Zoll

Basiswissen Einfuhr in Algerien

Autorin: Amira Baltic-Supukovic (Mai 2016)

Basiswissen Einfuhr in Algerien bietet deutschen Exporteuren einen Kurzüberblick über die aktuellen Zoll- und Einfuhrbestimmungen mit einer Darstellung handelspolitischer Rahmenbedingungen, der Zollverfahren, Warenbegleitpapiere, Einfuhrabgaben sowie der Einfuhrverbote und -beschränkungen.

Einfuhrzölle und weitere Einfuhrabgaben

Algerien hat WTO-Beobachterstatus. Neben den regionalen Handelsabkommen GAFTA (Greater Arab Free Trade Area) und UMA (Arabische Maghreb Union) besteht ein Assoziationsabkommen mit der EU (Europa-Mittelmeer-Assoziationsabkommen). Die gemeinsame Freihandelszone mit der EU soll 2020 entstehen. Für viele Industriewaren mit EU-Ursprung besteht bereits Zollfreiheit. Seit Juli 2016 wird ein 10stelliger (vorher: 8stelliger) Zolltarif angewandt. Dieser basiert auf dem Harmonisierten System (HS). Bemessungsgrundlage für den Zoll ist im Regelfall der CIF-Wert.
Die Einfuhrumsatzsteuer beträgt 17%, der ermäßigte Steuersatz liegt bei 7%. Verbrauchsteuerpflichtig sind etwa alkoholische Getränke, Tabakwaren und bestimmte Fahrzeuge. Daneben existiert eine Vielzahl an Steuern und Abgaben, die auf bestimmte Warengruppen erhoben werden. Dazu gehören etwa die Verkehrssteuer auf Alkohol, die Steuer auf Erdölerzeugnisse und die Steuer auf neue Reifen.

Zollabfertigung

Wareneinfuhren sind vom Frachtführer vorab anzumelden. Im Seeverkehr gilt eine Frist von 24 Stunden. Innerhalb von 21 Tagen muss eine Zollanmeldung abgegeben werden. Zur Wahl stehen folgende Abfertigungsmöglichkeiten: Abfertigung zum freien Verkehr, Zolllager, Veredelung, vorübergehende Verwendung und Zollgutversand. Alle Einfuhren, deren FOB-Wert 100.000 algerische Dinar (DA) übersteigt, müssen grundsätzlich über eine zugelassene algerische Bank abgewickelt werden (Domizilierung). Im März 2016 wurde zusätzlich die Pflicht zur elektronischen Vor-Domizilierung eingeführt. Importierte Waren können grundsätzlich mit dem Dokumenteninkasso oder mit dem Dokumentenakkreditiv bezahlt werden.

Einfuhrlizenzen

Ende 2015 wurde in Algerien ein neues System der Importlizenzen eingeführt. Demnach bestehen zwei Arten von Lizenzen: automatische und nichtautomatische. Automatische Lizenzen dienen grundsätzlich statistischen Zwecken und werden innerhalb von 10 Tagen bewilligt.
Nichtautomatische Importlizenzen werden etwa im Zusammenhang mit Kontingenten vergeben. Führt das Handelsministerium ein Kontingent ein, muss der algerische Importeur eine nichtautomatische Importlizenz für die Einfuhr dieser Ware beantragen. Zur Zeit sind folgende Produkte betroffen: Zement, Fahrzeuge und Betonstahl sowie bestimmte Agrarprodukte mit Ursprung in der EU.

Warenbegleitdokumente

Der Zollanmeldung sind grundsätzlich beizufügen: Handelsrechnung, in Französisch oder Arabisch, Frachtpapiere, ggf. Packliste sowie ggf. Präferenznachweis (EUR.1/EUR-MED) für Waren mit EU-Ursprung/Ursprungskumulierung mit Mittelmeerländern oder Ursprungserklärung auf der Rechnung bei einem Warenwert bis 6.000 Euro. Je nach Ware werden sonstige Nachweise wie ein Analysezertifikat, Halal-Zertifikat, Pflanzen- oder Tiergesundheitszeugnis gefordert.

Etikettierungs- und Kennzeichnungsvorschriften, Verpackung

Waren sollten in möglichst seefester, diebstahlsicherer und stoßfester Verpackung versendet werden. Die Beschriftung ist grundsätzlich in Arabisch, wahlweise zusätzlich auch in Französisch abzufassen. Besondere Kennzeichnungsvorschriften gelten für eine Vielzahl von Waren wie Lebensmittel, Medikamente, Kosmetika, Pestizide, Textilien und Haushaltsgeräte. Für Verpackungsmaterial aus Holz ist der internationale Standard ISPM 15 anzuwenden.

Einfuhrverbote

Verboten ist die Einfuhr von Gebrauchtfahrzeugen, gebrauchten oder runderneuerten Reifen, gefälschten bzw. nachgeahmten Waren, Asbest oder asbesthaltigen Erzeugnissen, Feuerwerkskörpern, Spielzeugwaffen, gebrauchtem Schuhwerk, bestimmten Gefahrgütern wie radioaktivem und gefährlichem Abfall sowie über 350 medizinischen Wirkstoffen und Medizinprodukten, die in Algerien hergestellt werden.

Zertifizierung, Normen und Standards

Für eine Vielzahl von importierten Produkten kann für die Zollabfertigung und für die Marktzulassung ein Qualitäts- oder Konformitätszertifikat verlangt werden. Für einige Waren ist eine Einfuhrgenehmigung des zuständigen Ministeriums erforderlich. Das algerische Normeninstitut (Institut Algerién de Normalisation - IANOR) ist für den Ausbau eines nationalen Systems von Normen und Standards zuständig, das sich an den internationalen ISO- bzw. europäischen CEN-Normen orientiert.

Algerische Generaldirektion Zoll: http://www.douane.gov.dz
Für weitere Informationen lesen Sie bitte unser Merkblatt über gewerbliche Wareneinfuhren - Algerien

Kontakt

Amira Baltic-Supukovic

‎+49 228 24 993 347