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30.03.2012

Chile baut neue Krankenhäuser

Einfuhr von medizintechnischen Produkten wächst weiter / Von Siegfried Ellermann

Santiago de Chile (gtai) - In Chile sollen private Betreiber verstärkt am Ausbau der Krankenhausinfrastruktur teilhaben. Der Staat vergibt weitere Konzessionen und private Investoren bauen ihre Kapazitäten aus. Die Importe von Ausrüstungen und Geräten haben bereits deutlich zugelegt. Deutsche Lieferanten erreichten 2011 den zweiten Rang unter den Einfuhren. Besonders gefragt waren Apparate für die Elektromedizin.

Beim Ausbau der Krankenhausinfrastruktur setzt Chile künftig verstärkt auf öffentlich-private Partnerschaften und dabei besonders auf das Betreibermodell DBOT (Design-Build-Operate-Transfer) mit einer Konzessionsfrist von 15 Jahren. Gefragt sind eine moderne, energiesparende und umweltfreundliche Architektur sowie der Einsatz neuer Technologien, insbesondere aus dem IT-Bereich.

Seit Anfang 2012 läuft die Ausschreibung für die Konzession des Hospitals Leonardo Guzmán in Antofagasta. Die Interessenten sollen ihre technischen und wirtschaftlichen Angebote bis zum 20.6.12 vorlegen. Der Betreiber wird rund 260 Mio. US$ in neues Mobiliar und technische Ausrüstung investieren müssen. Das Krankenhaus ist im Bereich der dritten Versorgungsstufe (Maximalversorgung) angesiedelt.

Das Ministerium für Öffentliche Arbeiten will in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium noch 2012 den Betrieb von vier weiteren Krankenhäusern ausschreiben. Hierbei handelt es sich um die Hospitäler "Metropolitano Occidente" (vormals "Félix Bulnes") mit voraussichtlichen Investitionen von 179 Mio. US$ und "Salvador-Geriátrico" (367 Mio.) in der Hauptstadt Santiago de Chile sowie "Marga-Marga" (130 Mio.) und "Biprovincial Quillota-Petorca" (130 Mio. US$) in der Region um Valparaíso. Insgesamt sollen nahezu 1.700 neue Betten zur Verfügung gestellt werden.

Seit dem 1. Quartal 2012 sucht die renommierte Universität Pontífica Universidad Católica (PUC) nach strategischen Partnern. Anvisiert wird die Gründung eines Joint Venture, an dem die PUC die Aktienmehrheit besitzt. Das Krankenhausnetz der Universität besteht unter anderem aus einem Krebszentrum und einem Zentrum zur Behandlung von Krankheiten der Dermatologie und Geriatrie. Daneben sind die Kliniken Hospital UC und die Clínica UC in das Netz eingebunden. Die PUC untersucht ferner Möglichkeiten zur Expansion in andere Landesteile sowie zur Errichtung einer Frauen- und einer Sportklinik in Santiago.

Für 2013 sind Ausschreibungen von Konzessionen für die Krankenhäuser in Chillán (170 Mio. US$), Curicó (170 Mio.) und Linares (164 Mio.) in den Regionen Biobio und Maule sowie für den Komplex Sótero del Río (395 Mio. US$) im Großraum Santiago de Chile geplant. Zum Teil handelt es sich dabei um den Wiederaufbau von Einrichtungen, die im Februar 2010 von einem Erdbeben zerstört oder beschädigt wurden. Bereits im Bau befinden sich die Hospitäler La Florida und Maipú mit Investitionen von insgesamt 250 Mio. US$ (beide in Santiago de Chile). Konzessionär ist das spanische Unternehmen San José Tecnocontrol.

Der Staat forciert höhere Gesundheitsausgaben auch aufgrund des Unmuts in der Bevölkerung. Proteste in der entlegenen südlichen Region Aysén haben im 1. Quartal 2012 dafür gesorgt, dass Chile rund 150 Mio. US$ in die Verbesserung der dortigen Gesundheitsfürsorge zu investiert. Auf dem Programm stehen bis 2015 unter anderem der Bau von Krankenhäusern in Chico, Cochrane und Puerto Aysén, die Errichtung eines Gesundheitszentrums in La Junta, die Anschaffung von Rettungswagen sowie die Verpflichtung von Allgemeinmedizinern und Fachärzten.

Der private Klinikbetreiber Red Salud in Santiago beabsichtigt ein neues Krankenhaus zu bauen und auf regionaler Ebene vorhandene Gesundheitseinrichtungen zu erweitern - darunter in Puerto Montt, Temuco, Talca und Valparaíso. Die Aufwendungen belaufen sich auf rund 100 Mio. US$. Einen ähnlich hohen Betrag will die Masvida-Gruppe aufbringen, um zwei Gesundheitszentren in Santiago sowie ein Hospital in Concepción zu errichten. Ein weiteres Krankenhaus in Concepción soll erweitert werden.

Die private Krankenversicherung Banmédica führt bis 2015 ein Investitionsprogramm im Umfang von 250 Mio. US$ durch; ein Teil des Betrags soll dem benachbarten Peru zugutekommen. Das Privatkrankenhaus Clínica Las Condes verdoppelt gegenwärtig im gleichnamigen Stadtteil von Santiago seine Behandlungskapazitäten für etwa 180 Mio.US$. Im gleichen Viertel will die Universidad de Los Andes ein weiteres Krankenhaus bauen.

