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05.01.2012

VR China strebt Internationalisierung des Renminbi Yuan an

Mehr RMB-Geschäfte über Hongkong / Spekulationen über Freigabe des Wechselkurses / Von Roland Rohde und Stefanie Schmitt

Hongkong (gtai) - Die Internationalisierung der chinesischen Währung Renminbi Yuan (RMB) macht kräftige Fortschritte. In den ersten drei Quartalen 2011 vervielfachte sich das in RMB abgewickelte Handelsvolumen gegenüber der Vorjahresperiode um das 6,9-fache. Das Ende 2011 mit Japan geschlossene Handelsabkommen wird diesen Trend weiter verstärken. Bislang läuft das Gros des RMB-Handels aber über Hongkong (SVR). Andere Handelszentren wie Singapur sind im Gespräch.

Die VR China will dem Renminbi Yuan (RMB; 1 Euro = 8,16 RMB, Stand: 30.12.11) international mehr Gewicht verleihen. Letztlich geht es darum, ihn als internationale Reservewährung zu etablieren. Dabei verfolgt Beijing interessanterweise die Strategie, der Konvertierbarkeit der heimischen Währung ihre Internationalisierung voranzusetzen.

Tatsächlich ist der RMB nach wie vor nicht frei handelbar. Mit anderen Worten: sein Kurs wird nicht am Markt bestimmt, sondern schwankt vielmehr in einem engen Band um einen von der chinesischen Zentralbank festgesetzten Referenzkurs. Hinzu kommen strikte Kapitalverkehrskontrollen. Deren Lockerung oder gar Aufgabe dürfte den chinesischen Währungsbehörden in der gegenwärtigen Situation indessen wenig wünschenswert erscheinen, da sie mit deren Hilfe die Kontrolle über Einlagen- und Kreditzinsen, quantitative Kreditvergaberichtlinien sowie eine Rationierung des Anleihemarktes beibehalten können, analysierte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in einem Bericht vom Dezember 2011.

Vor diesem Hintergrund wundert es daher nicht, dass die chinesische Währung bei internationalen Transaktionen bislang nur eine sehr unbedeutende Rolle spielt. Nach BIZ-Angaben war sie 2010 nur an 0,9% aller Devisenmarkttransaktionen beteiligt (der US-Dollar brachte es auf 85%). Dessen ungeachtet sind sich viele Finanzexperten aber darin einig, dass die Internationalisierung der chinesischen Währung in den letzten Jahren viel schneller als erwartet vorangeschritten ist. Zwar dürften noch viele Jahre vergehen, bis der RMB einen Status wie der Euro oder gar der US$ erreicht hat. Trotzdem wird er weiter rasch an Bedeutung gewinnen. So hat sich das in RMB abgewickelte Handelsvolumen laut chinesischer Zentralbank in den ersten drei Quartalen 2011 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um das 6,9-fache auf 1.540,98 Mrd. RMB gesteigert.

Dieser Trend wird sich mit dem Ende 2011 vereinbarten Währungsabkommen zwischen der VR China und Japan weiter verstärken. Danach sollen grenzüberschreitende Geschäfte künftig statt in US-Dollar vermehrt in Yen oder in RMB abgewickelt werden. Angesichts des riesigen bilateralen Handelsvolumens gilt das Abkommen als wichtiger Schritt auf dem Weg zur RMB-Internationalisierung. Allein im Jahr 2010 lieferte die VR China den Statistiken der UN Comtrade zufolge Waren im Wert von rund 121 Mrd. US$ nach Japan und kaufte von dort Güter für circa 176 Mrd. $, Tendenz weiter steigend.

Grundsätzlich arbeitet Beijing an mehreren "Fronten", um die Internationalisierung des Renminbi voranzutreiben. So startete die Zentralregierung im Juli 2009 ein Pilotprojekt, das 365 ausgewählten Firmen aus vier Städten in der Provinz Guangdong sowie aus Shanghai die Möglichkeit einräumte, Handelsgeschäfte mit ihren Partnern in Hongkong direkt in RMB abzuwickeln . Bis Ende 2010 wurde das neue Zahlungsschema auf 20 Provinzen ausgeweitet. Auf diese entfielen 95% des chinesischen Außenhandels. Gleichzeitig war die Zahl der für die Abwicklung grenzüberschreitender RMB-Transaktionen lizenzierten Unternehmen auf 67.400 gestiegen. Im Laufe des Jahres 2011 wurden sämtliche Provinzen und Handelsfirmen in das Schema einbezogen, sodass 100% des Außenhandels theoretisch in RMB abgerechnet werden können.

Bislang laufen schätzungsweise 80% der Transaktionen über die Sonderverwaltungsregion (SVR) Hongkong, nicht zuletzt deshalb, weil mit Ausnahme von Macau (SVR) und einigen ASEAN-Ländern noch keine RMB-Konten im Ausland eröffnet werden dürfen. Daher müssen Renminbi in Hongkong in entsprechende Auslandswährungen umgetauscht werden. Hierfür sind neben der dominierenden Bank of China (BOC) erst einige Finanzinstitute autorisiert. Allerdings bietet die BOC günstigere Raten.

Der Wert der via Hongkong abgewickelten RMB-Handelstransaktionen ist in der Folge rasant gestiegen, und auch der Wert der auf Hongkonger Konten liegenden Renminbi Yuan hat sich drastisch erhöht. Bereits seit 2004 ist es zwar möglich, ein RMB-Konto in der SVR zu eröffnen. Doch bis 2009 tat sich relativ wenig. Ende 2009 beliefen sich die gesamten Einlagen laut Angaben der Monetary Authority auf gut 60 Mrd. RMB. Allein innerhalb des Jahres 2010 haben sie sich auf über 300 Mrd. RMB verfünffacht.

Ausländische Unternehmen, die ihre Handelsgeschäfte mit ihren chinesischen Partnern in Renminbi Yuan abwickeln wollen, sollten zunächst ein RMB-Konto in Hongkong eröffnen. Dabei können ihnen auch die Niederlassungen ihrer Hausbanken helfen. Wie André Merz, Vice President der Commerzbank Hong Kong, berichtet, drehten sich inzwischen 90% aller Kundengespräche um dieses Thema. Er rät allen Unternehmen, sich rechtzeitig mit dem neuen Zahlungsschema auseinanderzusetzen. Zudem zeichnet er ihnen auch wirtschaftliche Vorteile auf. In einem Fall konnte ein Kunde von seinem chinesischen Lieferanten einen Preisnachlass von 10% erwirken, weil er sich bereit erklärt hatte, das Geschäft in RMB abzuwickeln.

Noch laufen die meisten RMB-Transaktionen über Hongkong, doch schon bald könnten andere wichtige Handelspartner Chinas einen ähnlichen Status wie die SVR erhalten. Im Gespräch soll nach Aussagen von Branchenkennern vor allem Singapur sein. Mittelfristig dürfte der Renminbi Yuan aber - da sind sich alle Finanzexperten einig - frei konvertierbar werden. Gestritten wird im Prinzip nur noch über das genaue Datum.

Die Zentralbank Chinas gab Anfang 2011 einen Zeitrahmen von fünf Jahren vor. Gleichzeitig räumte sie ein, dass es auch schneller gehen könne. Commerzbank-Repräsentanten rechnen sogar schon für Ende 2012/Anfang 2013 mit einer Freigabe des RMB-Wechselkurses. Die ausländischen Währungsreserven Chinas hätten inzwischen einen derart hohen Wert erreicht, dass die Kosten zu deren Neutralisierung langsam untragbar würden.

Für Hongkong hätte die Freigabe der Wechselkurses weitreichende Folgen. Die Monetary Authority hat bereits klar gemacht, dass in diesem Falle die jahrzehntelange Kopplung des Hongkong-Dollars (HK$) an den US-Dollar fallen würde. Analysten erwarten, dass der Wechselkurs zunächst ebenfalls freigegeben wird. Später käme gegebenenfalls eine Bindung des HK$ an den RMB in Betracht.

Insgesamt dürfte die zu erwartende Entwicklung den Finanzstandort Hongkong dauerhaft stärken. Die Banken gewinnen derzeit viel Erfahrung im Geschäft mit dem Renminbi Yuan und investieren zugleich in ihre Software. Zum Zeitpunkt der Freigabe des RMB-Kurses werden sie somit über einen erheblichen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Konkurrenten in anderen Ländern verfügen.

(R.R./ G.S.)

Dieser Artikel ist relevant für:

China, Hongkong, SVR Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, Außenhandel / Struktur, allgemein, Zahlungsverkehr, Kreditauskunfteien, Inkassodienste

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