Recht Aktuell

11.10.2017

Vereinigtes Königreich / Welt - LCIA veröffentlicht Bericht über Dauer und Kosten von Schiedsverfahren

Von Dmitry Marenkov und Karl Martin Fischer

(GTAI) Der London Court of International Arbitration (LCIA), eine der führenden Schiedsinstitutionen der Welt, hat am 3. Oktober 2017 einen Bericht über die Dauer und Kosten von Schiedsverfahren veröffentlicht. Der Bericht fasst die Praxis der vom LCIA administrierten Schiedsverfahren in den Jahren 2013 bis 2016 zusammen.

Demnach beträgt die durchschnittliche Dauer eines LCIA-Schiedsverfahrens 16 Monate. In 70 Prozent der Fälle mit einem Streitwert von weniger als einer Million US-Dollar ergeht der Schiedsspruch innerhalb von 12 Monaten. Das Schiedsgericht erlässt den Schiedsspruch im Schnitt drei Monate nach der Beendigung des Schiedsverfahrens. In diesem Zusammenhang ist die in Artikel 15.10 der LCIA-Schiedsordnung (Arbitration Rules) enthaltene Bestimmung zu nennen, wonach das Schiedsgericht bestrebt sein muss, den Schiedsspruch so schnell wie möglich („as soon as reasonably possible“) zu erlassen.

Gemäß dem Bericht fallen im Zusammenhang mit einem LCIA-Schiedsverfahren im Schnitt Kosten in Höhe von rund 97.000 US-Dollar an. Dieser Durchschnittsbetrag umfasst die Bearbeitungsgebühr der Schiedsinstitution und das Honorar des Schiedsgerichts. Anwaltskosten sind in dieser Statistik nicht erfasst. Zu berücksichtigen ist, dass sich die LCIA-Schiedsrichterhonorare - im Gegensatz zu einigen anderen kontinentaleuropäischen Schiedsinstitutionen – nicht nach Streitwert, sondern nach Stundensätzen richten. Dabei kann kein höherer Stundensatz als 450 Pfund Sterling verlangt werden. Regelungen zu Verfahrenskosten sind in Artikel 29 der LCIA-Schiedsordnung und der Gebührentabelle (Schedule of Costs) zu finden.

Dem Bericht zufolge wurden in 46 Prozent der LCIA-Schiedsverfahren im Zeitraum 2013 bis 2016 aus drei Schiedsrichtern bestehende Schiedsgerichte tätig, während in 54 Prozent der Fälle ein Einzelschiedsrichter eingesetzt wurde. Dabei ist eine eindeutige Tendenz zu erkennen, dass Streitigkeiten mit einem höheren Streitwert meist von einem Dreier-Schiedsgericht entschieden werden.

Der Bericht dürfte als Reaktion auf die in den letzten Jahren vermehrt geäußerte Kritik an den gewachsenen Kosten und Dauer von internationalen Schiedsverfahren zu verstehen sein. Die darin enthaltenen Vergleichsaspekte weisen auch auf einen Wettbewerb der führenden Schiedsinstitutionen der Welt untereinander hin, wie zum Beispiel mit der Internationalen Handelskammer (ICC) in Paris.

Der LCIA administriert seinen Jahresberichten zufolge jährlich 250 bis 300 Schiedsverfahren. Rund 80 Prozent der beteiligten Parteien kommen von außerhalb des Vereinigten Königreichs, was den sehr internationalen Charakter der LCIA-Schiedsgerichtsbarkeit unterstreicht. Die meisten Streitigkeiten entstammen dem Banken- und Finanzsektor, der Energie- und Rohstoffbranche sowie dem Bereich Seeschifffahrt und Transport. Meist wird eine LCIA-Schiedsvereinbarung in der Praxis mit einer Rechtswahlklausel zu Gunsten englischen materiellen Rechts und der Bestimmung von London als Schiedsort kombiniert.