Die Clínica Indisa hat vor, bis 2016 gut 125 Mio. US$ für den Bau eines zusätzlichen Hospitals in Santiago sowie für die schrittweise Erhöhung vorhandener Kapazitäten auszugeben. Ähnlich ist die Gruppe Cruz Blanca aufgestellt; ihr Investitionsbudget beträgt 100 Mio. US$ bis 2013. Die Clínica Alemana hat mit der Universidad de Desarrollo in Santiago vereinbart, in einem zusätzlichen Gebäude fachärztliche Beratungen und Forschungsaktivitäten zusammenzufassen. Die Investitionen konzentrieren sich auf Hightech-Ausrüstungen. Private Kliniken dringen zudem verstärkt in Nischenmärkte, wie die plastische Chirurgie, vor.

Für ausländische Unternehmen ist der chilenische Gesundheitssektor ein offener Absatzmarkt mit niedrigen Eintrittsbarrieren. Trotz der geringen lokalen Produktion an Medizinprodukten, muss in sämtlichen Marktsegmenten mit einem scharfen Wettbewerb gerechnet werden. Neben den bestehenden Möglichkeiten, als Konzessionär aktiv zu werden, bieten Fusionen und Übernahmen ein interessantes Betätigungsfeld. So hat der schwedische Krankenhauskonzern Diaverum im 3. Quartal 2011 zwei Kliniken im chilenischen Süden aufgekauft.

Nach dem Einbruch 2009 haben sich die Lieferungen von medizintechnischen Produkten wieder kräftig erholt und sind 2011 um 30,6% auf 532 Mio. US$ gestiegen. Am Gesamtimport waren deutsch Güter mit circa 61 Mio. US$ (+29%) beteiligt, so vorläufige Angaben. Als wichtigster Anbieter profilierten sich mit einem Einfuhranteil von rund 175 Mio. US$ (+20%) die USA. Auf Rang drei bis fünf lagen die VR China (42 Mio. US$; +19%), die Schweiz (30 Mio. US$; +68%) sowie Japan (20 Mio. US$; +12%).

In der Vergangenheit ist der Jahreshaushalt des Gesundheitsministeriums in der Regel mit zweistelligen Steigerungsraten gewachsen. Das Haushaltsgesetz für 2012 sieht Gesamtausgaben von 4,30 Bill. chilenischen Peso (chil$; 6,44 Mrd. Euro; 1 Euro = 667,27 chil$) vor. Davon entfallen knapp 0,30 Bill. chil$ auf Investitionen. Im Haushaltsjahr 2010 erhöhten sich die Ausgaben von 3,33 Bill. auf 3,90 Bill. chil$. Tatsächlich verwendet wurden 3,85 Bill. chil$, davon 0,21 Bill. chil$ für Investitionen. Die Ausgaben 2011 lagen bei 4,08 Bill. chil$, wovon allerdings nur 0,19 Bill. chil$ in Investitionen flossen.

Einfuhr ausgewählter medizintechnischer Produkte (in Mio. US$ cif)
HS 2009 2010 2011 2011 Deutschland
9018.12 Ultraschalldiagnoseger. 10,0 12,1 13,3 0,1
9018.13 Magnetresonanzgeräte 2,2 10,2 12,2 2,6
9018.11, .14 Elektrokardiografen, Szintigrafiegeräte 2,4 2,9 3,2 0,1
9018.19 Überwachungsapparate für zwei oder mehr Parameter 11,4 15,4 20,1 3,8
9018.20 Ultraviolett- oder Infrarotbestrahlungsg. 0,8 0,9 0,8 k.A.
9018.31-.39 Spritzen, Nadeln, Katheter, Kanülen etc. 64,3 69,6 84,3 5,5
9018.41 Dentalbohrmaschinen 0,2 0,5 0,3 0,1
9018.49 Teile von Dentalbohrmaschinen 10,6 15,1 23,9 2,3
9018.50 Ophthalmologische Instrumente 13,4 13,9 18,5 2,3
9018.90 Andere Instrumente, Apparate und Geräte 71,5 86,7 123,8 20,4
9019, 9020 Therapiegeräte, Atmungsgeräte etc. 26,0 31,7 42,9 2,7
9021.10 Orthopädietechnik 8,0 10,0 17,1 0,6
9021.21-29 Zahnprothetik 9,1 12,4 12,0 0,1
9021.31-39 Andere künstliche Körperteile und Organe 30,0 37,8 55,0 2,9
9021.40 Schwerhörigengeräte 6,8 15,4 7,9 0,3
9021.50 Herzschrittmacher 3,7 4,0 6,0 0,4
9021.90 Teile und Zubehör etc. 6,3 7,1 10,0 0,4
9022.12 Apparate für die Computertomografie 4,4 7,3 13,1 1,6
9022.13/14 Andere Röntgenapparate (für medizinische, chirurgische, zahnärztliche oder tierärztliche Zwecke) 9,3 12,7 21,6 5,5
9022.21 Medizinische Geräte, die Alpha-, Beta- oder Gammastrahlen verwenden 0,1 2,2 2,7 0,8
9022.30 Röntgenröhren 4,3 3,8 4,7 1,9
9022.90 Teile und Zubehör von Röntgenröhren 6,3 9,0 8,4 1,9
9402 Medizinmöbel etc. 13,7 18,8 21,1 3,2
8713 Rollstühle 2,6 3,9 4,2 0,4
8419.20 Sterilisierapparate 2,1 3,7 4,6 0,7
Insgesamt 324,0* 407,1* 531,7* 60,6*

* Differenzen durch Rundungen

Quellen: Servicio Nacional de Aduanas, Recherchen von Germany Trade & Invest

(S.E.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Chile Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein

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