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05.01.2012

Finnlands Werften ziehen wieder Aufträge an Land

Ausbau der arktischen Schifffahrt als Chance / Fachwissen auch bei neuen Antrieben und Energiegewinnung auf See / Von Torsten Pauly

Helsinki (gtai) - Die finnischen Werften hatten 2010 hohe Umsatzeinbrüche zu verzeichnen. Im Jahr 2011 konnten sie jedoch wieder bedeutende Großaufträge an Land ziehen, unter anderem für Kreuzfahrtschiffe und Eisbrecher. Gerade bei arktistauglichen Schiffen ist Finnland weltweit führend und sollte vom geplanten Ausbau der Nordpassage von Europa nach Asien stark profitieren. Die Entwicklungsbüros und Schiffsausrüster haben sich auch in der Krise besser entwickelt als die Werften selbst. (Kontaktanschriften)

Insbesondere Finnlands größter Schiffsbauer STX hat 2011 wieder gute Bestellungen erhalten. Bis 2013 wird diese Werft für die finnische Reederei Viking Line Abp ein Kreuzfahrtschiff für 240 Mio. Euro bauen, ein weiteres im Wert von 390 Mio. Euro will der deutsche TUI-Konzern 2014 in Empfang nehmen. Weitere 300 Mio. Euro kosten bis 2013 zwei Versorgungsschiffe für brasilianische Ölfelder. Auch Finnland hat für 2013 ein staatliches Patrouillenboot geordert. Bereits 2012 sollen zudem ein südafrikanisches Forschungsschiff für antarktische Gewässer, ein namibisches Fischereiforschungsschiff und ein Mehrzweckschiff des finnischen Reeders Oy Gaiamare Ab in See stechen.

Die Werftgesellschaft STX Finland Oy ist das mit Abstand bedeutendste Unternehmen im Schiffsbau des nordischen Landes, das 2010 den mit 590,4 Mio. Euro bei weitem größten Branchenumsatz erwirtschaftet hat. Seit 2007 befinden sich die Produktionsstätten in koreanischen Händen, als der ostasiatische STX-Konzern die damaligen Aker-Yards-Werften in Turku, Helsinki und Rauma übernommen hatte.

Auch die nach STX anderen beiden wichtigsten finnischen Schiffsbauer haben Anfang 2012 Aufträge. So fertigt Technip Offshore Finland Oy in Pori bis 2013 für etwa 300 Mio. Euro Bohrinselausrüstungen für den Golf von Mexiko und auch die in Uusikaupunki ansässige Uudenkaupungin Työvene Oy liefert 2012 zwei finnische Fähren und 2013 ein estnisches Schiff zur Bekämpfung von Ölverschmutzungen aus.

Im Jahr 2010 hat der finnische Schiffsbau im Zuge der weltweiten Investitionskrise laut Statistikamt einen um 26,9% niedrigeren Nettoumsatz und eine um 13,9% geringere Wertschöpfung realisiert als noch 2009. Auch die Investitionen sind 2010 um 24,1% eingebrochen. Im Zuge dessen hat die Branche in der landesweiten Wirtschaftsstruktur an Bedeutung eingebüßt, sank doch der Anteil der Schiffsbauer an der Wertschöpfung von Finnlands verarbeitenden Gewerbe von 1,2% (2009) auf 0,9% (2010).

Bei diesen rückläufigen Zahlen gilt es aber zu berücksichtigen, dass es in der Werftbranche oft zu starken jährlichen Schwankungen beim Umsatz und bei anderen Kennziffern kommt, da einzelne Großaufträge jeweils punktuell ausgeliefert werden. Beachtliche positive oder negative Ausschläge spiegeln daher in der Regel keinen entsprechenden Strukturwandel wieder. Dank der neuen Aufträge wird die Bilanz in den kommenden Jahren besser ausfallen.

