Zoll

Basiswissen Einfuhr in Brasilien

Autorin: Susanne Scholl (August 2016)

Basiswissen Brasilien bietet deutschen Exporteuren einen Kurzüberblick der aktuellen Zoll- und Einfuhrbestimmungen des größten Landes innerhalb des Mercosur mit einer Darstellung handelspolitischer Rahmenbedingungen, der Zollverfahren, Warenbegleitpapiere, Einfuhrabgaben und der komplexen produktspezifischen Verbote und Beschränkungen.

Einfuhrzölle und weitere Einfuhrabgaben

Brasilien ist seit dem 1.1.95 Mitgliedstaat der WTO. Ein Freihandelsabkommen mit der EU wird seit mehreren Jahren verhandeIt. Es gilt das Harmonisierte System. Brasilien wendet den gemeinsamen Zolltarif des Mercosur mit Zollsätzen zwischen 0 und 35 % an, hat sich davon jedoch einige Ausnahmen vorbehalten. Der Durchschnittszollsatz beträgt für Brasilien laut WTO 13,5 %. Bemessungsgrundlage ist im Regelfall der cif-Wert. Verbrauchsteuerpflichtig sind Mineralölerzeugnisse, elektrische Energie und Mineralien. Die Steuer auf Gewerbeerzeugnisse beträgt zwischen 0 und 30 %, in Einzelfällen mehr. Weiterhin werden erhoben die Warenumsatzsteuer (je nach Bundesstaat 17 % oder 18 %), die Sozialabgaben im Regelfall in Höhe von 2,1 % und 9,65 %, die Abgabe zur Erweiterung der Handelsmarine in Höhe von 25 % des Seefrachteintrages im Bill of Lading und verschiedene Einfuhrgebühren.

Zollabfertigung

Warenimporte nach Brasilien dürfen nur von hierzu berechtigten brasilianischen Firmen oder deren Tochter- oder Schwestergesellschaften vorgenommen werden. Diese müssen im „Cadastro Nacional da Pessoa Jurídica“ (CNPJ) eingetragen sein. Besteht keine Tochter oder Schwestergesellschaft, kann ein brasilianischer Handelsvertreter eingebunden werden. Ist der Einführer ein Unternehmen, kann die Zollabfertigung nur über den Geschäftsführer, einen ausgewählten Mitarbeiter oder einen Mitarbeiter einer Tochter- oder Schwestergesellschaft bzw. einen Zollagenten vorgenommen werden.

Die Einfuhranmeldung ist im SISCOMEX für die Secretaría da Receita Federal zu registrieren. Die Registrierung erfolgt nach Feststellung der Höhe der Einfuhrabgaben. Nach Verschiffung der Waren und Eingang im Hafen werden die Waren zur Abfertigung auf unterschiedlich strenge Kontrollwege (Kanäle) geleitet werden (grüner bis grauer Kanal). Anschließend wird die Einfuhrbescheinigung erteilt. Es stehen folgende weitere Zollverfahren zur Auswahl: Versandverfahren, Vorübergehende Einfuhr (Brasilien akzeptiert seit Ende Juni 2016 das Carnet ATA u.a. für Messegut und zu Sportzwecken eingeführte Waren), Veredelung, Drawbackverfahren zur Erstattung gezahlter Einfuhrzölle, Zolllager, Verbringung in eine Zollfreizone, Ausfuhr.

Einfuhrlizenzen / Genehmigungen

Die Einfuhr zahlreicher Waren unterliegt einer Vorabprüfung unterschiedlicher Behörden. Brasilianische müssen Importeure vor Verschiffung im Ausfuhrland für diese Produkte eine nicht automatische Einfuhrlizenz (licencia não automática de importação) beantragen. Dies gilt für Nahrungsmittel, chemische Produkte, Arzneimittel, Textilprodukte, Maschinen und Apparate, Kfz, medizinische Geräte. Nichtautomatische Einfuhrlizenzen haben eine Gültigkeit von 90 Tagen ab dem Datum der Bewilligung hinsichtlich der Verschiffung der Waren nach Brasilien.

Warenbegleitpapiere

Der Zollanmeldung sind beizufügen: Einfuhrlizenz, Handelsrechnung in portugiesischer, spanischer oder englischer Sprache, internationaler Frachtbrief, See-B/L oder AWB, für bestimmte Waren Ursprungszeugnisse, gesundheitsamtliche Bescheinigungen, Analysezeugnisse, Prüfzertifikate, Packliste.

Etikettierungs- und Kennzeichnungsvorschriften, Verpackung

Die Etiketten sämtlicher in Brasilien verkaufter Produkte müssen für den Verbraucher korrekte, gut lesbare Informationen über Namen und Standort des Importeurs, Qualität, Menge, Zusammensetzung, Preis, Garantie, ggf. Lebensdauer, Ursprung, Risiken für Gesundheit und Sicherheit des Verbrauchers enthalten. Holzverpackungen müssen seit dem 1.2.2016 dem internationalen Standard ISPM 15 entsprechen. (mit Hitze oder Methylbromid behandelt, entsprechende Markierung oder Pflanzengesundheitszeugnis).

Einfuhrverbote

Einfuhrverbote bestehen u.a. für gebrauchte Fahrzeuge, gebrauchte Reifen, Amiant, Rückstände aus Erdöl oder Öl aus bituminösen Mineralien, dem Pflanzenschutzmittel DDT, Resten und Pulvern von Thallium.

Zertifizierung/Normen und Standards

Zertifizierungspflichtig sind u.a. elektrische Geräte und Spielzeug. Produkte, die in Brasilien obligatorisch zertifizierungspflichtig sind, müssen von einer bei dem "Instituto Nacional de Metrologia, Standardização y Qualidade Industrial" (INMETRO) akkreditierten Institution geprüft und zertifiziert werden. Im Allgemeinen müssen Produktprüfungen in Brasilien vorgenommen werden, es sei denn, es gibt dort keine entsprechende Institution.

Zollbehörde: http://idg.receita.fazenda.gov.br/

Für weiterführende Informationen lesen Sie bitte unser Merkblatt über gewerbliche Wareneinfuhren - Brasilien

Kontakt

Susanne Scholl

‎+49 228 24 993 348