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29.02.2012

Für erneuerbare Energien in den USA ist 2012 ein entscheidendes Jahr

Verlängerung der produktionsabhängigen Steuergutschrift PTC in der Schwebe / Aktueller Budgetentwurf für 2013 sieht weitere Förderung und mehr Investitionen vor / Von Oliver Höflinger

San Francisco (gtai) - Angesichts des baldigen Auslaufens der produktionsabhängigen Steuergutschrift PTC ist 2012 für erneuerbare Energien ein richtungsweisendes Jahr. Aktuelle Hoffnungen auf eine PTC-Verlängerung haben sich nicht erfüllt. Hingegen sieht der Budgetentwurf für 2013 eine weitere Förderung und mehr Investitionen vor. Langfristig bleibt der Ausblick positiv: Die EIA geht davon aus, dass im Rahmen des einheimischen Energieangebots die erneuerbaren Energieträger im Zeitraum 2010 bis 2035 überdurchschnittlich wachsen werden. (Kontaktanschriften)

Ohne baldige Verlängerung wird die produktionsabhängige Steuergutschrift "Renewable Electricity Production Tax Credit" (PTC) Ende 2012 für die Windenergie auslaufen, Ende 2013 dann für die restlichen anspruchsberechtigten erneuerbaren Energieträger. Der PTC ist 1992 eingeführt worden und sieht in der Regel für einen Zeitraum von zehn Jahren eine volle beziehungsweise hälftige Steuergutschrift je erzeugter Kilowattstunde Strom vor. Die Berechnungsgrundlage dafür bilden die ursprünglichen 1,5 US-Cents (US-Dollars von 1993) je kWh, die jeweils inflationsangepasst werden. Der "Business Energy Investment Tax Credit" (ITC), der weitere wichtige Anreiz für die Branche, ist für die anspruchsberechtigten erneuerbaren Energieträger hingegen noch bis Ende 2016 erhältlich. Beim ITC handelt es sich um eine Steuergutschrift in Höhe von 30% beziehungsweise 10% der entsprechenden Projektkosten, die im ersten Jahr des kommerziellen Betriebs realisiert wird.

Förderung erneuerbarer Energieträger durch den Renewable Electricity Production Tax Credit (in US-Cents je Kilowattstunde)
Erneuerbarer Energieträger Fristende für die Inbetriebnahme Steuergutschrift
Wind 31.12.12 2,2
Geothermie 31.12.13 2,2
Biomasse (nur für die Stromproduktion erzeugt) 31.12.13 2,2
Biomasse (nicht spezifisch für die Stromproduktion erzeugt) 31.12.13 1,1
Deponiegas 31.12.13 1,1
Siedlungsabfall 31.12.13 1,1
Wasserkraft 31.12.13 1,1
Meeresenergie (150 kW oder mehr) 31.12.13 1,1

Quelle: Database of State Incentives for Renewables & Efficiency (DSIRE); 2012

Vor diesem Hintergrund ruhen die Hoffnungen vor allem auf dem Anfang November 2011 im Repräsentantenhaus eingebrachten parteiübergreifenden Gesetzesvorschlag H.R. 3307 "American Renewable Energy Production Tax Credit Extension Act", der eine PTC-Verlängerung für Wind, Biomasse, Geothermie, Deponiegas, Siedlungsabfall und Wasserkraft bis Ende 2016 anstrebt.

Die Hoffnungen speziell der Windenergiebranche, dass der PTC im Rahmen der Verhandlungen über eine Verlängerung der Payroll-Tax-Kürzung bis Ende 2012 ebenfalls mit verlängert wird, haben sich am 17.Februar zerschlagen, als der Kongress die betreffende Gesetzgebung ohne Aufnahme des Punktes PTC verabschiedet hat. Branchenkennern zufolge ist eine Verlängerung des PTC im 1. Quartal noch denkbar; kommt diese jedoch nicht zustande, so könnte mit einer positiven Entscheidung angesichts des Wahlkampfs wohl erst wieder nach November 2012 gerechnet werden.

