
16.02.2012
Bukarester U-Bahn-Netz wird ausgebaut
Drei neue Linien geplant / Ein deutsches Unternehmen ist bereits beim Ausbau beteiligt / Von Annika Pattberg
Bukarest (gtai) - Das U-Bahn-Netz in der rumänischen Hauptstadt Bukarest wird stark erweitert. Ausschreibungen mit einem Gesamtwert in Höhe von mehreren Milliarden Euro stehen an. Drei neue U-Bahn-Trassen sollen in den nächsten Jahren entstehen, die Linien 5, 6 und 7. Der Bau der Linie 5 hat bereits begonnen. Außerdem soll die bereits bestehende Linie 4 in beide Richtungen erweitert werden. Die Vorhaben bieten gute Chancen für deutsche Bau- und Beratungsunternehmen sowie Lieferanten von Maschinen und Ausrüstungen. (Kontaktanschrift)
Die neue Linie 5, die im Südwesten Bukarests beginnen und Richtung Osten führen soll, befindet sich im westlichen Abschnitt bereits im Bau. Auch ein deutsches Unternehmen ist bei der Bauausführung beteiligt. So sind Max Bögl sowie das rumänische Tochterunternehmen Max Bögl Romania damit beauftragt, eine U-Bahn-Station, ein Depot für U-Bahn-Wagen sowie ein Tunnelstück zu bauen. Ein Konsortium bestehend aus Astaldi (Italien), FCC (Spanien), Delta ACM und AB Construct (beide Rumänien) erhielt den Auftrag für den Bau zahlreicher weiterer U-Bahn-Stationen und Streckenabschnitte. Weitere Tender für den Bau der Linie 5 stehen noch aus.
Die bisher nur auf dem Papier bestehende Linie 6 soll endlich eine U-Bahn-Verbindung zwischen Bukarest und dem nördlich der Hauptstadt gelegenen internationalen Flughafen "Henri Coanda" in Otopeni schaffen. Der Tender für die Bauausführung der neuen Strecke könnte nach Auskunft des U-Bahn-Betreibers Metrorex noch 2012 stattfinden. Diese Zeitplanung erscheint derzeit allerdings etwas ambitioniert.
Vor noch nicht allzu langer Zeit wurde die geplante Streckenführung für den Flughafenzubringer geändert. Nach der ursprünglichen Planung sollte die Verbindung am Piata Victoriei, wo der Sitz der rumänischen Regierung ist, starten und dann direkt zum Airport führen. Stattdessen wird die Strecke nun an der Station "1 Mai" der Linie 4 beginnen und zum Flughafen führen.
U-Bahn-Erweiterung in Bukarest
| Vorhaben | Wert (Mio. Euro) | Stand Februar 2012 |
| Linie 7: Neubau | 1.900 | PPP wird angedacht. |
| Linie 5: Neubau | 1.700 | Tender stehen an. Finanzierung: EIB |
| Linie 4: Süd-Erweiterung | 950 | Tender für Machbarkeitsstudie steht an. Finanzierung: EIB |
| Linie 6: Neubau | 850 | Tender für Bauausführung evtl. noch 2012. Finanzierung: JICA |
| Linie 4: Nord-West-Erweiterung | 220 | Tender für Bauausführung läuft bis 23.2.12. Finanzierung: EIB |
| Summe | 5.620 |
Stand: 10.2.12; Quellen: http://www.metrorex.ro, http://www.e-licitatie.ro, Ziarul Financiar, Recherchen von Germany Trade & Invest
Mittel- bis langfristig ist auch eine Linie 7 geplant, die die komplette Stadt von Südwesten Richtung Nordosten unterführen soll. Die Planungen für die Linie 7 befinden sich allerdings noch ganz am Anfang. Der Bukarester U-Bahn-Betreiber Metrorex geht derzeit davon aus, dass im Rahmen der Linie 7 rund 30 Haltestellen entstehen werden. Rund 1,9 Mrd. Euro soll das Projekt nach der derzeitigen Planung kosten.
