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27.02.2012

Ägyptens Automarkt noch schwach

Wirtschaft ohne durchgreifende Erholung / Kaum Investitionen in Nutzfahrzeuge und Busse / Von Michael Marks

Kairo (gtai) - Ägyptens Fahrzeugmarkt wird sich 2012 nur langsam vom Vorjahresschock erholen. Zu unklar stellen sich noch die politischen und wirtschaftlichen Perspektiven dar. Der Zeithorizont deutet eher in Richtung 2013. Erst dann dürfte eine nachhaltige Besserung einsetzen. Das Jahr 2011 verlief glimpflicher als erwartet. Europäische Montageunternehmen vor Ort beobachten eher sorgenvoll, wann und wie die Industriepolitik des Landes mit Blick auf das Auto fortgesetzt werden soll. (Internetadresse)

Die Mitteilung klang fast symptomatisch für das allgemeine Geschehen im Land wie auch für den Kfz-Markt: Der für Ende Februar geplante Autosalon "Formula Al Ahram - The Cairo International Motor Show 2012" wird auf Ende März verschoben. Die in den letzten Monaten immer wieder aufflackernden Unruhen haben die Lust auf Großveranstaltungen stark gedämpft. Darunter leiden gerade auch Messen und Kongresse. Immerhin liegt der neue Termin zeitnah und lässt auf Optimismus schließen. Den und Geduld braucht 2012 auch die Kfz-Branche. Denn viele potenzielle Kunden haben ihre Fahrzeugkäufe verschoben, vorerst aufgegeben oder sind auf der Preis- und Qualitätsleiter ein paar Stufen hinabgestiegen.

Der gesamtwirtschaftliche Verlauf ist weiterhin problematisch. Im Gefolge der großen politischen Umwälzungen in den ersten beiden Monaten 2011, die bisher weder bewältigt noch abgeschlossen sind, wurde auch der positive Wirtschaftstrend der letzten Jahre unterbrochen. Auf Kalenderjahrbasis dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2011 um etwa einen Prozentpunkt geschrumpft sein mit Tendenz zur Konsolidierung nach der Jahresmitte. So jedenfalls wollen es die offiziellen Daten. Fehlende in- und ausländische Investitionen, steigende Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite, kräftig schrumpfende Währungsreserven und eine steigende Arbeitslosigkeit sind Zutaten, die auch eine ungünstigere Einschätzung der Lage rechtfertigen könnten.

Der ägyptische Fahrzeugmarkt hatte sich 2011 in diesem Umfeld zurecht zu finden und wird dies wohl auch über weite Teile in 2012 müssen. Dabei dürfte ihm der positive Basiseffekt vor allem in den ersten Monaten dieses Jahres zugutekommen. Denn wer tief fällt, kann vergleichsweise einfach Wachstumsprozente produzieren. Und in den ersten Monaten 2011 war der Absturz so stark, dass die Branche für das Gesamtjahr ein Minus in einer Größenordnung von 50% und darüber befürchtete. Dies hat sich angesichts eines Absatzrückgangs für den gesamten Kfz-Markt um "nur" 29% nicht bestätigt. Jedoch ist die Lücke zum Rekordjahr 2008 mit 261.112 Einheiten erheblich gewachsen.

Vom Gesamtmarkt 2011 (2010) in Höhe von 176.157 (248.917) Einheiten entfielen 81.731 (116.683) auf im Inland montierte Fahrzeuge (completely knocked down/ckd-Markt). Dies entsprach einem Rückgang um 30%. Das Segment der Fertigimporte (completely built up/cbu-Markt) kam auf 94.426 (132.234) Einheiten beziehungsweise ein Minus von 29%. Es hielt damit 53,6 (53,1)% am Gesamtmarkt. In der Betrachtung nach Marken lag Chevrolet (Marktanteil 2011: 26,3%) vor Hyundai (24,7%). Mit deutlichem Abstand folgten Kia (6,5%), Toyota (5,4%), Speranza (5,3%) und Renault (5,1%). Weitere fünf Hersteller realisierten Marktanteile zwischen 4,1% (Nissan) und 2,0% (Mitsubishi). Aufgrund des Marktverfalls haben die inländischen Montage- und Produktionsfirmen ihre Kapazitäten angepasst.

