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02.02.2012

Abu Dhabis Kanalisation macht Fortschritte

Auf Abwassertrucks können die VAE aber noch nicht ganz verzichten / Von Martin Böll

Dubai (gtai) - Mit Milliarden-Dollar-Investitionen sind die VAE auf gutem Weg, ihr unzeitgemäßes Abwasserproblem in den Griff zu bekommen. Vor allem Abu Dhabi lässt sich dies viel kosten, während Dubai schon einiges erreicht hat. Die ärmeren nördlichen Emirate bleiben derweil auf Entwicklungshilfe aus Abu Dhabi angewiesen. Trotz aller Erfolge sind die VAE noch lange nicht am Ziel: Nach wie vor fallen auf den Straßen Dubais bei Nacht die großen Jauchetanker auf, die so gar nicht zum Image der Glitzerstadt passen wollen.

Dubai

Die Zeiten, in denen in Dubai die Abwassertanker Warteschlangen von 20 km und mehr bildeten, in denen die Fahrer ohne sanitäre Einrichtungen bis zu 24 Stunden hinter dem Steuer saßen und mitunter entnervt - oder auf Druck ihrer Auftraggeber - die unschöne Fracht irgendwo an einer einsamen Wüstenstraße oder in einem zum Meer führenden Gully entluden, sind wohl vorbei. Auch bei der Fahrt entlang der Prachtstraßen mit ihren üppigen Blumen- und Rasenbeeten steigt einem dieser Tage kein strenger Abwassergeruch mehr in die Nase: Das Grauwasser, mit dem die Beete bewässert werden, ist qualitativ verbessert worden und nur noch von sensiblen Nasen zu riechen.

Wer allerdings unweit Dubais großer Entladestelle für Abwassertanker in der "International City" lebt, einem für 2 Mrd. US$ gebauten Wohnkomplex für 120.000 Einwohner, kann sich zwar vergleichsweise bezahlbarer Mieten erfreuen, muss jedoch mit einem latenten Abwassergeruch leben, der nahezu ständig über der Stadt liegt. Bei leichtem Wind aus ungünstiger Richtung müssen die Fenster auch in der kühleren Jahreszeit geschlossen bleiben: "Nase zu und durch", heißt dann die Devise - auch wenn dies keine dauerhafte Lösung ist.

Offiziell sind 95% der Stadt an ein neues Klärwerk in Jebel Ali mit einer Kapazität von 300.000 cbm/Tag angeschlossen. Wer nachts die zahlreichen Jauchelaster auf den Straßen sieht, dem kommen allerdings berechtigte Zweifel an dem hohen Prozentsatz. Bis Dubai sein Problem vollständig in den Griff bekommt, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Die Stadt hat aktuell andere Sorgen und muss sich erst einmal um Schuldenberge und Immobilienruinen kümmern.

So musste zum Beispiel der Bauentwickler Nakheel im Februar 2010 sein auf 270 Mio. US$ veranschlagtes neues Kläranlagenprojekt bei der International City mangels Finanzierung stornieren. Ursprünglich sollte dort zwischen April 2008 und April 2012 eine der größten "Membrane Bioreactor Based Plants" in der Region entstehen. Anfangs war von einer Kapazität von 88.000 cbm/Tag die Rede, später von nur noch 44.000 cbm/Tag. Das gleiche Schicksal ereilte auch ein noch ambitionierteres Abwasserprojekt Dubaist: Die auf 817 Mio. US$ veranschlagte Jumeirah Golf Estates Sewage Treatment Plant von Nakheel. Der erste Promoter, Palm Water, hatte eine Kapazität von 220.000 cbm/Tag geplant, die nachfolgende Nakheel dann nur noch die Hälfte. Im Mai 2009 wurde mit dem Bau begonnen, im Frühjahr 2011 kam dann der Stopp. Die Ursache lag weniger im Geldmangel für das Einzelprojekt als in den geplatzten Immobilienvisionen der Stadt.

Abwasserprojekte im Emirat Dubai (in Mio. US$)
Projekt Status Budget
Nakheel: Jumeirah Golf Estate Sewage Treatment Plant storniert 818
Palm Water: JAFZA Water & Waste Treatment Facilities gestoppt 550
Nakheel: International City Sewage Treatment Plant storniert 270
Nakheel: Dubai Waterfront Wastewater Treatment Plants gestoppt 150
Dubai Municipality: Al-Aweer Sewage Treatment Plant Expansion gestoppt 50

Quelle: Meed Projects, Stand 26.1.12

Abu Dhabi

Anders als Dubai kann Abu Dhabi es sich weiterhin leisten, seine Abwasserprojekte voranzutreiben. Dabei legt das an Petro-Dollars reiche Emirat Wert auf eine moderne und umfassende Kanalisation, die eines Tages gänzlich ohne Tanker auskommen soll. Schon jetzt dürfen Abwasserfahrzeuge nur spät in der Nacht fahren und müssen außerhalb der Stadt spezielle Fernstraßen nur für Lastwagen benutzen. Zuständig für die Abwasserentsorgung ist die Abu Dhabi Sewage Services Company (ADSSC), eine öffentliche Gesellschaft.

