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22.02.2012

Abwassertechnik in den USA gefragt

Privatisierungen von Kläranlagen bieten Chancen / Von Ullrich Umann

New York (gtai) - Erweiterungen und Modernisierungen von Kläranlagen in den USA eröffnen Planungs- und Ingenieurbüros, Betreiberfirmen und Technologielieferanten aus Deutschland Geschäftschancen. Da sich die Klärwerke zu 90% im Eigentum der öffentlichen Hand befinden, besteht für diese Projekte eine Ausschreibungspflicht. Der Trend geht allerdings hin zur Privatisierung. (Internetadressen)

Die 17.418 öffentlichen und privaten Unternehmen, die sich in den USA mit der Abwasserreinigung beschäftigen, erwirtschafteten 2011 einen Umsatz von rund 42 Mrd. US$. Der Gewinn nach Steuern lag bei etwa 12 Mrd. US$. Für 2012 erwartet das Marktforschungsunternehmen IBISWorld ein Umsatzwachstum von 1,8%. Neben dem Mengenzuwachs haben Erhöhungen der Wassertarife zu den Steigerungen bei den Einnahmen geführt.

Das zu reinigende Volumen an Brauchwasser ist in den letzten drei Jahren gestiegen, trotz des nur moderaten Aufschwungs der Gesamtwirtschaft. Doch wurden die letzten Jahre von relativ hohen Niederschlagsmengen begleitet. Zudem hat die Bevölkerungszahl angezogen. Die Industrie, die Landwirtschaft sowie private Haushalte verursachten darüber hinaus zu annähernd gleichen Teilen ein Ansteigen der Klärwassermenge.

Markt zur Abwasserreinigung nach Verursachergruppen (in %)
Private Haushalte 61,1
Gewerbe (Handel, Büros, etc.) 20,8
Öffentliche Einrichtungen 13,1
Industrie 5,0

Quelle: IBISWorld, 2012

Für die Genehmigung von Wassertarifen sind auf kommunaler Ebene sogenannte Public Utility Commissions (PUC) zuständig. Sie sollen mit ihrer Arbeit die regionale und lokale Monopolstellung der Wasser- und Klärwerke relativieren. Wegen der gestiegenen Klärwassermengen und dem sich daraus ergebenden Mehraufwand haben die PUC in der jüngsten Vergangenheit fast flächendeckend den Anträgen zu Tariferhöhungen zugestimmt.

Klärwerke befinden sich zu 90% im kommunalen Besitz. Wegen der hohen Verschuldung öffentlicher Haushalte auf den verschiedenen Ebenen greifen besonders finanzklamme Kommunen zum Outsourcing und zur Privatisierung der Wasseraufbereitung. Teilweise wird aber auch nur die Verbrauchsmessung und -abrechnung in private Hände gelegt (sogenanntes Contracting).

Als eine Konsequenz daraus nimmt die Zahl der öffentlichen Anbieter langsam aber stetig ab. Im Privatsektor sind wiederum Fusionen und Übernahmen zu verzeichnen, teilweise aber auch Firmenneugründungen. Unter dem Strich wächst die Zahl privater Anbieter leicht um 0,8% pro Jahr.

Privatisierungen werden in der Regel von Modernisierungen der übernommenen Anlagen begleitet, neben dem Bau neuer Klärwerke. Bei privaten Vorhaben existiert keine Ausschreibungspflicht. An dieser Stelle ergeben sich weitere Chancen für Planungsbüros, Beraterfirmen und für Hersteller und Installateure von Abwasser- und Klärtechnik, darunter auch von chemischen Substanzen zur Wasserreinigung, Pumpen, Kompressoren und Rohrleitungen.

Einfuhr von Apparaten zum Filtrieren oder Reinigen von Wasser (SITC 74361, in Mio. US$)
2009 2010 2011 Veränderung 2010/11 (in %)
Gesamt 635 789 926 17,3
.Kanada 192 208 277 32,7
.VR China 118 178 203 13,8
.Mexiko 67 72 111 54,6
.Japan 51 76 48 -36,1
.Deutschland 30 35 45 26,1

Quelle: U.S. International Trade Commission, 2012

Einfuhr von Apparatenteilen (der Untergruppen 743.5 und 743.6) zum Filtrieren oder Reinigen (SITC 74395, in Mio. US$)
2009 2010 2011 Veränderung 2010/11 (in %)
Gesamt 376 416 457 19,4
.Kanada 154 125 174 38,5
.VR China 100 132 160 20,8
.Deutschland 91 108 140 29,8
.Japan 91 106 95 -10,4
.Korea (Rep.) 50 40 83 104,7

