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15.12.2011

Schwedens Bergbau steigert Ausrüstungskäufe massiv

Deutsche Lieferanten können ihre Importanteile vielfach ausbauen / Minengesellschaften investieren auch künftig etliche Milliarden Euro / Von Christian Overhoff

Stockholm (gtai) - Schweden erlebt einen Bergbauboom. In der EU ist das Land der bedeutendste Förderer metallischer Rohstoffe. Der Abbau von Eisenerz stieg 2010 auf einen Rekord von 25 Mio. t und soll sich innerhalb von zehn Jahren laut Experten verdoppeln. Bereits 2011 hat die Branche ihre Investitionen um 12% angehoben. Die steigenden Aktivitäten sowie die hohen abbau-, umwelt- und sicherheitstechnischen Standards erzeugen Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Ausrüster. Diese erhöhen aktuell ihre Lieferungen Richtung Norden enorm.

Der schwedische Bergbau hat sich nach dem Einbruch der Metallpreise 2008 sehr gut erholt und steuert auf Expansionskurs. "Schwedens Eisenerzförderung wird sich innerhalb von zehn Jahren verdoppeln", erwartet Magnus Ericsson, Professor für Bergbauwirtschaft an der Universität Luela. Daneben sind Kupfer, Blei, Zink und Gold wichtigste Abbauprodukte. Zurzeit sind 13 Minen aktiv; weitere 18 geplant und im Genehmigungsprozess. Der Bergbau wird laut Statistikamt seine Investitionen 2011 um 12% auf 6,8 Mrd. skr und 2012 um 36% steigern.

Die zunehmenden Aktivitäten und die hohen abbau-, umwelt- und sicherheitstechnischen Standards erzeugen Geschäftsmöglichkeiten für Ausrüster. In Sachen Automatisierung, Sicherheit und Umwelt gilt Schweden als richtungsweisender Standort im Bergbau. Die weltweit sehr erfolgreichen Bergbaumaschinenanbieter und -ausrüster Atlas Copco, Volvo und Sandvik haben zudem hier ihren Heimatmarkt. Doch das hat deutsche Hersteller von Bergwerkstechnik zuletzt nicht gehindert, ihre Lieferungen nach Schweden enorm zu steigern.

Der massive Anstieg der Importnachfrage erfasste spätestens im 1. Halbjahr 2011 alle Marktsegmente. Von diesem Absatzboom konnten die deutschen Hersteller über alle Segmente hinweg profitieren. In der volumenstärksten Position - Pumpen und Kompressoren sowie Filtertechnik legten die gesamten Einfuhren im 1. Halbjahr um 23% zu, nachdem sie 2010 bereits um 30% auf insgesamt 10,9 Mrd. skr (rund 1,14 Mrd. Euro, 1 Euro = 9,53 skr; Durchschnittskurs 2010) gestiegen waren. Davon stammten im 1. Halbjahr 2011 Waren im Wert von 2,2 Mrd. skr aus Deutschland, was einen Anstieg gegenüber den ersten sechs Monaten des Vorjahres um knapp 28% ausmacht.

An zeitwichtigster Stelle stehen aus deutscher Sicht "Teile und Zubehör", welche aus der Bundesrepublik 2010 für rund 1,2 Mio. skr bezogen wurden. Hiervon dürfte ein Teil in die schwedische Produktion von Bergbautechnik und damit in den Reexport fließen. Auf dem dritten Platz folgen die Planiermaschinen, Hobel und Bagger, die für rund 1,0 Mrd. skr. geliefert wurden. Diese erlebten im 1. Halbjahr 2011 zusammen mit den deutschen Lieferungen von Sortiermaschinen mit jeweils rund 40% Plus den größten Zuwachs -nur noch übertroffen von der Position "Andere Berg-, Hoch- und Tiefbaumaschinen" aus Deutschland, die um stolze 103% mehr nachgefragt wurden.

Import, in Mio. skr (Veränderung in %, 1. Halbjahr 2011 gegenüber 1. Halbjahr 2010)

HS 2009 2010 1. Halbjahr 2011 Veränderung
8413, 8414 Pumpen, Kompressoren Filtertechnik 8.385,0 10.882,1 6.102,7 23,0
.aus Deutschland 2.796,3 3.757,8 2.158,3 27,9
8425-28 Fördertechnik 3.391,2 3.136,7 1.807,8 25,2
.aus Deutschland 881,7 908,6 495,3 20,4
8429 Planiermaschinen, Hobel, Bagger 1.445,5 2.569,9 1.661,6 47,4
.aus Deutschland 407,2 1.050,6 655,0 39,4
.8429.52 Bagger mit um 360 Grad drehbarem Oberwagen 618,8 1.324,4 812,9 27,0
.aus Deutschland 226,9 642,5 350,0 16,7
8430 Abbau-, Streckenvortriebsmaschinen 543,3 636,2 291,2 14,3
.aus Deutschland 38,5 27,3 15,2 25,6
8431 Teile und Zubehör 4.369,9 5.790,6 3.410,9 21,9
.aus Deutschland 862,8 1.255,4 714,0 18,4
8474 Sortiermaschinen 1.479,1 1.020,7 615,2 17,4
.aus Deutschland 224,3 150,8 122,0 40,9
8479.10 Andere Berg-, Hoch-, Tiefbaumaschinen 219,4 193,1 158,2 85,2
.aus Deutschland 91,5 75,3 87,7 103,0

Wechselkurse: 2009: 1 skr = 0,0942; 2010: 1 skr = 0,1049, Januar - Juni 2011: 1 skr = 0,1119 Euro

Quelle: SCB

Die Nachfrage nach Ausrüstung ist derart gewachsen, dass es weltweit zu stark verlängerten Lieferzeiten für Bergwerkstechnik kommt. Dann entscheidet über einen Auftrag unter Umständen, wer rechtzeitig liefern kann. So müssen die Minenbetreiber zum Beispiel auf Schaufelbagger statt wie gewöhnlich rund ein Jahr, zwei Jahre warten, stellt eine Analyse der Credit Agricole fest. Ähnlich sieht es bei Zerkleinerern und Schiffsbeladeeinrichtungen aus. Erzmühlen brauchen nicht mehr 20 Monate wie normal, sondern etwa 27 Monate bis zum Kunden. Große Minenkipper beanspruchen jetzt rund 20 Monate und damit ein Drittel mehr an Lieferzeit.

Der Optimismus bei den Investoren und den Rohstoffkonzernen ist in Schweden ungebrochen. Dies war auch deutlich auf der 8. RMG Exploration & Mining Investment Conference in Stockholm Mitte November 2011 zu spüren, auf der die wichtigsten schwedischen Branchenunternehmen vertreten waren. Selbst wenn China langsamer wächst oder gar in die Rezession gleitet, würde eine riesige Nachfrage nach Eisenerz aus dem Reich der Mitte offenbleiben, so der Tenor von Branchenexperten.

Die Minenbetreiber sichern teilweise durch langjährige Abnahmeverträge den Betrieb neuer Minen auf Jahre im Voraus, noch bevor das erste Erz gefördert wird.

Die Chancen stehen daher gut, dass die Bergbauaktivitäten in Schweden und damit die Nachfrage nach Bergbautechnik auch in den kommenden zehn Jahren hoch bleibt. Das nordische Land erlebt eine sehr expansive Phase der Erkundungsaktivitäten nach neuen Lagerstätten von Mineralien. Aber vielfach braucht es in dem traditionellen Bergbauland nicht lange bis eine neue Mine ans Laufen kommt. Denn die Konzerne erkunden vielfach bereits geschlossene Minen und deren Umgebung unter Einsatz modernster Technik neu. Das spart gegenüber einer kompletten Neuerschließung viel Zeit und Geld. Ein Flaschenhals der Expansion ist die Infrastruktur.

Der schwedische Bergbaukonzern LAKB hat in den vergangenen fünf Jahren rund 22 Mrd. skr. in die Modernisierung seiner Betreibe und den Ausbau der Logistik gesteckt, darunter zwei neue Pellet-Werke und neue Hafenanlagen im norwegischen Narvik. Der Konzern plant, jährliche Investitionen auf einem Niveau von 5 Mrd. bis 6 Mrd. skr. Ein Großteil soll in die neue Produktion der Minen in Malmberget und Kiruna fließen. Ziel ist es, die Jahreskapazität von aktuell 28 Mio. t. auf 37 Mio. t. bis 2015 anzuheben. In den Minen geht die Arbeit an den Haupttransportverbindungen sowie an der Automation mit Hilfe von Datenkommunikation per Funk und Netzwerken weiter.

Zu den wichtigsten Einzelinvestitionen des Minenbetreibers zählen ferner die Verbesserung des Gütereisenbahnverkehrs zwischen dem norwegischen Eisenerzhafen Narvik und den schwedischen Fördergebieten. LKAB bestellte im Mai 300 Erzwagons bei Kockums und zuvor vier neue IORE-Lokomotiven von Bombardier in Kassel. Damit soll die Transportkapazität per Bahn auf 40 Mio. t. pro Jahr steigen.

Der weltweit tätige schwedische Bergbaukonzern Boliden hat in den letzten Jahren große Investitionen getätigt. Rund 6 Mrd. skr steckte der Minenbetreiber in den Ausbau der Kupfergrube Aitik. Im Jahr 2010 wurde hier Schwedens größte Mine in Betrieb genommen. Ab 2014 sollen dort jährlich 36 Mio. t Erze gewonnen werden. Seit 2011 läuft die Erzproduktion in einer neuen Anlage. Die Verfügbarkeit hat sich im neuen Zerkleinerer erhöht, gilt aber laut geologischem Dienst SGU als nicht voll befriedigend.

Die Minen in Garpenberg sollen erweitert werden, um die Eisenerzproduktion von 1,4 Mio. t auf 2,5 Mio. t bis 2015 zu steigern. Die Erweiterung wird inklusive eines neuen Konzentrators, neuer Schächte, untertage Installationen und Oberflächeninfrastruktur 3,9 Mrd. skr kosten. Die Produktionskosten sollen durch die Modernisierung um 25% sinken. Zusätzlich plant Boliden 2012 den Start seiner Kankberg Gold- und Tellur-Mine. Das Unternehmen will 475 Mio. skr in Mine, Verdichter und Goldwäscher investieren.

Das kanadische Unternehmen Lunding Mining stellt seine Kupferanreicherungsanlage in Zinkgruvan auf duale Produktion um. Künftig soll dort sowohl Kupfer als auch Zink verarbeitet werden können. Bisher wurde das Erz in einem Zink- und einem Kupferwerk aufgearbeitet. Ab 2012 soll so die Zink-Kapazität auf 100.000t Zinkkonzentrat pro Jahr angehoben werden. Die Produktion betrug 2010 rund 72.200 t. Zink, 36.640 t. Blei und 540 t. Kupfer sowie 56 t. Silber in Konzentraten.

Dannemora Minerals AB entwickelt die Dannemora Mine, 110 km nördlich von Stockholm neu. Unter voller Auslastung soll das Bergwerk 2,5 Mio. t. Eisenerz pro Jahr fördern. Die Eisenbahnstrecke zum Hafen von Hargshamm haben die Minengesellschaft und die schwedische Verkehrsbehörde gemeinsam modernisiert. Dannemora Vice President und Exploration Manager Lennart Falk, sagte gegenüber Germany Trade & Invest, künftig werde alles für den Betreib offener Gruben und die Erzverarbeitung gebraucht: aus Deutschland zum Beispiel Bagger von Demag.

Northland Resources SA plant den Produktionsbeginn in ihrem Kaunisvaara Eisenerzprojekt für Ende 2012. Bis 2014 soll ein Output von 5 Mio. t. pro Jahr erreicht werden. Das Projekt soll laut Unternehmen ungefähr 5,2 Mrd. skr kosten und umfasst zwei Eisenerzlagerstätten (Tapuli und Sahavaara) 100 km nördlich des Polarkreises, die im Tagebau ausgebeutet werden sollen. Dabei hat Northland jüngst den Energiekonzern Vattenfall beauftragt, die Hauptversorgungsleitung mit einer Kapazität von 130 kV bis Herbst 2012 zum Start der Konzentratherstellung zu legen. Das Magnititkonzentrat wird auf der Straße und der Malmbahn bis Narvik transportiert.

In dem Hafen baut das Unternehmen eine eigene Verladeeinrichtung. Auf die Frage von Germany Trade & Invest, welche Ausrüstung aus Deutschland zurzeit in Betracht kämen, antwortete CEO Karl-Axel Waplan, das Northland für die Eisenerzverladung von der Bahn noch eine Wagonumkippanlage brauche.

Wichtige schwedische Bergbauunternehmen: Top Ten nach Umsatz, in Mio. Euro *)
Unternehmen Internet Umsatz 2010
Boliden Mineral AB http://www.boliden.se 4.078,6
LKAB http://www.lkab.se 3.169,6
Zinkgruvan Mining AB http://www.lundinmining.com 132,1
Minelco AB http://www.minelco.se 114,1
Dragon Mining (Sweden) AB http://www.dragon-mining.com.au/-Dragon-Mining-Sweden-AB 39,9
Björkdalsgruvan AB http://www.bjorkdalsgruvan.se 37,3
Central Asia Gold AB http://www.centralasiagold.se 23,8
Dannemora Magnetit AB http://www.dannemoramineral.se 4,8
Lovisagruvan AB http://www.lovisagruvan.se 4,3
Vargöns Brikett AB http://www.tmgroupsweden.com 1,1

*) Nur Förderunternehmen von Metallerzen

Quelle: http://www.largestcompanies.com

Kontaktanschriften

Byggmaskiner / Scanbygg

(Baumaschinenmesse)

12-15.3.2013

Svenska Mässan Göteborg

Mässans Gata 10b, 41294 Göteborg

Tel: 0046 (0)31/70 88 00 0; Fax: -16 03 30

Internet: http://www.svenskamassan.se/sites/byggmaskiner/

Bergsprängningskommitten

13.3.2012, Stockholm (Branchentreffen zum Thema Sprengen)

http://www.bergsprangningskommitten.se

Bergbau Consultant:

Raw Materials Group (RMG)

Rasundavägen 1, 9th FlSE-169 67 Solna, Sweden

Tel: +46 8 744 0065; Fax: -0066

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Schweden Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Bergbaumaschinen, Geo-Bohrtechnik

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