Zoll

Basiswissen Einfuhr in Kanada

Autorin: Susanne Scholl (Juli 2016)

Kanada ist durch die bevorstehende Unterzeichnung des Freihandelsabkommen CETA mit der EU im Fokus deutscher Exporteure. Basiswissen Einfuhr bietet diesen Unternehmen einen kurzen Überblick über die aktuellen Zoll- und Einfuhrbestimmungen des NAFTA-Mitgliedstaates mit einer Darstellung handelspolitischer Rahmenbedingungen, der Zollverfahren, Warenbegleitpapieren, Einfuhrabgaben sowie den Verboten und Beschränkungen.

Einfuhrzölle und weitere Einfuhrabgaben

Kanada ist seit dem 1.1.95 Mitgliedstaat der WTO. Das Umfassende Wirtschafts- und Handelsabkommen CETA mit der EU ist fertig verhandelt. Die Unterzeichnung ist für Herbst 2016 geplant. Es gilt das Harmonisierte System. Der Durchschnittszollsatz beträgt laut WTO 4,2%. Bemessungsgrundlage ist der Transaktionswert (tatsächlich gezahlter oder zu zahlender Preis). Hinzugerechnet werden Fracht- und Versicherungskosten bis zum Ausfuhrort (FOB-Wert). Verbrauchsteuerpflichtig sind Tabakerzeugnisse, Mineralölerzeugnisse, Branntwein und Kraftfahrzeuge. Die Goods and Services Tax beträgt 5%. Einige Provinzen erheben zusätzlich eigene Umsatzsteuern. Beide Steuern werden dort kombiniert als “Harmonized Sales Tax“ (HST) erhoben, die sich aus einem Bundes- und einem Provinzanteil zusammensetzt.

Zollabfertigung

Unternehmen, die Waren importieren, müssen bei der Steuerbehörde CRA registriert sein und erhalten zu diesem Zweck eine „business number“ (BN). Diese muss im Allgemeinen auf den Zolldokumenten ausgewiesen sein.Waren müssen in Kanada unmittelbar nach ihrem Eingang bei dem nächstgelegenen Zollamt gemeldet werden. Dies liegt in der Verantwortung des Importeurs. Importeure können sich für die Einfuhrabfertigung von Waren von einem Zollagenten vertreten lassen, der in ihrem Namen die Vorbereitung der für die Einfuhrabfertigung notwendigen Unterlagen, die Freigabe der Waren aus dem Zollgewahrsam und die Zahlung der Einfuhrabgaben vornimmt. Sie können nach Genehmigung durch die kanadische Zollbehörde CBSA die Vorgänge der Übermittlung von Vorabinformationen über Warensendungen, der Anmeldung, der Abfertigung von Waren und der Abrechnung der Einfuhrabgaben elektronisch mit verschiedenen Applikationen des „Electronic Data Interchange“ vornehmen.

Einfuhrlizenzen / Genehmigungen

Besondere Genehmigungen und Beschränkungen gelten gemäß „Import and Export Permits Act“, "Import Control List“ u.a. für (Kriegs)waffen, Textilprodukte, Stahlprodukte, Fleisch, Milchprodukte, Eier, Margarine, Käse, Getreideprodukte, Nudeln und Brot.

Warenbegleitpapiere

Der Zollanmeldung (Canada Customs Coding Form) sind beizufügen: Handelsrechnung in englischer oder französischer Sprache oder Zollfaktura, internationaler Frachtbrief, See-B/L oder AWB bzw. das Cargo Control Document, Frachtdeklaration A6A, Einfuhrgenehmigungen, Gesundheitszertifikate Prüfzertifikate, falls notwendig Ursprungsnachweise für Waren, denen Kanada Zollpräferenzen im Rahmen des Allgemeinen Präferenzsystems für Entwicklungsländer gewährt, Packliste.

Etikettierungs- und Kennzeichnungsvorschriften, Verpackung

Bei Konsumgütern muss die Aufschrift des Etiketts grundsätzlich die handelsübliche Bezeichnung des Produktes sowie die vollständige Firmenadresse des Erzeugers oder Händlers und das Nettogewicht enthalten. Jede Information muss in beiden offiziellen Landessprachen aufgedruckt sein. Überdies müssen je nach Produkt weitere Informationen u.a. zu Charakter, Qualität, Größe, Materialzusammensetzung, Ursprung und Herstellungsmethode angegeben sein. Holzverpackungen müssen dem internationalen Standard ISPM 15 der International Plant Protection Convention (IPPC) entsprechen.

Einfuhrverbote

Einfuhrverbote bestehen u.a. für gebrauchte Fahrzeuge, gebrauchte Motorräder, gebrauchte Matratzen, gefälschte Münzen, Streichhölzer mit Kopf aus weißem Phosphor, einige Waffen, Kinderpornographie, einige lebende Tiere und Körperteile von Tieren.

Zertifizierung/Normen und Standards

Gemäß den Bestimmungen des „Canadian Electrical Code“ müssen alle elektrisch gesteuerten Geräte und Systeme in Kanada nach den geltenden Normen und Standards zugelassen sein. Für ausländische Produkte kann diese Zulassung durch ein „Listing“ oder eine „Field Evaluation“ (Einzelzulassung) nachgewiesen werden. Geräte und Systeme können schon in Deutschland vorgeprüft anschließend nach der Installation in Kanada von kanadischen Mitarbeitern der jeweiligen deutschen Prüfinstitution vor Ort überprüft werden, um eine Konformität mit den kanadischen Normen sicherzustellen. Anschließend werden sie mit einem „Field Label“ gekennzeichnet. Die Endzulassung für den kanadischen Markt erfolgt unter Berücksichtigung des Labels durch die lokale „Authority Having Juridisction“ (Kontrollstelle zur Einhaltung von lokalen Sicherheitsanforderungen).

Zollbehörde: http://www.cbsa-asfc.gc.ca/menu-eng.html

Für weiterführende Informationen lesen Sie bitte unser Merkblatt über gewerbliche Wareneinfuhren – Kanada.

Kontakt

Susanne Scholl

‎+49 228 24 993 348