Aktuell befinden sich im Emirat Abu Dhabi zwei kleine Kläranlagen (Budget: 152 Mio. US$) sowie acht Kanalisationsvorhaben mit einem Gesamtbudget von 2,42 Mrd. US$ im Bau. Zwei weitere Kanalisationsprojekte für insgesamt 944 Mio. US$ stehen dem Vernehmen nach kurz vor der Auftragsvergabe. Storniert wurden in Abu Dhabi bislang zwei Vorhaben: Die 1 Mrd. US$ teure Sewage Treatment Plant der Bunya LLC, welche die Abwasser des Stadtentwicklungsprojekts Reem Island aufnehmen sollte, wurde bereits im Planungsstadium wieder aufgegeben. Die Reem-Abwasser sollen nun über Röhren zu anderen Klärwerken gepumpt werden. Storniert wurde auch der Bau einer Kläranlage, die sich um Schmutzwasser kümmern sollte, das bei der Off-Shore-Ölförderung anfällt.

Im Januar 2012 wurde in Al Ain, einer Binnenstadt im Emirat Abu Dhabi, die erste eigenständige Kläranlage der VAE in Betrieb genommen, die Al-Saad Sewage Treatment Plant der Al-Etihad Biwater Wastewater Company. Die Anlage hat eine Kapazität von 92.000 cbm/Tag. Dazu gehört eine Cogeneration Unit, die entstehendes Biogas nutzt, um 27% der benötigten Energie zu generieren. Ein zweites Projekt der Firma, die Al-Wathba Sewage Treatment Plant, steht kurz vor der Inbetriebnahme. Die Kapazität wird mit 345.000 cbm/Tag angegeben. Beide Projekte wurden von der ADSSC für 25 Jahre auf BOO-Basis (Build, Own, Operate) lizensiert.

Der Oberste Rat von Abu Dhabi kündigte Ende Januar 2012 an, alle älteren Kanalisationsnetze des Emirates zu sanieren und zu modernisieren. Budgetzahlen und Projektzeiträume wurden noch nicht genannt.

Abwasserprojekte im Emirat Abu Dhabi (in Mio. US$)
Projekt Status Budget
ADSSC: Strategic Tunnel Enhancement Programme (STEP) - Pumping Stations Durchführung 1.000
Bunya: Sewage Treatment Plant - Package II (Al-Reem Island) Storniert 1.000
ADSSC: Abu Dhabi Asset Enhancement Programme EPC-Ausschreibung 544
ADSSC: Strategic Tunnel Enhancement Programme (STEP) - Link Sewers EPC-Ausschreibung 400
ADSSC: STEP - Deep Sewer Tunnel, Package I Durchführung 300
ADSSC: STEP - Deep Sewer Tunnel, Package II Durchführung 245
ADSSC: STEP - Deep Sewer Tunnel, Package III Durchführung 215
ADSSC: Al Ain Asset Enhancement Programme, Package II Durchführung 210
ADSSC: Al Ain Asset Enhancement Programme, Package I Durchführung 200
ADSSC: Sewage Works in Mafraq, Khalifa City & Al-Wathba Durchführung 200
ZADCO: Offshore Produced Water Facilities Storniert 200
TDIC: Saadiyat Island Sewage Treatment Plant Durchführung 102
ADSSC: Al Razeen Labour City Sewage Treatment Plant Durchführung 50
ADSSC: Sweihan Wastewater Treatment Plant Durchführung 50

Abkürzungen: ADSSC = Abu Dhabi Sewage Services Company; EPC = Engineering, Procurement and Construction (Planung, Projektierung und Errichtung); TDIC = Tourism Development and Investment Company; ZADCO = Zakum Development Company.

Quelle: Meed Projects, Stand 26.1.12

Sharjah und die anderen nördlichen Emirate

Das nördlich an Dubai grenzende Emirat Sharjah, eine Wohn- und Industriestadt für Geringverdiener und für (schmutzige) Werkstätten, kann derweil von einer modernen Abwasserentsorgung nur träumen. Die Klärkapazitäten stoßen dem Vernehmen nach regelmäßig an ihre Grenzen, wenn nicht schlimmer. Aktuell baut die Sharjah Municipality die Al-Sajaa Tanker Discharge Facility & Wastewater Treatment Plant mit einer Tageskapazität von 30.000 cbm. Ursprünglich war von einem Budgetansatz von 327 Mio. US$ die Rede, dann von einem "nur" 62 Mio. US$ teuren Auftrag an ein Joint-Venture der belgischen Besix Sanotec NV mit ihrer Schwesterfirma Six Construct.

Die übrigen nördlichen Emirate verfolgen aktuell keine bekannten Abwasserprojekte. Ajman konnte 2009 ein 225 Mio. US$ teures Klärwerk in Betrieb nehmen, Ras Al-Khaima 2011 eine 120 Mio. US$ teure Anlage und Fujairah 2009 ein 150-Mio.-US$-Klärwerk.

(M.B.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigte Arabische Emirate Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Kläranlagenbau, Abwasserentsorgung

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