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17.10.2011

Südafrika setzt vorwiegend auf Kohlekraftwerke

Südafrika setzt vorwiegend auf Kohlekraftwerke

Zwei 4.800-MW-Anlagen im Bau / Strom noch bis mindestens 2016 knapp / Von Carsten Ehlers

Bonn (gtai) - Strommangel und deutlich steigende Preise dürften die südafrikanische Wirtschaft in den kommenden Jahren negativ beeinflussen. Massive Investitionen in die Energieinfrastruktur sind geplant beziehungsweise in der Durchführung. Dabei setzt der Stromversorger Eskom vor allem auf den Energieträger Kohle. Neue Themen wie Erneuerbare Energien und Energieeffizienz werden zunehmend diskutiert. Für deutsche Firmen besteht vielfältiges Geschäftspotenzial. (Kontaktanschriften)

Bis etwa 2016 muss sich Südafrika nach Einschätzung von Experten auf Energieknappheit einstellen. Dann geht das zweite der derzeit im Bau befindlichen Großkraftwerke voraussichtlich in Betrieb. Bis dahin kann es immer wieder vorkommen, dass Investitionsprojekte mit hohem Strombedarf keine Genehmigung erhalten. Für das Image des Investitionsstandortes Südafrika hat die Energieknappheit verheerende Folgen. Bereits vor etwa zwei Jahren wurde der von Rio Tinto lange geplante Bau einer Aluminiumschmelze auf Eis gelegt, da die Belieferung mit Strom durch den staatlichen Versorger Eskom nicht garantiert werden konnte.

Angesichts der Kapazitätsengpässe im Kraftwerksbereich ist das Einsparen von Strom in Südafrika ein äußerst wichtiges Thema geworden. Größere Unternehmen, wie Sasol, Sappi oder Ipsa haben sich bereits freiwillig verpflichtet, den Energieverbrauch in bestimmtem Umfang zu drosseln. Es wird darüber nachgedacht, derlei Einsparungen verpflichtend vorzugeben. Darüber hinaus subventionieren Kommunen und Eskom die Anschaffung von solarstrombetriebenen Heißwasserboilern für private Haushalte.

Große Anstrengungen werden auch bei der Ausweitung der Stromerzeugungskapazität unternommen. Zwischen 2010 und 2030 muss sie laut Schätzungen der Regierung um 56.500 MW auf dann 89.500 MW aufgestockt werden. Bislang wurden Projekte mit einer Gesamtkapazität von etwa 14.500 MW beschlossen. Eskom, bis dato staatlicher Monopolist bei der Stromerzeugung, lässt baut einige Kraftwerke neu bauen beziehungsweise bestehende modernisieren.

Einen beträchtlichen Teil der benötigten Investitionen könnten Independent Power Producers (IPPs) übernehmen. Derartige private Investoren waren vor Jahren noch unerwünscht; inzwischen hat sich dies grundlegend geändert. Die Zulassungsbedingungen wurden deutlich erleichtert.

Für die beiden lange geplanten Spitzenlast-Gaskraftwerke (Open-Cycle-Gas-Turbine; OCGT) in KwaZulu Natal und Eastern Cape wurde mit der französischen GDF Suez ein Investor gefunden. Die Investition dürfte bei etwa 5 Mrd. Rand (R; rund 467,3 Mio. Euro; 1 R = circa 0,09 Euro) liegen. Eskom stellt in Coega bei Port Elizabeth und in Newcastle bei Durban Gelände zur Verfügung und nimmt den erzeugten Strom ab. Beide Kraftwerke zusammen dürften eine Kapazität von 1.020 MW erreichen.

Nach wie vor ist Eskom größter Investor in Südafrikas Energiesektor. Bis 2017 will das Unternehmen zusätzliche 12.300 MW ans Netz bringen. Der staatliche Stromversorger setzt bei seinen Kraftwerksneubauten vor allem auf den traditionellen Energieträger Kohle, über den er in großen Mengen verfügt. So sind die beiden bedeutendsten Eskom-Projekte der nächsten Jahre die Grundlast-Kohlekraftwerke Medupi und Kusile.

