Zoll

Basiswissen Einfuhr in Malaysia

Autor: Ursula Bachem-Niedermeier (Februar 2017)

Basiswissen Einfuhr bietet Einsteigern eine kurze Übersicht zum Einfuhrrecht des südostasiatischen Landes. Neben Hinweisen zum Zollabfertigungsverfahren beinhaltet die Kurzdarstellung Informationen zu Zöllen und Einfuhrnebenabgaben, Einfuhrlizenzen/Genehmigungen, Etikettierungs-und Kennzeichnungsvorschriften sowie Zertifizierung/Normen und Standards.

Einfuhrzölle und weitere Einfuhrabgaben

Malaysia ist Mitglied der WTO. Freihandelsabkommen bestehen u.a. mit den Ländern der südostasiatischen Regionalorganisation ASEAN als südostasiatische Freihandelszone (AFTA) sowie im Rahmen der ASEAN+1-Abkommen mit China, Korea (Rep.), Japan, Indien sowie Australien / Neuseeland.
Die Nomenklatur des im Rahmen der Zollgesetzgebung als „Customs Duties Order“ veröffentlichten malaysischen Einfuhrzolltarifs basiert auf dem Harmonisierten System zur Bezeichnung und Codierung der Waren (HS) und enthält die für Waren mit Ursprung bzw. Herkunft aus Drittländern gültigen Regelzollsätze. Zu den Drittländern zählen diejenigen Mitgliedstaaten der Welthandelsorganisation (WTO), mit denen Malaysia keine gesonderten Abkommen über einen präferenziellen Marktzugang geschlossen hat  und für die das WTO-Meistbegünstigungsprinzip gilt (z.B. EU, USA). Bemessungsgrundlage für die Festsetzung des Zolls ist grundsätzlich der Transaktionswert der Waren, d.i. der im Rahmen eines Kaufgeschäftes gezahlte oder zu zahlende Preis zuzüglich Transport- und Versicherungskosten bis zur Eingangszollstelle. In der Regel handelt es sich bei dem Zollwert um den Wert CIF (Cost, Insurance, and Freight) der internationalen Lieferbedingungen (Incoterms® 2010). Der Durchschnittszollsatz für Industriegüter betrug 2014 6,1% (Quelle: WTO).
Als Einfuhrnebenabgaben werden die Verbrauchsteuer (Excise Duty) mit einzelnen Ausnahmen für Kraftfahrzeuge, alkoholische Getränke, Tabakwaren und Spielkarten sowie grundsätzlich für sämtliche Importe von Industriegütern die malaysische Umsatzsteuer (Goods and Services Tax – GST) mit einem einheitlichen Steuersatz von 6% erhoben.

Zollabfertigung

Waren dürfen grundsätzlich nur über die vorgeschriebenen Zolllandungsplätze (See- und Flughäfen), Zollstraßen und Grenzbahnhöfe in das Zollgebiet Malaysias verbracht werden. Sie sind anschließend unverzüglich in Zollverwahrungslager (customs warehouses) oder in von der Zollverwaltung genehmigte private Zolllager (licensed warehouses) zu verbringen. Waren in Zollverwahrungslagern müssen innerhalb einer Frist von einem Monat angemeldet und in ein Zollverfahren überführt werden. Der Zollanmelder kann sich dabei von einem Agenten vertreten lassen. Die Zollanmeldungen werden in der Regel auf elektronischem Weg über die Anwendung „ePermit“ von Dagangnet getätigt.

Einfuhrlizenzen / Genehmigungen

Einfuhrgenehmigungen des malaysischen Ministry of International Trade and Industry (MITI) bzw. der für die Bewilligung der Importware zuständigen Behörde sind erforderlich u.a. für Eisen- und Stahlwaren, Kraftfahrzeuge, Krane, Reismühlen, bestimmte Anstrichfarben, Pestizide, keramisches Geschirr und Haushaltsgerät (erforderlich ist Billigung der Food Safety and Quality Division des Gesundheitsministeriums) sowie Röntgenapparate.

Warenbegleitpapiere

Für eine ordnungsgemäße Zollanmeldung in Malaysia sind folgende Warenbegleitpapiere erforderlich: Handelsrechnung, dreifach, in englischer Sprache, Frachtpapiere (Konnossemente oder Luftfrachtbriefe), Packliste und je nach Ware sonstige Nachweise wie Pflanzengesundheitszeugnis oder Analysezertifikat. Für Waren mit Ursprung in Ländern, mit denen Malaysia Freihandelsabkommen geschlossen hat, ist für die Inanspruchnahme einer Präferenz ein förmlicher Ursprungsnachweis zu führen.

Etikettierungs- und Kennzeichnungsvorschriften, Verpackung

Importierte Gebrauchsgüter sind mit dem Namen und der Adresse des Herstellers und des Importeurs sowie dem Ursprungsland in englischem oder malaysischem Wortlaut zu kennzeichnen. U.a. für Nahrungsmittel, pharmazeutische Erzeugnisse und Tabakerzeugnisse bestehen weitere gesonderte Kennzeichnungspflichten.

Einfuhrverbote

Ein Einfuhrverbot gilt u.a. für Rundfunkempfangsgeräte im Empfangsfrequenzbereich von 68-87 MHz und 108-174  MHz, Natriumarsenit, radioaktive Substanzen enthaltende Überspannungsableiter sowie bestimmte hochgiftige chemische Erzeugnisse und Mineralien wie z.B. polybromierte Biphenyle oder Krokydolith, bestimmte Substanzen, die unter das Montreal Protokoll zum Verbot klimaschädlicher Gase fallen, z.B. Fluorchlorkohlenwasserstoffe sowie bestimmte Zubereitungen zur Verwendung in Tierfutter.

Zertifizierung/Normen und Standards

Für die folgenden Waren sind aufgrund technischer Vorschriften Bewilligungen und/oder Konformitätsbewertungsverfahren für die Einfuhr und das Inverkehrbringen vorgesehen: Eisen- und Stahlwaren, elektrotechnische Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, elektrische Primärelemente und Primärbatterien, keramische Baumaterialien sowie Spielzeug. Für medizinische Geräte, Apparate und Ausrüstungen ist eine Registrierung bei der Zulassungsbehörde (Medical Device Authority) des malaysischen Gesundheitsministeriums sowie eine Konformitätsbewertung bei einem zugelassenen Prüfunternehmen erforderlich. Für die Einfuhr und das Inverkehrbringen von Kosmetika ist eine Bewilligung (notification note) der zuständigen Behörde  Director of Pharmaceutical Services, Ministry of Health vorgeschrieben.

Zollverwaltung Malaysia:  http://www.customs.gov.my/en
Für weiterführende Informationen lesen Sie bitte unser Merkblatt über gewerbliche Wareneinfuhren – Malaysia

Kontakt

Jürgen Huster

‎+49 228 24 993 343