Branchenkenner weisen angesichts des jüngsten Wirtschaftseinbruchs auch darauf hin, dass zum finnischen Schiffsbau im weiteren Sinn nicht nur die Werften, sondern auch Entwicklungsunternehmen, Turbinen-, Maschinen und Anlagenbauer sowie andere Ausstatter - etwa von Kreuzfahrtschiffen - gehören. Gerade diese weiteren Sparten haben sich aber auch in der jüngsten allgemeinen Konjunktur- und Investitionskrise in der Regel besser entwickelt als die Werften selbst.

Im Jahr 2010 hat Finnlands Statistik insgesamt 376 reine Schiffsbauer registriert. Dies waren jedoch meist kleine Betriebe, deren Hauptkunde oft die drei Großwerften sind. Die Zahl der dort Beschäftigten hat sich 2007 laut neuesten offiziellen Angaben auf 9.317 Personen summiert. Dies entspricht 2,3% aller Stellen im verarbeitenden Gewerbe. Der Verband der Finnischen Schiffsbauindustrie beziffert dagegen die Mitarbeiter bei den führenden Werften, Entwicklungsbüros und Zulieferern auf insgesamt 59.000 Menschen.

Vor allem jedoch bieten drei Trends, bei denen Finnlands Schiffsbau über erhebliches Fachwissen verfügt, der Branche in Zukunft besondere Chancen. Hier ist zum einen die lange Tradition beim Bau von Eisbrechern zu nennen. Laut Branchenkennern stammt die Mehrheit aller weltweit verkehrenden Eisbrecher aus Finnland, und Entwicklungsunternehmen wie Aker Artic Technology Oy besitzen ein hervorragendes Fachwissen.

Die Bedeutung von Eisbrechern sollte in den kommenden Jahren vor allem durch die geplante stärkere Nutzung der arktischen Nordpassage zwischen Europa und Asien noch steigen. Dieser Seeweg ist je nach Zielhafen bis zu 6.000 Seemeilen kürzer als die Strecke über den Suezkanal und Russlands Regierung will in die Modernisierung und den Ausbau der entsprechenden Infrastruktur in den kommenden Jahren 500 Mio. Euro investieren.

Bereits zu Sowjetzeiten ist der östliche Nachbar für Finnlands Werften ein wichtiger Markt gewesen, und auch nach der Unabhängigkeit sind russische Kunden wie etwa das Nickelunternehmen Norilski Nikel ein wichtiger Abnehmer von finnischen Schiffen geblieben. Ende 2011 hat die zum STX-Konzern gehörende Helsinkier Eisbrecherwerft Archtech Helsinki Shipyard Oy bekanntgegeben, zusammen mit dem russischen Betrieb Yantar JSC ein Rettungsschiff im Wert von 76 Mio. Euro für das russische Verkehrsministerium zu bauen. Für die russische Reederei Sovcomflot baut die Archtech-Werft bis 2013 zudem zwei Transportschiffe. Auch die russische Schiffsbauholding OSK besitzt an diesem Helsinkier Unternehmen Anteile.

Chancen bietet auch die Energieerzeugung auf See. Bereits jetzt gibt es eine erhebliche Expertise etwa für Bohrinseln im Unternehmen Technip Offshore Finland Oy in der westfinnischen Hafenstadt Pori. Hier sollten sich die Werften auch auf Windparks spezialisieren, von denen vor Finnlands Küste einige geplant sind. Allerdings gibt es bereits namhafte Konkurrenz aus Deutschland und anderen europäischen Ländern. Ein besonderer Vorteil der finnischen Branche kann aber wiederrum der Wissensvorsprung bei Windparks in Gewässern, die teilweise zufrieren, sein.

Schließlich sind in Finnland Fachkenntnisse zum Bau von besonders treibstoffeffizienten Schiffen vorhanden, etwa beim Entwicklungsbüro Deltamarin Oy. Dieses konzipiert auch Frachter für ausländische Auftraggeber, unter anderem aus China. Neben den Werften und renommierten Ingenieurbüros sind in Finnland auch Turbinen-, Maschinen- und Anlagenbauer wie Wärtsila Oyj und ABB Oy ansässig, die für hochwertigste Schiffsausrüstungen bekannt sind. In der Realisierung befindet sich unter anderem ein LNG-Antrieb. Im Gespräch ist Ende 2011 auch, dass Wärtsila Oyj zusammen bei der Herstellung von Kupplungen, Antriebswellen und Ruderpropellern mit der Schiffsbauholding OSK kooperiert.