Pkw-Markt (in Einheiten)
2010 2011 Änderung in %.
ckd 76.412 53.072 -30,5
.Hyundai 22,527 17.746 -21,2
.Chevrolet 22.545 16.256 -27,9
.Speranza 13.048 9.310 -28,4
.Nissan 9.352 4.224 -54,8
.BMW 2.650 1.877 -29,2
.Jeep 1.982 1.519 -23,4
cbu 116.436 80.093 -31,2
.Hyundai 30.476 25.178 -17,4
.Kia 22.171 11.426 -48,5
.Renault 9.153 8.999 -1,7
.Chevrolet 16.555 8.142 -50,8

Quelle: AMIC

Im Jahr 2011 sind die Verkäufe von Pkw um rund 31% von 192.848 auf 133.165 Einheiten geschrumpft. Alle Segmente verbuchten mehr oder minder starke Einbußen. Am deutlichsten fielen sie in den allerdings kleineren Marktsegmenten der Pkw von 1,6 bis 2,0 l (-50% auf 2.444 Einheiten), über 2,0l (-58% auf 911 Einheiten) und SUV über 2,0 l (-43% auf 3.439 Einheiten) aus. Die volumenmäßig bedeutendsten Kategorien der Pkw mit Hubraum zwischen 1,5 und 1,6 l (-29% auf 87.585) und 1,3 bis 1,5 l (-36% auf 21.770) hielten sich nahe dem Marktschnitt. SUVs bis 2 l (-5% auf 7.340) schlugen sich von allen Kategorien am besten. Auf vergleichbare Verkaufszahlen kamen Pkw von 1,0 bis 1,3 l (-39% 7.187 Einheiten), während solche unter 1 l (-34% auf 2.489) kaum eine Rolle spielten. Angesichts der Krise setzen viele Importmarken auf das Segment bis 1,6 l, um die lokalen Produktionskosten zu vermeiden und um von den reduzierten Zollsätzen zu profitieren.

Pkw-Markt: Top 10 Marken (Absatz in Einheiten)
Marke 2010 2011
Hyundai 53.003 42.924
Chevrolet 39.100 24.398
Kia 22.171 11.426
Speranza 13.048 9.310
Renault 9.153 8.999
Nissan 10.981 4.828
Skoda 5.049 3.622
Toyota 3.530 3.400
Mercedes 4.710 2.785
Mitsubishi 1.232 2.776

Quelle: AMIC

Erfolgreichstes Pkw Modell in der Klasse bis 1 l war 2011 Suzuki - M800 Maruti (Marktanteil: 74%) vor Chevrolet - Spark (26%). Im Segment 1 bis 1,3 l lag Speranza - A113 (36%) vor Hyundai - 110 (15%), bei 1,3 bis 1,5 l Chevrolet - Lanos (48%) vor Chevrolet - Aveo 1,5 (30%). Im stärksten Segment der Pkw mit 1,5 bis 1,6 l waren drei Hyundai-Modelle führend, und zwar Verna 1,6 (20,2%), New Elantra (9,8%) sowie Accent RB (8,8%), gefolgt von Kia - New Carens (5,8%), Hyundai - Elantra (5,7%) und Chevrolet - Optra (5,1%). Bei Pkw von 1,6 bis 2 l lag Mercedes mit E250CGI + E-Klasse (22%) und C250 CGI (18%) auf den beiden Führungspositionen vor Brilliance Auto - Galena (17%) und BMW 318i (14%). Über 2 l führte BMW - New 5 Series (42%) vor Mercedes - E 300 (15%). Bei SUVs bis 2 l war Tiggo 1,6 (40%) vor Terios (19%) und Renault - Duster (11%), bei SUVs über 2 l Cherokee 3,7 (27%) vor Wrangler Unlimited (18%).

