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09.03.2012

Perus Bergbau steht vor großen Herausforderungen

Ehrgeizige Pläne im Konflikt mit Geographie und Politik

Santiago de Chile (gtai) - Vertreter von Bergbaukonzernen und Politiker in Peru verweisen gerne auf das umfangreiche Projektportfolio sowie auf eine lange und anhaltende Expansionsphase im Bergbau. Für 2012 planen die in Peru ansässigen Bergbaufirmen Projekte von 12,4 Mrd. US$. Zu den Hindernissen zählen jedoch unzureichende Kapazitäten bei der Wasser- und Energieversorgung sowie ein Mangel an geeigneten Transportwegen. Auch regionale politische Konflikte gilt es zu überwinden.

Bis 2020 sollen bis zu 50 Mrd. US$ für die Inbetriebnahme neuer Bergwerke investiert werden. Aussichtsreiche Gold-, Kupfer- und Eisenerzvorkommen sollen von nationalen und globalen Konzernen zur Deckung vor allem des ostasiatischen Bedarfs erschlossen werden. Maschinen und Ausrüstungen stammen vorwiegend aus den USA, aber auch deutsche Firmen sind bei den Liefernationen vertreten.

Nach Angaben des peruanischen Ministeriums für Bergbau und Energie wollen die vor Ort vertretenen Bergbaufirmen 2012 Projekte im Wert von schätzungsweise 12,4 Mrd. US$ starten. Zu den größten Investoren zählen in diesem Zusammenhang Jinzhao Mining (Eisenerz, 3,3 Mrd. US$, Departamento Ica), die mexikanische Southern Copper (Kupfer, 1,6 Mrd., Moquegua), die schweizerische XStrata Tintaya (Kupfer, 1,5 Mrd., Cuzco), die kanadische Cía. Minera Antamina (Kupfer, Zink, 1,3 Mrd., Ancash) sowie die chinesischen Shougang Hierro Peru (Eisenerz, Kupfer; 1,2 Mrd., Ica) und Marcobre (Eisenerz, Kupfer, 0,7 Mrd. US$, Ica).

Zudem verzeichneten die 18 Unternehmen des Sektors, die an der Börse von Lima notiert sind, 2011 einen Rekordgewinn von zusammen 12,8 Mrd. Neuen Soles - ein Plus gegenüber 2010 von 4,8% (1 US$ = 2,62 S/.; Stand: 5.3.12). Zusammen investierten alle Bergwerke 2011 schätzungsweise 6,6 Mrd. US$ (+61,0%). Im Rahmen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung allerdings verringerte sich der Ausstoß der Metallförderung um 3,6% (2010: -4,8%).

Branchenvertreter weisen jedoch auf unzureichende Kapazitäten im Elektrizitätssektor hin. So müssten Großbergwerke bereits 2012 mit Ausfällen rechnen. Da sich der Abschluss von Genehmigungsverfahren verzögere, sei nicht länger auszuschließen, dass sich 2016 oder 2017 die Betreiber von neuen Bergwerken mit Engpässen im Energieangebot konfrontiert sähen.

Vorwürfe wurden laut, dass sich in den zurückliegenden Jahren die Erzeugerkapazitäten zu sehr auf den zentral gelegenen Wirtschaftsraum an der Pazifikküste und auf die Verwendung von Naturgas konzentriert habe. Dagegen seien die großen Metallvorkommen im Norden, im Hochland oder im Süden des Andenstaates anzutreffen. Zudem sei der Ausbau des nationalen Verbundnetzes ins Stocken geraten. Stein des Anstoßes ist unter anderem das Fehlen von Durchführungsbestimmungen für ein 2011 verabschiedetes Mitwirkungsgesetz, das den ländlichen Bewohnern zumeist uramerikanischer Abstammung ermöglicht, sich schon im Vorfeld der Projekttätigkeit Gehör zu verschaffen.

Vertreter des Ministeriums für Bergbau und Energie hingegen sehen die Stromversorgung bis 2018 gesichert, da im nationalen Verbundnetz eine Reservekapazität von rund 30% vorhanden sei, um etwaigen unvorhersehbaren Ereignissen vorzubeugen. Darüber hinaus solle der Bau von Wasserkraftwerken zügig in Angriff genommen und die Errichtung von Übertragungsleitungen beschleunigt werden.

Einige Bergbaukonzerne bauen auf eigene Faust Kraftwerke, darunter Volcan (eine Reihe von Miniwasserkraftwerken) oder Buenaventura (hydroelektrische Zentrale). Auch Alfredo Dammert, der Chef der Regulierungsbehörde Osignermin, empfiehlt künftigen Investoren im Bergbau, sich über die Errichtung von Kraftwerken zu informieren. Auf diese Weise könnten sie möglichen Notfallsituationen im nationalen Verbundnetz vorbeugen.

