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22.02.2012

Mexiko-Stadt will Projekt zur Gasgewinnung aus Abfällen ausschreiben

Deponien nähern sich ihren Kapazitätsgrenzen / Von Peter Buerstedde

Mexiko-Stadt (gtai) - Die Regierung von Mexiko-Stadt will noch im Februar 2012 die Gasgewinnung auf der weltgrößten Mülldeponie international ausschreiben. Die Deponie war am 19.12.11 offiziell geschlossen worden, musste im Januar 2012 aber -aufgrund fehlender Alternativen - wieder Müll aufnehmen. Das Gas-Projekt im Wert von 156 Mio. US$ ist Teil einer Gesamtlösung für die Müllentsorgung in Mexiko-Stadt, die aber erst ansatzweise entwickelt worden ist. (Internetadressen)

Der Regierungschef des Hauptstadtbezirks, Marcelo Ebrard, hat am 14.2.12 eine internationale Ausschreibung angekündigt. Es wird ein Unternehmen gesucht, dass auf der Mülldeponie Bordo Poniente Anlagen zur Gasgewinnung und Elektrizitätserzeugung installiert und für 25 Jahre betreibt. Die Investitionen werden auf etwa 1,9 Mrd. mexikanische Pesos geschätzt (mex$, circa 156 Mio. US$).

Als Teil des Projekts zur Gasgewinnung und -nutzung muss zunächst die Deponie mit einer Fläche von 375 ha abgedeckt werden. Die Kosten hierfür werden auf etwa 56 Mio. US$ geschätzt. Für die Gasgewinnung sind nach einer ersten Studie 1.507 Gasbrunnen notwendig. Mit dem Gas soll eine 43,8-MW-Anlage betrieben werden, für die die Studie 80 Mio. US$ vorsieht. Das Projekt wird anteilig vom Umweltministerium, dem Stadtbezirk Mexiko-Stadt sowie von der Entwicklungsbank Banobras finanziert. Verantwortlich für die Ausschreibung ist das Bauamt des Hauptstadtbezirks (Secretaría de Obras y Servicios). Sie soll aber ebenfalls auf dem zentralen Ausschreibungsportal Compranet veröffentlicht werden.

Die Möglichkeit der Biogas-Gewinnung gewinnt in Mexiko an Zuspruch. In der Umsetzung hat es aber auf Gemeindeebene immer wieder Rückfälle gegeben. Vier Gemeinden im Bundesstaat Mexiko etwa haben Biogas-Projekte begonnen und wieder abgebrochen. Derzeit bestehen 10 Projekte mit einer Gesamtleistung von 33,8 MW, weitere 10 MW sind im Bau.

In Bordo Poniente wurden über 26 Jahre lang die Hauptstadtabfälle abgelagert und das Volumen könnte schätzungsweise 68 Mio. t umfassen. Die Schließung erfolgte nach jahrelangen Verzögerungen offiziell am 19.12.11 - dies aber ohne eine schlüssige Gesamtstrategie. Die Gasgewinnung in der Mülldeponie ist so nur ein erster Mosaikstein in einer künftigen Gesamtlösung für die Abfallnutzung in der Hauptstadt Mexiko-Stadt sowie im umliegenden Bundesstaat Mexiko. Von dieser Gesamtlösung sind bisher nur die Umrisse bekannt geworden.

Durch Mülltrennung, Recycling und die Kompostierung organischer Abfälle konnte die Müllmenge zur Ablagerung auf Deponien nach Informationen der Stadtregierung bis Ende 2011 auf 2,5 t pro Tag reduziert werden. Derzeit geht der Müll an zwei Orte im Bundestaat Mexiko sowie in den Bundesstaat Hidalgo. Gleichzeitig wird eine Übereinkunft zwischen der Hauptstadtregierung und dem Bundesstaat Mexiko ausgehandelt. Demnach würde die Hauptstadt pro Tag 2 t an Abfällen in den Bundestaat Mexiko senden und im Gegenzug organische Abfälle aus dem Bundestaat zu Kompost verarbeiten.

In Bordo Poniente wurde bereits eine Kompostieranlage eingerichtet, die allerdings nur 400 bis 500 t von den bereits heute etwa 3.000 t, die täglich angeliefert werden, verarbeiten kann. Gleichzeitig gibt es nicht ausreichend Abnehmer, sodass sich der Kompost bei der Anlage anhäuft. Die Stadtregierung will die Verkaufspreise für den Kompost absenken und im Süden der Stadt eine weitere Kompostieranlage einrichten. Aber auch dann dürfte die Verarbeitungskapazität nicht ausreichen. Geplant ist außerdem eine Zugstrecke in den Bundesstaat Hidalgo, um die Transportkosten für die Mülllieferungen zu senken.

Nach Aussagen des Umweltministers Juan Rafael Elvira hat sich die Abfallentsorgung in Mexiko in den vergangenen Jahren verbessert. So sei der Anteil der Abfälle, der auf kontrollierten Deponien abgelegt werde, von 50% im Jahr 2006 auf 69% im Jahr 2011 gestiegen. Nach Aussagen von Elvira ist das Volumen auf diesen Deponien seit 2000 um 33,7% angewachsen.

Nach Informationen des Umweltministeriums besteht - neben dem Hauptstadtbezirk Mexiko-Stadt - in zwölf Bundesstaaten die Gefahr, dass aufgrund mangelhafter Planung die Deponiekapazitäten überschritten werden und ähnliche Probleme entstehen wie in der Hauptstadt. Dort hatten die illegalen Ablageplätze zum Jahresende 2011 hin stark zugenommen, da vor allem für Bauschutt nach der Schließung von Bordo Poniente kein Platz war. Das Ministerium empfiehlt daher, Systeme zur Mülltrennung und -verwertung aufzubauen und die Bevölkerung zur Trennung anzuhalten, um die Abfallmengen im Vorfeld zu verringern. Entsprechende Systeme werden in den Bundesstaaten Jalisco und Nuevo Leon sowie dem Hauptstadtbezirk bereits mit Erfolg angewandt.

Internetadressen:

Secretaría de Obras y Servicios: http://www.obras.df.gob.mx

Zentrales Ausschreibungsportal Compranet: http://web.compranet.gob.mx

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Abfallentsorgung, Recycling

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