Freihandelsabkommen

01.07.2015

Chemiestandort USA gewinnt an Attraktivität

Schiefergas fördert Wettbewerbsfähigkeit / Branchenverbände befürworten TTIP / Von Oliver Höflinger

San Francisco (gtai) - Die chemische Industrie in den USA und der EU würde nach Einschätzung von Branchenkennern überdurchschnittlich vom transatlantischen Abkommen TTIP profitieren. Neben dem Zollabbau versprechen sich die Akteure am meisten von einer regulatorischen Zusammenarbeit. Beim Außenhandel mit chemischen Produkten mit den EU-28-Ländern wiesen die USA 2014 insgesamt ein kräftiges Defizit auf. (Internetadressen)

In den USA hat die Chemiebranche stets eine gewichtige Rolle gespielt, wenn sie auch zuletzt an Dynamik verloren hatte. Mittlerweile haben sich ihre Zukunftsaussichten wieder kräftig aufgehellt. Den Hauptgrund für die im weltweiten Vergleich gestiegene Wettbewerbsfähigkeit stellt aus Sicht von Branchenkennern die Erschließung der US-Vorkommen von Schiefergas dar.

Dieses macht sich in der energieintensiven Chemiebranche nicht nur in Form niedrigerer Energiekosten bemerkbar, sondern auch in Form geringerer Kosten für Ausgangsstoffe. Zusammen mit weiteren Faktoren wie niedrigeren Lohnkosten haben sich die USA dem Branchenverband ACC (American Chemistry Council) zufolge bei maßgeblichen petrochemischen Erzeugnissen zu einem der Produzenten mit den niedrigsten Kosten weltweit entwickelt.

Was die Bedeutung der Chemieproduktion in den USA anbelangt, so steuerte das Segment chemische Produkte einschließlich Pharmazeutika laut Herstellerumfragen des U.S. Census Bureau zu den gesamten Auslieferungen des Jahres 2014 einen Anteil von 12,6% bei. Hinzu kamen die Segmente Kunststoff- und Gummierzeugnisse mit einem Anteil von 3,8% sowie Erdölraffinerien mit 13,0%.

Auslieferungen der Chemie nach ausgewählten Produktgruppen in den USA (in Mrd. US$, Anteil und Veränderung in %) 1) 2) 3)
Produktgruppe Wert 2014 Anteil 2014 Anteil 2015 4) Veränd. 2014/13 Veränd. 2015/14 4)
Verarbeitendes Gewerbe insgesamt 5.970 100,0 100,0 2,3 -3,4
.Chemische Produkte insgesamt 753 12,6 13,1 -1,7 -3,5
..Pharmazeutische Erzeugnisse 175 2,9 3,0 -6,5 -0,4
..Farben, Lacke und Klebstoffe 37 0,6 0,7 1,0 2,3
..Pestizide, Düngemittel und Agrarchemikalien 34 0,6 1,1 5,9 17,6
.Kunststoff- und Gummierzeugnisse 227 3,8 3,9 2,2 -0,9
.Erdölraffinerien 779 13,0 9,1 -5,8 -33,6

1) Value of Manufacturers Shipments, Shipments = Inlandsabsatz und Export; 2) nicht saisonbereinigt; 3) vorläufig; 4) im Zeitraum Januar bis April

Quelle: U.S. Census Bureau, 2015

USA weisen beim Chemieaußenhandel mit EU 28 kräftiges Defizit auf

Beim Außenhandel mit den EU-28-Ländern verzeichneten die USA 2014 im Segment chemische Produkte (NAICS 325) ein großes Defizit. Dabei schlug beim Außenhandel mit Deutschland ein US-Defizit von 15,8 Mrd. US$ zu Buche. Deutschland lieferte 11,1% der US-Chemikalienbezüge und nahm 3,5% der entsprechenden US-Ausfuhren ab.

