Internationale Märkte

Globus | © GTAI

Unser Länderwissen auf einen Blick

Logo Deutsche Auslandshandelskammern (AHK)  | © DIHK

Deutsche Auslandshandels-kammern

AHK

14.12.2011

Aserbaidschan muss rund 7 Mrd. Euro in Wasserbau investieren

Modernisierung des Wasser- und Abwassernetzes geplant

Istanbul (gtai) - Nach vorläufigen Schätzungen benötige Aserbaidschan rund 7 Mrd. Aserbaidschanische Manat (circa 6,7 Mrd. Euro) für die Instandsetzung und Modernisierung seiner Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, teilte Finanzminister Samir Sharifov im November 2011 mit. Die Verbesserung der kommunalen Infrastruktur des Kaukasuslandes wird von der Weltbank ebenso wie von mehreren nationalen Förderinstitutionen unterstützt, darunter die KfW mit Projekten in Ganja und Sheki. (Kontaktanschriften)

Stück für Stück setzt Aserbaidschan seine oft veraltete und marode Wasserinfrastruktur instand, ersetzt alte durch neue Anlagen und führt notwendige Erweiterungen durch. In den nächsten Jahren werden hierfür weitere Investitionen in Milliardenhöhe benötigt. Regierungsprogramme zur Armutsbekämpfung und Entwicklung des Landes (2008-2015-ci illerde Azerbaycan Respublikasinda yoxsullugun azaldilmasi ve devamli inkisaf Dövlet Proqrami) sowie zur sozio-ökonomischen Entwicklung Bakus (2011-2013-cü illerde Baki seherinin ve onun qesebelerinin social-iqtisadi inkisafina dair Dövlet Proqrami) und der Regionen legen den Rahmen für einzelne Maßnahmen fest. Sie sind auf Aserbaidschanisch auf der Internetseite der Wasserbehörde Azersu abrufbar.

Finanzierung und technische Unterstützung erhält Azersu dabei sowohl von der Weltbank als auch im Rahmen bilateraler Abkommen. Seit 2007 läuft das "National Water Supply & Sanitation"-Projekt der Weltbank, 2008 ergänzt durch ein Folgeprojekt ("Second National Water Supply & Sanitation Project"). Die Projekte sind mit Fördermitteln von 310 Mio. beziehungsweise 410 Mio. US$ ausgestattet. Im Fokus der Programme stehen zunächst die Hauptorte in 22 Regionen (Rayons), daneben Orte entlang der wesentlichen Wasserleitungen. Die deutsche KfW-Entwicklungsbank fördert zusammen mit der Schweizerischen SECO schwerpunktmäßig die Verbesserung der Wasserver- und Abwasserentsorgung in den aserbaidschanischen Städten Ganja und Sheki. Der Investitionsbedarf wird hier mit insgesamt 230 Mio. Euro angegeben. In der laufenden ersten Projektphase stehen 54,9 Mio. Euro zur Verfügung.

Andere Projekte werden mit Unterstützung der Asian Development Bank und der Japan International Cooperation Agency durchgeführt, einige direkt aus dem aserbaidschanischen Haushalt finanziert. Bei der Ausführung kommen oft türkische Bauunternehmen zum Zuge. Azersu listet die in den letzten Monaten begonnenen Projekte auf, für die eine Fertigstellung bis 2013 vorgesehen ist.

Regionale Projekte zur Wasserver- und Abwasserentsorgung in Aserbaidschan
Ort Länge Wasserleitungen (km) Länge Abwasserleitungen (km) Reservoirs (Kapazität in cbm) Pumpstationen Kläranlage (Kapazität in cbm/Tag)
Ujar 108 90 k.A. 15 4.000
Gakh 76,5 63 5 x 1.000 k.A. 3.800
Bilasuvar 120 82 1 x 7.500 2 10.000
Lankaran 200 180 1 x 15.000 9 25.000
Mingachevir 250 223 1 x 15.000 3 25.000
Zardab 70 60 1 x 2.000 7 5.000
Kurdamir 190 175 1 x 7.500 4 6.000
Shamkir 195 190 4 x 1.800 k.A. k.A.
Hajigabul 110 103 2.000+5.000 k.A. 6.000
Imishli 180 170 2 x 2.500, 2 x 600,1 x 1.500 23 10.000
Guba 152 147 2 x 3.000, 1 x 5.000 - -

Quelle: Azersu

Die natürliche Wasserverfügbarkeit in Aserbaidschan variiert regional stark. Insbesondere die Ressourcen auf der Halbinsel Abscheron reichen nicht für die Versorgung der rund 4 Mio. Einwohner zählenden Hauptstadt Baku. Bereits im 18. Jahrhundert wurden drei Wasserleitungen zu Quellen außerhalb der damaligen Stadt angelegt. Diese sollten die etwa 1.000 Brunnen ergänzen, deren Wasser zudem einen sehr hohen Salzgehalt aufwies. Das sprunghafte Wachstum Bakus während des ersten Ölbooms in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließ den Bedarf an Trinkwasser rapide ansteigen.

