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01.12.2011

Japan will mehr Strom aus Windkraft

Bislang nur geringer Anteil am Energiemix / Neues Offshore-Projekt vor der Küste Fukushimas / Von Detlef Rehn

Tokio (gtai) - Japan hat bisher die Stromerzeugung durch Windkraft sehr vernachlässigt. Allmählich setzt aber ein Umdenken ein. Besonders der neue Einspeisetarif könnte für Schub sorgen. Die Vergütungssätze stehen aber noch nicht fest. Dennoch werden im Vorgriff auf den Tarif an Land wie auch auf dem Meer neue Projekte angestoßen. Ausländische Unternehmen dominieren bislang den Markt für große Windkraftanlagen. (Kontaktanschrift)

Angesichts des theoretischen Potenzials sollte auch in Japan die Windkraft einer der wichtigsten Energieträger überhaupt sein. Wie aus einem Bericht des Umweltministeriums von April 2011 hervorgeht, könnten die Kapazitäten Onshore rund 280 GW und Offshore sogar 1.600 GW erreichen. Zum Vergleich: Zu Ende des Fiskaljahres 2010 (1.4. bis 31.3.) betrug die maximale Leistung aller Kraftwerke in Japan rund 281 GW.

Faktisch aber hinkt Japan bei der Erschließung seines Windkraftpotenzials weit hinterher. Der International Energy Agency (IEA) zufolge wurden 2010 durch Wind rund 3,4 TWh Strom erzeugt; dies waren lediglich 0,4% des gesamten Elektrizitätsverbrauchs. Damit rangierte Japan international nur an Position 18. Nach Angaben der Japan Wind Power Association (JWPA) gab es Ende März 2011 im Inland 1.683 Windkraftanlagen (WKA) mit einer Nennleistung von insgesamt 2,44 GW. Der bisher größte Windpark Japans (78 MW) befindet sich in Izumo (Präfektur Shimane). Betreiber ist Eurus Energy, ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen dem Handelshaus Toyota Tsusho und dem Stromversorger Tepco.

Bis zur Katastrophe von Fukushima kamen im langfristigen Energiekonzept der japanischen Regierung erneuerbare Energieträger und damit auch die Windkraft nicht über eine untergeordnete Rolle hinaus. Immerhin war im jüngsten Plan zur Entwicklung des Energiesektors bis 2030, den die Regierung in Tokio im Juni 2010 verabschiedete, vorgesehen, den Anteil der erneuerbaren Energien (ohne Wasserkraft) bis 2020 zunächst auf 6% und bis 2030 auf 12% zu steigern. Im Jahr 2009 lag die Quote bei weniger als 1%. Gleichzeitig aber sollte die Kernkraft bis zum Ende der Laufzeit des Plans mit dann 56% (2009: 26%) zur wichtigsten Energiequelle werden.

Fukushima hat die Lage in Japans Energiesektor vollständig verändert. Der weithin obsolet gewordene Energieplan wird voraussichtlich bis Mitte 2012 überarbeitet. Welche Rolle der Kernkraft eingeräumt wird, ist noch ungewiss. Zwar wird es nicht zu einem Ausstiegsbeschuss wie in Deutschland kommen, doch ist auch klar, dass erneuerbare Energien zukünftig im Vergleich zur alten Planung eine sehr viel prominentere Rolle spielen werden. Der im August 2011 zurückgetretene Ministerpräsident Naoto Kan nannte einen Anteil von grob 20% als Ziel für 2020. Eine ähnliche Größenordnung dürfte auch der neue Energieplan enthalten. Angesichts des niedrigen Ausgangsniveaus ist dies allerdings ein äußerst ehrgeiziges Ziel.

Grundsätzlich sollte der neue Energieplan auch beim Ausbau der Windkraft für einen gewissen Schub sorgen. Noch besser wäre allerdings, wenn die Regierung klare quantitative Vorgaben machen würde, meint Yoshinori Ueda, leitender Ingenieur in der Abteilung für Windkraft bei Mitsubishi Heavy Industries (MHI). Die JWPA nennt als Ziele für 2020 eine Gesamt-Nennleistung von über 11 GW und für 2030 von mehr als 27 GW.

Unklar ist, was vom Einspeisetarif für erneuerbare Energien erwartet werden kann, den das japanische Parlament Ende August 2011 verabschiedete. Er gilt ab dem 1.7.12. Allerdings stehen die Sätze noch nicht fest, mit denen die Produktion und Netzeinspeisung von Elektrizität aus regenerativen Trägern 15 Jahre lang vergütet wird. Im Gespräch sind für Windstrom pro Kilowattstunde etwa 15 Yen bis 20 Yen (etwa 14,5 Cent bis 19,3 Cent; 1 Euro = rund 103 Yen). Ob dies ausreicht, bezweifeln einige Fachleute wie zum Beispiel der Direktor des Institute for Sustainable Energy Policies (ISEP), Tetsunari Iida. Dies gelte besonders für Offshore-Anlagen, denen auch Japan prinzipiell ein großes Potenzial einräumt.

Nach Berechnungen des Umweltministeriums könnten bei einem Einspeisetarif von 20 Yen über 15 Jahre sowie technischen Verbesserungen, wie etwa einer Halbierung der Anlagekosten, Onshore 270 GW und Offshore 140 GW an Neukapazität hinzukommen. Doch selbst die Verwirklichung auch bescheidenerer Ziele ist nicht immer einfach, denn beim Bau von WKA sind zahlreiche administrative Regelungen zu beachten. So gelten zum Beispiel für WKA dieselben strengen Erdbebenvorschriften wie für sehr hohe Gebäude.

