Internationale Märkte

Globus | © GTAI

Unser Länderwissen auf einen Blick

Logo Deutsche Auslandshandelskammern (AHK)  | © DIHK

Deutsche Auslandshandels-kammern

AHK

08.03.2012

Australiens Umorientierung im Energiesektor benötigt Privatkapital

Ausländisches Know-how kann dabei helfen / Unterstützungsprogramme für Energieeffizienz / Von Michael Sauermost

Sydney (gtai) - So ambitioniert Australien im Bereich der Energiewende auch ist: Im Eiltempo dürfte die Umstellung nicht zu bewerkstelligen sein. Derzeit haben Erdgasprojekte noch die besten Chancen, den Fokus auf Kohle abzuschwächen. Allerdings bleiben erneuerbare Energien ein Dauerbrenner. Allgemein stehen Privatisierungen im Energiesektor an. Ausländische Lieferanten könnten sich in den kommenden Jahren verstärkt in die Modernisierung einbringen. (Kontaktanschriften)

Australiens Energiesektor steht vor einer anspruchsvollen und entscheidenden Umorientierung. Einerseits steigt vor dem Hintergrund des kontinuierlichen Wirtschaftswachstums sowie einer steigenden Bevölkerungszahl der Druck, eine adäquate Stromversorgung für die Zukunft sicherzustellen. Andererseits sollen verstärkt umweltfreundliche Energiequellen genutzt werden. Zwar wurden zu diesem Zweck klare Ziele formuliert. Der eingeschlagene Sparkurs der Regierung könnte allerdings bei der Umstellung auf erneuerbare Energien zu einer Entwicklungsverzögerung führen. Zumindest haben verschiedene Bundesstaaten die entsprechenden Fördermittel bereits gekürzt.

Dementsprechend liegt die Last jetzt stärker auf den Schultern privater Kapitalgeber, um die notwendigen Investitionen zu stemmen. In den vergangenen Monaten war der Sektor durch eine gewisse Zurückhaltung der Branchenunternehmen gekennzeichnet. In erster Linie war dafür die Unsicherheit in Bezug auf die politischen Rahmenbedingungen verantwortlich. Zwar fiel Anfang November 2011 die Entscheidung über die Einführung der lange diskutierten CO2-Steuer für das Jahr 2012. Angesichts der Tatsache, dass es bei der gegenwärtigen politischen Konstellation jedoch zu baldigen Veränderungen kommen könnte, halten die Diskussionen über das Ausmaß und die Tragweite der CO2-Steuer an. Dies dürfte den Investitionswillen der Investoren im Energiesektor tendenziell nicht beflügeln, befürchten Kritiker.

Allein mit Blick auf die Investitionen, die gegenwärtig getätigt werden, lässt sich allerdings bereits eine klare Umstrukturierung des Sektors ausmachen. Zwar fließt weiterhin Kapital in Kohlevorhaben. Derzeit im Vordergrund stehen jedoch die Windkraft sowie der Gassektor. Von den 20 aktuellen, nennenswerten Projekten im Bereich der Energieerzeugung entfallen acht auf Windkraft sowie sieben auf Gas. Dieser Trend, so erwarten die Experten, dürfte in den kommenden Jahren anhalten. Das Bureau of Resources and Energy Economics identifiziert Hybridkraftwerke auf der Basis von Renewables als einen Bereich mit außerordentlich großem Wachstumspotenzial.

Erneuerbare Energien bleiben eindeutig im Fokus. Dies soll nicht zuletzt das "Renewable Energy Target (RET)" der Regierung sicherstellen. Demzufolge soll bis 2020 ein Anteil von 20% der Energieversorgung auf das Konto der erneuerbaren Energien gehen. Allerdings hat sich die Euphorie in den letzten zwei Jahren ein wenig abgeschwächt. Es wurde erkannt, dass die Förderung von "Renewables" eine teure Angelegenheit ist.

Dennoch steht die Regierung hinter den diesbezüglichen Zielen. Branchenunternehmen gehen davon aus, dass die Unterstützung durch die einzelnen Bundesstaaten in Zukunft wieder zunehmen wird. Seit Juli 2010 soll ein Fonds in Höhe von 1 Mrd. $A dazu beitragen, ländliche Gegenden mit Hilfe von erneuerbaren Energien an das nationale Stromnetz anzuschließen.

In der Vergangenheit wurde das Potenzial des Erdgassektors nur unzureichend ausgeschöpft. Zum einen seien den kapitalintensiven Vorhaben in der Vergangenheit die lukrativeren Erdölprojekte vorgezogen worden, begründen Branchenvertreter. Zum anderen habe es insbesondere im Bundesstaat Western Australia immer wieder umweltpolitische Einwände gegen geplante Projekte gegeben.

Im Gegensatz zum Rohölsektor steht jedoch nunmehr insbesondere die Entwicklung von Flüssiggas (LNG; "liquefied natural gas") in den kommenden Jahren vor einer außerordentlich expansiven Entwicklung. Australiens Output an Erdgas dürfte im Wirtschaftsjahr 2016/17 (1.7. bis 30.6.) ein Volumen von etwa 85 Mrd. Kubikmetern erreichen, schätzen Experten.

Australiens Energieerzeuger müssen in den kommenden 20 Jahren etwa 120 Mrd. $A investieren, um die zukünftige Stromversorgung gewährleisten zu können. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die von "Australian Energy Market Operator" (AEMO) erstellt wurde.

