Zoll

Basiswissen Einfuhr in Kanada

Autorin: Susanne Scholl (November 2018)

Kanada ist durch das seit September 2017 vorläufig angewendete Freihandelsabkommen CETA mit der EU mehr in den Fokus deutscher Exporteure gerückt. Basiswissen Einfuhr in Kanada bietet einen Überblick über aktuelle Freihandelsabkommen, Einfuhrverfahren, Warenbegleitdokumente sowie Verbote und Beschränkungen.

Einfuhrzölle und weitere Einfuhrabgaben

Kanada ist seit dem 1. Januar 1995 Mitgliedstaat der WTO. Das Umfassende Wirtschafts- und Handelsabkommen CETA mit der Europäischen Union wird seit dem 21. September 2017 vorläufig angewendet. Nachdem die USA mit Mexiko bereits eine vorläufige Vereinbarung zu einer NAFTA-Neufassung erzielt hatten, einigten sich beide Länder mit Kanada Ende September 2018 auf das Nachfolgeabkommen United States-Mexico-Canada Agreement (USMCA). Das neue Abkommen kann frühestens 2019 in Kraft treten. Es gilt das Harmonisierte System. Der Durchschnittszollsatz beträgt laut WTO 4,1 Prozent. Bemessungsgrundlage ist der Transaktionswert (tatsächlich gezahlter oder zu zahlender Preis). Hinzugerechnet werden Fracht- und Versicherungskosten bis zum Ausfuhrort (FOB-Wert).

Seit dem 1. Juli 2018 gelten zusätzliche Zölle von 25 Prozent und 10 Prozent auf Produkte aus Stahl, Aluminium, verschiedene Lebensmittel und weitere Produkte mit Ursprung in den USA. Seit dem 25. Oktober 2018 gilt ein Schutzzoll von 25 Prozent auf verschiedene Stahlprodukte aus sämtlichen Ländern. Verbrauchsteuerpflichtig sind Tabakerzeugnisse, Mineralölerzeugnisse, Branntwein, Cannabis, Klimaanlagen für Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeuge. Die Goods and Services Tax beträgt 5 Prozent. Einige Provinzen erheben zusätzlich eigene Umsatzsteuern. Beide Steuern werden dort kombiniert als “Harmonized Sales Tax“ (HST) erhoben, die sich aus einem Bundes- und einem Provinzanteil zusammensetzt.

Zollabfertigung

Unternehmen, die Waren importieren, müssen bei der Steuerbehörde CRA registriert sein und erhalten zu diesem Zweck eine „business number“ (BN). Diese muss im Allgemeinen auf den Zolldokumenten ausgewiesen sein. Waren müssen in Kanada unmittelbar nach ihrem Eingang bei dem nächstgelegenen Zollamt gemeldet werden. Dies liegt in der Verantwortung des Importeurs. Importeure können sich für die Einfuhrabfertigung von Waren von einem Zollagenten vertreten lassen, der nach Genehmigung durch die kanadische Zollbehörde CBSA in ihrem Namen die Vorgänge der Übermittlung von Vorabinformationen über Warensendungen, der Anmeldung, der Abfertigung von Waren und der Abrechnung der Einfuhrabgaben elektronisch mit verschiedenen Applikationen des „Electronic Data Interchange“ vornimmt.

Einfuhrlizenzen / Genehmigungen

Besondere Genehmigungen und Beschränkungen gelten gemäß „Import and Export Permits Act“, "Import Control List“ u.a. für (Kriegs)waffen, Textilprodukte, Stahlprodukte, Fleisch, Milchprodukte, Eier, Margarine, Käse, Getreideprodukte, Nudeln und Brot.

Warenbegleitpapiere

Der Zollanmeldung (Canada Customs Coding Form) sind beizufügen: Canada Customs Invoice (Zollfaktura) bei Sendungen mit Warenwert über 2.500 kanadische Dollar, internationaler Frachtbrief, See-B/L oder AWB,  das Cargo Control Document (Form A8A), Canada Customs Coding Form (Form B3) Einfuhrgenehmigungen, Gesundheitszertifikate, Prüfzertifikate, falls notwendig Ursprungsnachweise für Waren, denen Kanada Zollpräferenzen im Rahmen des Allgemeinen Präferenzsystems für Entwicklungsländer gewährt, für Waren mit EU-Ursprung gemäß CETA: Ursprungserklärung auf Handelspapier, (bei Sendungen über 6.000 Euro nur durch Registrierte Ausführer), Packliste.

Etikettierungs- und Kennzeichnungsvorschriften, Verpackung

Bei Konsumgütern muss die Aufschrift des Etiketts grundsätzlich die handelsübliche Bezeichnung des Produktes sowie die vollständige Firmenadresse des Erzeugers oder Händlers und das Nettogewicht enthalten. Jede Information muss in beiden offiziellen Landessprachen aufgedruckt sein. Die kanadische Zollbehörde (Canada Border Services Agency – CBSA) verlangt überdies für einige Produkte die Angabe des Ursprungslandes. Überdies müssen je nach Produkt weitere Informationen u.a. zu Charakter, Qualität, Materialzusammensetzung, und Herstellungsmethode angegeben sein.

Holzverpackungen müssen dem internationalen Standard ISPM 15 der International Plant Protection Convention (IPPC) entsprechen.

Einfuhrverbote

Einfuhrverbote bestehen u.a. für gebrauchte Fahrzeuge, gebrauchte Matratzen, gefälschte Münzen, Cannabis (Import weiterhin trotz Legalisierung nur sehr eingeschränkt zu medizinischen, wissenschaftlichen oder gewerblichen Zwecken möglich), leicht entzündliche Streichhölzer (exploding/sparkling matches), einige Waffen, pornographische Darstellungen (Fotos, Bücher, Bilder, Zeichnungen) und einige Süß- und Salzwassertiere (z.B. Silberkarpfen, Dreikantmuscheln).

Zertifizierung/Normen und Standards

Gemäß den Bestimmungen des „Canadian Electrical Code“ müssen alle elektrisch gesteuerten Geräte und Systeme in Kanada nach den geltenden Normen und Standards zugelassen sein.  Geräte und Systeme müssen von einem in Kanada zugelassenen Prüfinstitut (Nationally Recognized Testing Laboratory – NRTL) geprüft werden, um als sicher anerkannt zu werden. Für ausländische Produkte kann diese Zulassung durch ein „Listing“ oder eine „Field Evaluation“ (Einzelzulassung) nachgewiesen werden.  Bei einer Einzelzulassung werden die Produkte anschließend mit einem „Field Evaluation Label“ (FE Label) gekennzeichnet. Die Endzulassung für den kanadischen Markt erfolgt unter Berücksichtigung des Labels durch die lokale „Authority Having Jurisdiction“ (Kontrollstelle zur Einhaltung von lokalen Sicherheitsanforderungen) in den jeweiligen Bundesstaaten.

Zollbehörde: http://www.cbsa-asfc.gc.ca/menu-eng.html

Für weiterführende Informationen lesen Sie bitte unser Merkblatt über gewerbliche Wareneinfuhren – Kanada.

Merkblatt über gewerbliche Wareneinfuhren – Kanada.

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Susanne Scholl

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