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30.08.2010
Wirtschaftsspionage - eine Herausforderung für den Verfassungsschutz
Proaktiver Wirtschaftsschutz - Abwehr von Wirtschaftsspionage / Von Herbert Kurek (BfV)
Köln (gtai) - Deutsche Unternehmen repräsentieren vielfältige Spitzentechnologie und tragen damit zu einer führenden Stellung Deutschlands im Weltmarkt bei. Technologisches Know-how und Marktstrategien deutscher Unternehmen stehen daher im besonderen Fokus von fremden Nachrichtendiensten und konkurrierenden Unternehmen. Gefährdet sind nicht nur so genannte "Global Player", sondern insbesondere innovative mittelständische Unternehmen. Quelle: Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV).
Der Forschungs- und Industriestandort Deutschland steht seit Jahren im Fokus fremder Nachrichtendienste und konkurrierender Unternehmen.
Wirtschaftsspionage und Konkurrenzausspähung haben auch im Zeichen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise Hochkonjunktur. Gefährdet sind nicht nur global agierende Konzerne, sondern auch innovative mittelständische Unternehmen und Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen.
Fremde Nachrichtendienste oder konkurrierende Unternehmen interessieren sich für anwendungsorientierte Forschung, die oft hohe Summen verschlingt, neue und zukunftsträchtige Technologien, aber auch für Unternehmens- und Marktstrategien. Die Informationsbeschaffung fremder Nachrichtendienste, insbesondere der VR China sowie der Russischen Föderation, erfolgt mit Mitteln und Methoden der offenen sowie der geheimen Nachrichtenbeschaffung. Sie bedienen sich dabei u.a. eigenen Nachrichtendienstpersonals an den getarnten nachrichtendienstlichen Stützpunkten an den diplomatischen Vertretungen. Nach wie vor werden menschliche Quellen genutzt, um Zugang zu geschütztem Know-how zu erhalten.
Zunehmende Bedeutung erhält die weltweite Datenvernetzung für neuartige Angriffs- und Ausspähungstechniken auf vertrauliches Know-how. Ein Beispiel hierfür sind elektronische Angriffe mittels E-Mails bzw. Internetangebote, die auf Zielrechner und -netzwerke Schadsoftware installieren, die zum anschließenden Informationsverlust führen kann.
Wie ein Ausspähungsversuch konkret aussehen kann, wurde an einem Beispiel deutlich, dass zuletzt auf der 4. gemeinsamen Sicherheitstagung des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) und der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft e.V. (ASW) unter dem Titel "Proaktiver Wirtschaftsschutz: Prävention durch Information" zur Sprache kam. Dort schilderte ein Sicherheitsexperte den folgenden Fall:
"...Anfang des Jahres ist uns ein Ausspähungsversuch im Büro einer Architektur- und Planungsgesellschaft bekannt geworden. Einem aufmerksamen Unternehmensmitarbeiter war aufgefallen, dass ein erst kurz zuvor eingestellter (...) Praktikant Projektdaten auf eine externe Festplatte kopiert hatte, obwohl er mit diesem Projekt ausdrücklich nicht befasst war.
Bei der daraufhin erfolgten Überprüfung des Festplatteninhalts wurden neben allgemeinen auch sensible Daten gefunden. Zum einen befanden sich auf der externen Festplatte die kompletten Planungsunterlagen eines wirtschaftlichen Großprojekts, welche in den Händen von Konkurrenzunternehmen nichts zu suchen hätten.
Zum anderen befanden sich dort sicherheitsrelevante Unterlagen bezüglich der Baumaßnahme einer deutschen Behörde. Insbesondere diese durch den Praktikanten unbefugt kopierten Daten wären für verschiedene fremde Geheimdienste von hohem Interesse...", so die Aussage des Verfassungsschützers, nachzulesen im Tagungsband 2010 der 4. gemeinsamen Sicherheitstagung (Seite 9).
