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03.04.2012

Polen setzt auf Offshore-Windenergie

Bisher nur Onshore-Anlagen vorhanden / Gesetzesprojekt könnte Attraktivität der Windenergie-Projekte schmälern / Von Beatrice Repetzki

Warschau (gtai) - Polen plant milliardenschwere Investitionen in die Windenergie, darunter insbesondere in erste Offshore-Parks. Negativ auf diese Vorhaben könnte sich ein kontrovers diskutiertes Gesetzesprojekt des Wirtschaftsministeriums auswirken. Fördermaßnahmen sollen demnach alle drei Jahre überprüft werden, und die Stromverteiler brauchen die Energie nicht mehr zu garantierten Preisen abzunehmen. Besonders umfangreiche Vorhaben führt derzeit die deutsche Gesellschaft Enertrag durch. (Kontaktanschrift)

Zahlreiche Investoren wollen in Polen Offshore-Windparks bauen. Bis zum 22.2.12 gingen beim Ministerium für Transport, Bau- und Meereswirtschaft (MTBiGM, http://www.transport.gov.pl) 54 Projektanträge ein zur Schaffung von insgesamt rund 54 Gigawatt (GW, etwa 1 GW pro Projekt). Da die Baukosten bei durchschnittlich 3 Mio. Euro/Megawatt (MW) liegen, ergibt sich daraus ein Gesamtbetrag von 162 Mrd. Euro. Kaum ein Drittel dieses Betrages erscheint allerdings realistisch, so dass langfristig Vorhaben für rund 200 Mrd. Zloty (Zl; rund 48 Mrd. Euro, 1 Euro = 4,15 Zl; Stand: 28.3.12) verwirklicht werden könnten.

Bislang gibt es noch keine einzige Offshore-Turbine in Polen. Gemäß der längerfristigen polnischen Energiepolitik sollen bis 2020 Windräder mit lediglich 500 MW im Meer installiert sein. Dennoch versuchen viele namhafte potenzielle Investoren ihr Glück an der polnischen Ostseeküste.

Bis 2020 anvisierte Kapazitäten von Offshore-Windparks (in MW)
Vereinigtes Königreich Deutschland Niederlande Schweden Dänemark Polen
13.000 10.000 6.000 3.600 1.300 500

Quelle: European Wind Energy Association

Der Tageszeitung Rzeczpospolita zufolge haben bereits viele Unternehmen einen Antrag zur Genehmigung für den Bau von Offshore-Plattformen in Form künstlicher Inseln (PSZW) eingereicht. So hat Kulczyk Investments 4 Anträge gestellt, die Polnische Energiegruppe, Polska Grupa Energetyczna (PGE) drei, der Erölkonzern PKN Orlen 2 sowie die inländischen Gesellschaften Energa und Generpol, die belgische Deme und andere. Die PGE will längerfristig über Kapazitäten von 1 GW von Onshore-Windkraftanlagen (ab 2015) und etwa 2 GW von Offshore-Anlagen verfügen. Die portugiesische Electricite de Portugal (EdP), die spanische Iberdrola und die dänische Dong Energy wollen laut Rzeczpospolita noch Anträge stellen. Die ersten Genehmigungen könnten laut MTBiGM gegen Ende März 2012 erteilt werden.

Eine Investition in Offshore-Turbinen würde sich nach Einschätzung von Experten nach zehn bis zwölf Jahren rentieren. Der Vorsitzende der Polnischen Vereinigung der Meereswindenergie, Polskie Towarzystwo Morskiej Energetyki Wiatrowej (PTMEW), Bogdan Gutkowski, geht davon aus, dass theoretisch auf einer Fläche von 2.000 qkm Offshore-Anlagen mit einer Kapazität von etwa 10 GW stehen könnten.

Der erste Offshore-Windpark könnte 2018 oder 2019 entstehen. Nach Erhalt der PSZW bleiben einem Investor sechs Jahre, um eine Baugenehmigung für die eigentliche Windkraftanlage zu erhalten. Nach Verstreichen dieser Frist verliert er seine Lizenzen und den für die vorbereitenden Arbeiten aufgebrachten Betrag, der pro Projekt bei schätzungsweise 30 Mio. Zl liegt. Damit wird etwa die Umweltverträglichkeit des Vorhabens geprüft. Die Staatskasse profitiert von solchen Projekten, zumal ein Investor 1% des Projektwertes in Raten abführen muss. Gleich nach der Erteilung einer PSZW wird die erste Zahlung in Höhe von 0,1% fällig.

Da das Wirtschaftsministerium weiter an einem umstrittenen Gesetz zu erneuerbaren Energien arbeitet, ist noch unklar, wie letztendlich die Errichtung von Offshore-Turbinen unterstützt werden soll. Handlungsbedarf besteht längerfristig auch bei der Anbindung an die Starkstromnetze. Laut Betreiber PSE Operator kann in den nächsten Jahren maximal 1 GW von den Offshore-Turbinen angeschlossen werden.

Der vorliegende Gesetzesentwurf rief Kritik hervor, da er nach Ansicht potenzieller Investoren Unsicherheiten schafft. So sollen Binnenwindparks und alte Wasserkraftwerke eine geringere Förderung erhalten. Dabei sollen die Kriterien alle drei Jahre angepasst werden. Das macht es für Investoren schwieriger, zu kalkulieren und vorauszusehen, wann ein Projekt rentabel wird. Dieser Aspekt ist wiederum entscheidend bei der Kreditvergabe durch Banken.

Vorgesehen ist ferner, die Abnahmeverpflichtung durch die Verteilergesellschaften zu einer gesetzlich garantierten Einspeisevergütung abzuschaffen. Dadurch würden sich die Einnahmen (und auch die Planungssicherheit) der Windenergieerzeuger verringern, was sich unter Umständen auf die Schaffung neuer Kapazitäten auswirken könnte. Der stellvertretende Wirtschaftsminister Mieczyslaw Kasprzak hält dagegen, dass der Gesetzesentwurf die Möglichkeit vorsieht, Unternehmen Investitions- und Betriebskosten zurück zu erstatten. Die Diskussionen darüber dürften noch weiter andauern.

Installierte Kapazitäten zur Nutzung erneuerbarer Energien Ende 2011 (in MW)
Wind Wasser Biomasse Biogas Solar
1.616,4 951,4 409,7 103,5 1,1

Quelle: Energieregulierungsbehörde Urzad Regulacji Energetyki (URE)

Ende 2011 waren 1,6 GW an Windenergiekapazitäten in Polen installiert, die sich auf gut 500 Turbinen verteilten. Der größte Investor ist bislang EdP, der über 1 Mrd. Zl aufbrachte. Von den deutschen Konzernen sind RWE und E.ON gut vertreten.

Die größten Windenergie-Investoren in Polen (installierte Kapazitäten in MW)
Electricite de Portugal Iberdrola (Spanien) Dong Energy (Dänemark) RWE (Deutschland)
161,0 160,5 111,5 107,9

Quelle: Polishwindenergy.com, Informationen der Tageszeitung Rzeczpospolita

Bis Ende 2013 soll sich die Kapazität auf rund 3 GW verdoppeln, wobei die Investoren auch EU-Mittel in Anspruch nehmen. Das bedeutet angesichts der Kosten von 5 Mio. bis 6 Mio. Zl für die Schaffung von 1 MW Projekte im Gesamtwert von rund 8 Mrd. Zl. Die Investoren haben bereits Abnahmeverträge mit PSE Operator geschlossen. Der größte von ihnen ist die deutsche Gesellschaft Enertrag. Allein 2011 waren bereits an die 0,5 GW in Polen hinzu gekommen; die dafür erforderlichen Turbinen kosteten insgesamt 2,6 Mrd. Zl.

Investor und Standort der größten Projekte 2012 bis 2013 (in MW)
Enertrag, Krajnik Enertrag, Dunowo Wind Invest, Dunowo Megawatt, Dargoleza Windcom, Zarnowiec Gniewino Wind Farm, Zarnowiec
500 250 250 240 111 90

Quelle: Starkstromnetzbetreiber PSE Operator

Weitere Vorhaben stammen von der Gesellschaft Wento (Investment-Fonds Fundusz Enterprise Investment), die Windparks für rund 200 Mio. Euro errichten will. Die Turbinen mit einer Kapazität von mehreren Hundert MW sollen später zum Beispiel an polnische Energiekonzerne verkauft werden.

Kontaktanschrift:

Polnische Vereinigung der Meereswindenergie:

Polskie Towarzystwo Morskiej Energetyki Wiatrowej

ul. Grunwaldzka 472, 80-309 Gdansk

Tel.: 004858/342 25 69

E-Mail: ptmew@ptmew.pl, Internet: http://www.ptmew.pl

(B.R.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Strom-/ Energieerzeugung, Wind

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Dr. Simon Bujanowski

‎0228/24993-260

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