Kräftige Unterstützung für die erneuerbaren Energien findet sich im am 13. Februar von der Regierung vorgestellten Budgetvorschlag für das Fiskaljahr 2013 (http://www.whitehouse.gov/omb/budget/Overview). Was den Energiesektor anbelangt, so gibt Präsident Obama in seiner "Budget Message" die Stoßrichtung vor: Während die erneuerbaren Energien sowohl durch steuerliche Anreize wie auch durch staatliche Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) weiter gefördert werden, sollen die schon lange bestehenden Steuervorteile der Ölfirmen abgeschafft werden. Für 2013 sieht der Entwurf neben der PTC-Verlängerung für Windenergie auch die Wiederauflage des "1603 Program" des U.S. Department of the Treasury vor. Dieser steuerliche Anreiz konnte von 2009 bis 2011 an Stelle des Investment Tax Credit in Anspruch genommen werden und sah eine Auszahlung in Höhe von 30% der entsprechenden Installationskosten eines Projektes vor (Cash Grant).

Im Rahmen des Budgetvorschlags für 2013 zählt das Department of Energy (DOE) mit einem angestrebten Mittelzuwachs von 3,2% zu den Gewinnern unter den Ministerien. Die Mittel für das Office of Energy Efficiency and Renewable Energy (EERE) des DOE sollen sogar um fast 30% auf 2,3 Mrd. US$ steigen. Vorgesehen sind dabei unter anderem 310 Mio. US$ für die Anfang 2011 vorgestellte DOE-Initiative "SunShot", mit der die Kosten für Solarenergie um 75% gesenkt werden sollen, damit diese noch vor Ende dieses Jahrzehnts auch ohne Fördermaßnahmen kostenmäßig mit Strom aus konventionellen Energiequellen mithalten kann; ferner 95 Mio. US$ für F&E sowie Demonstrationsprojekte bei On- und Offshore-Windenergie sowie 65 Mio. US$ für Geothermie. Das Budget des Deparmtment of the Interior (DOI) sieht unter anderem 86 Mio. US$ vor, um die Genehmigung von 11 GW an neuer Stromerzeugungskapazität durch Solarenergie, Windkraft und Geothermie auf DOI-verwalteten Land- und Wasserflächen des Bundes bis 2013 zu ermöglichen.

Was die Steuervergünstigungen von Öl- und Gasfirmen anbelangt, so sieht der Budgetvorschlag im Rahmen von acht Punkten für das Fiskaljahr 2013 Kürzungen von 4,8 Mrd. US$ vor; im Zeitraum 2013 bis 2022 sollen sich die Einsparungen durch diese Maßnahmen auf 38,6 Mrd. US$ summieren. Aufgehoben werden sollen unter anderem "Expensing of Intangible Drilling Costs", "Domestic Manufacturing Tax Deduction for Oil and Natural Gas Companies" sowie "Percentage Depletion for Oil and Natural Gas Wells". Die freiwerdenden Mittel sollen in die Entwicklung erneuerbarer Energien investiert werden.

Die langfristigen Aussichten für die erneuerbaren Energien bleiben positiv: So geht die Energy Information Administration (EIA) in ihrer Ende Januar 2012 auszugsweise vorab veröffentlichten "Annual Energy Outlook (AEO) 2012" davon aus, dass im Hinblick auf die Entwicklung des einheimischen Energieangebots die erneuerbaren Energieträger im Zeitraum 2010 bis 2035 überdurchschnittlich wachsen werden. Die Biomasse soll in diesem Zeitraum jährlich um etwa 3,5% zulegen und ihren Anteil von 5,4% auf 10,2% ausbauen. Bei den anderen erneuerbaren Energien soll sich das jährliche Wachstum auf 3,0% belaufen und der Anteil von 1,8% auf 3,0% zunehmen. Hingegen soll die Wasserkraft zwar jährlich um 0,8% wachsen, ihr Anteil jedoch leicht von 3,3% auf 3,2% zurückgehen.