Außenhandel der US-amerikanischen Chemie mit den EU-28-Ländern im Jahr 2014 (in Mrd. US$; Anteil in %)
Insgesamt Import 1) Export 2) + / - 3) Insgesamt Import Export
Chemikalien insgesamt 4) 404,4 204,8 199,6 -5,2 100,0 100,0 100,0
.davon aus / nach EU 28 143,1 88,3 54,8 -33,6 35,4 43,1 27,4
.davon aus / nach Deutschland 29,7 22,7 6,9 -15,8 7,3 11,1 3,5
Kunststoffe und Gummi insgesamt 5) 80,1 46,9 33,3 -13,6 100,0 100,0 100,0
.davon aus / nach EU 28 10,2 6,3 4,0 -2,3 12,8 13,3 11,9
.davon aus / nach Deutschland 2,6 1,9 0,7 -1,2 3,3 4,1 2,1

1) Grundlage: Customs Value; 2) Grundlage: FAS; 3) "+": US-Überschuss, "-" US-Defizit; 4) Chemicals (Abgrenzung nach North American Industry Classification System (NAICS) 325); 5) Plastics and Rubber Products (NAICS 326)

Quelle: US International Trade Commission; 2015

ACC setzt angesichts gestiegener Wettbewerbsfähigkeit der US-Chemie auf TTIP

Der Branchenverband ACC unterstützt die TTIP-Verhandlungen aus diversen Gründen. Generell sieht der Verband die US-Chemie nach wie vor in einer Phase der beispiellosen Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit, bedingt in erster Linie durch das Schiefergas.

Der ACC schätzt, dass vor diesem Hintergrund die Ausfuhren der US-Chemiebranche in den nächsten Jahren kräftig zunehmen werden. Bis 2019 soll sich die jährliche Wachstumsrate im Durchschnitt auf knapp 8% belaufen. Somit stelle sowohl die Suche nach neuen Absatzmärkten als auch die Reduzierung beziehungsweise der Abbau von Handelsbarrieren in bestehenden Absatzmärkten eine Priorität für die US-Chemiebranche dar.

VCI sieht vielerlei Vorteile für die deutsche Chemiebranche durch TTIP

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) befürwortet TTIP und fordert dabei grundsätzlich, alle Industriezölle zwischen den USA und der EU abzuschaffen, die regulatorische Kooperation voranzutreiben und neue Regeln zu schaffen, die über das bisherige multilaterale Regelwerk hinausgehen.

Was speziell die möglichen positiven Auswirkungen von TTIP auf die chemische Industrie in Deutschland anbelangt, so geht der VCI von 2.000 neuen Branchenarbeitsplätzen aus, einem Produktionsplus von 2 Mrd. Euro und einer zusätzlichen Wertschöpfung von 600 Mio. Euro. Bei letzterer würden erfahrungsgemäß 70% auf neue Arbeitsplätze und Entgelte sowie 30% auf höhere Gewinne der Unternehmen entfallen.

Internetadressen:

US-Branchenverband American Chemistry Council (ACC)

Internet: http://www.americanchemistry.com

US-Branchenverband Society of Chemical Manufacturers and Affiliates (SOCMA)

Internet: http://www.socma.com

US-Umweltschutzbehörde Environmental Protection Agency (EPA)

Internet: http://www.epa.gov

Standpunkt des Verband der Chemischen Industrie (VCI)

Internet: https://www.vci.de/vci/downloads-vci/top-thema/botschaften-forderungen-transatlantisches-freihandelsabkommen-ttip-de.pdf,https://www.vci.de/vci/downloads-vci/top-thema/daten-fakten-transatlantisches-freihandelsabkommen-ttip-de.pdf

(O.H.)

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Chemische Industrie, allgemein, Handels-, Zollabkommen, WTO, Freihandels-/Zollabkommen, WTO, allgemein

Kontakt

Robert Matschoß

‎+49 228 24 993 244

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