren heimgesucht wurde. Besonders die östlichen Landesteile wie Santiago de Cuba, Palma Soriano und Tercer Frente sind betroffen. 2016 sind die Niederschläge stärker als in den Vorjahren, trotzdem ist der Wasserstand vieler Reservoirs kritisch. Im Oktober 2016 hat zudem der Hurrikan Matthew Teile der Wasserinfrastruktur zerstört.

Zahlreiche Projekte in Vorbereitung und Durchführung

Um die betroffenen Gebiete mit zusätzlichen Wasserreserven zu versorgen, werden zurzeit an verschiedenen Stellen Kanäle gebaut und instand gesetzt. So soll Santiago de Cuba über einen 21 km langen Kanal vom Stausee Carlos Manuel de Céspedes mit zusätzlichem Wasser versorgt werden. In den Provinzen Sancti Spíritus und Ciego sowie in Holguín baut das INRH zwei neue Hauptleitungen, welche vorwiegend die Landwirtschaft, insbesondere den wasserintensiven Reisanbau, versorgen sollen.

Zu den größten aktuellen Projekten gehört der Neubau von fünf Meerwasserentsalzungsanlagen. Die erste von ihnen soll bis Jahresende mit einer Kapazität von 50 l pro Sekunde in Boca de Cabaña nahe Santiago de Cuba fertiggestellt werden. Die restlichen Anlagen werden ab 2017 in den Provinzen Villa Clara und Ciego de Ávila sowie auf den Inseln Cayo Largo del Sur und Isla de la Juventud errichtet. Sie werden neben der Versorgung der Bevölkerung den Fremdenverkehr in den Gebieten unterstützen.

Auch die Tourismusorte Varadero, Cayo Santa Maria, Cayo Coco, Cayo Cruz, Camagüey und Ramón de Antillas sollen von zusätzlichen Leitungen und Investitionen in die Wasserreinigung profitieren. In Varadero ist bereits seit 1994 die spanische Gruppe AGBAR (Aguas de Barcelona) durch ein Joint Venture mit dem INRH in der dortigen Wasserversorgung engagiert. In der Bucht von Havanna werden mit spanischer Unterstützung vier neue Kläranlagen gebaut: Mantilla (15 l pro Sekunde; bereits in Betrieb), San Matías (Eröffnung Ende 2016), Prosperidad (2017) und Monterrey (150 l pro Sekunde; 2019). Laut einer Studie sind weitere vier Anlagen nötig, um die Bucht vollständig sauber zu halten.

In der Gemeinde Jesús Menéndez (Provinz Las Tunas) plant das spanische Unternehmen Velamar eine Kläranlage mit Aktivkohlefiltern für die Versorgung von 17.000 Personen. Anfang 2015 hatte Velamar zusammen mit der ebenfalls spanischen Firma Tramasa in der Provinz Las Tunas bereits eine ähnliche Anlage für 6.000 Personen eingeweiht. Beide Unternehmen planen laut Presseangaben zudem den Aufbau einer Produktion in der Sonderwirtschaftszone Mariel. Von spanischer Seite ist neben den genannten Firmen unter anderen das Unternehmen GBM im Export von Wassertechnik nach Kuba tätig.

Starkes ausländisches Engagement

Kuba arbeitet bei der Modernisierung der Wasserinfrastruktur stark mit ausländischen Partnern zusammen. Laut Aussage des INRH stammen über die Hälfte der Investitionsmittel aus Krediten und anderen Zuwendungen ausländischer Regierungen, unter anderem aus Kuwait und Saudi Arabien. Bei fortgeschrittener Wassertechnik ist das Land auf Importe angewiesen, da sich die nationale Produktion auf einfache Produkte wie Rohre beschränkt. Für die Bauarbeiten wird zudem spezielle Ausrüstung wie Tunnelbohrmaschinen und Grabungsgerät benötigt.

Die spanische Entwicklungsagentur Agencia Española de Cooperación

Internacional para el Desarrollo (AECID) unterhält ein Programm für Verbesserung der Wasserversorgung und -entsorgung in kleineren kubanischen Städten. Beispielprojekte sind die Klärwerke in den Gemeinden Baguano und Cueto in der östlichen Provinz Holguín, die sich zurzeit in Planung befinden.

Deutsche Anbieter haben in der Vergangenheit Aufträge aus dem kubanischen Wassersektor gewonnen. So liefern etwa Wilo und KSB seit 2006 unter anderem energieeffiziente Split-Case- und Bohrlochpumpen an den Inselstaat. ThyssenKrupp Uhde installierte 2012 zusammen mit der Ingenieurgesellschaft Dr. Spang eine Chlor-Alkali-Elektrolyse-Anlage in der Provinz Villa Clara.

Spanien führendes Lieferland

Die starke Stellung spanischer Unternehmen spiegelt sich in der kubanischen Einfuhr von Wassertechnik wider. Spanische Firmen hatten bei den in der Tabelle dargestellten Produkten 2015 mit rund 33% den höchsten Lieferanteil und waren in den Produktkategorien 8413.70, 8413.92, 8413.82, 8421.99 und 8481 die führenden Anbieter. In der Liste der wichtigsten Liederländer folgten 2015 die VR China mit einem Anteil von 28%, Italien (8%) und Kanada (7%). Deutschland lag auf dem fünften Rang und hatte einen Importanteil von knapp 5%. Deutsche Lieferanten haben im Bereich der Pumpen eine vergleichsweise starke Stellung.

Kubanische Einfuhr von Wassertechnik (in 1.000 US$)
HS-Code Bezeichnung 2014 2015 davon aus Deutschland (2015)
8410 Wasserturbinen, -räder und Regler 63 1.590 81
8413.50 Kolbenpumpen und oszillierende Verdrängerpumpen 3.021 2.817 713
8413.60 Rotierende Verdrängerpumpen 6.640 5.332 796
8413.70 Zentrifugalpumpen 12.283 10.052 901
8413.82 Hebewerke für Flüssigkeiten 6.507 5.051 0
8413.91 Teile von Pumpen 16.060 24.875 1.834
8413.92 Teile von Hebewerken 2.591 3.524 0
8421.21 Apparate zum Filtern oder Reinigen von Wasser 8.226 12.238 478
8421.99 Teile von Apparaten zum Filtrieren oder Reinigen von Flüssigkeiten oder Gasen 6.070 12.506 477
8481 Regelarmaturen und Ventile 41.496 53.770 1.153
Gesamt 102.957 131.755 6.433

Quelle: ITC

Auf kommunaler Ebene ist das Importunternehmen Cubahidráulica für den Einkauf der benötigten Ausrüstung zuständig. Im Tourismusbereich gibt es weitere Importfirmen, die dem Tourismusministerium MINTUR (zum Beispiel das Unternehmen ITH) und der kubanischen Armee (zum Beispiel Tecnoimport) unterstehen. Für den Bedarf an Wassertechnik in der Zuckerindustrie und im Bergbau sind wiederum Firmen der Unternehmensgruppe der Zuckerindustrie Azcuba beziehungsweise des Energie- und Bergbauministeriums MINEM zuständig. Der Kontakt zu den Importunternehmen kann über die kubanische Handelskammer in Havanna geknüpft werden.

Internetadresse

Instituto Nacional de Recursos Hidráulicos (Nationales Institut für Wasserressourcen, INRH)

Internet: http://www.hidro.cu

(FST)

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Kuba Armaturen, Ventile, Filter, etc., Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Pumpen, Kompressoren, Kläranlagenbau

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