Entwicklung des einheimischen Energieangebots (in Billiarden Btu; Anteil und Veränderung in %) 1) 2)
Segment 2010 2) 2035 Veränderung. 3) Anteil 2010 Anteil 2035
Alle Energieträger 75,52 94,59 0,9 100,0 100,0
.Biomasse 4,05 9,68 3,5 5,4 10,2
.Wasserkraft 2,51 3,06 0,8 3,3 3,2
.andere erneuerbare Energien 1,34 2,80 3,0 1,8 3,0
.Trockengas (Dry Natural Gas) 22,10 28,51 1,0 29,3 30,1
.Kohle 22,08 23,51 0,3 29,2 24,9
.Rohöl und Kondensate 11,59 13,15 0,5 15,3 13,9
.Atomkraft 8,44 9,35 0,4 11,2 9,9
.Nassgas (Natural Gas Plant Liquids) 2,78 3,65 1,1 3,7 3,9
.andere Energieträger 0,64 0,88 1,3 0,8 0,9

1) British Thermal Units; 2) Ohne Berücksichtigung von Im- und Exporten; 3) Durchschnittliche jährliche Wachstumsrate im Zeitraum 2010 bis 2035

Quelle: Energy Information Administration (EIA); 2012

Im Hinblick auf die Entwicklung der Stromkapazität rechnet die EIA im AEO damit dass, die erneuerbaren Energieträger im Zeitraum 2010 bis 2035 insgesamt jährlich um 1,2% wachsen werden und ihren Anteil von 12,5% auf 15,1% ausbauen können.

Prognostizierte Entwicklung der Stromkapazität der erneuerbaren Energien (in GW; Anteil und Veränderung in %) 1)
Segment 2010 2) 2035 Veränderung 3) Anteil 2010 Anteil 2035
Alle Energieträger 4) 1.006,6 1.122,3 0,4 100,0 100,0
.Erneuerbare Energien 126,1 169,2 1,2 12,5 15,1
..Konventionelle Wasserkraft 78,0 81,7 0,2 7,8 7,3
..Wind 39,1 65,2 2,1 3,9 5,8
..Siedlungsabfall 5) 3,3 3,4 0,1 0,3 0,3
..Geothermie 2,4 6,4 4,1 0,2 0,6
..Holz und andere Biomasse 2,5 2,7 0,4 0,2 0,2
..Photovoltaik 6) 0,4 8,2 13,0 0,0 0,7
..Solarthermie 0,6 1,4 3,9 0,1 0,1
..Off-Shore-Wind 0,0 0,2 - 0,0 0,02

1) Gesamte Kapazität der Stromindustrie ohne die der Endnutzer, Net Summer Capacity; 2) Auf Grundlage des Prognosemodells, daher leichte Abweichung vom tatsächlichen Wert; 3) Durchschnittliche jährliche Wachstumsrate im Zeitraum 2010 bis 2035; 4) Einschließlich Kraft-Wärme-Koppelung; 5) Beinhaltet Siedlungsabfall, Deponiegas, Siedlungsklärschlamm; 6) Nur netzgebundene Installationen

Quelle: EIA; 2012

Kontaktanschriften:

American Wind Energy Association (AWEA)

1501 M Street NW, Suite 1000

Washington, D.C. 20005

Tel.:001 202/383-2500, Fax: -2505

E-Mail: windmail@awea.org, Internet: http://www.awea.org

Biomass Power Association (BPA)

100 Middle Street

Portland, Maine 04104

Tel.: 001 703/889-8504 ext. 6

Email: info@biomasspowerassociation.com, Internet: http://www.usabiomass.org

Geothermal Energy Association (GEA)

209 Pennsylvania Avenue SE

Washington, D.C. 20003

Tel.:001 202/454-5264, Fax: -5265

E-Mail: karl@geo-energy.org, Internet: http://geo-energy.org/

National Hydropower Association (NHA)

25 Massachusetts Avenue, NW, Suite 450

Washington, D.C. 20001

Tel.: 001 202/682-1700, Fax: -9478

E-Mail: Linda@hydro.or,; Internet: http://hydro.org/

Solar Energy Industries Association (SEIA)

575 7th Street, NW, Suite 400

Washington, D.C. 20004

Tel.: 001 202/682-0556

E-Mail: mhanis@seia.org, Internet: http://www.seia.org

(O.H.)

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Strom-/ Energieerzeugung, Wind, Strom-/ Energieerzeugung, Wasserkraft, Strom-/ Energieerzeugung, Bioenergie, Strom-/Energieerzeugung, Geothermie, alternative Energien

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