In den 1880er Jahren beschloss das hierfür eingesetzte Komitee die Suche nach geeigneten Quellen außerhalb der Halbinsel Abscheron, nachdem die Ressourcen in der näheren Umgebung Bakus als unzureichend beurteilt worden waren. Um die Zeit bis zur Fertigstellung entsprechender Wasserleitungen zu überbrücken, nahm die Stadtverwaltung 1893 eine Meerwasserentsalzungsanlage mit einer Kapazität von 350 cbm pro Tag in Betrieb. Sie wurde 1898 auf 1.100 cbm pro Tag erweitert. Ein nächster Lösungsversuch war ab 1903 die Anlieferung von Wasser aus der Kura im Süden Aserbaidschans, mit 1.364 km Länge der größte Fluss im Kaukasus, sowie aus der Wolga mit Schiffen.

Im gleichen Jahr begannen die Bauarbeiten zur ersten großen Wasserleitung zur Versorgung Bakus, der Shollar-Baku-Pipeline, die 1917 in Betrieb genommen wurde. In den 1930er Jahren beschloss die nunmehr sowjetische Verwaltung den Bau einer weiteren 170 km langen Leitung. Der Baubeginn erfolgte 1934. Wegen des Krieges konnte die Pipeline von Khachmaz erst 1958 fertig gestellt werden. Der Aufbau der Industrie in der der nördlich von Baku gelegenen Stadt Sumgayit erforderte in den 1950er Jahren eine dritte Leitung. Diese führt Wasser vom heutigen Grenzfluss zu Russland, dem Samur, zur Abscheron-Halbinsel.

Das Wasser wird im Jeyranbatan-Reservoir gesammelt, das in den Jahren 1961, 1966 und 1978 in drei Stufen Reinigungsvorrichtungen erhielt. Zusätzlich zu den noch betriebenen Pipelines Khachmaz und Samur wurde 1970/71 eine Wasserleitung von der Kura nach Baku eingeweiht und zwischen 1980 und 1988 durch eine parallel geführte zweite Pipeline ergänzt. Der rasche Anstieg der Bevölkerungszahl Bakus nach der Unabhängigkeit Aserbaidschans erforderte schließlich eine weitere Wasserleitung. Über eine Distanz von 263 km führt die Ende 2010 fertiggestellte Pipeline mit einem Durchmesser von 2.000 mm Wasser von Oghuz am Fuß des Großen Kaukasus in die aserbaidschanische Hauptstadt.

Mit dem Aufbau einer geregelten Abwasserentsorgung wurde erst im 20. Jahrhundert begonnen. Erste Planungen gab es bereits um die Jahrhundertwende, aber erst 1923 wurde das "Baku Abwasser-Projekt" ins Leben gerufen und 1924 mit den Bauarbeiten begonnen. Bis 1930 entstanden ein Netz von Abwasserleitungen und die Kläranlage Zig. In den 1970er Jahren wurde ein neues Entsorgungsprojekt initiiert, in dessen Zuge die Kläranlage Hovsan entstand. Mit dem Ende der Sowjetzeit 1991 ruhten auch die Arbeiten an diesem Projekt und wurden erst 2006 wieder aufgenommen.

Kläranlagen in Baku
Name Typ Kapazität
Hovsan Biologisch 640.000 cbm/Tag
Sahil Biologisch 17.500 cbm/Tag
Buzovna Biologisch 10.000 cbm/Tag
Zig Mechanisch 70.000 cbm/Tag
Haji-Hassan Mechanisch 18.600 cbm/Tag
Shuvalan Mechanisch 18.600 cbm/Tag

Quelle: Azersu

Derzeit erhält das Reservoir Jeyranbatan eine neue Wasseraufbereitungsanlage mit einer Kapazität von 6 cbm/s. Die Fertigstellung ist für 2013 vorgesehen. Gleichzeitig entstehen ein neuer 350 km langer Hauptkanal, zusätzliche Reservoirs und erneuerte Verteilernetze. Für die geplante neue Ableitung von Wasser aus der Kläranlage Hovsan ins Kaspische Meer wurde im Herbst 2011 ein Vorqualifizierungsverfahren durchgeführt.

Kontaktanschriften

Azersu OJSC (Aserbaidschanische Wasserbehörde)

67 Mosow Ave., 1012 Baku

Tel.: 00994 12/431 47 67, -87; Fax: -430 28 87

E-Mail: office@azersu.az, Internet: http://www.azersu.az

DAWF (Deutsch-Aserbaidschanischer Wirtschaftsverband)

Nizami str. 24, 1001 Baku

Tel.: 00994 12/448 39 95, Fax: -497 03 95

E-Mail: mail@dawf.com, Internet: http://www.dawf.com

(S.K.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Aserbaidschan Wasser-, Hafenbau, Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Kläranlagenbau

Weitere Informationen

Funktionen

Kontakt

Katrin Kossorz

‎0228/24993-268

Suche

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschafts-daten, Zoll- und Rechts-informationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche