Recht Aktuell

04.10.2017

Ungarn - Erbringung von Firmensitzservice unter neue Anforderungen gestellt

Von Marcelina Nowak

(GTAI) Die Verordnung Nr. 7/2017 (VI.1.) des Justizministers, gültig ab dem 1. Juli 2017, und die Verordnung Nr. 9/2017 (VII.18.) des Justizministers, bringen wesentliche Änderungen bei den Anforderungen an die Erbringung von Firmensitzservices. 

Unter Firmensitzservice versteht man ein umfassendes Dienstleistungspaket für ein Unternehmen, das heißt die Gewährung von Firmensitz und Erfüllung aller Pflichten, die mit der laufenden Büroverwaltung zusammenhängen, wie zum Beispiel Entgegennahme amtlicher Korrespondenz.

Mit der Verordnung Nr. 7/2017 (VI.1.) wurden auch die Regelungen über den Firmensitz verschärft.

Der Dienstleister muss jetzt ein gut sichtbares Firmenschild an die Oberfläche der Immobilie anbringen. Er muss eine vollständige und aktuelle Liste über firmeneigene Unterlagen und Mobiliar führen. Diese Sachen müssen getrennt gelagert werden. Die Informationen über Posteingänge müssen innerhalb eines Werktages an das Unternehmen übermittelt werden.

Dienstleistungsverträge über den Firmensitzservice müssen ab jetzt schriftlich geschlossen werden. Diese Verträge dürfen nicht befristet abgeschlossen werden, es sei denn das Unternehmen wurde auch auf bestimmte Zeit gegründet. Die ordentliche Kündigung darf nicht vor Ablauf eines Jahres ausgesprochen werden.  

Nach den ungarischen gesetzlichen Bestimmungen muss jedes Unternehmen einen registrierten Sitz haben. Dienstleistungserbringer von Firmensitzservices können juristische oder natürliche Personen sein, sofern sie die rechtlichen Voraussetzungen der Verordnung Nr. 7/2017 (VI.1.) umsetzen. Anwaltskanzleien sind allerdings bereits seit dem 1. März 2012 nicht berechtigt, ein Unternehmen in Form des oben genannten Firmenservice zu betreuen.