Auswahl von Energieprojekten in Südafrika
Projekt (Energieträger) Kapazität (in MW) Kosten Projektphase, Fertigstellung
Medupi (Kohle) 4.800 100 Mrd. R Im Bau; erste Turbine 2012, letzte 2016
Kusile (Kohle) 4.800 111 Mrd. R Im Bau, erste Turbine 2013, letzte 2017
Ingula-Pump-Speicherwerk (Wasser) 1.300 21,4 Mrd. R Im Bau; 2014

Quelle: Eskom

Medupi wird etwa 100 Mrd. R kosten, eine Kapazität von 4.800 MW haben und das weltweit viertgrößte Kohlekraftwerk sein. Im Mai 2007 wurde mit dem Bau der Anlage in Lephalale (Provinz Limpopo) begonnen. Die erste der sechs Alstom-Turbinen à 800 MW soll 2012 in Betrieb genommen werden. Mit jeweils acht Monaten Abstand werden dann die verbleibenden fünf Turbinen ans Netz gehen.

Ebenfalls auf eine Kapazität von 4.800 MW soll das voraussichtlich 111 Mrd. R teure Wärmekraftwerk Kusile (vormals Bravo) bei Witbank erweitert werden. Der Start für die erste von sechs Turbinen ist für 2013 geplant. Bis 2017 sollen die anderen fünf Turbinen folgen. Zum ersten Mal in Südafrika wird es bei Kusile eine Rauchgasentschwefelungsanlage geben.

Zwei bereits stillgelegte Kohlekraftwerke (Camden und Grootvlei) wurden in den letzten Jahren wieder Instand gesetzt. Ein drittes, Komati, soll mit 1.000 MW an zusätzlicher Kapazität folgen. Die Kosten dafür liegen bei etwa 13 Mrd. R. Darüber hinaus wird in den Drakensbergen ein Wasserkraftwerk gebaut. Das 16,6 Mrd. R teure Ingula-Pump-Speicherwerk liegt an der Grenze der Provinzen Free State und KwaZulu-Natal. Die Anlage soll 2012 in Betrieb genommen werden. Ingula besteht aus zwei Stauseen mit einem Fassungsvermögen von je 22 Mio. cbm, die 46 km voneinander entfernt und durch eine unterirdische Wasserleitung verbunden sind. Entlang dieser Pipeline befinden sich vier Pumpturbinen mit einer Kapazität von je 333 MW. Die Turbinen kommen vom Konsortium Voith-Siemens-Fuji.

Auch die verstärkte Nutzung von Atomkraft bleibt in Südafrika ein Thema. Energieministerin Dipuo Peters will noch 2011 einen entsprechenden Vorschlag beim Kabinett einreichen. Bei grünem Licht könnte 2012 mit den Ausschreibungen, frühestens 2024 mit der Produktion von Atomstrom gerechnet werden. Das soll etwa 9.600 MW an zusätzlicher Kapazität bringen. Aufgrund von Sicherheitsbedenken soll Eskom die Kontrolle über eventuelle Atomkraftwerke halten. Allerdings sollen IPPs zugelassen werden. Eskom betreibt bereits ein Atomkraftwerk in Koeberg bei Kapstadt.

Erneuerbare Energien sind in Südafrika erst in den vergangenen drei Jahren ernsthaft ins Gespräch gekommen. Der vom Energieministerium veröffentlichte Strategieplan für den Energiesektor "Integrated Resource Plan" (IRP) liest sich extrem ambitioniert: Rund 42% der zwischen 2010 und 2030 neu installierten Stromkapazität sollen aus Erneuerbaren Energien gewonnen werden. Die Realität sieht so aus, dass es bislang kaum Projekte gibt, aber viel geplant wird und Potenzial, zum Beispiel für Wind- und Sonnenkraft, reichlich vorhanden ist.