Die zunehmende Bedrohung des Wirtschaftsstandortes Deutschland hat im Jahr 2008 zur Konstituierung des Ressortkreises Wirtschaftsschutz geführt. Unter der Leitung des Bundesministeriums des Innern und mit Beteiligung anderer Bundesministerien und Sicherheitsbehörden sowie der ASW als Kooperationspartner werden relevante Informationen zum Wirtschaftsschutz ausgetauscht und Konzepte zum Schutz der deutschen Wirtschaft entwickelt. Hierdurch wird eine optimierte Bündelung und interne Koordinierung vorhandener Informationen und Maßnahmen erreicht sowie eine zukunftsweisende "Public-Private-Partnership" mit der deutschen Wirtschaft angestrebt.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) sieht gemeinsam mit den Verfassungsschutzbehörden der Länder einen der Aufgabenschwerpunkte in der Abwehr der Wirtschaftsspionage. Hierbei steht Prävention durch Information im Rahmen vielfältiger Sensibilisierungsmaßnahmen im Vordergrund. Das BfV bietet nicht nur bilaterale Sicherheitsgespräche, sondern auch Sensibilisierungsvorträge in Unternehmen und bei Verbänden, diverse Publikationen, einen elektronischen Newsletter sowie ein umfangreiches Internetangebot (http://www.verfassungsschutz.de) zum Wirtschaftsschutz an. Neben eigenen Messeauftritten findet zweijährlich im BfV eine gemeinsame Sicherheitstagung mit der "Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft e.V." (ASW) statt. Referenten aus Behörden und Unternehmen berichten jeweils über aktuelle Aspekte des Wirtschaftsschutzes.
Grundlage für einen wirksamen Informationsschutz in den Unternehmen ist die Ermittlung der elementaren Unternehmenswerte ("Kronjuwelen"), die Voraussetzung für den Erfolg und Bestand eines Unternehmens sind. Basierend auf diesem "Risk-Management" gilt es ein Informationsschutzkonzept zu erstellen, das nicht jedwedes Risiko ausschließen muss, jedoch einen möglichst zielgerichteten Schutz des essentiellen Know-hows ermöglicht. Unter Berücksichtigung der zum Teil sehr unterschiedlichen Bedrohungsszenarien und Risiken, steht der Faktor Mensch/Mitarbeiter im Zentrum für mehr oder weniger Informationsschutz. Der aufgeklärt und sensibilisiert handelnde Mitarbeiter kann Sicherheitsrisiken erkennen, begrenzen und dadurch einen wesentlichen Beitrag zum Informationsschutz im Unternehmen leisten.
Die Verfassungsschutzbehörden bieten den Unternehmen hierbei ergänzende "Security-Awareness"-Unterstützung an.
Beim Verdacht illegalen Know-how-Verlusts sind die Verfassungsschutzbehörden der kompetente Ansprechpartner der Unternehmen. Sie unterliegen nicht dem Strafverfolgungszwang und können daher umfassende Vertraulichkeit und Quellenschutz garantieren. Aufgrund jahrzehntelanger Erfahrung im Bereich Spionageabwehr sind sie in der Lage, Verdachtssituationen zutreffend einzuschätzen und ggf. geeignete Maßnahmen zur Aufklärung zu ergreifen.
Prävention durch Information kann nur dann erfolgreich sein, wenn Staat und Unternehmen den Schutz der deutschen Wirtschaft als gemeinsame Aufgabe ansehen.
Denn: "Wirtschaftsschutz ist Teamwork!"
Herbert Kurek
Bundesamt für Verfassungsschutz - Abteilung Spionageabwehr, Wirtschaftsschutz -
Weiterführende Hinweise:
Informationen des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) zum Wirtschaftsschutz: http://www.verfassungsschutz.de/de/arbeitsfelder/af_spionageabwehr_und_geheimschutz/af_spionageabwehr_wirtschaftsspionage.html
Über die eMail-Adresse wirtschaftsschutz@bfv.bund.de erhalten Sie direkten Kontakt zum Bereich Wirtschaftsschutz des BfV und können z.B. einen elektronischen Newsletter zum Wirtschaftsschutz abonnieren.
Tagungsband "Proaktiver Wirtschaftsschutz: Prävention durch Information" der 4. gemeinsamen Sicherheitstagung des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) und der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft e.V. (ASW), elektronische Fassung abrufbar auf der Internetseite des BfV unter:
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