Suche

19.09.2016

Westschwedische Gemeinden stärken Zentrumslagen

Gewaltiges Stadtentwicklungsprojekt in Göteborg / Investitionen vor allem in den Wohnungsbau / Von Heiko Steinacher und Romy Helm

Stockholm (GTAI) - Göteborg und einige Gemeinden im Einzugsbereich der Stadt wachsen stark. Nach einer Untersuchung der regionalen Förderagentur Business Region Göteborg mit dem Technikberatungsunternehmen Sweco könnten sich die Bauinvestitionen im Großraum der westschwedischen Metropole in den nächsten 20 Jahren auf bis zu 750 Mrd. bis 1.000 Mrd. Schwedische Kronen (skr; etwa 80 Mrd. bis 105 Mrd. Euro, 1 Euro = 9,4913 skr im August-Durchschnitt 2016) summieren. Das meiste Geld fließt in den Wohnungsbau.

Um sich fit für die Zukunft zu machen, investieren mehrere Gemeinden in Schweden, vor allem im Westen des Landes, hohe Summen in den Umbau ihrer Stadtkerne. Da die geplanten baulichen Veränderungen auch eine Anpassung der Infrastruktur erfordern, fließen voraussichtlich auch große Beträge in Verkehrs- und Transportvorhaben.

Göteborg verfolgt eines der größten Stadtentwicklungsprojekte in Nordeuropa

Eines der größten Stadtentwicklungsprojekte in ganz Nordeuropa ist Älvstaden. Im Rahmen dieses Projekts sollen im Göteborger Zentrum 25.000 neue Wohnungen, zahlreiche Büroräume sowie Flächen für Einzelhandel und Dienstleistungen entstehen. Im Stadtteil Lindholmen ist auch ein Hochhaus (Karlavagnstornet) mit 266 m Höhe und 86 Wohnungen vorgesehen. Neben Lindholmen erstreckt sich das gewaltige Bauvorhaben auch auf die Stadtteile Gullbergsvass, Ringön und Södra Älvstranden sowie die Bereiche um das Einkaufszentrum Backaplan, den Hauptbahnhof und den Freihafen (Frihamnen).

Sowohl Baumaßnahmen als auch modernere, hochwertige Gewerbeflächen eröffnen auch ausländischen Firmen Geschäftschancen. "In den letzten Monaten haben einige Auslandsunternehmen bei uns Büros eröffnet und sich damit erstmals auf den Göteborger Markt gewagt", sagte der Geschäftsführer der Västsvenska Handelskammer Johan Trouvé gegenüber der Zeitung Framtidens Sverige.

Der staatliche schwedische Immobilienverwalter Jernhusen erarbeitet im Auftrag der Stadt ein Konzept zur Stärkung des Stadtkerns und dessen Infrastruktur, damit die westschwedische Metropole wie geplant bis zum Jahr 2025 doppelt so viele Reisende wie bisher befördern kann. Ferner untersucht eine vom Verkehrsausschuss der Stadt einberufene Projektgruppe Möglichkeiten für den Bau einer Drahtseilbahn über den Götakanal. Alle 45 Sekunden soll eine Gondel abfahren und jeweils bis zu circa 25 Personen in 12 Minuten von Järntorget bis Wieselgrensplatsen befördern. In den Bau der Seilbahn soll rund 1 Mrd. skr investiert werden.

Im Göteborger Stadtteil Södra Centrum errichten die Bauunternehmen Skanska und JM insgesamt 500 bis 600 neue Wohnungen. Hauptzielgruppe des auf Zugänglichkeit, bequemen ÖPNV-Anschluss und soziale Zusammengehörigkeit ausgerichteten, neuen Wohngebiets sind junge Erwachsene.

Weitere Bauprojekte vor allem südlich von Göteborg

Die stark wachsende Gemeinde Kungsbacka südlich von Göteborg verfolgt ebenfalls ein großes Umwandlungsprojekt: Auf der Hälfte bis zwei Dritteln eines insgesamt um die 2 ha großen Areals sollen gewerbliche Räume, auf dem übrigen mindestens 350 Wohnungen und bis zu 1.000 Parkplätze entstehen. Die ersten Gebäude sollen bereits bis 2018 fertiggestellt sein. Betreiber des Projekts ist die Immobilienfirma Aranäs.