Auf Kritik stießen Metallvorhaben von insgesamt 13 Mrd. US$, die sich auf elf Projekte verteilen, sechs davon im Departamento Cajamarca. Dazu zählen "Conga" (bis zu 5 Mrd. US$, Minera Yanacocha), Galeno (2,5 Mrd. China Minmetals), La Granja (1 Mrd., Rio Tinto) und Michiquillay (0,7 Mrd. Anglo American). Als besonders fraglich gilt dabei eine ausreichende Wasserversorgung.

Eine internationale Expertenkommission prüft im ersten Halbjahr 2012 die Machbarkeit und eventuelle Umweltbeeinträchtigungen beim Goldprojekt "Conga". Auch Anglo American will bei den Projekten Michiquillay und Quellaveco (Südperu, Moquegua, 3 Mrd. US$) mit der Bevölkerung verhandeln. In Quellaveco soll nunmehr ein Staubecken mit einem Fassungsvermögen von 60 Mio. cbm Wasser zur lokalen Wasserversorgung entstehen.

Zudem hat die US-amerikanische Newmont - zusammen mit der lokalen Buenaventura Mining Eigentümer von Yanacocha - angekündigt, im Falle von Conga bis zu 1 Mrd. US$ in umweltfreundliche Maßnahmen zu investieren. Regionalpolitiker dagegen wollen mit eigenen Umweltbeeinträchtigungsstudien aufwarten. Newmont hat 2012 bereits rund 600 Mio. US$ für das Vorhaben Conga eingeplant. Dieser Betrag könnte allerdings auch woanders investiert werden.

Cajamarca steht darüber hinaus im Brennpunkt für die Errichtung einer weiteren Eisenbahnstrecke. Auf dem Schienenwege sollen Bergbauprodukte, Landwirtschaftserzeugnisse sowie Phosphate, die in Bayovar die brasilianischer Vale abbaut, befördert werden. Die Linie soll vom Departamento Cajamarca in die Gebietskörperschaft Piura über den Pazifikhafen von Bayovar verlaufen. Zu diesem Zweck sollen die bereits 2009 entworfenen Pläne mit Kosten von 3 Mrd. US$ aktualisiert werden.

Sollte der peruanische Staat an der Durchführung beteiligt werden, so könnte das Genehmigungs- und Ausschreibungsverfahren unter Beteiligung des SNIP (sistema nacional de inversión pública) bis zu drei Jahre in Anspruch nehmen. Eine reine Privatinitiative über die Investitionsförderstelle Proinversión könnte schon in 18 Monaten abgewickelt werden. Voraussetzung für letzteres ist allerdings ein genügend großes Interesse unter den Bergbaufirmen, beispielsweise der Vale und dem Joint Venture von Buenaventura und Newmont Mining.

Tito Chocano, der regionale Präsident von Tacna, empfahl Firmen wie der mexikanischen Southern Copper und der einheimischen Minsur künftig auf die Verwendung von Süßwasser zu verzichten und die Gewässer des Pazifischen Ozeans für hydrometallurgische Prozesse zu nutzen. Dies gelte darüber hinaus insbesondere für alle neuen Bergwerksbetreibe, darunter Newmont Mining.

Trotz nationaler Bergbaumessen und -kongresse wie Perumin/Extemin in Arequipa und Expo Mina Peru in Lima nutzen Lieferanten wie Bergwerkbetreiber die Geschäfts- und Kontaktmöglichkeiten, die alle zwei Jahre die chilenische Expomin bietet. Sie findet vom 9. bis 13.4.12 im "Espacio Riesco" statt.

Metallbergbau in Peru
Produkt Einheit 2009 2010 2011
Produktion
Kupfer 1.000 t 1.276,2 1.247,2 1.235,2
Zink 1.000 t 1.512,9 1.470,5 1.255,9
Blei 1.000 t 302,5 262,0 230,0
Eisen 1.000 t 4.489,5 6.139,3 7.123,1
Zinn 1.000 t 37,5 33,8 28,9
Molybdän 1.000 t 12,3 17,0 19,1
Silber t 3.922,7 3.640,5 3.414,0
Gold t 184,0 164,1 164,0
Wolfram t 634,0 716,0 546,0
Ausfuhren
Insgesamt Mio. US$ fob 16.191,2 21.236,8 26.715,8
Kupfer Mio. US$ fob 5.933,3 8.870,4 10.711,4
Gold Mio. US$ fob 6.772,6 7.734,7 10.030,1
Blei Mio. US$ fob 932,7 1.291,9 1.795,2
Zink Mio. US$ fob 1.225,1 1.691,2 1.522,2
Eisen Mio. US$ fob 297,7 523,3 1.023,4
Silber Mio. US$ fob 393,7 405,1 848,3
Zinn Mio. US$ fob 246,1 198,5 183,3
Sonstige *) Mio. US$ fob 300,0 521,8 602,1

*) im wesentlichen Molybdän, Wismut und Wolfram

Quellen: Ministerio de Energía y Minas, Superintendencia Nacional de Administración Tributaria

(S.E.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Peru Bergbau / Rohstoffe, allgemein

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