Trotz der Unsicherheiten gibt es auf Japans Windkraftmarkt recht viel Bewegung. Nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung "Nikkei" will zum Beispiel die Firma Green Power Investment Corp. in den kommenden Jahren 18,4 Mrd. Yen in den Bau von Onshore-Windparks in den Präfekturen Shimane und Ehime investieren. Dabei sollen zunächst etwa 13 Mrd. Yen für einen 48-MW-Park in Hamada (Präfektur Shimane) ausgegeben werden. Voraussichtlicher Baubeginn sei August 2012, die Inbetriebnahme sei für Sommer 2014 vorgesehen, schreibt die "Nikkei". Green Power ist bereits einer der größten heimischen Windanlagenbetreiber. Hauptaktionär ist das Telekom-Unternehmen Softbank, das beginnt, sich sehr stark im Bereich der erneuerbaren Energien zu engagieren.

Einer anderen "Nikkei"-Meldung zufolge will Ecopower, ein weiterer großer Betreiber, bis 2014 in den Regionen Kanto (Tokio), Chubu (Nagoya) und Kansai (Osaka) drei Windparks mit einer Kapazität von jeweils 30 MW errichten. Die Investitionen werden auf mehr als 20 Mrd. Yen veranschlagt. Ecopower gehörte bis Februar 2010 zum Maschinenbaukonzern Ebara und wurde dann von Cosmo Oil übernommen. Ursprünglich waren die Windanlagen erst für 2016 geplant, doch wurden die Projekte aufgrund der Verabschiedung des Einspeisetarifs vorgezogen, heißt es in dem "Nikkei"-Bericht.

Auch das Offshore-Windpotenzial soll Schritt für Schritt erschlossen werden. Es gibt bislang in den japanischen Gewässern nur einige wenige Windparks mit einer gesamten Nennleistung von 25 MW. Zu ihnen gehört eine Anlage vor der Küste von Ibaraki nordöstlich von Tokio. Ihre sieben Windräder haben eine Kapazität von zusammen 14 MW. Neben fest installierten Turbinen setzt Japan viel Hoffnung auf schwimmende Anlagen. Eine erste soll bis 2015 etwa 30 km bis 40 km vor der Küste der Präfektur Fukushima entstehen. Sie soll sechs Windräder mit einer Kapazität von jeweils 5 MW umfassen. Das Wirtschaftsministerium (METI) hat für dieses Projekt zunächst im dritten Zusatzhaushalt für das Fiskaljahr 2011 insgesamt 12,5 Mrd. Yen bereitgestellt. An dem Vorhaben beteiligen sich unter anderem Mitsubishi Heavy Industries, Fuji Heavy Industries, Mitsui Engineering & Shipbuilding, der Baukonzern Shimizu sowie die Universität Tokio.

Bei den Projekten bieten sich auch deutschen Anbietern gute Möglichkeiten. Allerdings will Japan den eigenen Anteil am lokalen Windmarkt in den kommenden Jahren erhöhen. Bisher sind ausländische Unternehmen als Lieferanten großer WKA dominierend. Nach Angaben der Japan Society of Industrial Machinery Manufacturers (JSIM) stellte die dänische Firma Vestas etwa 620 MW der bis Ende 2010 installierten Gesamtkapazität von rund 2.400 MW. An zweiter Stelle folgte GE Wind mit 436 MW. Auch deutsche Unternehmen wie Enercon, Siemens, REpower, Nordex und Pfleiderer sind mit nennenswerten Installationen in Japan vertreten. Marktführer auf japanischer Seite war Mitsubishi Heavy Industries mit 322 MW. Die Firma betätigte sich zuletzt aber fast nur im Ausland. Andere wichtige Anbieter sind Japan Steel Works und Fuji Heavy Industries.

Die 13. Asien-Pazifik Konferenz der Deutschen Wirtschaft (APK) wird vom 1. bis 3. November 2012 in Gurgaon, New Delhi, stattfinden. Die APK, die seit 1986 alle zwei Jahre in Asien veranstaltet wird, hat sich inzwischen als bedeutendstes Netzwerktreffen in der Region etabliert. Mehr als 700 Entscheidungsträger aus Unternehmen, Verbänden und Bundesministerien nahmen an der letzten APK in Singapur 2010 teil.

Die Organisation vor Ort liegt bei der AHK Indien (Indo-German Chamber of Commerce, IGCC), bei der weitere Informationen unter der E-Mail Adresse: apk2012@indo-german.com oder auf folgender Homepage: http://indien.ahk.de/apk/ erhältlich sind.

Organisiert wird die APK von den Auslandshandelskammern (AHKs) in der Region Asien-Pazifik, dem Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (APA) - mit seinen Trägerverbänden Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), Deutscher Industrie-und Handelskammertag e.V. (DIHK), German Asia-Pacific Business Association (OAV), Bundesverband des deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) und Bankenverband - und dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWi).

Kontaktanschrift:

Japan Wind Power Association

Kamichi Bldg., 3 F, 3-15-3 Nishi-Shinbashi, Minato-ku, Tokyo 105-0003

Tel.: 0081 3/57 33-22 88, Fax: -25 11

Internet: http://jwpa.jp, E-Mail: info@jwpa.jp

(D.R.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Japan Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Energiepolitik, Strom-/ Energieerzeugung, Wind

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