Nutzfahrzeuge-Markt (in Einheiten)
2010 2011 Änderung in %.
Gesamt 39.306 29.963 -23,8
.Mini Pickup/Van 1.892 1.486 -21,5
.Pickup 26.669 20.255 -24,1
.Leicht-Lkw 2.029 1.406 -30,7
.Leicht-Medium-Lkw 7.095 5.970 -15,9
.Medium-Lkw 621 256 -58,8
.Schwer-Lkw 1.000 590 -41,0
.ckd 31.331 22.679 -27,6
.cbu 7.975 7.284 -8,7
.Chevrolet 26.274 19.982 -23,9
.Toyota 3.343 3.500 +4,7
.Nissan 3.411 1.970 -42,2
.JMC 0 803
.Suzuki 715 748 +4,6

Quelle: AMIC

Der Marktrückgang bei Nutzfahrzeugen war auf fast alle Segmente zurückzuführen, insbesondere das Hauptsegment der Pickups und Leicht-Medium Lkw definierten das Ergebnis. Bei Medium und Schwer-Lkw fiel der prozentuale Einbruch noch ausgeprägter aus. Die Inlandsmontage verlor deutlich an Boden, während sich die Fertigimporte vergleichsweise gut hielten. Die Perspektiven für 2012 folgen zunächst dem Bild des Vorjahres. Weiter rückläufige beziehungsweise nur schwach steigende Investitionen in Industrie, Baugewerbe, Handel und Logistik begrenzen zunächst den Markt. Der Nachholbedarf bleibt hoch und der Verlauf der nachfolgenden Jahre sollte die Nfz-Anbieter für ihr Durchhaltevermögen entschädigen.

Der Absatz von Bussen sank 2011 um 22% von 16.763 auf 13.029 Einheiten. Das Segment der für den Tourismus zum Einsatz kommenden Fahrzeuge schrumpfte dabei um 37%, das Transportsegment um 20%. Der im Zuge der politischen Ereignisse stark in Mitleidenschaft gezogene Tourismus lässt für das Reisebusgeschäft vorerst nur wenig Optimismus zu, auch wenn die Reisebranche für 2012 wieder mehr Zuversicht zur Schau stellt. Eine stärkere Aufhellung der Perspektiven könnte sich in die Wintersaison 2012/13 hinziehen. Insgesamt blieben vor allem Kleinbusse gefragt. In 2011 (2010) entstammten 54,1 (46,7)% der Fahrzeuge aus Kompletteinfuhr. Deren Volumen verringerte sich 2011 um 10%, während die Inlandsfertigung um 33% abnahm. Marktführer bei Bussen mit einem Anteil von 24,5 (2010: 9)% war 2011 King Long, gefolgt von Suzuki mit 23,7 (30)% und Toyota mit 20,5 (20)%.

Die Branche erhofft sich von der anstehenden neuen Regierung eine Aktualisierung beziehungsweise Revision der vom Vorgängerregime begründeten Strategie zur Entwicklung der inländischen Automobilindustrie. Das damals kurz vor der Realisierung stehende Konzept ist im Zuge der Umwälzungen in die zweite Reihe der Prioritätenliste gerutscht. Gerade europäische und besonders deutsche Hersteller sehen sich damit bei ihren strategischen Planungen und ihren Investitionen eingeschränkt. Dies gilt gleichermaßen für ansiedlungsbereite Kfz-Zulieferer.

Internetadresse:

AMIC Egypt - Automotive Marketing Information Council/Integrated Management Consultancy: E-Mail: IMC-Egypt@link.net

(M.M.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Ägypten Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Kfz-Teile, -Zubehör (ohne Brennstoffzellen), Personenkraftwagen (Pkw), Nutzfahrzeuge (Nfz)

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