Quelle: U.S. International Trade Commission, 2012

Nicht jedes zur Privatisierung ausgeschriebene Klärwerk findet einen Käufer. Oft ist der Investitionsaufwand, der bei der Übernahme zu leisten wäre (unter anderem zur Beseitigung schon vorhandener Umweltschäden) zu hoch in Relation zu den zu erwartenden Einnahmen. Die kommunalen Betreiber geraten dabei in eine Zwickmühle aus den für sie zu hohen Rehabilitierungskosten und den gesetzlichen Auflagen zur Wasserqualität.

Die Regularien zur Abwasserbehandlung sind im Wesentlichen durch das 1948 verabschiedete und 1987 reformierte Gesetz "The Federal Water Pollution Control Act" vorgegeben. Ebenso greift der "Clean Water Act of 1972". Darüber hinaus existieren Gesetze und Bestimmungen auf bundesstaatlicher und kommunaler Ebene. Generell ist der Bau und das Betreiben von Kläranlagen an strenge Auflagen gebunden und bedarf einer Genehmigung durch die Behörden.

Zu den Kontrollorganen gehört auf Bundesebene das National Pollutant Discharge Elimination System (NPDES). Weiterhin leistet das U.S. Environmental Protection Agency's Office of Wastewater Management (OWM) mit entsprechenden Programmen Flankierungshilfe. Das OWM verwaltet zum Beispiel den Clean Water State Revolving Fund (CWSRF). Aus diesem Fonds werden jährlich etwa 5 Mrd. US$ für Projekte der Wasserwirtschaft ausgeschüttet.

Neben Privatisierungen gehen Kommunen auch Private-Public-Partnerships ein und vergeben Aufträge nach dem Prinzip des Build-Operate-Transfer (BOT). Privaten Investoren fließen während der Vertragslaufzeit die Wassergebühren zu. Für die Kommunen erschließen sich im Gegenzug private Finanzierungsquellen für die Verbesserung der Abwasserreinigung.

Die Bundesumweltbehörde U.S. Environmental Protection Agency (EPA) beziffert den Investitionsbedarf in den Klärwerken, Sammel- und Staubecken sowie in Anlagen des Wasserschutzes landesweit mit einem dreistelligen Milliardenbetrag. Die US-Regierung kann davon aber nur einen Bruchteil beitragen, den übergroßen Rest müssen die kommunalen oder privaten Betreiber aus eigener Kraft stemmen.

Zu den großen privaten Betreibern von Klärwerken gehört unter anderem die American Water Works Company Inc., die relevante Dienstleistungen für landesweit 15 Mio. Menschen in 35 US-Bundesstaaten und 2 kanadischen Provinzen anbietet. An diesem Unternehmen ist die deutsche RWE beteiligt. Bei der Aqua America Inc. handelt es sich um einen weiteren privaten Anbieter auf dem Markt. Das Unternehmen deckt den Wasserbedarf von 3 Mio. Menschen, verteilt auf 13 Bundesstaaten. Der Reihenfolge nach folgen Suez Environment, Utilities Inc. und American States Water Company etc.

Internetadressen:

Messen und Fachausstellungen:

ACE12 (10. - 14.06.2012, Dallas, TX) - http://www.awwa.org/ACE12/index.cfm?ItemNumber=56774&navItemNumber=56940

WEFTEC (2012: 29.09 - 03. 10.2012, New Orleans, LA) - http://www.weftec.org/exhibition/default.aspx

Staatliche Institutionen und Fonds:

Water Resources of the U.S. - http://water.usgs.gov

National Pollutant Discharge Elimination System (NPDES) - http://cfpub.epa.gov/npdes/

U.S. Environmental Protection Agency's Office of Wastewater Management (OWM) - http://water.epa.gov/polwaste/wastewater/index.cfm

Clean Water State Revolving Fund (CWSRF) - http://water.epa.gov/grants_funding/cwsrf/cwsrf_index.cfm

Private Betreiberfirmen:

American Water Works Company Inc. - http://amwater.com/

Aqua America Inc. - http://www.aquaamerica.com

Suez Environment - http://www.suez-environnement.com

American States Water Company - http://www.aswater.com

(U.U.)

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Abwasserentsorgung

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