Finnlands Schiffsbauer in Zahlen
2009 2010 Veränderung 2010/2009 (in %)
Unternehmen (Anzahl) 380 376 -1,1
Nettoumsatz (in Mio. Euro) 1.461,0 1.068,6 -26,9
Wertschöpfung (in Mio. Euro) 275,3 237,1 -13,9
Investitionen insg. (in Mio. Euro), darunter 20,7 15,7 -24,1
.in Maschinen und Anlagen (in Mio. Euro) 17,2 11,5 -33,3

Quelle: Statistikamt

Führende Werften in Finnland
Unternehmen (Sitz) Umsatz (in Mio. Euro 2010) Veränderung 2010/2009 (in %) Internetadresse
STX Finland Oy (Turku) 590,4 -37,0 http://www.stxeurope.com
Technip Offshore Finland Oy(Pori) 62,4 -10,0 http://www.technip.com
Uudenkaupungin työvene Oy (Uusikaupunki) 30,5 -10,7 http://www.tyovene.com
Turun Korjaustelakka Oy (Naantali) *) 20,1 22,1 http://www.turkurepairyard.com

*) Reparaturwerft

Quelle: Fonecta Finder (Suomen Asiakastieto), Kauppalehti

Kontaktanschriften:

Meriteollisuus ry

(Verband der Finnischen Schiffsbauindustrie)

Besucheradresse: Eteläranta 10; 00130 Helsinki

Postadresse: Postfach 10; 00131 Helsinki

Tel.: 003589/1 92 33 85

Internet: http://www.meriteollisuus.fi

Deutsch-Finnische Handelskammer

Mikonkatu 25; 00100 Helsinki

Tel.: 003589/612 21 20; Fax: -64 28 59

E-Mail: info@dfhk.fi; Internet: http://www.dfhk.fi

STX Finland Oy

Besucheradresse: Telakkakatu 1; 20240 Turku

Postadresse: Postfach 666; 20101 Turku

Tel.: 0035810/67 00; Fax: -6 70 67 00

E-Mail: finland@stxeurope.com; Internet: http://www.stxeurope.com

Technip Offshore Finland Oy

Besucheradresse: Reposaaren maantie 170; 28900 Pori

Postadresse: Mäntyluoto; 28880 Pori

Tel.: 0035810/2 32 20-00; Fax: -10

E-Mail: tof@technip.com; Internet: http://www.technip.com

Uudenkaupungin Työvene Oy

Telakkatie 8; 23500 Uusikaupunki

Tel.: 003582/8 46 46 00; Fax: -8 41 43 47

Internet: http://www.tyovene.com

Turun Korjaustelakka Oy

Besucheradresse: Navirentie; 21100 Naantali

Postadresse: Postfach 212; 21101 Naantali

Tel.: 003582/4 45-11; Fax: -14 55

E-Mail: try@turkurepairyard.com; Internet: http://www.turkurepairyard.com

Aker Artic Technology Oy

Merenkulkijankatu 6; 00980 Helsinki

Tel.: 0035810/6 70-24 77; Fax: -25 27

Internet: http://www.akerartic.fi

Wärtsilä Corporation Oyj

Besucheradresse: John Stenbergin ranta 2; 00530 Helsinki

Postadresse: Postfach 196; 00531 Helsinki

Tel.: 0035810/7 09-00 00; Fax: -57 00

Internet: http://www.wartsila.com

Deltamarin Oy

Purokatu 1; 21200 Raisio

Tel.: 003582/4 33 63 00; Fax: -4 38 03 78

Internet: http://www.deltamarin.com

(P.T.)

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‎0228/24993-356

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