Freihandelsabkommen

02.03.2016

US-Importe aus Deutschland legen auch 2015 kräftig zu

Weitere Steigerungen erwartet/ Euro-Schwäche kommt deutschen Lieferanten entgegen/ Von Martin Wiekert

Washington D.C. (gtai) - Mit einem Gesamtwert von rund 124 Mrd. US$ haben die US-Warenimporte aus Deutschland 2015 ihren Rekordstand vom Vorjahr nochmals um 0,7% übertroffen. Dies geht aus einer neuen Außenhandelsstatistik hervor, die das U.S. Department of Commerce im Februar in Washington präsentierte. Die US-Gesamteinfuhren waren aufgrund drastisch gesunkener Erdölimporte um rund 4,5% rückläufig. 2016 kann die deutsche Exportwirtschaft in den USA weiterhin auf gute Geschäfte hoffen. (Internetadressen)

"Made in Germany" kommt in den USA derzeit gut an. Nach den neuen Daten des US-Handelsministeriums legte der US-Dollar-Wert der Importe aus Deutschland auch 2015 weiter zu. In Euro bemessen fallen die Zuwächse noch deutlich größer aus. So notierte die US-Währung im Jahresdurchschnitt 2015 um etwa 20% höher als im Jahr zuvor.

Die US-Gesamteinfuhren lagen dagegen 2015 um mehr als 100 Mrd. US$ im Minus. Ausschlaggebend war dabei der starke Rückgang bei Mineralölprodukten, deren Auslandsbezüge 2015 um 55% beziehungsweise 150 Mrd. US einbrachen. Neben dem weltweiten Preisverfall bei Erdöl zeichnete dafür auch der Anstieg der Eigenproduktion verantwortlich. Bei Nichterdölprodukten wurde im Betrachtungszeitraum ein Importplus von rund 45 Mrd. US$ verzeichnet (+2,3%).

Konsumnachfrage wieder auf Vorkrisenniveau

Wegen des stabilen wirtschaftlichen Aufschwungs können deutsche Unternehmen in den USA auch weiterhin auf gute Geschäfte hoffen. Konjunkturprognosen vom Februar lassen in diesem und im nächsten Jahr ein reales BIP-Wachstum von etwa 2,0 bis 2,5% erwarten. Den Hauptantreiber soll dabei der private Konsum spielen, der in den USA mehr als zwei Drittel der wirtschaftlichen Aktivitäten ausmacht. Im Jahr 2015 konnte er erstmals seit der Finanzkrise wieder um mehr als 3% zulegen. Weitere Beschäftigungszuwächse, eine anziehende Einkommensentwicklung und die nach wie vor günstigen Finanzierungskonditionen sollten die Verbraucherausgaben weiter beflügeln. Überdies sorgen auch hohe Benzinkosteneinsparungen für eine verbesserte Konsumbereitschaft im Land.

Während die Lieferaussichten bei Konsumgütern überaus vielversprechend erscheinen, ist das US-Marktumfeld bei Produktionsausrüstungen und industriellen Vorprodukten weniger eindeutig. Hier hängen die Geschäftschancen sehr stark von der jeweiligen Abnehmerbranche ab. Deutlich verschlechtert hat sich zuletzt die Lage im Öl- und Gassektor, wo die Investitionen wegen des Ölpreiseinbruchs signifikant zusammengestrichen wurden. In der boomenden Automobilbranche, in der anziehenden Bauwirtschaft und in vielen Konsumgüter produzierenden Bereichen sollten deutsche Lieferanten dagegen weiterhin auf eine robuste Nachfrage treffen.

Bundesrepublik ist für die USA fünftwichtigstes Bezugsland

Mit Gesamtlieferungen von rund 124 Mrd. US$ und einem Importmarktanteil von 5,5% rangiert die Bundesrepublik in der Statistik der wichtigsten US-Bezugsländer auf Rang fünf. Der Abstand zum Viertplatzierten Japan, in vielen Produktbereichen ein wichtiger Konkurrent der deutschen Wirtschaft, beträgt nur noch etwa 7 Mrd. US$. Die VR China konnte währenddessen ihre Position als wichtigster Lieferant Amerikas weiter ausbauen. Inzwischen stellt das Reich der Mitte mehr als ein Fünftel aller US-Importe.

US-Warenimporte nach Bezugsländern (Werte in Mrd. US$; Veränderungen in %)
Land 2013 2014 2015 Veränderung 2015/14
Alle Länder 2.268,4 2.347,7 2.241,7 -4,5
.VR China 440,4 466,8 481,9 3,2
.Kanada 332,6 347,8 295,2 -15,1
.Mexiko 280,6 294,1 294,7 0,2
.Japan 138,6 134,0 131,1 -2,2
.Deutschland 114,3 123,3 124,1 0,7
.Korea (Rep.) 62,4 69,5 71,8 3,3
.Vereinigtes Königreich 52,9 54,4 57,8 6,3
.EU-28 387,6 418,2 426,0 1,9

Quelle: U.S. International Trade Commission, U.S. Department of Commerce

Chemikalien, Maschinen und Fahrzeuge machen nach wie vor das Gros der deutschen USA-Lieferungen aus. Die entsprechenden SITC-Warenkategorien 5 und 7 stellen davon allein rund 77%. Überdurchschnittlich legten 2015 die Lieferungen von Arzneimitteln, Kfz und anderen Transportausrüstungen zu, während die Exportentwicklung in den verschiedenen Bereichen des Maschinenbaus eher uneinheitlich verlief.

