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31.01.2012

Factoring erfreut sich in Polen wachsender Beliebtheit

Relativ hoher Anteil an Voll-Factoring-Verträgen / Von Beatrice Repetzki

Warschau (gtai) - Das Factoring verzeichnete in Polen 2011 einen kräftigen zweistelligen Zuwachs; ein Trend, der auch 2012 anhalten soll. Allein die 18 Mitgliedsfirmen des Verbandes PZF kauften ein Fünftel mehr Forderungen auf als 2010. Fast die Hälfte der Verträge bezog sich auf das Voll-Factoring, das den Zahlungsausfall des Schuldners mit abdeckt. Die Inkasso-Branche wächst. (Kontaktanschrift)

Der Wert der von den 18 Mitgliedsfirmen des polnischen Branchenverbandes, Polski Zwiazek Faktorow (PZF), aufgekauften Forderungen stieg 2011 um über 19% auf 67,1 Mrd. Zloty (Zl; rund 15,6 Mrd. Euro, 1 Euro = 4,29 Zl). Für 2012 erwartet der PZF ein ähnlich hohes Wachstum. Die Tageszeitung Rzeczpospolita schätzte zusätzlich den Wert der von Banken aufgekauften Forderungen und kommt damit auf einen Gesamtbetrag von fast 83 Mrd. Zl, ein Zuwachs um 27% gegenüber 2010.

Wert der von Faktoren aufgekauften Rechnungen (in Mrd. Zl)
2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 *)
15,1 20,1 32,8 49,3 50,3 65,2 83,0

*) Schätzung

Quelle: Polnischer Branchenverband PZF und Banken gemäß Rzeczpospolita

PFZ geht davon aus, dass seine Mitglieder rund 90% der Branchenumsätze erwirtschaften. Er nahm 2011 vier weitere Faktoren auf: Faktorzy S.A., Pragma Faktoring, die Bank für Umweltschutz Bank Ochrony Srodowiska (BOS) und als förderndes Mitglied die FaktoringBroker sp.z o.o. Im Juli 2011 wurde die BRE Bank, an der die deutsche Commerzbank beteiligt ist, zur alleinigen Gesellschafterin von Polfactor, der daraufhin in BRE Faktoring umbenannt wurde.

Factoring erfreut sich laut dem Vorsitzenden des PZF-Durchführungsausschusses, Miroslaw Jakowiecki, bei KMU als auch großen Unternehmen einer wachsenden Beliebtheit, da es relativ einfach erhältlich und dabei elastisch und flexibel ist.

Die PZF-Mitglieder haben insgesamt rund 4.100 Kunden. Das Potenzial ist nach wie vor groß und somit die Chance gut, dass sich diese Zahl weiter erhöht. Der Anteil der Voll-Factoring-Verträge, bei denen nicht nur eine verspätete Zahlung, sondern auch ein Zahlungsausfall mit abgesichert wird, ist mit 45% recht hoch. Auf die Absicherung internationaler Transaktionen entfiel 2011 ein Anteil von 20%.

Marktführer blieb den Angaben von PZF zufolge 2011 die Raiffeisen Bank Polska mit einem Marktanteil von 23,5%. Vom zweiten Platz verdrängte Coface Factoring (15,6%) die ING Commercial Finance (14,7%). Rzeczpospolita listet 26 Factoring-Anbieter, von denen nur drei gegenüber 2010 einen Rückgang verzeichneten, darunter ING CF um 10%. Weitere Akteure kamen 2011 hinzu; auch die Bank BPH bedient nun dieses Geschäftsfeld, zudem wurde die Credit Agricole Commercial Finance gegründet.

Wert der von Faktoren aufgekauften Forderungen (in Mio. Zl, Veränderung in %)
Faktor 2011 Veränderung
Raiffeisen Bank Polska 15.791,1 18
Coface Poland Factoring 10.487,7 37
ING Commercial Finance 9.851,1 -10
Pekao Faktoring 6.932,0 24
BRE Faktoring 5.934,8 33
Bank Handlowy 5.584,4 85
Bank Millennium 5.325,0 22
SEB Commercial Finance 3.509,8 47
Alior Bank 2.824,8 287
Bank BGZ (Nahrungsmittelbank) 2.575,0 44
BZ WBK Faktor 2.396,4 41
PKO BP Faktoring 1.709,1 64
HSBC Bank 1.690,2 68
Kredyt Bank 1.475,0 27
Bibby Financial Services 1.404,0 58
Fortis Commercial Finance 1.196,4 24
BOS Bank 864,0 302
IFIS Finance 839,5 -8
Deutsche Bank PBC 818,5 27
Arvato Services Polska 581,0 -61
GK Pragma Inkaso 438,2 358
Nordea Finance 378,0 k.A.
AOW Faktoring 183,7 83
Faktorzy 57,8 k.A.
PBP 1) 27,5 k.A.
BPS Faktor 2) 20,7 k.A.