Südafrikas Energieproduktion 2011
Kraftwerk (Energieträger) Installierte Kapazität in MW
Grundlast:
.Arnot (Kohle) 2.100
.Duvha (Kohle) 3.600
.Hendrina (Kohle) 2.000
.Kendal (Kohle) 4.116
.Koeberg (Nuklear) 1.930
.Kriel (Kohle) 3.000
.Lethabo (Kohle) 3.708
.Majuba (Kohle) 4.110
.Matimba (Kohle) 3.990
.Matla (Kohle) 3.600
.Tutuka (Kohle) 3.654
Spitzenlast:
.Gariep (Wasser) 360
.Vanderkloof (Wasser) 240
.Drakensberg-Pump-Speicherwerk (Wasser) 1.000
.Palmiet-Pump-Speicherwerk (Wasser) 400
.Acacia (Gas) 171
.Port Rex (Gas) 171
.Ankerlig (Gas) 592
.Gourikwa (Gas) 444
Erneuerbare Energien:
.Klipheuwel Windfarm 3,2
Wiederinbetriebnahmen:
.Camden (Kohle) 1.600
.Grootvlei (Kohle 1.200

Quelle: Eskom

Ein großer Engpass tut sich nach Expertenmeinung auch beim Übertragungsnetz auf, in das ebenfalls kaum investiert wurde. Bei der Modernisierung bestehender Systeme soll es einen Investitionsstau von über 30 Mrd. R geben. Zuzüglich des Bedarfs an neuen Leitungen ergibt sich für die nächsten zehn Jahre eine Investitionssumme von etwa 60 Mrd. R.

Auf die südafrikanischen Haushalte und Unternehmen kommen in doppelter Hinsicht unangenehme Zeiten zu. Zur Stromknappheit gesellen sich empfindliche Preiserhöhungen. So hat die Regulierungsbehörde NERSA für die Jahre 2011 bis 2013 jährliche Strompreisanhebungen von 25% genehmigt. Es sieht so aus, als wolle Eskom diese Erhöhungen auch durchsetzen. Von derzeit rund 40 Randcent/kWh müsste der Preis bis 2020 laut Eskom auf etwa 1,10 Rand/kWh steigen.

Kontaktanschriften:

Department of Energy

Private Bag X19, Arcadia, 0007, South Africa

Tel.: 0027 12/4 44 42 53

Internet: http://www.energy.gov.za

Eskom

P.O. Box 1091, Johannesburg, 2001, South Africa

Tel.: 0027 11/8 00 81 11

E-Mail: contact@eskom.co.za, Internet: http://www.eskom.co.za

Independent Power Southern Africa (IPSA)

P.O. Box 20988, Newcastle, 2940, South Africa

Tel.: 0027 34/3 28 44 81, Fax: -3 70 12 56

Internet: http://www.ipsagroup.co.uk

South African Wind Energy Association (SAWEA)

Lot 86 - Harbour Road, Hout Bay, 7806, South Africa

Fax: 0027 86/5 48 46 06

E-Mail: info@sawea.org.za, Internet: http://www.sawea.org.za

National Energy Regulator of South Africa (NERSA)

P.O. Box 40343, Arcadia, 0007, South Africa

Tel.: 0027 12/4 01 46 00, Fax: -4 01 47 00

E-Mail: info@nersa.org.za, Internet: http://www.nersa.org.za

Electrawinds

John Cordierlaan 9, 8400, Oostende, Belgien

Tel.: 0032 59/5 69 70 0, Fax: -5 69 70 1

E-Mail: info@electrawinds.be, Internet: http://www.electrawinds.be

Genesis Eco-Energy

P.O. Box 363, Newlands, 7725, Cape Town, South Africa

Internet: http://www.genesis-eco.com

Exxaro Resources

P.O. Box 9229, Pretoria, 0001, South Africa

Tel.: 0027 12/3 07 50 00, Fax: -3 23 34 00

Internet: http://www.exxaro.com

Mainstream Renewable Power

P.O. Box 45063, Claremont, 7735, Cape Town, South Africa

Tel.: 0027 21/6 57 40 40

E-Mail: info-southafrica@mainstreamrp.com, Internet: http://www.mainstreamrp.com

(C.E.)

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