US-Importe aus Deutschland nach wichtigen Warengruppen (Werte in Mio. US$; Veränderungen in %) *)
SITC-Warengruppe 2013 2014 2015 Veränderung 2015/14
Warenimporte insgesamt (SITC 0-9) 114.349,3 123.259,6 124.139,2 0,7
Warenimporte der SITC-Gruppen 5-8 107.673,5 116.391,6 116.738,3 0,3
5 Chemische Erzeugnisse 20.637,0 23.711,0 23.419,9 -1,2
.51 Organische Chemikalien 3.209,6 3.216,2 2.698,2 -16,1
.54 Arzneimittel 11.249,3 14.198,4 14.742,6 3,8
6 Vorerzeugnisse 9.659,6 10.163,2 9.793,9 -3,6
7 Maschinen und Fahrzeuge 66.912,3 71.422,1 72.840,2 2,0
.71 Kraftmaschinen 6.262,1 6.870,0 7.095,2 3,3
.72 Spezialmaschinen 5.789,4 6.214,7 6.143,5 -1,1
.74 Maschinen für verschiedene Zwecke 8.947,7 9.963,5 9.848,7 -1,2
.77 Elektrische Maschinen 7.260,0 7.620,2 7.845,5 3,0
.78 Kraftfahrzeuge 31.866,5 32.600,5 33.392,4 2,4
.79 Andere Transportausrüstungen 2.978,1 4.051,8 4.708,0 16,2
8 Fertigerzeugnisse 10.464,6 11.095,2 10.684,3 -3,7
.87 Mess-, Prüf- und Kontroll-instrumente, -apparate und -geräte 5.936,8 6.144,8 5.898,3 -4,0
.89 Andere verarbeitete Waren 3.250,7 3.468,2 3.301,7 -4,8

Quelle: U.S. International Trade Commission, U.S. Department of Commerce

US-Handelsbilanz tief im Minus

Die Zusammensetzung der US-Ausfuhren nach Deutschland ähnelt sehr stark den umgekehrten Warenströmen. Ebenso wie bei den deutschen USA-Exporten liegt auch hier der Fokus auf Erzeugnissen des verarbeitenden Gewerbes. Mit einem Gesamtwert von knapp 50 Mrd. US$ (+1,2% im Vergleich zu 2014) erreichten die US-Lieferungen 2015 jedoch nur etwa 40% des deutschen Ausfuhrvolumens. Das Handelsbilanzdefizit gegenüber der Bundesrepublik stand in diesem Jahr nahezu unverändert bei rund 74 Mrd. US$.

US-Auβenhandel mit Gütern und Dienstleistungen (in Mrd. US$, Veränderungen in %) 1)
2014 2015 Veränderung 2015/14
US-Warenexporte 1.620,5 1.504,6 -7,2
.in die EU 28 276,1 272,7 -1,3
.nach Deutschland 49,4 49,9 1,2
US-Warenimporte 2.347,7 2.241,7 -4,5
.aus der EU 28 418,2 426,0 1,9
.aus Deutschland 123,3 124,1 0,7
US-Handelsbilanzsaldo -727,2 -737,1 1,4 2)
.gegenüber der EU 28 -142,1 -153,3 7,9 2)
.gegenüber Deutschland -73,9 -74,2 0,4 2)
US-Dienstleistungsbilanz 233,1 227,4 -2,4
.gegenüber der EU 28 50,6 k.A. k.A.
.gegenüber Deutschland -4,6 k.A. k.A.

1) Veränderungsraten beziehen sich auf ungerundete Werte; 2) Defizitzunahme

Quelle: U.S. Bureau of Economic Analysis, U.S. Department of Commerce

TTIP soll den Transatlantikhandel beflügeln

Einen deutlichen Ausbau der deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen könnte die zwischen den USA und der EU angestrebte transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft TTIP mit sich bringen. TTIP wäre für die deutsche Wirtschaft von besonders hoher Relevanz, da die darin vorgesehenen Handelserleichterungen viele Produktbereiche betreffen, in denen deutsche Unternehmen sehr exportstark sind. Ein Zustandekommen des Partnerschaftsvertrags halten Experten jedoch frühestens 2017 für möglich.

Große Potenziale liegen überdies im transatlantischen Energiehandel. Die jüngste Aufhebung der US-Exportbeschränkungen für Rohöl bietet aus europäischer Sicht interessante Optionen, die Abhängigkeit von Erdölimporten aus Krisenregionen zu verringern (siehe zu diesem Thema auch http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=uskongress-stellt-wichtige-weichen-fuer-den-energiesektor,did=1402376.html).

Internetadressen:

Deutsch-Amerikanische Handelskammern (AHK USA)

Intenet: http://www.ahk-usa.de

(Anlaufstellen für deutsche Unternehmen in den USA)

Der Delegierte der Deutschen Wirtschaft/Representative of German Industry and Trade - RGIT

Internet: http://www.rgit-usa.com

(W.M.)

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Export, Import, Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, Konsum / Konsumentenverhalten, Handels-, Zollabkommen, WTO, Freihandels-/Zollabkommen, WTO, allgemein, Ausfuhrrecht, Export-/US-Exportkontrolle, allgemein

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