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15.02.2018

Iran will Pkw-Importe weiter drosseln

Neue Vorschriften erlassen / Hyundai und Renault führend / Von Robert Espey

Teheran (GTAI) - In Iran liegt der Marktanteil importierter Pkw bei nur noch 5 Prozent. Dennoch möchte die Regierung die Zahl der Importfahrzeuge weiter reduzieren. Im Januar 2018 wurden die ohnehin bereits hohen Zollsätze weiter angehoben. Zudem ist jetzt die Einfuhr von Luxusfahrzeugen grundsätzlich verboten, Ausnahmen sind allerdings möglich. Die Gesamtzahl der Importfahrzeuge dürfte 2017/18 etwa 70.000 Einheiten erreichen. Der Anteil deutscher Marken ist mit weniger als 4.000 Fahrzeugen derzeit gering.

Der Absatz lokal gefertigter Pkw dürfte 2017/18 (iranisches Jahr 1396; 21. März bis 20. März) auf rund 1,5 Millionen Einheiten steigen. Die schon sehr geringe Zahl der Importfahrzeuge soll durch höhere Zollsätze und andere Einfuhrbeschränkungen sowie durch ein lokales Angebot moderner Fahrzeuge weiter vermindert werden. Bislang besteht das lokale Angebot vor allem aus Modellen mit veralteter Technik und erheblichen Qualitätsmängeln.

Zollsätze stark angehoben

Im Sommer 2017 hatte die Regierung die Erteilung neuer Importgenehmigungen für Pkw ausgesetzt und neue Regularien angekündigt. Auf Basis eines Kabinettsbeschlusses vom 31. Dezember 2017 sind im Januar 2018 die geänderten Vorschriften in Kraft getreten. Die Importzölle wurden deutlich angehoben. Bislang bewegten sich die Zollsätze für Pkw mit Benzinmotoren (Diesel ist verboten) zwischen 15 und 55 Prozent (nach Motorgröße gestaffelt), nun sind es 55 bis 95 Prozent. Die Einfuhrzölle sind nur eine von vielen Abgaben und Steuern, die bis zur Zulassung eines Importfahrzeugs anfallen. Die Gesamtbelastung dürfte nunmehr bei Fahrzeugen mit Motoren über 2000 Kubikzentimeter fast 150 Prozent des Zollwertes erreichen.

Iran: Pkw-Einfuhren nach Modellen 2017 (Januar bis September)
Hersteller / Modell Einfuhren (in Einheiten) Importanteil (in Prozent)
Alle Hersteller/Modelle 67.745 100,0
.Hyundai Tucson 5.723 8,4
.SsangYong Tivoli 4.129 6,1
.Renault Captur 4.078 6,0
.Hyundai Santa Fe 4.018 5,9
.Lexus NX 3.793 5,6
.Renault/Dacia Duster 3.616 5,3
.Renault Symbol 3.502 5,2
.Nissan Juke 3.028 4,5
.Hyundai Sonata 2.982 4,4
.Renault Talisman 2.792 4,1
.Nissan X-Trail 2.356 3,5
.Renault Koleos 1.990 2,9
.Hyundai Elantra 1.210 1,8
.andere Modelle 24.528 36,2

Quellen: CE Auto News, bestsellingcarsblog.com

Die Einfuhr von Pkw mit einem CFR-Wert (Cost and Freight; einschließlich Transportkosten, aber ohne Transportversicherung) von über 40.000 US-Dollar (US$) ist jetzt verboten. Der Zollwert für die Erhebung der Einfuhrabgaben wird von der Zollverwaltung festgesetzt. Unverändert ist die Einfuhr von Fahrzeugen mit Motoren über 2.500 Kubikzentimeter untersagt.

Ausländische Unternehmen, die als Joint Venture Partner Pkw in Iran produzieren/montieren, dürfen Fahrzeuge ihrer Marke importieren und zahlen nur 80 Prozent der Einfuhrzölle. Diese Regelung gilt aber nur für Einfuhren im Wert von maximal 20 Prozent der Produktion des Joint Ventures. Von der Vergünstigung können zukünftig Peugeot, Citroen und Renault profitieren. Diese Unternehmen haben neue Gemeinschaftsunternehmen mit iranischen Automobilbauern gegründet, aber produzieren noch nicht oder nur geringe Stückzahlen.

Iran: Marktpreise ausgewählter Importfahrzeuge (in US$; Stand: Januar 2018)
Hersteller Modell Marktpreis 1)
Hyundai Tucson TL 57.000
Hyundai Sonata 52.000
Renault Koleos 71.000
Renault Talisman 58.000
Toyota RAV4 68.000
Mitsubishi Outlander 5 63.000
BMW 120 Innovation 55.000 2)
BMW 220 100.000
Volkswagen Passat 73.000
Volkswagen Tiguan 76.000

1) die Listenpreise der offiziellen Repräsentanten sind oft niedriger; 2) Listenpreis, noch nicht auf dem Markt

Quellen: Importhändler; Presseinformationen

Autoimporte sind nur möglich nach Registrierung eines offiziellen Repräsentanten. Dies setzt eine Vereinbarung mit dem ausländischen Hersteller oder mit einem offiziellen Distributor des Herstellers voraus. Ferner muss nachgewiesen werden, dass der After-Sales Service gewährleistet ist. Ein ausländischer Hersteller muss einem Repräsentanten keine Exklusivrechte einräumen, es sind mehrere Repräsentanten möglich.

Neben den offiziellen Repräsentanten können auch andere natürliche und juristische Personen Importgenehmigungen beantragen, wenn sie mit einem offiziellen Repräsentanten einen Vertrag über die Gewährleistung des After-Sales Service abgeschlossen haben.

