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08.12.2011

Brasilien peilt 2012 Wirtschaftswachstum von 5% an

Regierung will den Konsum mit Steuersenkungen ankurbeln

São Paulo (gtai) - Die Regierung Brasiliens bleibt zuversichtlich, dass die Finanzkrise in Europa und den USA nur geringe Auswirkungen auf ihr Land hat. Für 2012 erwartet Finanzminister Guido Mantega ein Wirtschaftswachstum zwischen 4,5 und 5,0%. Zwischen Juli und September 2011 hatte sich das Wachstumstempo allerdings deutlich verlangsamt. Die Inflation soll von derzeit 6,5 auf unter 5,0% gesenkt werden.

Die aktuelle Situation könne mit dem Krisenjahr 2008 verglichen werden, aber dieses Mal sei Brasilien besser vorbereitet, so Finanzminister Mantega. Er verweist vor allem auf die geringe Exportquote von 13% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und den anhaltend starken Binnenmarkt. Allerdings hatte der inländische Konsum in den vergangenen Monaten an Dynamik verloren.

Zudem beschloss das Komitee für Geldpolitik der Zentralbank (Copom), den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 11,0% zu senken. Durch die von der Regierung vorgenommenen Ausgabenkürzungen sei Spielraum für eine Senkung eröffnet worden, ohne dass die Inflation ansteige, sagte Mantega. Die Zentralbank sprach von einer moderaten Senkung und begründete den Schritt mit der angespannten Lage auf den internationalen Finanzmärkten.

Experten gehen von weiteren Zinssenkungen und einem Leitzins zwischen 9,0 und 10,0% bis Ende 2012 aus. Im August 2011 hatte die Zentralbank nach mehr als zehn Jahren den Leitzins erstmals wieder gesenkt. Trotz dieser Maßnahmen bleibt Brasilien weltweit Spitzenreiter bei den Zinssätzen. So beträgt etwa der Leitzins in China 6,56 und in Russland 8,35%.

Besonders besorgt zeigt sich die Regierung über die schwachen Einzelhandelsumsätze und schlug ein Maßnamepaket vor, um Kredite wieder attraktiver zu machen. So soll die erst im April 2011 beschlossene Erhöhung der Finanztransaktionssteuer IOF (Imposto sobre Operações Financeiras) von 2,5 auf 3,0% wieder rückgängig gemacht werden. Das Finanzministerium hatte sich zur Anhebung der IOF entschlossen, um die Zahl der Konsumentenkredite einzudämmen. Um diese Kredite wieder preiswerter zu gestalten, könnten zudem die Laufzeiten verlängert und die Höhe der Ratenzahlungen verringert werden, schlug der Minister für Entwicklung, Industrie und Handel, Fernando Pimentel, vor.

Pünktlich zum Weihnachtgeschäft senkte die Regierung auch die Industriesteuer (Imposto sobre Produtos Industrializados) IPI für Kühlschränke, Herde und Waschmaschinen. Die großen Einzelhandelsketten reagierten sofort und gaben Preissenkungen zwischen 10 und 18% bekannt. Die Höhe der IPI ist für jedes Produkt unterschiedlich. Bei Kühlschränken beispielsweise wurde die Steuer von 15 auf 5% gesenkt. Die Regelung soll bis zum 31.03.12 gelten. Unter Ökonomen sind die Steuererleichterungen allerdings umstritten. Sie warnen vor einem Ansteigen der Inflation. Im Jahr 2009 hatte die Regierung schon einmal vor Weihnachten die IPI auf Elektrogeräte reduziert, um den Binnenkonsum anzukurbeln. Damals strahlte die Finanzkrise allerdings wesentlich stärker auf Brasilien aus.

Die Zentralbank hatte zuvor schon Erleichterungen bei den Eigenkapitalbeteiligungsvorschriften und den Mindesteinlagen für Banken bekannt gegeben. Auch mit diesen Maßnahmen soll mehr Geld in den Markt gepumpt werden. Die Regierung ist vor allem aufgrund des gesunkenen inländischen Konsums besorgt. Ein starker Binnenmarkt gilt als stärkstes Instrument Brasiliens, um die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise so gering wie möglich zu halten. Trotz der Erhöhung der Verschuldungsquote der Bevölkerung sieht die brasilianische Regierung derzeit nicht das Risiko einer Kreditblase. Im Jahr 2012 will Brasilien die Inflation unter die Grenze von 5,0% drücken. "Wir hatten ein Inflationsproblem, das jetzt unter Kontrolle ist", sagte Mantega. Das Jahr 2011 dürfte mit einer Inflationsrate von 6,5% abgeschlossen werden.

(SKR)

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