Ein brisantes Thema bleibt das Ausmaß der Privatisierungen im Energiesektor in den einzelnen Bundesstaaten. Nicht wenige Wirtschaftsexperten plädieren dafür, dass New South Wales nicht nur die Stromerzeugung sondern auch die Distribution privatisiert. Knapp 35 Mrd. $A könnten dadurch zusätzlich in die Staatskasse fließen und in die Infrastruktur investiert werden. Zudem werde die Liberalisierung zu günstigeren Strompreisen führen, heißt es. Die Agentur Infrastructure Partnerships Australia befürwortet eine Aufsplittung des Stromnetzes. Es sei unwahrscheinlich, dass ein einziger Energielieferant das komplette Stromnetz des Bundesstaates übernehmen könne

In der Stromerzeugung sind Down Under rund 30 größere Unternehmen engagiert. Zahlreiche kleinere Erzeuger produzieren in erster Linie für den Eigenbedarf und speisen lediglich einen kleinen Anteil in das Netz ein. Die installierte Kapazität beläuft sich gegenwärtig auf etwa 52.600 MW. Davon entfallen 48.300 MW auf die größeren Kraftwerke. Circa 8.750 MW gehen auf das Konto von erneuerbaren Energien, wobei allerdings etwas mehr als 90% auf das Segment Wasserkraft entfallen.

Marktführendes Unternehmen war 2010/11 Macquarie Generation mit einem Umsatzanteil von rd. 8,5%. Zu den größten Konkurrenten zählen die Electricity Generation Corporation (Marktanteil: 8,0%), Delta Electricity (7,5%), CS Energy sowie Eraring Energy (jeweils 6%) und die Great Energy Alliance Corporation (5%). Die Branchenumsätze beliefen sich Schätzungen zufolge auf knapp 15 Mrd. $A. Für die kommenden Jahre werden Zuwächse in der Größenordnung von knapp 5% p.a. erwartet.

Die ca. 25 Unternehmen die im Distributionsbereich tätig sind, erwirtschafteten im Wirtschaftsjahr 2010/11 etwa 50 Mrd. $A. Die drei Energieriesen AGL Energy Ltd., Origin Energy Ltd. sowie TRUenergy Holdings kamen dabei jeweils auf einen Marktanteil von 14%. Im Bereich der erneuerbaren Energien kommen ca. 260 Firmen auf ein Umsatzvolumen von insgesamt 1,5 Mrd. $A. Für sie sind Privathaushalte bislang mit einem Anteil von 30% die größten Abnehmer.

Im Februar 2012 verabschiedete die Regierung das Clean Technology Investment Program mit einem Volumen von 1 Mrd. $A. Dabei sollen Industrieunternehmen unterstützt werden, in modernere, umweltfreundliche Anlagen zu investieren. Als Folge sollen Energiekosten gesenkt sowie die CO2-Emissionen reduziert werden. Das Ausmaß der staatlichen Incentives ist je nach Projektgröße gestaffelt. Beispielsweise erhalten Unternehmen, die einen Jahresumsatz von weniger als 100 Mio. $A erwirtschaften und eine Investition von bis zu 500.000 $A planen, staatliche Mittel in Höhe von 50% der Kapitalanlage. Der staatliche Anteil verringert sich bei größeren Investitionssummen auf 33 (bis zu 10 Mio. $A) bzw. 25% (ab 10 Mio. $A).

Kohle dürfte trotz der Umorientierung zu erneuerbaren Energien auch in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen. Allerdings muss auch dieser Sektor "sauberer" werden. Durch die "National Clean Coal Initiative", ein Fonds in Höhe von 500 Mio. $A, soll die Entwicklung von entsprechenden Technologien bei der Kohleförderung vorangetrieben werden.

Die 13. Asien-Pazifik Konferenz der Deutschen Wirtschaft (APK) wird vom 1. bis 3. November 2012 in Gurgaon, New Delhi, stattfinden. Die APK, die seit 1986 alle zwei Jahre in Asien veranstaltet wird, hat sich inzwischen als bedeutendstes Netzwerktreffen in der Region etabliert. Mehr als 700 Entscheidungsträger aus Unternehmen, Verbänden und Bundesministerien nahmen an der letzten APK in Singapur 2010 teil.

Die Organisation vor Ort liegt bei der AHK Indien (Indo-German Chamber of Commerce, IGCC), bei der weitere Informationen unter der E-Mail Adresse: apk2012@indo-german.com oder auf folgender Homepage: http://indien.ahk.de/apk/ erhältlich sind.

Organisiert wird die APK von den Auslandshandelskammern (AHKs) in der Region Asien-Pazifik, dem Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (APA) - mit seinen Trägerverbänden Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), Deutscher Industrie-und Handelskammertag e.V. (DIHK), German Asia-Pacific Business Association (OAV), Bundesverband des deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) und Bankenverband - und dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWi).

Kontaktanschriften:

Australian Government

Department of Resources, Energy and Tourism

Industry House, 10 Binara Street

Canberra City, ACT-2601

Tel.: 00612/62 76 10 00; Fax: -62 43 70 37

Internet: http://www.ret.gov.au

Bureau of Resources and Energy Economics

GPO-Box 15 64

Canberra, ACT-2601

Tel.: 00612/62 76 10 00; -62 72 20 01

Internet: http://www.bree.gov.au

Energy Supply Association of Australia

Level 2, 451 Little Bourke Street

Melbourne, VIC-3000

Tel.: 00613/96 70 01 88; Fax: -96 70 10 69

Internet: http://www.esaa.com.au

Clean Energy Council

Suite 201, 18 Kavanagh Street

Southbank, VIC-3006

Tel.: 00613/99 29 41 00; Fax: -99 29 41 01

Internet: wwwcleanenergycouncil.org.au

(S.M.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Australien Strom-, Energieerzeugung, allgemein, alternative Energien

Weitere Informationen

Funktionen

Kontakt

Michael Sauermost

‎0228/24993-327

Suche

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschafts-daten, Zoll- und Rechts-informationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche