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20.12.2011

Schweizer Atomausstieg kostet 21 Mrd. Franken

Rückbau der Kernkraftwerke soll bis zu 20 Jahre dauern / Von Axel Simer

Bonn (gtai) - Die voraussichtlichen Kosten für die Stilllegung der schweizerischen Kernkraftwerke, die Nachbetriebsphase und die Entsorgung der radioaktiven Abfälle sollen 20,7 Mrd. Schweizer Franken betragen (sfr; rd. 17,2 Mrd. Euro; 1 Euro = 1,20 sfr). Dies zeigen aktuelle Kostenstudien, die Swissnuclear durchgeführt und im November 2011 veröffentlicht hat. Nach den bisherigen Planungen wird 2019 das erste Kernkraftwerk vom Netz gehen.

Im Mai 2011 hat die Schweizer Regierung den Atomausstieg beschlossen. Den Planungen zufolge wird 2019 das erste Kernkraftwerk abgeschaltet. Zwei weiteren winkt dieses Schicksal 2022, die beiden letzten sollen 2029 und 2034 folgen. Im Laufe des Jahres 2012 will Bern seine Energiestrategie konkretisieren und festlegen, welche Energieträger die Kernenergie, die derzeit rund 40% des Schweizer Stroms erzeugt, ersetzen sollen.

Die Finanzierung der Stilllegung der Kernkraftwerke und die Entsorgung der radioaktiven Abfälle nach Abschalten der Anlagen stellen in der Schweiz zwei unabhängige Fonds sicher: der Stilllegungsfonds für Kernanlagen und der Entsorgungsfonds für Kernkraftwerke. Beide Fonds werden durch Beiträge der Betreiber alimentiert, die gemäß dem nationalen Kernenergiegesetz zur Übernahme dieser Kosten verpflichtet sind.

Grundlage für die Berechnung der Beiträge der Betreiber bilden Kostenstudien, die gemäß der Stilllegungs- und Entsorgungsverordnung (SEFV) alle fünf Jahre aktualisiert werden müssen. Die letzten Kostenstudien stammen aus dem Jahr 2006. Swissnuclear, die Fachgruppe Kernenergie des Verbands Swisselectric, legte im November die Kostenstudien 2011 vor. Swissnuclear unterscheidet dabei Aufwendungen für eine Nachbetriebsphase, für die tatsächlichen Stilllegung und die anschließende Entsorgung radioaktiv verstrahlter Materialien.

Die sogenannte Nachbetriebsphase beginnt direkt nach dem endgültigen Abschalten eines Kernkraftwerks. Sie umfasst den sicheren Betrieb der noch benötigten Systeme zur Kühlung, Sicherung und Verpackung der Brennelemente in Transport- und Lagerbehälter. Die Nachbetriebsphase dauert rund fünf Jahre, während denen sämtliche Brennelemente in ein vom Kraftwerk unabhängiges Lager überführt werden und die Stilllegung vorbereitet wird. Die Kosten der Nachbetriebsphase aller fünf schweizerischen Kernkraftwerke betragen laut der Kostenstudie 2011 rund 1,7 Mrd. sfr. Die Kosten für die Nachbetriebsphase werden von den Betreibern direkt finanziert und sind nicht Teil der Fonds.

Im Anschluss an die Nachbetriebsphase, das heißt nachdem alle Brennelemente und sonstigen Betriebsabfälle abtransportiert sind und das zuständige Ministerium die Stilllegungsverfügung erlassen hat, können die Demontage- und Rückbauarbeiten beginnen. Vom endgültigen Abschalten bis zum vollständigen Rückbau eines Kernkraftwerks dauert es 15 bis 20 Jahre.

Die Stilllegungskosten der fünf schweizerischen Kernkraftwerke und des Zwischenlagers ZWILAG betragen laut jüngster Schätzung knapp 3 Mrd. sfr. Das sind 17% mehr als in vorherigen Kostenschätzung von 2006. Bei der aktuellen Kostenschätzung wurden die Erfahrungen aus den laufenden Stillegungsprojekten in Deutschland berücksichtigt, die wesentliche Mehrkosten für den Rückbaubetrieb ausweisen. Die Stilllegungskosten für die Kernkraftwerke und des ZWILAG werden komplett durch den Stilllegungsfonds gedeckt. Ende 2010 betrug das angesammelte Fondskapital 1,3 Mrd. Franken. Die noch ausstehenden Mittel werden durch Fondsbeiträge der Kernkraftwerkbetreiber und durch Kapitalerträge des Fonds bereitgestellt.

Zu den Entsorgungskosten gehören die Kosten für Planung, Bau und Betrieb von Entsorgungsanlagen, die Kosten für Transport- und Lagerbehälter sowie für Dienstleistungen wie Transporte oder Wiederaufbereitung, bis zu den Kosten für die Stilllegung der Oberflächenanlage und den Verschluss der geologischen Tiefenlager. Die Entsorgungskosten betragen gemäß der Kostenstudie 2011 fast 16 Mrd. sfr. Das sind 10% mehr als in der Kostenschätzung von 2006. Dabei haben die gesammelten Erfahrungen im Tunnelbau und verschärfte Anforderungen an nukleare Bauten zu höheren Kostenschätzungen für die geologischen Tiefenlager geführt. (A.S.)

Weitere Informationen:

http://www.entsorgungsfonds.ch oder http://www.stillegungsfonds.ch

Dieser Artikel ist relevant für:

Schweiz Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Strom-/ Energieerzeugung, Kernkraft, Sonstiges im Bereich Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz

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