In Partille unweit des internationalen Flughafens Landvetter östlich von Göteborg steht der Baukonzern Peab in den Startlöchern für den Bau eines neuen Wohnviertels namens Partille Port. Innerhalb von fünf bis zehn Jahren sollen dort 800 Wohnungen entstehen. Vorbereitende Arbeiten für die erste Bauetappe laufen schon. Die ersten Wohnungen in dem von Peab und KF-Fastigheter gemeinsam entwickelten Gebiet könnten im Jahr 2018 einzugsbereit sein.

Auch die Gemeinde Mölndal südlich von Göteborg steht vor einer großen Umwandlungsphase. Spätestens im Jahr 2022 soll das Zentrum soweit modernisiert sein, dass es auch zukünftigem Wachstum gerecht werden kann. Mehrere größere Unternehmen, darunter der Pharmakonzern AstraZeneca, die Modekette KappAhl und das Unternehmen für Hygiene- und Forstprodukte SCA, haben sich bereits in Mölndal angesiedelt. Das Stadtbauamt der knapp 64.000 Einwohner zählenden Gemeinde rechnet auch in den nächsten Jahren mit einer hohen Nachfrage nach Büroraum.

Alte Papierfabrik mausert sich in modernen Stadtteil

Ein noch größeres Vorhaben als die Umwandlung des Stadtkerns ist der Umbau eines alten Industriegebiets in Forsaker im Südosten Mölndals. Dort sollen 3.000 Wohnungen und 100.000 qm moderne Handels- und Kulturflächen entstehen. Vorgesehener Baustart ist 2019. Unter anderem dank der geplanten Nutzung von Wasserkraft soll sich Forsaker zukünftig komplett selbst mit grünem Strom versorgen.

Ausgewählte Bauprojekte im Großraum Göteborg
Bauprojekt Kosten (in Mrd. skr) Zeitraum Anmerkungen
Västlänken station Haga, Göteborg 2 bis 3 Baustart September 2017 Auftraggeber: Trafikverket Region Väst Regionkontor
Forsakeromradet (ehemals: Papyrus; Neubau von Mehrfamilienhäusern und Büroflächen, Mölndal) 2 bis 3 Baustart 2017 Projektentwickler: Aspelin-Ramm Fastigheter
Arendal 2, Arken (Ausweitung des Hafens mit neuen Kais, Göteborg) 2 Baustart 2017 Auftraggeber: Göteborgs Hamn
Vid Terminalen (Neubau von Büros, Göteborg) 1 Baustart 2017 Bauherr: Stena Fastigheter Göteborg
Gamla Electroluxfabriken (Neubau eines Erlebniszentrums mit Ferienanlage, Hotel und Handelseinrichtungen, Strömstad) 1 Baustart September 2017 Privatinvestor: Startsidan i Strömstad
Ausbau des internationalen Passagierterminals am Flughafen Landvetter 0,8 Baustart August 2017 Auftraggeber: Swedavia
Sahlgrenska/Laboratoriebyggnad (Neues Laborgebäude für die Sahlgrenska-Uniklinik, Göteborg) 0,6 Baustart 2017 Auftraggeber: Västra Götalandsregionen
Neubau von Wohnungen, Einzelhandels- und Büroflächen, Öckerbo 0,5 Baustart September 2017 Keine Angabe
Karlastaden (Neubau von Wohnungen, Göteborg) 0,5 Baustart September 2017 Bauherr: Serneke
Emylund (Neubau von Einfamilien- und Mehrfamilienhäusern, Älvängen) 0,4 bis 0,5 Baustart 2017 Keine Angabe

Quellen: Byggsök, Recherchen von Germany Trade & Invest

(S.H., R.H.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Schweden Straßen-, Brücken- und Tunnelbau, Gewerbebau, Baunebengewerbe, Wohnungsbau

Funktionen

Edda vom Dorp Edda vom Dorp | © GTAI/Rheinfoto

Kontakt

Edda vom Dorp

‎+49 228 24 993 279

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche