Zoll

Basiswissen Einfuhr in Indien

Autor: Jürgen Huster (September 2015)

Basiswissen Einfuhr bietet Einsteigern eine kurze Übersicht zum Einfuhrrecht des südasiatischen Landes. Neben Hinweisen zum Zollabfertigungsverfahren beinhaltet die Kurzdarstellung Informationen zu Zöllen und Einfuhrnebenabgaben, Einfuhrlizenzen/Genehmigungen, Etikettierungs-und Kennzeichnungsvorschriften sowie Zertifizierung/Normen und Standards.

Einfuhrzölle und weitere Einfuhrabgaben

Indien ist Mitglied der WTO. Freihandelsabkommen bestehen u.a. mit Japan, Korea (Rep.) und der südostasiatischen Staatengemeinschaft ASEAN. Mit der Europäischen Union (EU) wird zurzeit über ein Freihandelsabkommen verhandelt.
Der Zolltarif Indiens basiert auf dem Harmonisierten System zur Bezeichnung und Codierung der Waren (HS). Bemessungsgrundlage für die Erhebung der Abgabe „Zoll“ ist der Zollwert der Waren, das ist in der Regel der Transaktionswert. Dabei handelt es sich um den für die Waren gezahlte oder zu zahlende Preis zuzüglich Transport- und Versicherungskosten bis zur Eingangszollstelle in Indien, falls diese Kosten nicht bereits im Preis enthalten sind. Grundsätzlich wird in Indien der Wert CIF + 1% Anlandungskosten als Zollwert akzeptiert. Der Höchstzollsatz für Industriewaren beträgt 10%. Für Kraftfahrzeuge gelten höhere Zollsätze (bis 100%).
Als Einfuhrnebenabgaben fallen grundsätzlich die Ausgleichsteuer („Countervailing Duty of Excise“ – CVD) mit einem Normalsteuersatz von 12,5% sowie die Sonderausgleichsteuer („Special CVD“ – 4%) an.  

Zollabfertigung

Wareneinfuhren sind mit dem Import-Manifest (IGM) bei Seefracht grundsätzlich mindestens 48 Stunden vor Eintreffen der Ware zu melden, für Luftfracht gilt eine Vorabmeldefrist von mindestens zwei Stunden. Zur Zollanmeldung von Waren muss der indische Importeur grundsätzlich bei der Außenhandelsbehörde DGFT   mit einer Importer Exporter Codenummer (IEC) registriert sein. Die Waren werden mit der Zollanmeldung (Bill of Entry) unter Vorlage der Warenbegleitpapiere zum zollrechtlich freien Verkehr („for home consumption“) oder für ein Zolllagerverfahren („warehousing“) angemeldet. Für die Zollanmeldung kann sich der Importeur von einem von der Zollverwaltung registrierten Zollagenten (Customs Broker) vertreten lassen. Nach Informationen der indischen Zollverwaltung wurden inzwischen an den wichtigsten Zolldienststellen des Landes die technischen Voraussetzungen für eine elektronische Anmeldung über EDI (Electronic Data Interchange) sowie den Indian Customs and Excise Gateway (ICEGATE) geschaffen. Für bestimmte vertrauenswürdige Unternehmen sind im Rahmen des „Accredited Clients Programme (ACP)“ Vereinfachungen bei der Import-Zollabfertigung und den Förmlichkeiten vorgesehen.

Einfuhrlizenzen / Genehmigungen

Importbeschränkungen gelten u.a. für  Marmor und Granit (HS-Codes 25.15 und 25.16), Asche, Schlacken und Rückstände (26.20, 26.21), bestimmte organische chemische Erzeugnisse (aus Kapitel 29), Pulver, Sprengstoffe und pyrotechnische Artikel (aus Kapitel 36), gebrauchte und runderneuerte Luftreifen ( aus 40.12), Zeitungsdruckpapier (48.01), Golderzeugnisse (71.08), Sendegeräte für den Rundfunk oder das Fernsehen (aus 8525.10), bestimmte Radar-, Funknavigations- und Funkfernsteuergeräte (aus 85.26) sowie für  Gebrauchtwaren (außer gebrauchte Investitionsgüter).  

Warenbegleitpapiere

Für eine ordnungsgemäße Zollanmeldung in Indien sind folgende Warenbegleitpapiere erforderlich: Handelsrechnung, dreifach, in englischer Sprache, Frachtpapiere (Konnossemente oder Luftfrachtbriefe), Ursprungszeugnis (grundsätzlich nur erforderlich für Waren, die in Indien handelspolitischen Schutzmaßnahmen wie Antidumpingzöllen unterliegen), Packliste und je nach Ware sonstige Nachweise wie Pflanzengesundheitszeugnis oder Analysezertifikat.

Etikettierungs- und Kennzeichnungsvorschriften, Verpackung

Für verpackte Industrieerzeugnisse, die auf dem indischen Markt verkauft werden, sind die folgenden Kennzeichnungen erforderlich: Name und Adresse der Importeurs, Warenzeichen, Nettogewicht und Anzahl der in der Verpackung befindlichen Waren, Herstellungs-, Verpackungs- oder Importdatum, maximaler Einzelhandels-Verkaufspreis („maximum retail sale price“). Für Nahrungsmittel sind die folgenden Angaben vorgeschrieben:  Bezeichnung des Nahrungsmittels, Liste der Inhaltsstoffe, Angaben zu Nähr- und Zusatzstoffen, Hersteller und Ursprungsland, FSSAI-Logo der indischen Nahrungsmittelüberwachungsbehörde mit der Lizenznummer des Markeninhabers. Für Verpackungsholz ist die Behandlung und Markierung gemäß ISPM-15 Standard vorgeschrieben. Bei Fehlen einer entsprechenden Markierung ist die Behandlung mit einem Pflanzengesundheitszeugnis  nachzuweisen.

Einfuhrverbote

Ein Einfuhrverbot gilt für Rindfleisch und Rindfleischerzeugnisse, Lab und seine Konzentrate, Goldmünzen sowie Waren aus Elfenbein.

Zertifizierung/Normen und Standards

Für bestimmte Waren ist eine Konformitätsbewertung und Registrierung bei der indischen Normenbehörde BIS vorgeschrieben. Zu dem Warenkreis zählen u.a. Milchpulver, Säuglingsnahrung, Mineralwasser, Reifen und Schläuche aus Kautschuk, bestimmte Stahlrohre, bestimmte elektrotechnische Hausgeräte, EDV-Geräte und Peripheriegeräte, Mobiltelefone, Schalter und Sicherungen, Stromkabel, Stromzähler, Gasflaschen und Vorrichtungen sowie  medizinische Röntgenausrüstungen.

Zollverwaltung Indien: www.cbec.gov.in
Für weitere Informationen lesen Sie bitte unser Merkblatt für gewerbliche Wareneinfuhren – Indien

Kontakt

Jürgen Huster

‎+49 228 24 993 343