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20.02.2012

Landmaschinen-Absatz in Ungarn schwankt extrem

Stabilisierung auf hohem Niveau im Jahr 2012 / Neues Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum / Von Erika Anders-Clever

Budapest (gtai) - Die für den Landmaschinen-Absatz in Ungarn wichtigen Preise für Agrarerzeugnisse haben sich 2011 um annähernd 20% erhöht. Der Bruttoproduktionswert der Landwirtschaft stieg real um rund 25% (2010 circa -15%). In den ersten drei Quartalen 2011 nahm der Absatz von Landmaschinen um 68% zu (2010: -75%). Auf neue Subventionen hofft die Branche im Herbst 2012. Importe stehen für 90% der Maschinenkäufe. Ein neues Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum soll den Eigentumsschutz erhöhen.

Der Landmaschinenabsatz erreichte in Ungarn in den ersten drei Quartalen 2011 annähernd 200 Mio. Euro (+68% gegenüber Vorjahreszeitraum); dazu kamen Teilekäufe im Wert von über 90 Mio. Euro (+16%; jeweils gegenüber dem Stand vor Jahresfrist). Die Traktorverkäufe sind dabei um fast 80% auf 1.100 Einheiten gestiegen, der Absatz von Mähdreschern erhöhte sich um 150% auf 130 Stück (nach -84% im Vorjahr). Gleichzeitig wurden bis September 2011 über 2.200 Maschinen zur Bodenbearbeitung verkauft (+53% nach -38%) sowie 435 Saat- und Pflanzgeräte (+83% nach -64%).

Im Jahr 2010 war der Landmaschinenabsatz einbruchartig zurückgegangen. Maßgeblich hierfür waren ungünstige Witterungsbedingungen und damit einhergehende Ertragseinbrüche sowie ausbleibende Förderprogramme: Das Jahr 2009 stand im Zeichen eines Absatzbooms, da im Dezember 2009 größere unspezifische Fördermittelausschreibungen für Landmaschinenbeschaffungen ausgelaufen sind. Ausrüstungskäufe seien entsprechend vorgezogen worden, heißt es von Marktteilnehmern. Zudem war 2008 ein extrem gutes Landwirtschaftsjahr, wodurch die Finanzkraft für Investitionen gestärkt wurde. In den Jahren 2000 bis 2010 erreichte der Landmaschinenabsatz in Ungarn insgesamt rund 770 Mrd. Forint (über 3 Mrd. Euro). Dabei wurden annähernd 30.000 Traktoren und 4.800 Mähdrescher abgesetzt.

Für 2012 wird in ersten Vorhersagen eine Stagnation des Landmaschinenabsatzes erwartet. Für den Herbst hoffen Handel und Landwirte auf einen erneuten Zugang zu EU-Hilfen, und zwar dann wieder für Investitionen in größere Ausrüstungen. Bereitstehende Hilfen für Gartenbaubetriebe sollen nicht ausgeschöpft sein, weil das Interesse der Zielgruppe, Jung- und Kleinbauern, nicht besonders groß war.

Der Bruttoproduktionswert der Landwirtschaft dürfte nach Prognosen des Wirtschaftsforschungsinstituts GKI 2012 wieder real um rund 10% fallen. Für 2011 beziffert GKI den Anstieg auf 25% nach Rückgängen um real jeweils 15% in den beiden Vorjahren. Davor hatte das Jahr 2008 einen realen Zuwachs um 55% gebracht. Die Agrarzyklen fallen in Ungarn traditionell ausgeprägter aus als in anderen Ländern, da die Witterungsbedingungen extrem schwanken (von ausgeprägten Dürren bis hin zu großflächigen Überschwemmungen).

Landmaschinenimporte Ungarns insgesamt (in 1.000 Euro)
HS-Code 2010 Veränd. *) Jan. bis Nov. 2011 Veränd. *)
8432 Land- und Forstmaschinen 39.625,8 -42,5 69.237,6 86,9
.Vertikulierer, Eggen u.Ä. 5.408,3 -53,6 9.795,9 89,9
.Pflanz-, Sä- u. Setzmaschinen 7.087,7 -63,5 13.773,1 106,3
8433 Ernte-, Dresch- u. Mähmaschinen, Pressen; Reinigungs- u. Sortieranlagen 70.680,4 -50,0 96.705,6 42,1
.Stroh- u. Futterpressen 3.075,4 -58,0 7.142,5 136,9
.Mähdrescher u. andere Erntemaschinen 18.152,8 -75,0 27.361,9 51,1
.Reinigungs- u. Sortieranlagen 33.343,6 -15,5 43.570,8 38,3
Traktoren 135.707,4 -24,5 262.574,2 118,9

*) Veränderungen gegenüber gleichem Vorjahreszeitraum in %

Quelle: KSH

Landmaschinenimporte Ungarns aus Deutschland (in 1.000. Euro)
2010 Veränd. *) Jan. bis Nov. 2011 Veränd. *)
8432 Land- und Forstmaschinen 11.551,3 -47,1 22.651,2 110,2
.Vertikulierer, Eggen u.Ä. 1.656,1 -45,8 3.061,8 92,8
.Pflanz-, Sä- u. Setzmaschinen 1.916,6 -66,5 5.732,5 252,6
8433 Ernte-, Dresch- u. Mähmaschinen, Pressen; Reinigungs- u. Sortieranlagen 39.668,4 -52,3 58.083,2 51,9
.Stroh- u. Futterpressen 1.956,5 -52,6 5.407,8 185,3
.Mähdrescher u. andere Erntemaschinen 9.603,7 -79,4 18.823,2 96,0
.Reinigungs- u. Sortieranlagen 19.089,5 -11,0 24.708,7 36,6
Traktoren 32.480,4 1,3 78.027,6 163,9