1) die Bank bietet seit August 2011 Factoring-Leistungen an; 2) die Firma ist seit September 2011 tätig

Quellen: PZF, Firmen und Banken gemäß Tageszeitung Rzeczpospolita

Verspätete Zahlungen behindern die Weiterentwicklung der Wirtschaft. Denn laut einer Umfrage des Landesschuldenregisters, Krajowy Rejestr Dlugow (KRD), unter 1.800 Unternehmen gelten diese als das größte Hindernis für neue Investitionen. Vor allem kleinere Firmen erwägen, die Inangriffnahme neuer Projekte zu reduzieren. Besonders betroffen ist die Bauwirtschaft, die am meisten unter Zahlungsverzögerungen leidet. Ende November 2011 betrugen die Außenstände hier 295 Mio. Zl.

Im Jahr 2011 gingen 723 polnische Unternehmen bankrott; das waren gut 10% mehr als 2010. Besonders stark betroffen war mit 143 Firmen die Baubranche. Die Auskunftei Dun & Bradstreet Bisnode Group (D&B) rechnet 2012 mit einer weiteren Zunahme der Insolvenzen um 3 bis 5%.

Auch immer mehr Privatleute haben Probleme, ihren Verbindlichkeiten gegenüber Banken, Geldverleihern, Telekommunikationsfirmen und anderen Dienstleistern nachzukommen. Annähernd 2,1 Mio. Polen hatten Ende 2011 Schulden von insgesamt 35,5 Mrd. Zl; etwa 10 Mrd. Zl mehr als Ende 2010. Seit 2012 gelten verschärfte Bestimmungen für Banken bei der Erteilung von Wohnungsbaukrediten und für Nicht-Banken bei der Gewährung von Konsumentenkrediten. Alle Institutionen müssen nun das Kreditrisiko bewerten.

Angaben über Zahlungen und Schulden sammelt das Wirtschaftsinformationsbüro, Biuro Informacji Gospodarczej (BIG, http://www.big.pl), dessen InfoMonitor 2011 rund 8 Mio. Berichte über das Zahlungsverhalten von Polen zur Verfügung stellte. Mit der Beitreibung von Schulden von Konsumenten gegenüber kleinen und mittleren Unternehmen sowie mit dem Aufkauf von Forderungspaketen befasst sich die Kancelaria Medius, die demnächst an der alternativen Plattform der Warschauer Börse New Connect debütieren könnte. Dort notiert sind seit Ende 2011 die Aktien der Dept Trading Partners (DTP), die Schulden aufkaufen und eintreiben.

Die Inkasso-Branche befindet sich im Aufwärtstrend, und das Aufkaufen von Forderungen wird immer lukrativer. Das Vertrauen in die Branche nimmt zu, immer mehr institutionelle Investoren beteiligen sich an Inkasso-Gesellschaften. Der Vorsitzende des Marktführers Kruk aus Wroclaw (Breslau), Piotr Krupa, schätzt den Wert der 2011 auf den Markt gebrachten Forderungen, deren Zahlungsfrist überschritten wurde, auf 5,5 Mrd. Zl.

Künftig dürften auch Finanzinstitutionen Forderungen nicht nur in besonderen Fällen an Inkasso-Firmen weiter leiten. So erwägen einige Banken, "schlechte" Wohnungsbaukredite Inkasso-Firmen zur Beitreibung zu überlassen. Deren Wert stieg laut Zentralbank NBP von rund 5 Mrd. Zl im Januar auf rund 7 Mrd. Zl im Oktober 2011.

Die Nettogewinne der Inkasso-Firmen weisen einen steigenden Trend auf. Kruk erwirtschaftete im 1. Halbjahr 2011 bereits mehr unter dem Strich als im ganzen Jahr 2010 (36,1 Mio. Zl). In den ersten drei Quartalen 2011 erhöhte sich der Nettogewinn des Marktführers auf 52,3 Mio. Zl. Seine Einnahmen erreichten in dieser Zeitspanne 190,6 Mio. Zl, als Kruk offene Forderungen im Gesamtwert von 426 Mio. Zl in Polen und Rumänien aufkaufte. Die Gesellschaft ist außerdem in der Tschechischen Republik und in der Slowakei präsent und will 2012 auch in Ungarn aktiv werden.

Nettogewinne der börsennotierten Inkassounternehmen (in Mio. Zl)
Inkasso-Gesellschaft 1. Halbjahr 2011
Kruk 39,1
Vindexus 18,5
Best 6,8
Presco Group 5,7
Kredyt Inkaso *) 5,3
Pragma Inkaso 3,6
Fast Finance 3,4
EGB Investments 2,4
Cash Flow 1,6
e-Kancelaria 0,3

*) 4. Quartal des Geschäftsjahres 2010/11 und 1. Quartal des Geschäftsjahres 2011/12

Quelle: Angaben der Gesellschaften

Kontaktanschrift:

Polski Zwiazek Faktorow (Polnischer Faktorenverband)

ul. Solec 81 B, lok. A-51, 00-382 Warszawa

Tel.: 0048 81/445 20-55, - 00

E-Mail: pzf@faktoring.pl, Internet: http://www.faktoring.pl

(B.R.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Zahlungsverkehr, Kreditauskunfteien, Inkassodienste, Banken, Kreditinstitute

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Dr. Simon Bujanowski

‎0228/24993-260

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