Das Industrieministerium veröffentlicht Listen mit zugelassenen Import-Modellen und den jeweiligen offiziellen Repräsentanten. Die aktuelle Liste enthält 54 Modelle von 14 Herstellern/Marken: BMW, Citroen/DS, Hyundai, Kia, Toyota, MG (China), Borgward (China), Renault, Seat, SsangYong (Korea, Rep.), Foton (China), Volkswagen, Mitsubishi und Nissan. Als deutsche Modelle sind derzeit gelistet: BMW 120, BMW 125, BMW 220, VW Passat und VW Tiguan.

Hybridfahrzeuge bleiben begünstigt

Hybridfahrzeuge waren bislang mit einem niedrigen Zollsatz von 4 Prozent belegt. Mit Änderung der Importregularien wurde der Einfuhrzoll auch für Hybridfahrzeuge stark angehoben. Der Zollsatz richtet sich nach der Größe des Benzinmotors. Für Hybrid-Modelle mit Motoren über 2000 Kubikzentimeter sind es nun 65 Prozent, bei Motoren über 1500 bis 2000 Kubikzentimeter 45 Prozent und 25 Prozent bei bis zu 1500 Kubikzentimeter. Trotz Erhöhung der Zollsätze bleibt die Differenz gegenüber reinen Benzinmodellen erheblich und könnte den Absatz von Hybridfahrzeugen weiter wachsen lassen.

Nach Angaben der Iranian Auto Importers Association (IAIA) wurden in den ersten neun Monaten 2017/18 (21.3. bis 20.12.) insgesamt 5.928 Hybridfahrzeuge importiert, dies entsprach einem Anteil am Gesamtimport von rund 11 Prozent. Die Mehrheit der Hybridfahrzeuge (3.183 Einheiten) hatte einen Benzinmotor mit mehr als 1500 Kubikzentimeter. Derzeit sind die Benzin-Elektro-Modelle Toyota Prius (1798 Kubikzentimeter), Toyota C-HR (1798 Kubikzentimeter), Kia Optima (1999 Kubikzentimeter) und Hyundai Sonata (1999 Kubikzentimeter) zum Import zugelassen. Auf der Importliste finden sich keine Hybrid-Modelle mit externer Aufladung (per Stecker), für die Zollsätze zwischen 15 und 55 Prozent (je nach Motorgröße) gelten würden. Auch Diesel-Elektro-Fahrzeuge können nicht importiert werden.

Hybrid-Fahrzeuge sind auch für Kunden interessant, die einen Pkw mit einem grundsätzlich verbotenen Benzinmotor über 2500 Kubikzentimeter fahren möchte. Anträge auf Ausnahmegenehmigungen für Benzin-Elektro-Fahrzeuge sollen möglich sein. Allerdings beträgt der Zollsatz 100 Prozent und die Werthöchstgrenze von 40.000 US$ ist zu beachten.

Hyundai/Kia Gruppe verliert Marktanteile an Renault

In den ersten neun Monaten 2017/18 wurden 55.816 Pkw im Wert von 1,5 Milliarden US$ importiert, im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 49.424 Einheiten, so die IAIA-Daten. Der durchschnittliche Fahrzeugwert betrug rund 26.400 US$. Der Anteil der Fahrzeuge mit Motoren bis 1500 Kubikzentimeter lag bei lediglich 11 Prozent. Pkw mit mehr als 1500 bis 2000 Kubikzentimeter kamen auf 52 Prozent, die Kategorie über 2000 bis 2500 Kubikzentimeter auf 36 Prozent.

Die Hyundai/Kia Gruppe erreichte im Neunmonatszeitraum einen Anteil am Importmarkt von 31 Prozent (9 Monate 2016/17: 48 Prozent), es folgten Renault mit 27 Prozent (14 Prozent), Toyota/Lexus mit 14 Prozent (19 Prozent), Nissan mit 9 Prozent (3 Prozent) und SsangYong mit 6 Prozent (6 Prozent). Der Import von BMW-Fahrzeugen wird mit 2.931 Einheiten angegeben (Marktanteil: 5 Prozent), als offizieller Repräsentant ist Persia Khodro registriert.

Mit Verzögerung ist seit Anfang 2018 auch Volkswagen mit den Modellen Passat und Tiguan vertreten. Der Repräsentant ist die Mammut Gruppe, die in Iran auch im Lkw-Sektor (Scania Montage etc.) aktiv ist.

Mercedes hat bisher sein Pkw-Geschäft in Iran noch nicht wieder aufgenommen. Der Mercedes-Repräsentant, Setareh Iran, plant einen Neustart, beginnend mit Importen der C-Klasse. Lokale Zeitungen berichteten im Januar 2018, Mercedes werde wieder die E-Klasse in Iran produzieren. Die Meldung konnte aber nicht bestätigt werden. In kleinerer Stückzahl hatte Mercedes die E-Klasse zwischen 2008 und 2011 bei Iran Khodro Diesel produziert, die Montagelinie soll noch existieren.

Ein Großteil der iranischen Pkw-Importe wird über Dubai abgewickelt. Nach IAIA-Angaben kamen im Neunmonatszeitraum 2017/18 rund 69 Prozent der Fahrzeuge aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Aus Südkorea wurden 10 Prozent geliefert, aus Frankreich 5 Prozent, aus China 4 Prozent sowie aus der Türkei und Deutschland jeweils 3 Prozent.

(R.E.)

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.gtai.de/Iran

Dieser Artikel ist relevant für:

Iran Zolltarif, -wert, -verfahren, Warenursprung, allgemein, Einfuhrverbote, -beschränkungen, NTHs, allgemein, Personenkraftwagen (Pkw)

Kontakt

Jürgen Huster

‎+49 228 24 993 343

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