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11.10.2011

Philippinen suchen Anschluss an digitalisierte Welt

Philippinen suchen Anschluss an digitalisierte Welt

Dynamisierung der Wirtschaft durch IuK / Verbesserter Zugang und Nutzung für alle / Von Jürgen Maurer

Taipei (gtai) - Die Philippinen wollen die Vorteile des digitalen Zeitalters stärker nutzen. Dazu sollen in den nächsten Jahren Investitionen in die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur, also in Hardware und Software, erfolgen. Dabei gibt die Regierung in ihrem Strategieprogramm 2011 - 2016 die Entwicklungsrichtung vor. Die tatsächliche Umsetzung hängt aber in hohem Maße vom Privatsektor ab. Insgesamt haben die Philippinen noch viel Nachholbedarf, was Chancen für deutsche Anbieter von Hardware, Softwarelösungen oder von Ausbildung eröffnet.

Mit der Stärkung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK) wollen die Philippinen ihre Entwicklung voranbringen. Dazu hat die Regierung eine "Philippine Digital Strategy 2011 - 2016" entworfen, die - wie auch das Vorgängerprogramm - den Zugang zu digitalen Diensten verbessern soll. Prioritäten liegen dabei auf E-Government, der Ausbildung von IuK-versiertem Personal und dem Ausbau der IuK-Infrastruktur.

IuK soll der Wirtschaft in den Philippinen besseren Zugang zu Verwaltung, zu Märkten und zu Abnehmern verschaffen. Dadurch könnten Regionen außerhalb der Großräume Manila und Cebu ihre Potenziale stärker nutzen und auch Unternehmen außerhalb der Business Process Outsourcing (BPO)-Branche profitieren. In gleichem Maße gilt das für die Bevölkerung, die besseren Zugang zu Verwaltung, Bildung und digitalen Inhalten bekommen soll.

Allerdings ist Breitbandkommunikation landesweit nur beschränkt verfügbar, weil die Infrastruktur fehlt ebenso wie Dienste, die Inhalte vorhalten; dies sind zwei der Punkte, die in der Schwächeanalyse der "Philippine Digital Strategy" aufgeführt sind. Zudem ist die Download-Geschwindigkeit unterdurchschnittlich, wie das US-amerikanische Unternehmen Pando Networks gemessen hat. Nach Untersuchungen im 1. Halbjahr 2011 beträgt die Download-Geschwindigkeit in den Philippinen 213 KBps (Kilobytes pro Sekunde), wohingegen sie im internationalen Durchschnitt 580 KBps erreicht.

Solche Faktoren erschweren die Nutzung des Internets, trotz großer Technologieaffinität und hohem Interesses der Filipinos an digitalen Diensten, insbesondere unter der jüngeren Generation. Insgesamt spielt die webbasierte Kommunikation über soziale Netzwerke wie auch Mail- und Messenger-Funktionen eine große Rolle, da etwa ein Zehntel der Bevölkerung außerhalb der Philippinen lebt und arbeitet.

Als Stärke der IuK-Branche in den Philippinen werden im Strategieprogramm die hohe Verbreitung von Mobiltelefonen und die gut entwickelten BPO-Dienste aufgeführt. Die BPO-Branche für IT-Outsourcing ist in den Philippinen relativ gut aufgestellt und will diesen Bereich auch noch weiter ausbauen. Zwischen 2010 und 2016 soll der Umsatz von 8,9 Mrd. US$ auf 20 Mrd. US$ zulegen.

Aber abgesehen davon besitzt die IuK-Industrie nur eine schwache Wettbewerbsfähigkeit, wie eine Untersuchung der Economist Intelligence Unit im Auftrag der Business Software Alliance ergab. Demnach lag die Konkurrenzfähigkeit der philippinischen IT-Branche 2010 auf dem 52. Rang von 66 untersuchten Volkswirtschaften. Im regionalen asiatischen Vergleich von 16 Ländern lagen die Philippinen auf Platz 12.

Dabei schnitt das Inselarchipel von den untersuchten Faktoren beim Geschäftsumfeld gut ab. Bei der Unterstützung für die IT-Industrie, dem rechtlichen Umfeld sowie der Forschungs- und Entwicklungslandschaft ergab sich eine mittlere Bewertung. Auf die insgesamt vergleichsweise schlechte Bewertung in der Studie - "Investment for the future: Benchmarking IT industry competitiveness 2011" - kamen die Philippinen vor allem durch den Mangel an verfügbarem IT-Personal und an IT-Infrastruktur.

Dass die IuK-Nutzung bei Unternehmen, insbesondere bei kleinen und mittleren noch hohen Nachholbedarf hat, zeigen die Ziele des Strategieprogramms. So soll beispielsweise der Anteil der Firmen, die eine eigene Webseite haben, von unter 50% im Jahr 2008 auf über 60% im Jahr 2016 steigen. Im gleichen Zeitraum soll der Anteil der Firmen, die IuK für E-Commerce-Zwecke nutzen, von unter 20% auf über 30% zulegen.

Damit die IuK-Wettbewerbsfähigkeit steigt, will die Regierung stärker in die Ausbildungsinfrastruktur investieren. Sie strebt an, die Zahl der Absolventen von IuK-Studiengängen, die 2009 bei 38.800 Personen lag, bis 2016 auf 60.000 Personen auszuweiten. Durch mehr Forschung und Entwicklung, Kommerzialisierung von Patenten und originäre digitale Inhalte soll der IuK-Bereich in den Philippinen an Bedeutung gewinnen.

Weitere Fortschritte der Philippinen auf dem Weg zur "digitalen Revolution" sollten folgen. Bislang konnten die Philippinen ihre Position im ICT (Information and Communication Technology)-Development Index 2010 gegenüber 2008 um drei Ränge auf Platz 92 von 152 untersuchten Ländern verbessern. Dieser Index wird von der International Telecommunication Union (ITU) errechnet; er berücksichtigt den Zugang und die Nutzung von IuK sowie die Fähigkeiten der Nutzer.

Abschneiden der Philippinen im ICT-Development Index *)
Rang 2008 Rang 2010
Zugang 100 101
Nutzung 96 83
Fähigkeiten 80 83

*) 152 untersuchte Länder

Quelle: ITU, Measuring the Information Society 2011

Zwar verfügen die Philippinen über zwei Backbone-Glasfasernetze, jedoch sind die nachgelagerten Netze unzureichend angebunden. Nach Angaben der "Philippine Digital Strategy" haben 25 Provinzen Anschluss an ein Backbone-Glasfasernetz, 17 Provinzen besitzen dagegen keine Breitbandverbindung, sondern lediglich eine Verbindung über Mikrowellenband mit geringer Kapazität.

Landesweit beträgt die Verbreitung von Breitband im Festnetzbereich weniger als 5%, im Drahtlosbereich etwa 10%. Die weitere Entwicklung dürfte in Richtung Wireless-Dienste weisen. Zwar ist der mobile Zugang zum Internet noch relativ gering; er sollte 2011 etwa 7% an Nutzern erreichen, so die 3rd Net Index Study von Nielsen. Jedoch sind die Wachstumsaussichten hoch, da die Durchdringungsrate mit Mobiltelefonen in den Philippinen 2010 bereits knapp 86% (2008: 75,5%) betrug. Hingegen hatten nur 13% (2008: 9,3%) der Haushalte einen eigenen Computer und nur 10% (7,2%) einen Internetanschluss, wie Zahlen der ITU zeigen.

(M.J.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Philippinen Computer, -Hardware, Peripheriegeräte etc., Internetdienste, Telekommunikations- u. Navigationstechnik (inkl. Mobilfunk)

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