Die Finanzierung sämtlicher U-Bahn-Strecken soll zum Großteil aus dem Staatshaushalt erfolgen. Für die Linien 4 und 5 erhält der rumänische Staat Kredite der Europäischen Investitionsbank (EIB). Für die Linie 6 Richtung Flughafen steht ein Kredit des japanischen Staates beziehungsweise der Japan International Cooperation Agency (JICA, Internet: http://www.jica.go.jp) zur Verfügung.
Die Linie 7 soll nach der derzeitigen Planung nicht komplett mit Geldern aus dem Staatshaushalt, sondern als Public-Privat-Partnership-Projekt (PPP) gestemmt werden. Die bisherigen Erfahrungen mit PPP-Infrastrukturprojekten sind in dem Karpatenland allerdings bescheiden. So scheiterte 2010 ein bedeutendes Autobahnprojekt, das als PPP-Vorhaben umgesetzt werden sollte, kurz vor dem geplanten Baustart.
Neben den drei komplett neuen U-Bahn-Trassen soll die bereits bestehende U-Bahn-Linie 4 in beide Richtungen erweitert werden. Der Tender für den Ausbau um zwei weitere Stationen Richtung Nord-Westen läuft noch bis zum 23.2.12. Auch nach Süden soll die Linie 4 erweitert werden. Für diese Strecke muss noch eine Machbarkeitsstudie erstellt werden.
Da Rumänien weiterhin unter den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu leiden hat, zeigen sich Beobachter verwundert, dass der rumänische Staat für den U-Bahn-Ausbau bisher keine EU-Fördergelder beantragt hat, wie beispielsweise Bulgarien. In Bulgariens Hauptstadt Sofia verzeichnete der U-Bahn-Ausbau in der jüngsten Vergangenheit mit Hilfe von EU-Fördergeldern gute Fortschritte. Dabei kam unter anderem auch deutsche Technik zum Einsatz. Bei den Tendern für die Bauausführung konnten sich deutsche Unternehmen, anders als in Rumänien, allerdings nicht durchsetzen.
Auf dem rumänischen Markt sind ausländische Baufirmen bereits seit vielen Jahren engagiert. Zu den bereits im Land vertretenen deutschen Bauunternehmen gehören unter anderem Bilfinger Berger, Max Bögl, Geiger, Heberger, Hochtief, LUPP, Wiebe und Züblin. Weitere ausländische Bauunternehmen sind beispielsweise Alpine, Porr und Strabag (alle Österreich), Colas (Frankreich), Terna (Griechenland), Astaldi (Italien), die beiden spanischen Unternehmen FCC und Puentes Infraestructuras sowie ENKA und Summa aus der Türkei. Das US-amerikanische Unternehmen Bechtel erhielt vor vielen Jahren den Auftrag, eine Autobahn durch Siebenbürgen zu bauen, die bis heute noch nicht fertig gestellt ist.
Interessierte Unternehmen finden die Ausschreibungen in diversen Datenbanken, beispielsweise unter http://www.e-licitatie.ro (auch auf Englisch), http://www.rolicitatii.ro (Rubrik: "Cautare"; nur auf Rumänisch), http://www.mediaconstruct.ro (spezialisiert auf die Baubranche; nur Rumänisch), http://ted.europa.eu (in diversen Sprachen) sowie http://www.gtai.de.
Kontaktanschrift:
Metrorex (U-Bahn-Betreiber)
Ansprechpartnerin: Frau Evelyne Croitoru
Tel.: 0040 21/319 36 01, Fax: -312 51 49, Mobiltelefon: 0040/746 19 11 76
E-Mail: contact@metrorex.ro; Internet: http://www.metrorex.ro
(A.P.)
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Rumänien Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Straßen-, Brücken- und TunnelbauWeitere Informationen
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