*) Veränderungen gegenüber gleichem Vorjahreszeitraum in %

Quelle: KSH

In der pflanzlichen Agrarerzeugung brachte das Jahr 2011 einen Anstieg um 12% auf 13,8 Mio. t. Dabei stieg die Weizenernte um 10% auf 4,1 Mio. t, nachdem das Vorjahr einen Rückgang um 15% gebracht hatte. Weizen wurde 2011 auf 980.000 ha angebaut (-3%). Bei Mais stieg die Ernte um 16% auf 8,1 Mio. t (2010: -8%) bei einer Anbaufläche von 1,2 Mio. ha (+14%). Für Zuckerrüben sank die Ernte gleichzeitig um 6% auf 770.000 t (2010 schon -6%). Mit einem stagnierenden Ergebnis wartete 2011 die Rapsernte auf (erneut 527.000 t), die allerdings von einer auf 233.000 ha reduzierten Fläche eingebracht wurde (-10%). Dagegen war die Anbaufläche für Zuckerrüben 2011 um 4% erhöht worden. Besonders stark ausgeweitet wurde 2011 die Aussaat von Sonnenblumen (+15% auf 575.000 ha); das Ernteergebnis stieg überproportional um 41% auf 1,37 Mio. t. Allerdings hatte der durchschnittliche Ertrag bei Sonnenblumen 2010 nur bei 1.970 kg pro ha gelegen.

Ungarns Anteil an der Agrarerzeugung in der EU ist bei Mais besonders hoch: 2009 machte er 13% aus. Für Weizen lag die Quote bei 3,2% und für Sonnenblumenkerne bei 18%. Ministerpräsident Viktor Orbán sieht Ungarn "in seinem Kern als ein Agrarland". Der Anteil von Land- und Forstwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt beträgt allerdings nur noch rund 3%. Werden alle von der Landwirtschaft direkt und indirekt abhängigen Tätigkeiten mit erfasst, ergibt sich ein Anteil von grob geschätzt 10%.

Ein Indikator für die Finanzlage in der Landwirtschaft sind die geplanten Bauinvestitionen in landwirtschaftliche Betriebsstätten: 2010 ist die Summe aller Nutzflächen in Bauvorhaben, für die im Agrarsektor Genehmigungen eingeholt wurden, um 30% gestiegen (2009: -40%). In den ersten drei Quartalen 2011 folgte dann erneut ein Rückgang um 40% (jeweils gegenüber gleichem Vorjahreszeitraum). Die in Bauten und Maschinenkäufe insgesamt getätigten Investitionen in der Land- und Forstwirtschaft sind in den ersten drei Quartalen 2011 um real 4,3% gestiegen. Vorangegangen war 2010 auf Jahresbasis ein Fall um 25,5% (2009: +7%).

In den zwölf Monaten bis Anfang Dezember 2011 hat sich der Rindviehbesatz der landwirtschaftlichen Betriebe auf 700.000 erhöht (+2,5%). Im Zeitraum 2001 bis 2011 war dieser Bestand insgesamt um 11% gesunken. Die Zahl der Milchkühe lag Ende 2010 bei 240.000 und soll seitdem um gut 5% gestiegen sein. Bei Schweinen ist der Bestand seit Ende 2008 immer unter 3,5 Mio. geblieben (vor dem EU-Beitritt in der Regel mindestens 5 Mio.). Zuletzt ergab sich bis Dezember 2011 eine Anzahl von nur noch gut 3 Mio. Tieren (-4% gegenüber dem Stand vor Jahresfrist).

Die Agrarsubventionen summierten sich 2009 und 2010 jeweils auf rund 2 Mrd. Euro. Dabei entfiel 2009 ein Anteil von 26% auf das ungarische Staatsbudget; der Rest kam aus Brüssel. Noch 2007 war auf den Staatshaushalt eine Quote von 43% entfallen. 2011 soll der Gesamtumfang der Subventionen nominal um gut 15% gestiegen sein, wie es aus dem Ministerium für ländliche Entwicklung heißt. Anfang 2012 hat die Regierung einen neuen Zehnjahresplan "für die Entwicklung des ländlichen Raums" auf den Weg gebracht (Daranyi Ignac-Plan). Hierbei geht es erneut um den befürchteten Ausverkauf von Agrarland und um die die Stärkung von Familienbetrieben. Dem Staat war zuvor schon - über einen Nationalen Bodenfonds - eine Art Vorkaufsrecht für landwirtschaftliche Nutzflächen eingeräumt worden.

Ein grundsätzliches Verbot des Verkaufs an Ausländer ist mit Zustimmung der EU bis längstens Frühjahr 2014 erneuert worden. Danach soll ein neues Regelgeflecht zum "Eigentumsschutz" gelten (einschließlich neuer Verfassung). Bei ihrer Zustimmung zur Verlängerung des Verkaufsverbots an Ausländer hatte die EU-Kommission Ungarns Regierung Ende 2010 darauf hingewiesen, dass der Zufluss von Auslandsinvestitionen in den Agrarbereich zu Produktivitätssteigerungen und zu einem Transfer von Know-how führen würde. Zuvor müssten aber noch immer offene Verfahren zur Rückgabe von Land (Restitution) sowie zur Klärung von Privatisierungen abgeschlossen werden, zu denen es unmittelbar nach dem Systemwechsel gekommen war. Der Absatz von Handelsdünger ist in den ersten drei Quartalen 2011 volumenmäßig um 13% gestiegen. Wertmäßig erhöhte er sich um 50% gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum.

(E.A.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Ungarn Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Pflanzenproduktion, Land- und Forstwirtschaftsmaschinen, Tierproduktion

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