Zoll

Basiswissen Einfuhr in Kenia

Autor: Hans-Jürgen Diedrich (August 2016)

Bei der Einfuhr von Waren in Kenia sind eine Vielzahl von Vorschriften und Regelungen zu beachten. Die frühzeitige Information über Einfuhrverfahren, zu zahlende Abgaben und mögliche Verbote und Beschränkungen hilft, Verzögerungen an der Grenze und damit zusätzliche Kosten zu vermeiden.

Einfuhrzölle und weitere Einfuhrabgaben

Kenia ist Mitglied der WTO. Im Rahmen der East African Community (EAC) bildet Kenia eine Zollunion mit Tansania, Uganda, Ruanda und Burundi. Kenia ist außerdem Mitglied des Gemeinsamen Marktes für das östliche und südliche Afrika (COMESA), deren Mitglieder sich im Rahmen der Freihandelszone Zollpräferenzen gewähren. Über die COMESA ist Kenia auch in das Zukunftsprojekt „Tripartite Free Trade Area“ eingebunden. Die Handelsregelungen zwischen Kenia und der EU sind noch geprägt durch den einseitigen begünstigten Marktzugang für kenianische Produkte in der EU. Das zwischen EAC und der EU ausgehandelte Wirtschaftspartnerschaftsabkommen steht kurz vor der Unterzeichnung. Das Abkommen sieht den zollbegünstigten Marktzugang für EU-Ursprungswaren u.a. in Kenia vor.
Der Zolltarif Kenias basiert auf der Nomenklatur des Harmonisierten Systems zur Bezeichnung und Codierung von Waren (HS 2012). Er entspricht dem Gemeinsamen Außenzolltarif der EAC. Kenia erhebt überwiegend Wertzölle. Bemessungsgrundlage ist der Zollwert. Für einige Waren gelten spezifische Zölle oder Mischzölle. Eine Vielzahl der Waren ist zollfrei, ansonsten liegen die Wertzölle zwischen 10 und 60%, in wenigen Einzelfällen höher. Zusätzlich fallen an Einfuhrnebenabgaben an: Mehrwertsteuer (VAT - Normalsteuersatz: 16%), Verbrauchsteuern (nichtalkoholische und alkoholische Getränke, Tabak- und Mineralölerzeugnisse, Kosmetika, Kunststoffbeutel, Schmuckwaren und Kfz), Zuckerentwicklungsgebühr (4%), Zollabfertigungsgebühr (Import Declaration Fee, 2.25%) und Infrastrukturabgabe (1,5%). Zollsätze und sonstige Einfuhrabgaben Kenias können in der Marktzugangsdatenbank der EU, http://madb.europa.eu/ kostenlos abgerufen werden.

Zollabfertigung

Importeure müssen bei der kenianischen Zoll- und Steuerbehörde (Kenya Revenue Authority - KRA - http://www.kra.go.ke/) registriert sein. Zusätzlich bedarf es einer Kennnummer je Sendung (Unique Consignment Reference Number), die bei Kenya Trade Network Ageny - KenTrade - http://www.kentrade.go.ke/) zu beantragen ist. Importsendungen sind je nach Transportweg sofort bzw. innerhalb von 24 Stunden anzumelden. Der Antrag auf Zollabfertigung muss dann spätestens 21 Tage nach Warenanmeldung vorliegen. Die Zollanmeldungen werden über ein elektronisches Zollanmeldesystem abgewickelt. Das bisherige System wird derzeit zu einem „Single Window System“ (Kenya National Electronic Single Window System) weiterentwickelt. Zugang zum System haben nur lizenzierte Zollagenten. Entsprechend sind Importeure verpflichtet, lizenzierte Zollagenten (Liste auf der Internetseite der Zollverwaltung abrufbar) mit der Einfuhrzollabwicklung zu beauftragen.

Einfuhrlizenzen / Genehmigungen

Die Einfuhr von Waren in Kenia ist grundsätzlich liberalisiert. Für eine Vielzahl von Waren sind trotzdem aus Sicherheits-, Gesundheits- und Umweltschutzgründen eine Einfuhrgenehmigung und/oder Zeugnisse erforderlich. Hierzu zählen u.a. landwirtschaftliche Produkte (Tiere und Pflanzen, einschl. -produkte), Getränke, Erdölerzeugnisse, Arzneimittel, bestimmte chemische Produkte und Kosmetika.

Warenbegleitpapiere

Der Zollanmeldung sind folgende Warenbegleitpapiere beizufügen: Handelsrechnung, in englischer Sprache mit allen handelsüblichen Angaben (3-fach), evtl. Packliste, Einfuhrgenehmigung/-lizenz, soweit erforderlich, Präferenznachweise, soweit eine Zollvergünstigung in Anspruch genommen werden soll, Frachtpapiere (Konnossemente oder Luftfrachtbriefe) und je nach Ware sonstige Zeugnisse/Bescheinigungen, sofern erforderlich.

Etikettierungs- und Kennzeichnungsvorschriften, Verpackung

Eine Vielzahl von Gütern, wie Konsumgüter, Lebensmittel, Textilprodukte und Medizinprodukte einschl. –apparate unterliegen besonderen Etikettierungsvorschriften. Etikettierungspflichtige Waren sind mit einem Etikett zu versehen, das in Englisch oder Kisuaheli gefasst ist. Das Etikett ist an der Ware selbst oder - wenn nicht anders möglich - an der Umverpackung anzubringen. Grundsätzlich müssen alle importierten Waren Angaben zum Ursprungsland („Made in …“) aufweisen. Darüber hinaus muss von Fall zu Fall geprüft werden, ob besondere Etikettierungsvorschriften gelten. Holzverpackungen müssen dem IPPC-Standard ISPM Nr. 15 entsprechen. Wegen der besonderen klimatischen Bedingungen müssen Verpackungen besonderen Ansprüchen (z.B. wasserdicht) genügen.

Einfuhrverbote

Einfuhrverbote bestehen in Kenia u.a. für Psychopharmaka, zahlreiche Waffen, Munition, Sprengstoff, eine Vielzahl von Tierprodukten (Knochen und Knochenprodukte, Zähne, Elfenbein etc.), Kosmetika, die verbotene Chemikalien enthalten, Quecksilber und quecksilberhaltige Waren sowie ozonschädigende Substanzen.

Zertifizierung/Normen und Standards

In Kenia eingeführte Waren müssen, bis auf wenige Ausnahmen, die vom Kenya Bureau of Standards - KEBS (http://www.kebs.org/) entwickelten Standards erfüllen und nachweisen. Die Einhaltung der Standards wird im Rahmen des  Pre-Export Verification of Conformity to Standards-Programms“ (PVoC) durch beauftragte Prüfgesellschaften (Bureau Veritas, SGS, Intertek) im Exportland geprüft und mittels Certificate of Conformity (CoC) bestätigt. Waren ohne gültiges CoC erhalten keine Freigabe durch den kenianischen Zoll.

Kontakt

Hans-Jürgen Diedrich

‎+49 228 24 993 345