Zoll

Basiswissen Einfuhr in Ghana

Autorin: Andrea Mack (Februar 2017)

Basiswissen Einfuhr in Ghana gibt einen kurzen Überblick über die wichtigsten aktuellen Zoll- und Einfuhrbestimmungen des westafrikanischen Landes. Es informiert deutsche Exporteure über Einfuhrverfahren, Warenbegleitdokumente, Abgaben sowie Verbote und Beschränkungen.

Einfuhrzölle und weitere Einfuhrabgaben

Ghana ist Mitglied der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten ECOWAS, die 2014 ein regionales Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (WPA) mit der Europäischen Union (EU) ausgehandelt hat. Das WPA befindet sich noch im Unterzeichnungsprozess. Nach Inkrafttreten sollen innerhalb von 20 Jahren in Westafrika die Zölle für 75% der EU-Ursprungswaren abgebaut werden. Bis dahin wenden Ghana und die EU ein bilaterales Interim-WPA an, das derzeit nicht für EU-Exporte nach Ghana gilt, da das zeitliche Zollabbauschema noch nicht beschlossen ist. Gegenüber Drittländern wendet Ghana den gemeinsamen Außenzolltarif der ECOWAS mit fünf Zollsätzen an: 0% für grundlegende Bedarfsgüter, 5% für Rohstoffe und Investitionsgüter, 10% für Zwischenerzeugnisse, 20% für Fertigwaren und 35% für sensible Waren. Bemessungsgrundlage für den Zoll ist in der Regel der cif-Wert.
Zusätzlich fallen an Einfuhrnebenabgaben an: 15% Mehrwertsteuer, Verbrauchsteuern auf Getränke, Tabakwaren und Kunststoffe, 2,5% für die staatliche Krankenversicherung, 1-2% Sondereinfuhrabgabe auf nahezu alle Waren, 5% Einfuhrabgabe auf Geflügel und Textilprodukte, Abgaben für gebrauchte Fahrzeuge, jeweils 0,5% Abgabe für ECOWAS und EDIF (Export Development and Investment Fund), 1% Bearbeitungsgebühr für zollfreie Waren sowie 0,4% Zollabfertigungsgebühr und 1% Quellensteuer.

Zollabfertigung

Seefrachtsendungen sind mindestens 72 Stunden vor Ankunft in Ghana anzumelden. Eine einheitliche Referenznummer der Warensendung (UCR-Nummer) ist zu beantragen und auf allen handelsrelevanten Begleitdokumenten anzugeben. Zollanmelder kann der Importeur oder ein beauftragter lizenzierter Zollagent sein. Im Rahmen des Pre-Clearance-Prozesses übermittelt der Zollanmelder eine Vorab-Einfuhranmeldung IDF an das zum Single Window ausgebaute elektronische Zollabfertigungssystem GCNet https://emda.gcnetghana.com/mda/TraderLogin.do, mit dem alle Zollbeteiligten vernetzt sind. Die ghanaische Zollbehörde ermittelt anhand des Risikoanalysesystems PAARS Art und Umfang der durchzuführenden Warenprüfung und erstellt anschließend einen Prüfbericht CCVR, der für die Freigabe der Waren erforderlich ist.

Einfuhrlizenzen / Genehmigungen

Einfuhrgenehmigungen des zuständigen Ministeriums sind für eine Vielzahl von Waren erforderlich. Dazu gehören Zahlungsmittel, Diamanten, Kinofilme, Spielautomaten, lebende Tiere, tierische und pflanzliche Erzeugnisse, Nahrungsmittel, Pestizide, Waffen und Munition, Explosivstoffe, Handschellen, Schlüsselmaschinen, Papier, Ticket-Druckmaschinen, bestimmte Spirituosen, Quecksilber und als Risikogüter eingestufte Produkte.

Warenbegleitpapiere

Der Zollanmeldung sind grundsätzlich folgende Dokumente in englischer Sprache beizufügen: Handelsrechnung mit allen handelsüblichen Angaben und genauer Übersicht über die in den einzelnen Packstücken gelieferten Waren (anstelle einer detaillierten Packliste), Frachtpapiere (Konnossement oder Luftfrachtbrief), ggf. Ursprungszeugnis und je nach Ware sonstige Bescheinigungen wie Einfuhrgenehmigung, Konformitätszertifikat für Risikogüter, Pflanzen- bzw. Tiergesundheitszeugnis oder Analysezertifikat.

Etikettierungs- und Kennzeichnungsvorschriften, Verpackung

Verpackungen müssen generell auf Englisch mit folgenden Angaben gekennzeichnet werden: Warenbezeichnung/Produktname, Name und Anschrift des Herstellers, Ursprungsland, Nettoinhalt, bei Nahrungs- und Arzneimitteln Inhaltsstoffe bzw. Wirkstoffkonzentrationen, Herstellungsdatum, Mindesthaltbarkeits- bzw. Verfallsdatum, Lagerungsbedingungen, Gebrauchsanweisung, Chargen-/Losnummer. Daneben gelten besondere Etikettierungsvorschriften für bestimmte Warengruppen wie Tabakwaren, Alkoholika, Kühl- und Gefriergeräte. Für Holzverpackungen verlangt Ghana eine Behandlung gemäß den Standards der IPPC.

Einfuhrverbote

Einfuhrverbote bestehen für infizierte Tiere/Tierkörper, Perlen aus Zelluloid, Rohkaffee transportiert über Land/inländische Wasserwege, nicht den Standards entsprechende Münzen, verdorbene Nahrungsmittel, Schlagringe und Totschläger, als skandalös bewertete Publikationen, Falschgeld, als obszön angesehene Artikel jeglicher Art sowie gefährliche Waffen wie Springmesser. Hinzu kommen andere per Gesetz verbotene Einfuhrwaren wie Giftmüll, Produkt- und Markenfälschungen, diverse Gebrauchtwaren (Unterwäsche, Matratzen, Sanitärkeramik, Klimageräte, Kühl- und Gefrierschränke).

Zertifizierung/Normen und Standards

Die Einfuhr von Risikowaren ist registrierungs- und genehmigungspflichtig. Als Risikowaren gelten Lebensmittel, Pharmazeutika, Kosmetika, elektrische und elektronische Produkte, Chemikalien, Baustoffe, Secondhand-Kleidung, Kfz-Ersatzteile und Zubehör, Industriemaschinen, Textilien, Spielwaren, Waffen und Munition. Die Normenbehörde Ghana Standards Authority (GSA) verlangt ein Analyse- oder Konformitätszertifikat von autorisierten Prüflaboren im Exportland, das die Einhaltung der geltenden ghanaischen oder gleichwertigen internationalen Normen und Qualitätsstandards bestätigt. Die Food and Drug Authority (FDA) überwacht die Einhaltung der Standards für Lebens- und Arzneimittel, Kosmetika, Medizinprodukte, Haushaltschemikalien und Tabakwaren.

Zollbehörde: Ghana Revenue Authority - http://gra.gov.gh
Für weitere Informationen lesen Sie bitte unser Merkblatt über gewerbliche Wareneinfuhren – Ghana

Kontakt

Andrea Mack

‎+49 228 24 993 346